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Björk

The Music From Drawing Restraint 9

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2004 (Soundtrack)
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Moderne Electronica
Label:
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Björk vocals
Mayumi Miyata sho
Nico Muhly keyboards
Shiro Nomura vocals
Shonosuke Okura percussion, chant
Will Oldham vocals
Guðrún Óskarsdóttir harpsichord
Zeena Parkins harp
Akira Rabelais piano treatments
Jónas Sen celeste
Valgeir Sigurðsson keyboards, programming
Samuel Solomon percussion, glockenspiel, crotale
Mark Bell beat programming
various oboe, trombone, contrabass trombone, trumpet, horn
various chorus

Tracklist

Disc 1
1. Gratitude 5:00
2. Pearl 3:43
3. Ambergris March 3:57
4. Bath 5:07
5. Hunter Vessel 6:36
6. Shimenawa 2:48
7. Vessel Shimenawa 1:55
8. Storm 5:32
9. Holographic Entrypoint 9:57
10. Cetacea 3:13
11. Antarctic Return 4:18
Gesamtlaufzeit52:06


Rezensionen


Von: Jörg Schumann @


"The Music from Drawing Restraint 9" ist der Soundtrack zum gleichnamigen Film des amerikanischen Medienkünstlers und Regisseurs Matthew Barney, dem Lebenspartner von Björk. Bei "Drawing Restraint" (Zeichnen unter Einschränkung) handelt es sich um einen zwölfteiligen Aktionskunst-Zyklus, an dem Barney von 1988 bis 2005 arbeitete und bei dem dieser Kunstfilm den neunten Teil darstellt. Der Film entstand aus Anlass einer Einladung für eine Ausstellung in Japan und spielt auf dem japanischen Walfangschiff "Nisshin Maru". Angeblich wurde nur eine einzige Kopie des Films angefertigt, welche in der Ausstellung lief und ausserdem beim Filmfestival in Venedig gezeigt wurde. Man kann sich die 12 Kapitel des Films aber auf der bekannten Videoplattform im Netz anschauen (sehr empfohlen). Die Handlung des Films ist verrätselt, zum Teil skuril und schwierig nachzuerzählen; Barney selbst bezeichnet den Film als, ich zitiere, "Meditation über den Schöpfungsakt", "über rohe sexuelle Energie und die Disziplin, die Gestaltung bedingt. Und darüber, wie man kreativ bleibt, indem man nicht in Formen erstarrt, sondern sie ständig wieder verflüssigt."

Der Film ist mit Ausnahme einer kurzen Sequenz über die gesamten 135 Minuten völlig dialogfrei. Er besticht durch grandiose Bilder, ruhige Kameraführung und ebenso ruhige Schnitte. Ich mache deshalb eine so weite kineastische Ausholbewegung, damit man sich die Musik von Björk besser vorstellen kann. Diese ist meist auch sehr ruhig und intim, bisweilen aber auch befremdend.

Bevor Björk den Soundtrack komponierte, reiste sie nach Japan, um alte japanische Musik zu studieren und sich mit typischen Instrumenten vertraut zu machen. In einigen Stücken kommt die Sho, eine Art hölzerne Mundorgel mit 17 gelochten Bambuspfeifen, zum Einsatz, die von Mayumi Miyata, einer der weltbesten Sho-Spielerinnen gespielt wird. Das Instrument hat einen wunderschön traurigen, zu Tränen rührenden Klang. Ein anderes Instrument, das Björk hier zum ersten Mal einsetzt, ist die Celesta, ein Tasteninstrument, dessen Klang dem eines Glockenspiels ähnelt, jedoch ein weicheres Timbre hat. Der Name kommt vom französischen "céleste", was in etwa "die Himmlische" bedeutet; und so klingt es auch.

Wie schon auf Vespertine wirkt auch hier Zeena Parkins an der Harfe mit, ausserdem ein Blasorchester, ein japanischer Kinderchor und verschiedene Gastsänger. Björk selbst singt nur selten, das meiste ist instrumental oder wird von anderen Sängern performed.

In "Gratitude" werden wir nach einem Harfeneinspiel gleich vom wunderbaren Klang der Celeste gefangengenommen, in "Pearl" rührt einen zum ersten Mal der Klang" der Sho zu Tränen. In "Ambergris March" perlen einem Glockenspiel, Cembalo und perkussive Sounds entgegen.

In "Bath" singt Björk ein hochzerbrechliches, introvertiertes Lied, das einem eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. "Hunter Vessel" erinnert ein wenig an Anchor Song, die Bläser sind jedoch mächtiger, das Gespielte dissonanter und dramatischer. "Vessel Shimenawa" ist später eine Reprise des Themas.

In "Shimenawa" verzaubert einen wieder der Klang der Sho. Alleine wegen dieses Instrumentes bzw. seiner Kombination mit dem typisch björkschen Musikstil, ist dieses Album ein kleines Meisterwerk und lohnt die Anschaffung. "Storm" ist eine schrille, verstörende Kakophonie. Sirenenhafte Stimmen, elektronische Sounds, Sturmböhnen, Reverberationen, Schiffshörner. Dazu Björks klagende Stimme.

Das skurilste Stück der Platte ist dann das folgende "Holographic Entrypoint", ein Noh (ein traditionelles japanisches Theater-/Musikspiel), das aus Gesang und spartanischem Schlaginstrumente-Anteil besteht. Hört sich an wie die Zeremonie beim Sumo-Ringen, nur ekstatischer und orgiastischer. Dieses Stück untermalt im Film die ebenfalls skurilste Szene...

"Cetacea" ist ein wunderschönes Duett, bei dem Björk über einer sanften Celesta-Melodie singt. Den Abschluss macht nochmals die Sho und lässt den Hörer entrückt und tief berührt zurück.

"Drawing Restraint 9" ist sicher kein einfaches Album, es ist teilweise noch unzugänglicher als Medulla. Wer sich aber darauf einlässt, der wird durch einige der wunderschönsten Stücke, die Björk je geschaffen hat, verzaubert werden.

Anspieltipp(s): Gratitude, Antarctic Return
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.12.2011
Letzte Änderung: 27.3.2013
Wertung: 12/15
bis 15; einmalig

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Björk

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1993 Debut 10.33 3
1995 Post 8.50 2
1996 Telegram 10.00 1
1997 Homogenic 13.00 2
2000 Selma Songs 13.00 2
2001 Vespertine 15.00 3
2002 Greatest Hits (Volumen 1993-2003) 11.00 1
2002 Vespertine live at the Royal Opera House 2001 (DVD) 14.33 3
2003 Post live 12.00 1
2003 Homogenic live 12.00 1
2004 Medulla 12.75 4
2007 Volta 11.00 2
2011 Biophilia 12.50 2
2015 Vulnicura 15.00 1
2015 Vulnicura Strings 12.00 1
2016 Vulnicura Live 12.00 1
2017 Utopia 13.00 1

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