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Stern-Combo Meissen

Stern-Combo Meissen

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1977
Besonderheiten/Stil: live; Klassikrock / Adaptionen; Klassischer Prog
Label:
Durchschnittswertung: 9/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Martin Schreier Drums
Bernd Fiedler Bass
Norbert Jäger Percussion
Thomas Kurzhals Keyboards
Reinhard Fißler Vocals
Peter Werneburg Keyboards

Tracklist

Disc 1
1. Der Kampf um den Südpol 8:54
2. Der Alte auf der Müllkippe 4:57
3. Mütter gehn fort ohne Laut 4:31
4. Eine Nacht auf dem kahlen Berge 10:19
5. Licht in das Dunkel 13:24
Gesamtlaufzeit42:05


Rezensionen


Von: Horst Straske @ (Rezension 1 von 3)


Während der glanzvollen Jahre des Progressive Rocks in den 70er Jahren war der kalte Krieg noch in vollem Gange und der eiserne Vorhang war nahezu undurchdringlich. Im musikalischen Sinne und auch in sonstigen Modeerscheinungen nahm der Westen aber auf jeden Fall einen Einfluß auf die Staaten des damaligen Ostblocks. So gab es dort ja ebenfalls ein paar Prog-Bands. Ich denke da jetzt einmal an die polnischen SBB und die ungarischen Solaris. Auch in der damaligen DDR gab es mit Stern-Combo Meissen, Electra und Lift Bands aus diesem Bereich.

Stern-Combo Meissen waren dabei die bekanntesten und erfolgreichsten Vertreter dieser Gattung. Im Jahr 1977 veröffentlichten sie ihr erstes Album, welches live in Nünchritz bei Riesa aufgenommen wurde. Meines Wissens bestehen von den Titeln dieses Albums überhaupt keine Studioversionen. Die Soundqualität dieses Livemitschnittes ist jedoch erstaunlich gut.

Es kann auf keinen Fall geleugnet werden, dass Stern-Combo Meissen von Emerson, Lake & Palmer beeinflußt waren. Der Keyboarder Thomas Kurzhals wird manchmal sogar als der sächsische Keith Emerson bezeichnet. Mit Lothar Kramer hatte man sogar ein zweiten Mann an den Tasteninstrumenten.

Der beste Titel namens "Der Kampf um den Südpol" steht gleich am Anfang. Es handelt sich hierbei um den unverwüstlichen Klassiker der Band schlechthin. Vertont wurde hier der tragische Wettlauf zwischen Amundsen und Scott um die Eroberung des Südpols, bei der ja Scott mit all seinen Leuten jämmerlich umgekommen ist. Dieses tragische Ereignis wird von der Musik und vom Text her ausgezeichnet umgesetzt. Markant sind das bereits erwähnte Keyboardspiel von Thomas Kurzhals und das sehr variable Baßspiel von Bernd Fiedler.

Es ist auch wirklich erstaunlich, wie es der Band damals gelang, an all das musikalische Equipment zu gelangen.

Nach diesem Klassiker kommt erst einmal ein qualitativer Einbruch in der Form des belanglosen "Der Alte auf der Müllkippe". Auch ein schon vom Text her ziemlich schwülstiger Titel namens "Mütter gehn fort ohne Laut" weiß keinesfalls zu begeistern.

Mit der Adaption des Werkes "Eine Nacht auf dem kahlen Berge" von Modest Mussorgski zeigt der Daumen aber wieder nach oben. Hier tritt man vollends in die Fußstapfen von ELP. Am Ende kommt sogar der hervorragende Sänger Reinhard Fißler kurz zum Einsatz. Die Umsetzung dieses klassischen Werkes gelingt Stern-Combo Meissen überaus gekonnt.

Der Titel "Licht in das Dunkel" schließt das Erstlingswerk von Stern-Combo Meissen ab. Dieses Stück beginnt mit schönen symphonischen Keyboards sehr vielversprechend. Der Gesang ist hier sehr pathetisch. An dieser Stelle muß man einräumen, dass es die Band hier mit ihrem Pathos ein wenig übertreibt. Vielleicht fällt einem all dies aber auch wegen der deutschen Texte einfach eher auf. Für eine Spielzeit von über 13 Minuten fehlen diesem Stück ein wenig die zündenden Ideen. Somit ist dies mal wieder ein Beweis dafür, dass der längste Titel keinesfalls auch der Beste sein muß.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Höhepunkte des Debüts von Stern-Combo Meissen "Der Kampf um den Südpol" und "Eine Nacht auf dem kahlen Berge" sind. Der Rest ist höchstens durchschnittlich und so ein schwülstiges Lied wie "Mütter gehn fort ohne Laut" zieht die Gesamtnote doch schon etwas nach unten. So etwas ist eigentlich eher Schlager mit einer Überdosis an Keyboards.

Ein Jahr später veröffentlichte die Band mit ihrem Konzeptwerk "Weißes Gold" ihr absolutes Meisterwerk.

Übrigens hat sich die Band ja vor einigen Jahren reformiert und gibt im Osten unserer mittlerweile wiedervereinten Republik sehr viele Konzert. Von einem neuen Studioalbum ist aber niemals die Rede.

Anspieltipp(s): Der Kampf um den Südpol, Eine Nacht auf dem kahlen Berge
Vergleichbar mit: ELP
Veröffentlicht am: 25.5.2002
Letzte Änderung: 25.5.2002
Wertung: 10/15

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Von: Holger Grützner @ (Rezension 2 von 3)


Tja, das war sie nun also.

Mit fast einem Jahr Verspätung erschien die Debut-LP der Stern Combo. Tatsächlich als Liveplatte mit minimaler Konzertatmosphäre, mit teilweise unausgereiften Songs in unglücklicher Reihenfolge. Kurz: Sie ist relativ mies, gleichzeitig aber auch ein Mahnmal kulturpolitischer Gängelei, wie sie üblich war ... damals ... in den 70ern ... in der international anerkanntesten DDR der Welt. Und das kam so:

1976 zeigte sich beim Politbüro ein Anflug von Verjüngungswillen: eine neue Generation junger Revolutionäre musste ran, damit der Sozialismus weiter siegen kann. Zuviel aussichtsreiches Kadermaterial gebärdete sich langhaarig und Ilja Richter drohte bekannter zu werden als Ilja Muromez. Textlich ungefährlicher Artrock schien geeignet, als geduldete Kunstform, den Köder abzugeben.

SCM sollten zu LP Ehren kommen. Die Band hatte durch ihre quadrophonen Konzerte auch ohne Platte bereits Supergruppenstatus. Artikel über die Band häuften sich.

Gelobt wurden in erster Linie die Adaptionen. Immer wieder fielen die Namen "Finlandia" und "Bilder einer Ausstellung" und dann kam der "Südpol" ins Radio. Die Platte blieb angekündigt und kam nicht. Stattdessen begann das "Neue Leben" (DDR-BRAVO) Autogrammadressen von Ostbands zu veröffentlichen. Ein Bekannter von mir schrieb an SCM die bange Frage, wo zum Teufel denn die Platte bliebe?!

Als Antwort erhielt er eine Art Flyer, auf dem stand wiederum, dass bald ein Livealbum erscheinen werde, mit Finlandia und Südpol und entweder der Rhapsody in blue oder Teilen aus Mussorgskis Bildern einer Ausstellung ...

... Monate vergingen ...

... dann war er da, der sogenannte Konzertmitschnitt. Ohne Finlandia. Ohne die Rhapsody. Aber immerhin mit dem "Südpol".

Und mit einem comicartigen Cover. Das war die kleine Sensation.

Es war das erste Livealbum der DDR Rockgeschichte. Das war die andere Sensation.

Der allzu brave Applaus allerdings klingt nicht nach Rockkonzert, sondern wie eingeübt. Sprechchor: "hey!hey!hey!" zu rhythmischem Händchenklatsch im Gleichschritt, sorry Gleichpatsch.

Den "Südpol" zum Opener zu machen ist auch nicht gerade ein genialer Gedanke gewesen, dafür ist die Nummer zu melancholisch. Die Platte krankt überhaupt an einer lustlos falschen Songreihenfolge. Keine Spannung, keinerlei Konzertdynamik.

Nach der Amundsen-und-Scott-Tragödie folgt "Der Alte auf der Müllkippe". Musikalisch der Versuch einer gitarrenlosen Artrockband in relativ kargem Arrangement zu rocken. Gelänge sogar fast - wenn der Text nicht wär'.

"Der Alte auf der Müllkippe" scheint mir der missglückte Versuch zu sein, auf Neil Youngs weinerlichen "Old Man" eine Art optimistischen Antwortsong draufreimen zu wollen, was hörbar keine Demmler-Sternstunde war. Es folgt "Mütter gehen fort ohne Laut". Lyrisch, sanft. Sozusagen SCMs "Dust in the wind". Extrem falsch platziert. Zwischen den beiden B-Seiten-Bombastnummern hätte es seine wahre Wirkung entfalten können. Auf der A-Seite aber sind "die Mütter" der dritte Track und der zweite Stilbruch.

Man dreht die Platte um und hört nun erst so richtig, warum diese Band berühmt wurde. Eine Nacht auf dem kahlen Berg. Mussorgski. SCM spielen eng an der klassischen Vorlage, aber dynamischer als jeder Philharmonikertrupp.

Danach wieder: "Hey! Hey! Hey!" Patsch!Patsch!patscht das Publikum und es erklingt das mächtige Intro zu "Licht in das Dunkel". Für mich das problematischste Stück der Platte. Als Instrumental ginge es in Ordnung: Wachgerüttelte Tangerine Dream mit Squire Bass.

Schon auf der Hülle der Platte im Begleittext wird darauf hingewiesen, dass es sich hier um eine Warnung vor Missbrauch wissenschaftlicher Erkenntnisse handeln soll. Unnötiger Hinweis! Fißler ist nicht mißzuverstehen. Er singt ein pseudoreligiöses Rezitativ mit bestellten Demmlerphrasen. Pointe: "hier steh ich nun, halte den Brand in meiner Hand (?) und für immer abgeschlagen sei jener Pilzkopf auf dem Licht!"

Hurra, ein Auftragswerk! "Unsere Tanz-und Unterhaltungskunstschaffenden bannen die Bombe!" Propagandarock - ausgerechnet von dieser Band! NATO resigniert - SCM agitiert!

So hatten bereits Pantha rhei, Lift, Puhdys, Renft trotz westlich langer Haare ihren östlichen Klassenstandpunkt musikalisch in Soli-Beat-Gesängen unter Beweis stellen müssen.

Vor 1975!

Da glaubte man 1977/78 die Kinderkrankheiten des Ostrock endlich hinter sich zu haben - und dann so ein Rückfall auf einer Platte, die doch in ganz anderer Hinsicht Sensation sein wollte! Immerhin, der Text ist kurz und man hat ihn bereits nach dem ersten Drittel des Stückes hinter sich. Dann folgt ausgedehnte Tastenakrobatik mit besagtem Bassfundament. Hey!Hey!Zu!Ga!Be!Zu!Ga!Be!...wird zügig ausgeblendet. Bin bis heute nicht sauer drüber. Aber ich war es in Bezug auf die Band.

Das war nun das große Ding, was da kommen sollte?

Auf jeder LP Seite ein ernstzunehmender 7minüter gefolgt von Fragwürdigkeiten?

Zeitsprung: 1996 erfolgte ganz ohne Publicity doch noch die Veröffentlichung des "eigentlichen" Debuts. Ebenfalls live, aber mit 5 Tracks, die dem Ruf der Band gerechter geworden wären.

Seitdem kommt den beiden B-Seiten-Titeln dieser Platte hier eine ganz andere Bedeutung zu: Wer sein halbes Repertoire zusammenstreichen muss und dann ausgerechnet diesen Mussorgskitrack auswählt, um doch noch eine erste LP genehmigt zu kriegen, der will KAHLschlag auf dem AbraumBERG und LICHT in das DUNKEL der DDR Kulturpolitik zumindest andeuten.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.8.2003
Letzte Änderung: 10.4.2013
Wertung: 7/15

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Von: Thoralf Koss @ (Rezension 3 von 3)


Mir ist noch verdammt gut in Erinnerung geblieben, wie sehr mich diese LP vom Hocker gehauen hat. Nicht nur die wirklich hervorragende Aufnahmequalität, auch die Spiellänge vieler Titel und die extreme Keyboard-Lastigkeit waren so im Osten Deutschlands noch nie da gewesen!

Darum muss ich wohl gerade Horst in viererlei Beziehung widersprechen:

1. Die Titel "Kampf um den Südpol" und "Der Alte auf der Müllkippe" (wirklich ein miserabler Titel) sind auch als Studioversionen erhältlich, und zwar auf der CD "STERN-COMBO MEISSEN - Die Hits".

2. "Mütter gehn fort ohne Laut" ist eine fantastische Ballade, die wirklich nicht mit Schlagern zu vergleichen ist und bestimmt jedem, der vielleicht Erfahrungen mit dem Sterben naher Verwandter gemacht hat, sehr überzeugend erscheinen muss.

3. "Licht in das Dunkel" besitzt eine Aura, die wirklich pathetisch ist, aber deswegen nicht unbedingt als schwacher Titel dasteht. An dieser Art von Pathos merkt man unweigerlich, dass die Band zu dieser Zeit voll hinter ihrer Musik stand und das überzeugend auf der Bühne umzusetzen vermochte. Darum für mich ein gutes Beispiel in der Tradition hochwertigen DDR-Art-Rocks der 70er-Jahre! Und selbst der Text, lieber Holger (Ja, auch du bekommst dein Fett weg ;-), ist wirklich kein Polit-Rock, trotz anfänglicher Irritationen. Irgendwie klangen die Worte für mich - ein eingemauertes und von der Zensur umgebenes Kerlchen - eher wie ein Aufruf, sich als Mensch seiner Freiheit zu besinnen und die staatlich verordnete Dunkelheit zu durchschauen - auch wenn dafür ein religiöses Grundmotiv gewählt wurde.

4. Gemeinsam mit Lift und Electra haben Stern-Combo Meissen 1999 einen Live-Mitschnitt von ihren Konzerten als "Sachsendreier" veröffentlicht.

Das Album selber gehört auf jeden Fall mit zu den absoluten Veröffentlichungs-Höhepunkten von AMIGA während der 70er-Jahre!

Anspieltipp(s): Neben Horsts Empfehlungen ruhig auch mal in "Mütter gehn fort ohne Laut" hineinhören.
Vergleichbar mit: Kaipa "Inget Nytt Under Solen" (Wirklich - besonders Titel 3)
Veröffentlicht am: 30.9.2006
Letzte Änderung: 16.3.2012
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Stern-Combo Meissen

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1978 Weißes Gold 12.00 2
1979 Der Weite Weg 12.00 1
1980 Reise zum Mittelpunkt des Menschen 12.00 3
1982 Stundenschlag 10.00 2
1996 Live 13.50 3
1996 Hits - 1
2004 40 Jahre 6.00 1
2011 Lebensuhr 10.00 1
2015 Bilder einer Ausstellung - The Rock Version - Live 10.00 1

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