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Between the Buried and Me

The Parallax: Hypersleep Dialogues

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Mathrock; Metal; Progmetal
Label: Metal Blade Records
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Tommy Rogers vocals, keys, lyrics
Dan Briggs bass
Blake Richardson drums, percussion
Paul Waggoner guitar
Dustie Waring guitar

Tracklist

Disc 1
1. Specular Reflection 11:21
2. Augment of Rebirth 10:19
3. Lunar Wilderness 8:22
Gesamtlaufzeit30:02


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß


Wenn ein Album „The Parallax: Hypersleep Dialogues“ betitelt ist, dann muss man nicht lange raten, was einen hier erwarten könnte. Wenn es keine SciFi-Elektronik ist, dann wird es wohl wirres Instrumentalgewitter der härteren Sorte sein... korrekt! Ein Titel dieser EP – der Opener „Specular Reflection“ - lief in der [progrock-dt]-Radioshow und ließ mich nicht mehr los, obwohl ich es eigentlich hassen sollte (dazu später mehr).

Between the Buried and Me haben sich in der Extrem-Metal-Mathrock-Szene in den 11 Jahren ihres Bestehens durchaus einen Namen gemacht. Mir war die Band bisher unbekannt, da dies nun nicht unbedingt 'meine' Szene ist. Mit „The Parallax: Hypersleep Dialogues“ stellen sich die Amerikaner bei ihrem neuen Label vor und legen zugleich die Basis für ihr kommendes Studioalbum, welches quasi der zweite Teil zu dieser EP sein soll. Der Storyplot liest sich so: „Im Mittelpunkt stehen zwei menschliche Charaktere, die auf zwei verschiedenen, Millionen Lichtjahre voneinander entfernten Planeten leben. Jeder von beiden wird konfrontiert mit eigenen persönlichen Angelegenheiten, mit denen sie rechnen müssen. Beide Personen fallen Entscheidungen, die ihr Leben verändern, und vielleicht sogar das ganze Universum. Das Nachfolgealbum nimmt diesen wieder auf. Dank einer Reise in Lichtgeschwindigkeit treffen sich beide Personen und erfassen zusammen ihre Rolle, die sie im Universum spielen.“ So, noch Zweifel, dass es hier um Prog geht?

Die Musik auf „The Parallax: Hypersleep Dialogues“ ist in jeder Hinsicht extrem. Die beiden Gitarristen flechten ein ungeheuer dichtes Riffnetz, aus dem immer wieder einzelne Licks und Soli wie Kobra-Bisse hervorschnellen. Der Bass grummelt im Untergrund und spielt schnelle, durchaus melodische, Linien und der Schlagzeuger trommelt sich ein Break- und Fill-Gewitter mit reichlich Double-Bass-Gedonner an der Grenze des physisch Leistbaren aus den Rippen. Der Hörer krümmt sich förmlich unter dem Dauerbeschuss vertrackter, komplizierter Musik-Konstrukte (von „Songs“ oder „Tracks“ mag man hier nicht reden).

Aber Between the Buried and Me gehen noch einen ganzen Schritt weiter, was die ganze Sache erst so richtig spannend macht. Ohne Rücksicht auf Verluste werden ruhige Passagen, die schon mal ein bisschen an Pink Floyd erinnern, jazzige Einlagen, chansoneske Momente, ja, Kirmesmusik und Polkapassagen eingebaut. Der Geist von King Crimson durchweht das Inferno. Und das alles fügt sich ausgesprochen organisch ineinander. Man höre nur mal das düster-dramatische Klavierintro zum Opener, welches gut in ein Gothic-Album münden könnte, und dann den abgedrehten Übergang in den Metalbereich, ein Moment für die Ewigkeit. Wie überhaupt Sänger Rogers seine Keyboardparts geschickt in die Musik einbaut. Hier wird der technische, SciFi-Charakter immer sanft(naja) unterstrichen und nicht mit Flächen zugekleistert. Die Musik auf „The Parallax: Hypersleep Dialogues“ wirkt auf den Punkt strukturiert und komponiert, fast erschreckend durchdacht, ohne dabei aber an Schwung und Kraft zu verlieren.

Der Knackpunkt im instrumentalen Schlaraffenland ist der Gesang... Tommy Rogers kann wunderbar klar singen und diese Passagen sind dann auch stimmungsvolle Höhepunkte des Albums, aber die sind selten. Meistens schreit, brüllt, bellt, growlt er ganz fürchterbar. Das ist für mich eigentlich ein sofortiges „No-Go“, weswegen ich diese EP normalerweise nicht mit spitzen Fingern anfassen würde (siehe Rezi-Anfang, ich müsste es hassen). Aber... Between the Buried and Me vollbringen als erste Band das Wunder, dass ich diese Art des 'Gesang'-Vortrags zwar nicht unbedingt lieben gelernt habe, aber er zerstört das Vergnügen an der Darbietung nicht. Im Gegenteil, passagenweise klingt das einfach so, als muss es eben so sein.

Between the Buried and Me knallen mit „The Parallax: Hypersleep Dialogues“ einen fetten Brocken hochanspruchsvoller (vor allem an die Belastbarkeit des Hörers) harter Musik mit allerlei Schreigesang hin, der nicht so leicht verdaulich, aber schließlich umso begeisternder, ist. So ist man auch nach 30 Minuten schon einigermaßen geplättet, aber auch süchtig nach mehr. Vielleicht die Einstiegsdroge für Prog-Fans, die hier bislang lieber außen vor geblieben sind.

Randbemerkung: „Schon wieder drei Metal-Rezensionen in Folge“ höre ich Euch stöhnen (zur Erklärung, falls diese Rezension in Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren gelesen wird: Am 23./24. Juni 2011 beschäftigten wir uns nacheinander mit Protest The Hero, Time Zero und eben dieser EP hier). Sorry, kommen auch wieder andere Zeiten, aber wenn man von Zeit zur Zeit (u.U. horizonterweiternde) musikalische Extremerfahrungen machen will, dann muss man schon mal in Richtung 'Avantgarde' oder technischem (Extrem-)Progmetal seine Fühler ausstrecken... macht im übrigen auch ordentlich Spaß!

Anspieltipp(s): ach was, einfach durch
Vergleichbar mit: Protest The Hero, Meshuggah, TesseracT, The Dillinger Escape Plan
Veröffentlicht am: 24.6.2011
Letzte Änderung: 24.6.2011
Wertung: 12/15
Message to Nik: Das tritt auch ordentlich Arsch, antesten!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Between the Buried and Me

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2007 Colors 12.00 1
2009 The Great Misdirect 13.00 1
2012 The Parallax II: Future Sequence 14.00 1
2015 Coma Ecliptic 13.00 2
2018 Automata I 11.00 1

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