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Novalis

Vielleicht bist du ein Clown?

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1978
Besonderheiten/Stil: Melodic Rock / AOR
Label: Metronome/Motor Music Gmbh
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Detlef Job Gitarre, Gesang
Heino Schünzel Bass, Gesang
Fred Mühlböck Gesang, Gitarre, Flöte
Lutz Rahn Keyboards
Hartwig Biereichel Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Der Geigenspieler 8'15
2. Zingaresca 5'12
3. Manchmal fällt der Regen eben lang 3'51
4. Vielleicht bin ich ein Clown? 6'23
5. City Nord 6'09
6. Die Welt wird alt und wieder jung 4'30
Gesamtlaufzeit34:20


Rezensionen


Von: Holger Grützner @


Wie unter Novalis(1975) nachzulesen, hatte ich also „Vielleicht bist du ein Clown?" erworben und durch eine Verkettung oben beschriebener Umstände wieder abgestoßen. Ich hatte sie aber zuvor auch aufgenommen und ertappte mich wenige Monate später dabei, dass ich mir eingestehen mußte, dass dieses Band recht häufig zum Einsatz kam. Und tatsächlich, manches vergisst man, manches löscht man, diese Aufnahme hatte das ewige Leben. Als ich nach der Wende dann ein erstes Auto mit Kassettendeck fuhr und deshalb von Spulenbändern Kassetten zusammenstellte, war erst nur „City.Nord" in der Auswahl, dann auch „Manchmal fällt der Regen" und schließlich das ganze Band umgeschnitten....und zu guter letzt, vor 3 Wochen, habe ich nun die CD zum Repertoire-Scheiß-Preis von 29 DM geordert. Was macht die Platte so unwiderstehlich?

Ausgangshypothese: „Vielleicht bist du ein Clown?" ist die gelungenste Novalis-LP.

Beweis: Die Platte enthält keine uninspirierte Pausenmusik, wie das 75er Machwerk der Band und keine eigenen Fehlversuche, in der Art und Weise der echten Romantiker des frühen 19.Jahrhunderts dichten zu wollen, wie teilweise auf den LPs „Sommerabend" (sorry, Jochen) und „Brandung"(sorry, Thomas von supper's ready.de).

Gut, die Platte hat keine Monsternummer über 10 Minuten mehr zu bieten, da aber genau diese auf den Vorgängeralben immer am meisten in die Hose gingen, fehlt also nicht wirklich etwas.

Man überprüfe diese Aussagen und höre sich beispielsweise dieses vielerorts hochgelobte Stück „Sommerabend" an und man bekommt beide Novalisschwächen auf einen Schlag vorgeführt.(siehe oben)

Zu den Titeln im einzelnen:

„Geigenspieler": gelungene, tatsächlich romantisch verklärte Momentaufnahme zum Thema Strassenmusik. Grobschnitt werden das Thema mit „illegal" 1980 drastischer und realistischer bearbeiten, aber egal - der Song funktioniert.

„Zingaresca": Instrumental von Mühlböck; ganz hübsch; gelungene Wechsel zwischen melodischen Motiven; wenn man so will: Prog; sicher wird es Leute geben, denen das zu schlicht sein mag, aber weniger ist bei Novalis immer mehr.

„Manchmal fällt der Regen": Ein Song mit Hitpotential in positivem Sinne. Vertracktes Leitmotiv; trotzdem Ohrwurmqualitäten. Sehr schön, obwohl hier bereits auffällt, dass Mühlböck im Gegensatz zu Job beim Texten in das andere Extrem fällt und Reime selbst dann vermeidet, wenn sie sich aufdrängen.

„Vielleicht bin ich ein Clown?": Sozusagen Titelsong; musikalisch durchaus anspruchsvoll, trotzdem schwächster Song der Platte. Hier stört Mühlböcks Reimvermeidungsmanie. Man scheint zusehr Schlagerverdächtigungen aus dem Wege gehen zu wollen und vermurkst hier einen tollen Song:

„Vielleicht bin ich ein Clown/ dem niemand eine Manege baut,/ vielleicht bin ich ein hohler Baum,/ der von Blättern und Blüten tro-ho-ho-ho-ho-ho-äumt?"

Warum um alles in der Welt vermeidet man für den 4.Vers, was sich aufdrängt: „...aller Blätter längst beraubt?"

Geradezu megapeinlich wird es in der letzten Strophe:

„...mein Körper ist bloßes Gewächs/ gierig nach Gewalt und mit nach Sex."

Vielleicht auch „...gierig nach Erfolg, hungrig nach Sex."

Genau ist das nicht auszumachen, denn dafür muß sich Mühlböck schon bei der Produktion geschämt haben. Die Stelle wird eigenartig verhuscht gesungen. Er überlegt beim Singen noch, ob er nuscheln soll, damit die Zeile nicht gar so auffällt, oder machomäßig röhren, damit die Emotion die Formulierung kaschieren hilft. Jedenfalls passt so ungekonnte Satzkonstruktion (...mit nach...) und unpassendes Vokabular (Sex) nicht zum Romantikimage. Vom Versmaß ganz zu schweigen.

„City-Nord": kurzes, feines Instrumental von Rahn; in nur 6 Minuten soetwas wie eine Alternative zu Kraftwerks Transeuropaexpress. Erst Bahngeräusche, dann legt sich ein simpler drummachine-Rhythmus drüber, auf dem dann alle übrigen Instrumente aufgetürmt werden; Fahren perfekt in Musik umgesetzt.

„Die Welt wird alt und wieder jung": Krönender Abschluß einer guten LP. Eigentlich handelt es sich hier um Schillers „Hoffnung"; geringfügig abgeändert um einige Verse singbarer zu machen. Mühlböcks Stimme in schlichtem Arrangement und mit madrigalem Satzgesang im Refrain. Großartig. Hier entsteht die Lust auf mehr!

Warum haben Novalis nicht soetwas wie Reichel mit seiner „Regenballade" auf die Reihe gekriegt? Es gäbe soviele alte Poeten, die darauf warten, vertont zu werden! Es wäre auch tausend mal besser gewesen, z.B. Chamisso- oder Hessegedichte zu verrocken, anstatt, wie später gescheh'n, mit so textlichen Totgeburten wie „Magie einer Nacht" oder „Ich hab noch nicht gelernt zu lieben" eine weitere im Ansatz gute Platte zu versau'n.

Fazit: „Vielleicht bist du ein Clown?" ist meiner Meinung nach eine Platte, die ein Versprechen abgibt, was die Nachfolgewerke allesamt nicht einlösten.

(„Flossenengel" eingeschlossen, denn bei so einer Metapher denkt man normalerweise an irgendwas Arielle mäßiges und nicht an mehrere Zentner lebenden Tran! Ambitioniertes Werk und poetische Katastrophe. Hätte Mühlböck über Elefanten schreiben wollen, wäre vermutlich eine Savannenelfe draus geworden....nun laßt uns bloß nicht Freud anwenden!)

(Juli 2001)

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: "Albatross" von Karat oder teilweise Lift
Veröffentlicht am: 31.5.2002
Letzte Änderung: 13.10.2002
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Novalis

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1973 Banished Bridge 9.00 4
1975 Novalis 8.75 4
1976 Sommerabend 8.75 4
1977 Brandung 8.50 2
1977 Konzerte 10.00 2
1979 Flossenengel 11.00 2
1981 Augenblicke 9.50 2
1982 Neumond 4.00 1
1983 Sterntaucher 8.00 1
1984 Bumerang 5.00 1
1985 Nach uns die Flut 2.00 1
1993 Novalis lebt! 8.00 1
2009 Letztes Konzert 1984 6.00 1
2017 Schmetterlinge 13.00 1

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