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Stern-Combo Meissen

Lebensuhr

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2011
Besonderheiten/Stil: ArtPop
Label: BuschFunk Musikverlag
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Robert Brenner Bass, Gesang
Marek Arnold Keyboards, Saxofon
Larry B. Gesang
Thomas Kurzhals Keyboards
Frank Schirmer Schlagzeug
Martin Schreier Gesang, Percussion

Gastmusiker

Rainer Oleak Gitarre
Andreas "Andy" Wieczorek Flöte
Reinhard Fißler Gesang
Werther Lohse Gesang
Stephan Trepte Gesang
Peter "Mampe" Ludewig Gesang
Dirk Zöllner Gesang
Tina Rodgers Gesang

Tracklist

Disc 1
1. Das kurze Leben des Raimund S. 04:06
2. Es geht die Zeit 06:01
3. Die Zeder von Jerusalem 04:06
4. Lebensuhr 05:15
5. Deines Geistes Glas 05:27
6. Ein Tag, ein Jahr, ein Leben 04:18
7. Der zweite Blick 03:05
8. Reiter der Nacht 03:18
9. Verlieren ist sinnlos 04:00
10. Ewigkeit 03:35
11. Mal seh's wohin die Reise geht 05:52
12. TNTK Part I & II 07:21
13. Zeugen dieser Zeit 03:35
14. So geseh'n 03:34
15. Prima Klima 03:35
16. Waldesstille 02:57
17. Gelbe Elbe   (Bonustrack) 01:55
Gesamtlaufzeit72:00


Rezensionen


Von: Thoralf Koss @


Noch nie war ein Titel für ein Musik-Album so zutreffend wie dieser: "Lebensuhr"! Diese "Lebensuhr" schien für die Stern-Combo Meissen längst abgelaufen zu sein - zumindest aus Sicht einer neuen Studio-CD, nachdem man sich mit den beiden recht gruseligen Pop-Alben "Taufrisch" (1985) und "Nächte" (1987) von der Studio-Bühne verabschiedet hatte. Oder fällt jemandem eine andere Band ein, die sich für ihr "neues" Album, das zum Glück wieder deutliche "ältere" Bezüge aufweist, 24 Jahre Zeit lässt?

Die Stern-Combo Meissen hatte sich in den 80er Jahren nicht nur von der "Combo" in ihrem Namen, sondern auch von der Musikrichtung, die ihren eigentlichen Status ausmachte und sie zu einer Legende in der DDR werden ließ, nämlich dem Art-Rock (Den man in DDR-Sprech natürlich Kunst-Rock nennen musste!), verabschiedet. Wohl bis heute haben ihnen das ihre Fans der ersten Stunde nicht verziehen und für diese Hartgesottenen (Auch ich zähle mich dazu!) galt der neue Sänger, der sich IC nannte, wohl als eine Abkürzung für I(dentify) C(onflict) (Identitäts-Konflikt).

Doch glücklicherweise ging nicht nur die Zeit ins Land und es fiel eine Mauer, sondern auch die Sterne aus Meißen besannen sich wieder auf ihre Combo-Zeiten, formierten sich neu und holten den alten Sänger Reinhard Fißler zurück, bis der von der gleichen schrecklichen Krankheit wie Stephen Hawking und Jörg Immendorf heimgesucht wurde - der ALS (Amyotrope Lateralsklerose = unheilbare degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems), die ihn nunmehr bis auf seinen Kopf komplett bewegungsunfähig gemacht hat! Und trotzdem schreibt genau dieser Reinhard Fißler auf "Lebensuhr" Geschichte - eine unglaubliche! Doch dazu später.

Ausgelöst durch Fißlers Schicksalsschlag war die Stern-Combo gezwungen, mehrere personelle Umbesetzungen für ihre Live-Darbietungen, die sie endlich wieder größtenteils mit ihren frühen Klassikern ("Kampf um den Südpol", "Weißes Gold", "Die Sage", "Eine Nacht auf dem kahlen Berge", "Der Frühling" usw.) umsetzten, vorzunehmen. Die schlimmste Entscheidung dabei war wohl, IC wieder in die "Combo" zurück zu holen, da sie ab diesem Zeitpunkt plötzlich ein wenig wie die Begleitband eines Solo-Künstlers namens IC klangen, der zwar schöne Lieder schreiben und singen konnte, aber dem das Progressive nach wie vor am Allerwertesten vorbeiging.

Und so musste es wohl zu dem radikalsten Schnitt innerhalb der Band kommen, um weiter mit gutem musikalischen Gewissen überleben zu können.

Norbert Jäger, einem der Gründungsmitglieder der Stern-Combo Meissen, der leider vor kurzem wegen persönlicher Probleme die Band aus eigenem Willen verlassen musste, war durch einen Bekannten zufällig auf die Band Toxic Smile gestoßen. Seine Begeisterung über deren erste CD "M.A.D." führte dann zu einer Kontaktaufnahme mit Marek Arnold und bereits auf der zweiten Toxic-Smile-CD "Retrotox Forte" steuerte Norbert Jäger einige Percussion-Einlagen bei. Doch besonders die darauf folgende DVD "Toxic Extension" zog ihn dann vollkommen in ihren Bann. Auf dieser DVD interpretieren die deutschen Progmetaller ihre eigenen Songs mit klassischen Musikern so eindrucksvoll, dass der unmittelbare Wunsch aufkam, nach und nach erst den Sänger Larry B., dann den Bassisten Robert Brenner und zuletzt den TS-Kreativkopf, Keyboarder und Saxofonisten Marek Arnold, in die Band zu holen. Parallel verband sich damit auch der Wunsch, mit dieser "zweigeteilten Band" (die eine Hälfte Musiker der DDR-Stern-Combo und die andere Toxic Smile) endlich wieder eine Studio-CD aufzunehmen, die nunmehr in ihrer ganzen 75-minütigen Schönheit vor mir liegt. Liebevoll in einem Digipack verpackt, mit tollem Booklet gestaltet, aber musikalisch ein Wechselbad voller Licht und Schatten. Manchmal hat der Hörer den Eindruck, dass "Lebensuhr" ein musikalischer Kompromiss geworden ist, der einerseits die alten Fans bei der Stange halten und andererseits die neuen (oder alten IC-)Fans nicht verschrecken will. Damit weist die "Lebensuhr" zugleich am ehesten Parallelen zu ihrem anderen "Übergangsalbum" aus dem Jahr 1982, wo ebenfalls ein Zeitbegriff den LP-Titel ausmacht, auf: "Stundenschlag".

Leider besitzt die Stern-Combo auf "Lebensuhr" noch nicht den Mut, die Möglichkeiten, die sich durch die Neubesetzung eröffneten, auch auf ihrem Album zu verwirklichen. Etwas mehr Toxic Smile und etwas weniger IC-Stern-Meißen wäre mir da schon lieber gewesen. Der Hauch von "Kampf um den Südpol" oder grandioser Adaptionen fehlt auf "Lebensuhr" leider gänzlich - geschweige denn die Hoffnung auf Parallelen zu dem wohl wahren Klassiker der Band "Weißes Gold", ein Konzeptalbum allererster Güteklasse, muss man bei dieser CD noch begraben.

Doch wer weiß, was die Zukunft bringen wird, wenn sich die Sterne endlich wieder auf ihre wahren alten Stärken besinnen. Ich traue es ihnen tatsächlich zu, auch wenn ich bei dem Bonustitel "Gelbe Elbe", der doch besser bei der Hitparade der Volksmusik zur Blödmannbelustigung aufgeführt werden sollte, einen starken Brechreiz verspüre. Übrigens fand und finde ich dieses "lustige" Ende auch bei den Konzerten nach wie vor nur peinlich und als unrühmlichen Abschluss für ein Live-Erlebnis, das sogar das komplette "Weiße Gold" beinhaltete.

Neu an der Musik ist, dass durch Marek Arnold auch ein weiteres Instrument die Stern-Musik bereichert - das Saxofon. Gerade durch diese leichten Ausflüge in zarte Jazz-Gefilde erhält das Album einen besonderen Reiz, der manchmal sogar nötig ist, um einige der arg poplastigen Nummern gerade so noch zu retten. Aber auch eine Komposition (Leider die einzige!) von Robert Brenner, dem Bassisten, sticht aus dem Album hervor, da "Deines Geistes Glas" nicht nur als Text locker fast die komplette Norbert-Kaiser-Lyrik aussticht, nein, besonders die musikalische Intensität dieses Songs, der ein wenig auch die Dimension von Van Der Graaf Generator erreicht, lässt einen nicht nur aufhorchen, sondern auch verblüfft darüber nachdenken, wie die Stern-Combo doch von solchen "jungen" Musikergrößen profitieren kann. Und selbst die zwei Verse aus "Deines Geistes Glas" sollten für die zukünftiger Stern-Combo Programm sein: "Frag nicht, wie es weiter geht / Geh' halt los, du wirst ihn finden - deinen Weg!"

Ja, liebe Stern-Combo Meissen, sucht weiter nach EUREM Weg und kommt vielleicht genau dort an, wo es ein alter Fan von euch im Gästebuch auf eurer offiziellen Homepage so treffend feststellte. Ein Rat eben, nicht von mir, sondern von euren alten Fans, der darum hier noch einmal komplett wiedergegeben werden soll, da er mir voll und ganz nicht nur aus dem Herzen, sondern auch aus der musikalischen Seele spricht!

"Liebe 'Sterne', endlich habe ich auch das neue Album in Ruhe hören können. Als Fan der 'alten' Stern-Combo-Alben, besonders der beiden Konzeptalben ("Weißes Gold" =1978= & "Reise zum Mittelpunkt des Menschen" =1980= T.K.), finden sich für mich einige vielversprechende Songs darauf, auch wenn mir manche Lieder dann doch für meinen Geschmack zu modern klingen. Es ist trotzdem ein gutes, abwechslungsreiches Album geworden. Beim Surfen bin ich bei Deutsche Mugge aber auch auf das Interview mit dem neuen Keyboarder Arnold gestoßen und habe mir daraufhin das Album 'The?Book' (Anmerkung: Das Konzeptalbum THE?BOOK erschien parallel zu dem neuen Album der Stern-Combo Meissen und ist ein Album, das unter der Federführung von Marek Arnold mit einer seiner weiteren Bands, Seven Steps To The Green Door, entstand! T.K.) bestellt. Dieses hat mich sehr begeistert und ich möchte es allen Fans der Konzeptalben der Stern-Combo sehr empfehlen, das hätte zur Combo auch gut gepasst. Viel Erfolg mit der 'Lebensuhr' wünsche ich Euch und bis zum nächsten Konzert in meiner Nähe, Gerald"

Dem gibt es nichts hinzuzufügen! Außer dem anfangs versprochenen PS, welches sich auf Reinhard Fißler bezieht - also, los geht's:

Es gibt noch einen zweiten Titel, der auf "Lebensuhr" deutlich hervorsticht: "Mal seh'n, wohin die Reise geht". Der Song wurde von dem todkranken Reinhard Fißler komponiert, arrangiert, getextet, gemixt und eingesungen, wobei ihm als zusätzliche Sänger Werther Lohse (Lift, Sachsendreier), Stephan Trepte (electra, Reform, Sachsendreier), Peter "Mampe" Ludewig (electra, Sachsendreier), Dirk Zöllner, Tina Rodgers und natürlich sein von ihm längst als beste Wahl autorisierter Nachfolger Larry B. (Toxic Smile, Sachsendreier) zur Seite standen. Fißler steuerte dabei mit seinen Pupillen einen Computer, der ihm zu diesem unglaublichen Kunstwerk (Ja, genauso muss man es nennen: Kunstwerk!) verhalf. Dieser zerbrechliche Fißler-Gesang, der dann auch noch voller Ironie (trotz aller Todesängste) nicht nur die SCM-Geschichte aufarbeitet, sondern zugleich auch die aktuelle Politik, die Umweltzerstörung usw. auf's Korn nimmt, ist einfach nur ein genialer Abgesang eines genialen Sängers: "Und ich sing': 'Was bleibt nach dem Tode' ? Everybody claps my hands!" Besser kann man sein musikalisches Testament nicht besingen. Hab' Dank, Reinhard, du bist wirklich ein Held und so schwer es fällt: "Leb wohl!" Und liebe Sterne: "Hey, ihr seid eurem ehemaligen Frontmann noch was schuldig, nämlich mindestens ein Konzeptalbum. Vielleicht sollte sich das dann nicht ums Porzellan drehen, sondern einfach nur um das Leiden und die Stärken eines Mannes oder einer Frau, die gegen eine tödliche Krankheit, wie die ALS, kämpft. Es ist Zeit dafür - zwar nicht mehr viel, aber vielleicht reicht sie ja doch noch." "Mal seh'n, wohin die Reise geht" klingt für mich am Ende wie ein Hilferuf an begnadete Musiker, die vielleicht etwas Bleibendes hinterlassen könnten.

Der Stern-Combo Meissen traue ich das nach all den Jahren nach wie vor zu!

Anspieltipp(s): "Es geht die Zeit", "Deines Geistes Glas" & "Mal seh'n wohin die Reise geht"
Vergleichbar mit: Anyone's Daughter und dem früheren Album der SCM "Stundenschlag"
Veröffentlicht am: 25.11.2011
Letzte Änderung: 13.4.2013
Wertung: 10/15
Ein Übergangsalbum!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Stern-Combo Meissen

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1977 Stern-Combo Meissen 9.00 3
1978 Weißes Gold 12.00 2
1979 Der Weite Weg 12.00 1
1980 Reise zum Mittelpunkt des Menschen 12.00 3
1982 Stundenschlag 10.00 2
1996 Live 13.50 3
1996 Hits - 1
2004 40 Jahre 6.00 1
2015 Bilder einer Ausstellung - The Rock Version - Live 10.00 1

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