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Kotebel

Concerto for Piano and Electric Ensemble

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: instrumental; DVD; Folk; Jazzrock / Fusion; Klassikrock / Adaptionen; Moderne Klassik; RetroProg
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 12.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Carlos Franco Vivas drums, percussion
Cesar Garcia Forero electric, acoustic and spanish guitars
Jaime Pascual Summers bass
Adriana Natalie Plaza Engelke acoustic grand piano
Carlos Plaza Vegas electronic keyboards

Gastmusiker

Fran Mangas saxes

Tracklist

Disc 1
1. Concerto for Piano and Electric Ensemble - Adagio Maestoso 12:08
2. Concerto for Piano and Electric Ensemble - Lento Cantabile 7:18
3. Concerto for Piano and Electric Ensemble - Vivo Scherzando 9:27
4. Concerto for Piano and Electric Ensemble - Allegro Moderato 14:28
5. The Flight of the Hippogriff (Part I) 4:59
6. Dance of Shiva 7:03
7. The Flight of the Hippogriff (Part II) 4:43
8. The Infant   (bonus track) 7:12
Gesamtlaufzeit67:18
Disc 2
1. The making of Concerto for Piano and Electric Ensemble   (DVD)


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß (Rezension 1 von 3)


Mit jedem neuen Kotebel-Album schaffen es die Spanier ihre Hörer zu überraschen. Carlos Plaza, letztlich DER Mann hinter Kotebel, zeigt sich gleichermaßen fasziniert von moderner Klassik des 20. Jahrhunderts wie auch von den britischen Progressive Rockbands der 70er Jahre. Darüberhinaus ist der seit langem in Spanien lebende studierte Komponist in Venezuela geboren, wo schon sein Vater als Komponist und Musiklehrer wirkte, und so mischt sich auch immer wieder lateinamerikanische wie spanische Folklore ins sein Schaffen. Die musikalische Tradition der Familie Plaza setzt sich auch fort, denn seit einigen Alben ist auch Tochter Adriana als Keyboarderin mit an Bord (und auf dem aktuellen Album in ganz besonders prominenter Position).

Auf „Concerto for Piano and Electric Ensemble“ ist letztlich genau das zu hören, was der Albumtitel verheißt. Carlos Plaza treibt hier seinen Ansatz der Verschmelzung von Klassischer und Rockmusik zum Höhepunkt. Kernstück ist die viersätzige, titelgebende Suite. Hier wird Plazas Musik auf 42 Minuten in Perfektion zelebriert. Tochter Adriana Plaza gibt mit sanft perlendem bis engagiert druckvoll dargebotenem Pianospiel die Linie vor, legt die Melodielinien und beschreibt die Spannungsbögen. Dass der Vater ein guter Lehrer war, beweist die Tochter hier mit perfektem, fehlerlosem Spiel. Darum herum ranken sich sanfte bis majestätische Keyboard-Flächen von Vater Carlos Plaza gespielt. Befeuert wird die Musik von einer hochaktiven, wuseligen, vertrackten Rhythmussektion mit virtuosem, druckvollem Schlagzeug und melodischen Basslinien sowie dem immer wieder furios dazwischen funkenden Gitarristen.

Das Beste zweier Welten verbindet sich hier. Die Schönheit und Erhabenheit klassischer Musik wird durch die Rockformation rhythmisiert und angetrieben. Eleganz und Tanz, möchte man sagen. Das Schöne und die Biestigkeit werden eins und schaffen Momente außergewöhnlicher Schönheit und träumerischer Vielfalt ohne in Kitsch, Pathos oder Bombast zu versinken. Im Gegenteil, aller Farbigkeit und Verspieltheit zum Trotz, wirken die Arrangements nüchtern, fein ziseliert, fast streng.

Besondere Momente entstehen, wenn Gitarrist Forero seine Gitarre mal fett riffen lässt, schon wegen des Kontrasts, oder wenn er, gerade im „Lento cantabile“, eine flotte Flamenco-Sequenz vom Stapel lässt. Lateinamerikanische Percussion untermalt leicht exotisch die Kompositionen und im abschließenden „The Infant“ darf sich auch ein Saxophon austoben. Dabei fügt sich der Bonustrack „The Infant“ harmonisch in das Gesamtbild des Albums ein, obwohl schon einige Jahre früher entstanden.

Die zweite Suite des Albums – die beiden Flüge des Phantasie-Vogels mit dem Tanz der Göttin Shiva – ist nicht ganz so eng verwoben wie das ‚Concerto‘, kann dafür aber mit jazzigen und elektronischen Färbungen ganz eigene Akzente setzen.

Mit „Concerto for Piano and Electric Ensemble“ gelingt den Spaniern eine unglaublich kraftvolle, perfekte Verschmelzung unterschiedlicher Welten, die jeden bisherigen derartigen Versuch in den Schatten stellt (also zumindest diejenigen, die mir bisher so über den Weg gelaufen sind). Musik von wahrer Erhabenheit und Schönheit, die dabei aber nicht in Wohlklang, Kitsch und Langeweile erstarrt, sondern den Hörer ausgesprochen anregend unterhält. Ein weiterer Höhepunkt des ohnehin bisher an guten Alben nicht armen Jahres 2012.

Das ‚Concerto‘ wurde laut CD-Cover live im Studio eingespielt und das Ganze liegt denn auch als Bild-Dokument in Form einer DVD der CD bei. Faszinierend die Musiker beim konzentriert-engagierten Vortrag in der hermetischen Studioatmosphäre zu beobachten.

Dem Werk entsprechend kommt das Album auch ansprechend verpackt in einem Klapp-Digipak, in dem CD und DVD Platz finden, allerdings kein Booklet. Das Ganze ist in angenehmen Braun-Beige-Gold-Tönen gehalten.

Anspieltipp(s): Das komplette 'Concerto'... sonst macht's keinen Spaß
Vergleichbar mit: unvergleichlich, aber wer die Klassik-Adaptionen von ELP mag oder die Alben MIND 1 & 2 von Isildurs Bane oder auch Yugen, der sollte hier richtig sein
Veröffentlicht am: 29.3.2012
Letzte Änderung: 2.6.2012
Wertung: 14/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 2 von 3)


Concerto for Piano and Electric Ensemble - ein reichlich prätentiöser Titel, der angesichts manch peinlicher Klassik-Rock-Versuche erst einmal skeptisch stimmt. Aber die mir bis dato völlig unbekannte spanische Formation Kotebel weiß erfreulicherweise auf ganzer Linie zu überzeugen. Das vierteilige Concerto kombiniert retro-progressive Tastenherrlichkeit mit einer ordentlichen Prise Jazzrock und setzt auf Dynamik, Abwechslungsreichtum und Komplexität statt auf hohlen Bombast.

Im Zentrum der komplett instrumentalen Musik steht das wunderbare Klavierspiel von Adriana Plaza, das von lyrisch romantisierenden bis jazzigen, leicht avantgardistischen Passagen alle möglichen Variationen umfasst. Vater Carlos, Komponist sämtlicher Stücke dieses Albums, trägt allerlei überwiegend analog klingende Tasten bei, die zwar im allgemeinen nicht so sehr im Vordergrund stehen, aber mit ihrer atmosphärischen Untermalung der Musik einen nicht zu unterschätzenden Beitrag liefern. Gitarrist César García Forero sorgt mit kernigen Soli für die rockende Komponente, dazu kommt eine dynamisch agierende Rhythmusfraktion. Gelegentlich greift der Gitarrist zur akustischen und bringt dann ein leichtes Flamenco-Flair in die Musik ein, speziell im zweiten Satz.

Auch die drei folgenden Stücke gehören zusammen, wenn auch der Zusammenhalt etwas lockerer ist und sie vielleicht deswegen nicht explizit als Suite o.ä. bezeichnet werden. Der Einsatz eines Gastmusikers am Saxophon bringt beim ersten Teil des Hippogriff noch etwas mehr Jazzrock in die Musik, während der stärker elektronisch geprägte Tanz der Shiva ein schönes Solo am Vibraphon (oder etwas ähnlichem) enthält. Der ein paar Jahre ältere Bonustitel fügt sich musikalisch nahtlos in den Rest des Albums ein. Schließlich macht die Bonus-DVD, die die Band beim Einspielen des Concerto live im Studio zeigt, Lust, einen Auftritt der Band zu erleben. Klasse Teil!

Anspieltipp(s): das Concerto!
Vergleichbar mit: neben den von Thomas genannten kommt mir auch immer wieder Änglagård in den Sinn
Veröffentlicht am: 2.6.2012
Letzte Änderung: 31.10.2012
Wertung: 12/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 3 von 3)


"Klassik-Rock", ein Rock-Concerto, "Tastenherrlichkeit", "Dynamik", "Komplexität statt hohler Bombast", "romantisierend bis jazzig", "avantgardistisch" - ist hier die Rede von Emerson, Lake & Palmer?

ELP haben Yes und vor allem Genesis eines voraus: Sie haben keine Legionen von Nachahmern. Das hat vor allem den Grund, dass ELP in den 70er Jahren weitaus komplexere Musik gemacht haben als diese beiden - und die allermeisten anderen Bands. Schon das reine Nachspielen von Stücken wie "Toccata" dürfte vielen Retroproggern des kalten Angstschweiß auf die Stirn treiben - vom Komponieren auf diesem Niveau ganz zu schweigen.

Nach dem, was ich bisher von Kotebel gehört habe, und dabei handelt es sich ausschließlich um dieses Album, dürfte diese Formation eine der wenigen Ausnahmen sein. Nicht weil Kotebel ein ELP-Klon sind, versteht mich nicht falsch, aber wenn Adriana Plaza am Beginn des Adagios im Bass ein 7/8-Ostinato spielt und dazu aus ihrer rechten Hand dissonant-jazzige Stakkato-Akkorde schießt, wenn einer absteigenden jazzigen Klaviermelodie eine aufsteigende barocke Basslinie entgegengesetzt wird, oder wenn Jazzeinflüsse in einer an Gershwin gemahnenden Weise in das Stück integriert werden, spürt man deutlich, dass Kotebel ihre Bezüge zum Kompositionsstil Keith Emersons gar nicht erst verleugnen wollen. Auch die Arrangements erinnern manchmal an ELP: Z. B. lässt mich der streckenweise spärliche, fast punktuelle Einsatz der E-Gitarre sofort an "Karn Evil 9" denken.

Aber, und das will ich nochmal ausdrücklich betonen, wir haben mit Kotebel keinen ELP-Klon vor uns. Dafür ist diese Musik viel zu eigenständig: Auch wenn sie häufig sehr dynamisch ist ("Vivo"), hat sie nie diese rohe, aggressive Brutalität, die ELP bis 1973 auszeichnete, andererseits geht ihr auch jene streicherverliebte Romantik ab, zu der ELP danach neigten. Es fehlt ihr auch der Hang zum Pathos von Keyboardfanfaren und Militärrhythmen, die Akustikgitarre ist vollkommen anders eingesetzt (ja klar, die sind ja Spanier!), das Schlagzeug ist viel zurückhaltender (und konventioneller) und, nicht zuletzt: es gibt keinen Gesang. Auch sind die harmonischen Modulationen weit weniger abenteuerlich als die der Engländer. Womit wir auch schon beim größten Problem des Albums wären: Gerade die Harmonik ist beim "Concerto for Piano and Electric Ensemble" und den anderen Stücken allzu oft ziemlich anspruchslos, klanglich wirkt dadurch vieles auf Dauer ein wenig eintönig. Da hilft es dann, dass Kotebel viele ihrer Melodien auf Intervallen aufbauen, die gerne mal für Dissonanzen sorgen und den Hörer so bei der Stange halten, das ist z. B. in "Vivo" besonders gut zu hören.

Strukturell ist das Ganze so lala, es gibt viele nur sehr kurze Melodien, dadurch sind mir auch allzu häufig Passagen eingeschoben, deren Zusammenhang mit dem anderen Material sich mir nicht auf Anhieb erschließt. Aber ich stehe ja auch noch am Anfang meiner Hörerfahrung. Und damit will ich die Nörgelei auch endlich sein lassen und mal zu den positiven Seiten kommen: Kotebel haben sich mit ihrem "Concerto for Piano and Electric Ensemble" auf ein paar jener Tugenden verlegt, die den klassischen Prog in seinen frühen Jahren mal ausmachten: Mit der Haltung, lieber erst einmal etwas zu machen, bevor man es perfekt macht, versuchen sie sich an einem viersätzigen klassischen Werk, in das Einflüsse aus der Spätromantik und der Kammermusik des frühen 20. Jahrhunderts ebenso einfließen wie der Jazz (v. a. Bebop). Das ist, wie der klassische Prog überhaupt, eklektisch, postmodern und mutig (ja, zumindest der gute Prog ist auch heute noch mutig). Es vermag vielleicht nicht über die ganze Strecke hinweg zu überzeugen, ist aber weit besser als das meiste, was die derzeit hippen Progbands so treiben und übertrifft zudem fast alles, was die nicht zu verleugnenden Vorbilder ELP seit etwa 1973 gemacht haben - und 1973 war erst das vierte Jahr ihres Bestehens! Die Leistungen der einzelnen Musiker sind hervorrangend und das Ensemblespiel funktioniert reibungslos - das ist umso beeindruckender, wenn man weiß, dass das Album live im Studio eingespielt wurde - und damit ist "Concerto for Piano and Electric Ensemble" einer meiner Anwärter auf den Titel "Album des Jahres".

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.6.2012
Letzte Änderung: 6.6.2012
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Kotebel

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2001 Mysticae Visiones 9.00 1
2003 Fragments of Light 9.00 1
2006 Omphalos 11.67 3
2009 Ouroboros 12.00 1
2014 Live at Prog-Résiste 2013 11.00 1
2017 Cosmology 12.50 2

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