SUCHE
Erweiterte Suche
NEUE REZENSIONEN
22.10.2017
ARCN TEMPL - Emanations Of A New World
Sons of Apollo - Psychotic Symphony
21.10.2017
Schnellertollermeier - Rights
Soup - Remedies
Algaravia - Breve E Interminável
Robert Schroeder - Cygnus-A
Drifting Sun - Twilight
Marillion - Living in F E A R
19.10.2017
My Soliloquy - Engines of Gravity
Liquid Orbit - Liquid Orbit
John Zorn - Simulacrum
18.10.2017
Amorphis - My Kantele
Reckoning Storm - The Storm Engine
17.10.2017
Aquaserge - laisse ça être
Southern Empire - Southern Empire
TNNE - Wonderland
16.10.2017
Pere Ubu - 20 Years in a Montana Missile Silo
Nump - Sun is cycling
ARCHIV
STATISTIK
23977 Rezensionen zu 16376 Alben von 6364 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Stern-Combo Meissen

Weißes Gold

(Siehe auch: Leitfaden "Deutscher Prog der 70er Jahre")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1978 (Neuveröffentlichung als CD bei "Buschfunk")
Besonderheiten/Stil: mit Orchester; Konzeptalbum; Klassischer Prog
Label: Amiga
Durchschnittswertung: 12/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Martin Schreier leader
Thomas Kurzhals keyboards
Norbert Jäger percussion, vocals
Reinhard Fißler solo vocals
Lothar Kramer keyboards, vocals
Werther Lohse drums, solo vocals
Bernd Fiedler bass

Gastmusiker

Sinfonieorchester der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin
Horst Förster Leiter
Chor des Wachregiments "Feliks Dzierzynski" Berlin
Ernst Kahler Sprecher

Tracklist

Disc 1
1. Ouvertüre 8:17
2. Der Traum 1:47
3. Des Goldes Bann 2:20
4. Der Goldmacher 2:30
5. Die Flucht 4:11
6. Zweifel 9:01
7. Die Erkenntnis 5:23
8. Weißes Gold 3:56
9. Der Frühling

1. Allegro 5:09
2. Largo 2:34
3. Presto 4:36

  (aus dem Concerto op. 8 "Die vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi; Bonustitel der CD-Ausgabe)
12:24
Gesamtlaufzeit49:49


Rezensionen


Von: Horst Straske @ (Rezension 1 von 2)


Mit "Weißes Gold" veröffentlichten Stern-Combo Meissen 1978 ein überaus ambitioniertes Konzeptalbum. Im Mittelpunkt dieses Werkes steht der Alchimist Johann Friedrich Böttger (1682-1719), der bei dem Versuch Gold herzustellen 1709 das erste weiße Porzellan in Europa erfand, das sogenannte "weiße Gold". In China war Porzellan aber schon bereits seit dem 7. Jahrhundert n. Chr. bekannt.

Da ein Großteil des Albums instrumental ist, wird die abenteuerliche Geschichte der europäischen Entdeckung des Porzellans von einem Erzähler vorgetragen. Weil diese Passagen sehr effektvoll von Musik untermalt werden, kommt kein langweiliger Hörspielcharakter auf. Die Stimme des Erzählers bildet regelrecht eine Einheit mit der Musik und verschmilzt mit dieser.

Der Band gelingt es perfekt eine Mischung aus Elementen der (Prog-)Rockmusik und klassischer Musik zu schaffen. Da auch "Weißes Gold" sehr keyboardorientiert ist, können wiederum Vergleiche zu ELP gezogen werden. Die Musik von Stern-Combo Meissen ist hier aber wesentlich symphonischer als die von ELP.

Mit der über acht Minunten langen Ouvertüre beginnt das Album äußerst stimmungsvoll, ja geradezu mystisch. Nach der kurzen Einleitung durch den Erzähler treten dynamische Keyboards auf, welche an einigen Stellen von klassischen Bläsern und Streichern perfekt ergänzt werden. Mit leicht jazzigen Keyboardkaskaden klingt die Ouvertüre aus. Nach einem kurzen Übergang in der Form des Titels "Der Traum" setzt mit "Des Goldes Bann" erstmals Gesang ein. Dabei wird das Streben des Menschen nach materiellen Gütern und Reichtum angeprangert.

Der folgende Titel "Der Goldmacher" wird gänzlich durch den Erzähler bestimmt. Im Hintergrund hört man eine Neufassung des Keyboarders Thomas Kurzhals von einem Werk des Barock-Komponisten Johann Kuhnau. Es wird hier der Adel kritisiert, welcher sich aus reiner Geldgier der angeblich alchimistischen Fähigkeiten des Johann Friedrich Böttger bedienen wollte, während das Volk in bitterer Armut lebte. Diese Kritik am Despotismus ist zwar nicht unberechtigt, aber man merkt hier schon eine etwas sozialistische bzw. kommunistische Einfärbung. Der Kapitalismus wird sozusagen als Quelle allen Übels angesehen.

Die erste Seite der LP wird überaus dynamisch mit dem Titel "Die Flucht" beendet, welcher wiederum von den wunderbaren alten analogen Keyboards dominiert wird. "Die Flucht" gehört zu den absoluten Höhepunkten des ganzen Albums.

Nach der gelungenen Flucht vor dem preußischen König befand sich Böttger schließlich im Gewahrsam ("im Dienste") des sächsischen Kurfürsten August des Starken. Mit dieser Information beginnt die zweite Seite der LP in Form des Titels "Zweifel", welcher sehr atmosphärisch angelegt ist und einen schönen Kontrast zum vorangegangenen etwas hektischen "Die Flucht" bildet. Außer kurzem mehrstimmigen Gesang am Anfang ist auch "Zweifel" wiederum überwiegend instrumental. Es sind hier auch wieder klassische Streich- und Blasinstrumente zu hören, welche sich jedoch im Gegensatz zum Keyboardbombast im Hintergrund halten.

Der folgende Titel "Die Erkenntnis" fällt durch sein effektvolles Baßspiel und seine interessante Percussion auf. Der zweite Solosänger Werther Lohse läuft hier stimmlich zur Hochform auf.

Langsam wird dann zum großen Finale eingeleitet. Mit dem abschließenden "Weißes Gold" ziehen Stern-Combo Meissen noch einmal alle Register ihres Könnens. Hier ist das klassische Orchester dominanter als im vorangegangenen Teil. Mit klassischen Pauken findet "Weißes Gold" dann sein bombastisches Ende.

Mit dieser perfekten Verschmelzung aus Progrock bzw. Artrock und Klassik liegt in meinen Augen das beste Album von Stern-Combo Meissen vor. Manchen potentiellen Hörern mag möglicherweise die Tatsache ein wenig abschrecken, dass ein Großteil der Handlung von einem Erzähler vorgetragen wird. Diese Passagen machen aber nur einen kleinen Teil der Platte aus und ich finde sie keinesfalls als störend.

Somit liegt hier einer der Höhepunkte des deutschen Progrocks der 70er Jahre vor. Auch im internationalen Vergleich liegt man im vorderen Bereich. Daher sind hierfür auf alle Fälle 14 Punkte angebracht.

Anspieltipp(s): alles
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.5.2002
Letzte Änderung: 21.1.2007
Wertung: 14/15

Zum Seitenanfang

Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 2)


Nun ja, ein bisschen sehr theatralisch, pathetisch und bombastisch ist das Ganze schon, sowohl musikalisch als auch textlich. Immerhin lässt das vielseitige Spiel der beiden Keyboarder das Fehlen eines Gitarristen zu keiner Zeit als Manko erscheinen. Auch Chor und Orchester sind recht geschmackvoll in die Musik integriert und kleistern diese nicht so zu wie es manchmal bei Rick Wakeman der Fall ist. Aber an machen Stellen wird mir die Mischung aus bombastischer Musik und den etwas schwülstigen Texten (mit ideologischer Einfärbung, vgl. die Besprechung von Horst) doch zu viel. Dennoch insgesamt eine gute Platte, aber zu den "Höhepunkten des deutschen Progrocks der 70er" würde ich an Produktionen aus der damaligen DDR eher Lifts "Meeresfahrt" zählen.

Die CD-Ausgabe enthält als Bonus eine Interpretation des "Frühling" aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten", die mit ihren überwiegend elektronischen Klängen etwas an die Klassikbearbeitungen des Japaners Tomita erinnert.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.12.2005
Letzte Änderung: 23.12.2005
Wertung: 10/15

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Stern-Combo Meissen

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1977 Stern-Combo Meissen 9.00 3
1979 Der Weite Weg 12.00 1
1980 Reise zum Mittelpunkt des Menschen 12.00 3
1982 Stundenschlag 10.00 2
1996 Live 13.50 3
1996 Hits - 1
2004 40 Jahre 6.00 1
2011 Lebensuhr 10.00 1
2015 Bilder einer Ausstellung - The Rock Version - Live 10.00 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2017; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum