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Nihiling

Egophagus

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; ArtPop; Independent / Alternative; Postrock
Label: Abandon Records
Durchschnittswertung: 9/15 (1 Rezension)

Besetzung

Gorka Morales Gesang, Gitarre
Alex Steinmetzer Bass, Gesang
Andreas Höfler Gitarre
Felix Eggert Gitarre
Jan Hendrik Schnoor Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. The Antagonist 4:07
2. Particle 6:05
3. Minnows 2:44
4. Demise 6:55
5. Sirens 8:16
6. Letter To Señor Iraola 1:33
7. Precious Hosts 3:30
8. Once In Every 12 Million Years 6:26
9. Syzygy 2:02
10. 3dogs 6:15
Gesamtlaufzeit47:53


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Nihiling aus Hamburg legen nun also mit "Egophagus" ihr Zweitwerk vor. Dem Hörensagen nach soll es sich bei diesem Werk um ein Konzeptalbum handeln, aber den genauen Inhalt davon lässt man bei der Beurteilung der Musik ja gerne mal außen vor.

Das eröffnende "The Antagonist" fährt noch die üblichsten aller Postrock-Zutaten auf, dass es fast wie ein Vokabeltest des Genres wirkt: Angezerrte Gitarrensounds, mit ordentlich Hall unterlegt, verspieltes Schlagzeug und trotzdem ein gerader Takt, eruptive Steigerung innerhalb des Songs und eine im Großen und ganzen Jam-artige Atmosphäre. So kennt man's seit den frühen Explosions-In-The-Sky-Alben, und wirklich weiter hat sich dieser Stil seitdem leider nicht entwickelt. Aus diesem Grund können Nihiling auch schon im folgenden "Particle" mit recht wechselvollem, teils sogar weiblichem Gesang und einer netten (und echten) Polyrhythmik-Passage gegen Ende auch schon auf der Einfallsreichtum-Skala punkten. Erst "Once In Every 12 Million Years" ist wieder komplett instrumental, und entsprechend sind einige Passagen davon deutlich zu lang geraten.

Das Einbringen von Gesangseinsätzen führt dann auch dazu, dass man sich im Verlauf des Albums von der eingangs genannten Problematik weitestgehend freischwimmt. Es zeigt sich wieder einmal, dass Gesangspassagen hervorragend dazu geeignet sind, Musikstücke zu strukturieren und ihnen die Formlosigkeit, die vielen derartigen Jam-Nummern anhaftet, zu nehmen. Ein großer Vorteil ist dabei noch die Wechselhaftigkeit der auf "Egophagus" gebotenen Gesangsstile: Die Palette reicht von genreüblichen Harmoniegesängen bis zu verzerrtem Extrem-Geschrei. Etwas unvorteilhaft sind dabei ab und an die männlichen Soloparts, in denen Sänger Gorka Morales klanglich bei einigen Wendungen bisweilen in die Nähe eines gewissen Frank Bornemann rückt (Beispiel: "Particle"). Ansonsten wird das Material durch die Gesangseinsätze durchgehend auf das Niveau hinlänglich bekannten Alternative-Progs gehoben, wie man ihn z.B. von den neueren The Gathering kennt. Ab und an kommen mir auch noch "richtige" Alternative-Bands wie z.B. die Deftones in den Sinn, aber dieser Vergleich zieht nur in den härteren Augenblicken.

Mit dem Gesang nimmt dann auch die Musik eigenständigere Bahnen ein. Ein schönes Beispiel dafür ist das gelungene "Precious Hosts", dessen verhaltenen Bombast auch dem klassischen Proghörer gefallen sollte. Dieser sollte dann aber freilich von den "Ausbruchs"-Passagen abgeschreckt werden, in denen der genannte Schreigesang zum Einsatz kommt. Zwischenzeitlich gibt es sogar noch völlig untypische Klänge. Ein Beispiel ist das ätherische "Minnows", in dem weiblicher Hauchgesang in der Art von den Cocteau Twins mit luftigen Spieluhrklängen unterlegt wird. Ein anderes ist das abschließende "3dogs", in dem einige Passagen mit elektronischem Rhythmus und sparsamer Instrumentierung glatt im ArtPop-Bereich verortet werden können. Auch das Musical-artige Pathos von "Demise", das mich ganz entfernt an die Nummer "The Perennial Sophia" vom Therion-Album "Gothic Kabbalah" erinnert, muss ich lobend erwähnen.

Kritisieren lässt sich an "Egophagus", dass den meisten Stücken die Abwechslung dann bezogen auf das Tempo doch noch fehlt. Alles ist trottend-langsam gehalten, was auf Albendistanz immer etwas problematisch ist. In seiner Gesamtheit geht "Egophagus" damit zum Ende hin ein wenig die Luft aus, weil man am Ende vieles schon mal gehört zu haben glaubt. Das liegt sicher auch daran, dass das Album trotz besagter Schrei-Passagen insgesamt doch relativ ruhig ausgefallen ist. Jedoch kann ich den fünf jungen Damen und Herren bescheinigen, hier zumindest nichts großartig verkehrt zu machen. Ein bisschen spannender und aufgeregter darf man Musik aber schon inszenieren, auch im Herbst.

Anspieltipp(s): Particle, Precious Host, Demise
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.10.2011
Letzte Änderung: 10.10.2011
Wertung: 9/15

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