SUCHE
Erweiterte Suche
BANDS "Y"
Phi Yaan-Zek
Yacobs
Gabriel Yacoub
Yagow
Yagull
Yak
Stomu Yamashta
Stomu Yamashta's Go
Yang
Yargos
Yatha Sidhra
Yellow Sunshine Explosion
Yes
Yes Featuring Jon Anderson, Trevor Rabin, Rick Wakeman
Yesterdays
Yesternight
Yeti
Yeti Rain
Les Yeux de la Tête
Yezda Urfa
Yggdrasil
Yoke Shire
Yolk (SUI)
Yolk (FR)
Yonder Pond
Yonhosago
Yonin Bayashi
Thom Yorke
Yosemite Rain
Tatsuya Yoshida
Otomo Yoshihide, Bill Laswell, Yoshida Tatsuya
Yoso
Yossi Sassi Band
YOU
You And I
Dennis Young
Yowie
Ysma
Yucatan
Yugen
Yuka & Chronoship
Yume Bitsu
Yuri Gagarin
Yurt
Fernando Yvosky
Ywis
<< XZ >>
STATISTIK
24976 Rezensionen zu 17123 Alben von 6671 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Yes

Talk

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1994
Besonderheiten/Stil: Melodic Rock / AOR
Label:
Durchschnittswertung: 6.17/15 (6 Rezensionen)

Besetzung

Jon Anderson Gesang
Chris Squire Bass, Gesang
Trevor Rabin Gitarre, Keyboards, Gesang
Alan White Schlagzeug
Tony Kaye Keyboards

Tracklist

Disc 1
1. The Calling 6:52
2. I Am Waiting 7:22
3. Real Love 8:42
4. State Of Play 4:58
5. Walls 4:52
6. Where Will You Be 6:03
7. Endless Dream

1. Silent Spring 1:56
2. Talk 11:56
3. Endless Dream 1:50

Gesamtlaufzeit54:31


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 6)


Nach den Wirren der "Anderson, Bruford, Wakeman and Howe"- und "Union"-Tage fand sich die "90125"- und "Big Generator"-"Yes"-Besetzung ('YesWest') für dieses Album wieder zusammen. Es ein "Yes"-Album zu nennen, fällt mir aber schwer.

Alan White hat hier vollkommen auf Autopilot geschaltet: Boom-Da-Boom-Boom-Da-Gekloppe, welches einer Schülerband würdig wäre und das durch die wummernde Schlagzeug-Mischung auch noch betont wird. Grausam. Chris Squire spielt auch nur das absolut Nötigste (wobei seit geraumer Zeit Gerüchte kursieren - teils durch Chris Squire bestätigt -, daß Trevor Rabin, der das Album auch produziert hat, Squires originale Baß-Parts teilweise durch gesampelte Sequenzen ersetzt hat), und Tony Kaye darf ein paar wenige - allerdings nette und fette - Akkorde auf der Hammond spielen. Im wesentlichen haben wir also ein Trevor Rabin-Soloalbum mit Gesang von Jon Anderson.

Die Stücke sind von den Akkordfolgen und Melodien her stellenweise unglaublich billig und trivial. Ab und an blitzen ein paar schöne Parts auf (z.B. in "The Calling" und "Real Love"), aber der Rest abgesehen von "Endless Love" ist übelste AOR-Mucke mit dem umrühmlichen Tiefpunkt "Walls". Dazu kommt eine sterile, wenig organisch klingende Produktion. Dabei ist Trevor Rabin eigentlich ein brillianter, sehr variabler Gitarrist mit einem tollen Sound: schade.

Ironischerweise enthält gerade "Talk" das einzige YesWest-Epic: "Endless Dream" mit drei Teilen und über fünfzehn Minuten Länge, dessen 2-Minuten-Intro "Silent Spring" noch dazu superklasse ist und zeigt, wie Trevor Rabin schreiben könnte, wenn er wollte: kein bißchen billig, dafür komplex und druckvoll. Der Rest von "Endless Dream" ist leider ähnlich überflüssig wie der Rest des Albums.

Fazit: wirklich nur was für "Yes"-Diehards, ansonsten auf jeden Fall vermeiden.

Anspieltipp(s): Walls (zum Abschrecken), Endless Dream (zum Ärgern, warum nicht mehr wie "Silent Spring" vorhanden ist)
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.6.2002
Letzte Änderung: 7.7.2002
Wertung: 3/15

Zum Seitenanfang

Von: Jörg Schumann @ (Rezension 2 von 6)


Krachende, trockene drums wie auf Big Generator, auch die Gesangsharmonien erinnern an dieses Album. Die Musik ist Gitarren-betont, rockig-hart. So beginnt "Talk" mit dem opener "the calling". Ein recht druckvolles, sauber und dynamisch produziertes Stück. Die Klasse von Big Generator oder Rhythm of love wird aber nicht erreicht. "The calling" wirkt wie eine billige Kopie.

"I am waiting" ist solider Poprock, "Real love" macht auf Spannung, ist aber ziemlich `gähn`. "State of play" beginnt mit schrillen Gitarren, geht kurz in die Beine, ansonsten aber in die Hose. Mit "Walls" ein weiteres einfaches Poprockstückchen. Alle Titel sind irgendwie sehr ähnlich, kaum zu unterscheiden. Sowohl vom Soundgewand her, als auch bzgl. musikalischer Ideen herrscht ziemliches Einerlei. Wenigstens der Refrain von "Walls" ist ganz nett. "Where will you be?" ist dann nochmals ein weiterer Becher musikalischen Magerquarks. So uninspiriert und lustlos haben Yes selten musiziert.

Mit "silent spring" folgt dann der Höhepunkt der Platte. 2 Minuten Sturm blasen einem entgegen, dann die Returntaste gedrückt und nochmals genossen. Wenn ich mal wieder mein Zimmer durchblasen, die Lautsprechermembranen entstauben will, dann lege ich "silent spring" auf. 2 Minuten wildes Gehämmere, Geklimpere und Geklampfe, kurz Gefrickel pur.

Das Titelstück "Talk" ist ein versöhnlicher Abschluss, wenn auch dieser Nummer das gewisse Etwas abgeht. Alles wirkt ein wenig zusammengestückelt und leblos. Wenigstens findet sich ein eingängiges Thema. Und das "silent spring" Intro wird nochmals verarbeitet. Im Gesamten ist "Endless dream" sicher der Höhepunkt des Albums.

Unter dem Strich aber ein enttäuschendes Album.

Anspieltipp(s): Endless dream
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.8.2002
Letzte Änderung: 12.8.2003
Wertung: 5/15

Zum Seitenanfang

Von: Oliver Mensing (Rezension 3 von 6)


Talk ist für mich eine der unterbewertetesten Alben auf den Babyblauen. Ja, ich bekenne mich schuldig! Schuldig, denn ich bin Anhänger der Rabin-Phase. Wie ich schon bei 90125 anmerkte, hat Rabin einen verdienstvollen Beitrag zum Fortbestand dieser Supertruppe des Progzirkus beigetragen.

Talk ist wie 90125 und Big Generator von vorne bis hinten geil! Die Mischung aus Anderson-Stimme und teiweise harten Rabin-Gitarren ist so wundervoll, daß schon direkt der Opener 'The Calling' ein Paukenschlag der Gefühle auslöst. Für mich war und ist Talk eine der Überraschungen im Erscheinungsjahr 1994. Das zweite Stück I am Waiting leitet mit einer supersanften und melodischen Gitarre einen Höhepunkt dieses Albums ein. Der Refrain ist einfach riesig und der Text löst bei mir regelmäßig eine Gänsehaut aus. Und so geht es weiter und weiter. Jeder Track ist stimmig und jede Note sitzt. Das fast schon New Age-lastige Where Will You Be ist ein typischer Kerzenlicht-Titel und verleitet zu Ausflügen in irgendwelche Traumlandschaften. Der abschließende Long-Track (war ursprünglich über 20 Minuten lang, wurde dann aber auf Wunsch der Plattenfirma auf ca. 16 Minuten gekürzt) bildet den gelungenen Abschluß einer äußerst kurzweiligen und anspruchsvollen Rock-Prog-Bombast-Scheibe. Für mich der Höhepunkt der Rabin'schen Yes!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.8.2002
Letzte Änderung: 29.8.2002
Wertung: 14/15

Zum Seitenanfang

Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 4 von 6)


Schwer zu sagen, ob nun "Talk" oder "Big Generator" das schlechteste Yes-Album ist. Oder ist es vielleicht doch "Open Your Eyes"? Jedenfalls enthält "Talk" fast nur übelste Pop-Mucke. "The Calling" eigent sich gut zum Mitgröhlen im Fußballstadion und wird durch ein paar Sekunden netten Orgelspiels auch nicht gerettet. "I Am Waiting" hat hin und wieder ein bisschen Atmosphäre, aber das monotone Geklopfe von Alan White macht alles wieder kaputt. Gleiches gilt für "Real Love", das mit etwas einfallsreicherem Schlagzeugspiel eigentlich gar nicht so übel wäre, in Teilen zumindest. "State of Play" versucht sich rockiger, hat auch ein paar interessante Gitarreneinsätze, ansonsten ist es auch nur Müll. "Walls" schafft es dann tatsächlich, alle vorherigen Songs noch zu unterbieten, ebenso das seichte "Where Will You Be".

Der Auftakt von "Endless Dream" weckt dann einige Hoffnung auf Besserung, sogar Alan White rückt mal von seinem üblichen Bufftata-Geklopfe ab. Leider kann der Rest des Stücks dieses Niveau nicht mehr halten, etwas besser als der Rest des Albums ist es aber immer noch. Insgesamt kann man jedenfalls getrost einen großen Bogen um "Talk" machen.

Anspieltipp(s): lieber nicht...
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.6.2003
Letzte Änderung: 29.6.2003
Wertung: 3/15

Zum Seitenanfang

Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 5 von 6)


Wie ich woanders schon schrieb, die Ankündigung einer YES-Platte läßt meine Vernunft dahingehen, so habe ich denn auch dieses Werk gekauft (immerhin singt Anderson!), obwohl ich schon mit den andern beiden RABIN-Werken so meine Probleme hatte und habe.

Nun Udo hat alles schon gesagt, "Silent Spring" ist wirklich genial, das beste, was diese Formation gemacht hat, aber der Rest, nicht mal Squire ist großartig zu vernehmen, der Drummer gehört endlich rausgeschmissen (der scheint taub zu werden, wie sonst kann jemand so monoton spielen - und was mich verzweifeln lässt- er kann es ja besser). Für YES eine sehr schlechte Platte, ich gebe es zu, selbst "Open your eyes" besitzt für mich mehr Charme, ob Rabin der Band wirklich geholfen hat, wage ich zu bezweifeln. Selbst wenn diese Platte das Debüt einer bis dato unbekannten Band wäre, nix daran ist progressiv, übelster amerikanischer AOR-Rock vom Fließband, ohne Witz und Ideen. So würde Musik klingen, wenn EMNID vorher eine Umfrage unter Hausfrauen "Welche Musik stört nicht beim Bügeln" machen würde.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.2.2004
Letzte Änderung: 6.8.2011
Wertung: 2/15

Zum Seitenanfang

Von: Nik Brückner @ (Rezension 6 von 6)


1992 standen Yes am Ende turbulenter Jahre: Die Band hatte sich gespalten, dann hatte man wegen Mangels an Kreativität zwei halbe Alben zu einem einzigen Yes-Album zusammengeschraubt, das dann aber doch nicht voll wurde, ohne dass man Demos mit drauf packen musste - und zu allem Unglück gingen danach acht Musiker und mindestens genauso viele Rechtsanwälte auf eine Tournee, die zwar immens erfolgreich war, künstlerisch aber grandios scheiterte – weil selbst die Progband Yes keine Musik auf Lager hatte, für man acht Leute braucht.

Am Ende schmiss Bill Bruford als erster hin, er hatte das Ganze ohnehin nur aus Spaß und wegen des Geldes gemacht. Immerhin hatte der Mann eine ernsthafte Jazzband zu finanzieren. Dann schlug Steve Howe vor, dass in Zukunft vier Musiker eine Art Kern-Band bilden sollten, die für das Songwriting verantwortlich sein würden und bei Aufnahmen von mehreren Gastmusikern aus den verschiedenen Yes-Besetzungen unterstützt worden wären. Eine großartige Idee, die aber wie alle guten Ideen bei Yes dem einfachen Weg zum schnellen Geld zum Opfer fiel: Trevor Rabin, Alan White und allen voran Chris Squire wollten schnellstens die Band reformieren, die in den Achtzigern mit Hits wie „Owner of a Lonely Heart“ oder „Rhythm of Love“ so richtig Kohle gemacht hatte. Chris Squire ist der Mann, der die Band zusammenhält? Papperlapapp: Chris Squire ist der Typ, der Yes seit dreißig Jahren Popmusik spielen lässt.

Howe flog, blieb noch Rick Wakeman. Der sollte zwar aufgrund seiner Freundschaft mit Rabin in der Band bleiben, wurde dann aber unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen gegangen – ein Zeichen dafür, dass die Umstände wie immer bei Yes nicht wirklich ehrenhaft waren. Auch Kaye schmiss während der Aufnahmen (mal wieder) hin, vermutlich weil Rabin ihn immer noch scheiße fand und ihn nicht Keyboard spielen ließ. Am Ende blieb er dann aber doch in der Band, vermutlich wieder aus rechtlichen Gründen - er ist immerhin einer der Bandgründer und war seit 1982 die meiste Zeit nur deshalb in der Band gewesen, weil man auf diese Weise Klagen von Seiten Wakemans und Howes verhindern konnte. Auf der „Talk“-Tour spielte jedenfalls Gitarrist Rabin gefühlt mehr Keyboards als Keyboarder Kaye.

„Talk“ entstand in der Folge als eines der ersten Alben der Musikgeschichte vollständig auf digitalen Speichermedien. Das Ganze nahm unendlich viel Zeit in Anspruch und wurde prompt vom massiven Desinteresse einzelner Bandmitglieder begleitet: Während der Aufnahmen ging Wakeman auf eine Solotournee, Squire gab zusammen mit Alan White und Billy Sherwood Konzerte unter dem Namen The Chris Squire Experiment und Jon Anderson unternahm eine Tour durch Nord- und Südamerika. Die Bandmitglieder spielten ihre Parts separat ein und Rabin wurde mit der Studioarbeit alleine gelassen. Der zog die entsprechenden Schlüsse und manipulierte die Aufnahmen so, wie es ihm passte. An den Bassspuren musste besonders viel justiert werden, Squire fiel in jener Zeit vor allem durch seine Alkoholexzesse auf, die ihm kurz vor der Tour sogar einen Herzinfarkt bescherten.

Am Ende war es Trevor Rabin zu verdanken, dass Yes sich nicht lächerlich machten und das letzte Mal in ihrer Bandgeschichte ein Album vorlegen konnten, das die Musiker nicht als heruntergekommene Verwalter ihrer eigenen Vergangenheit präsentierte: Das Album ist kraftvoll produziert, der Sound ist kristallklar, ohne kalt zu sein und die Band wirkt präsent und dynamisch – ein Wunder bei der Entstehungsgeschichte.

Tja – und die Musik? Nun ja… Zuerst muss man mal sagen, dass „Talk“ ziemlich alleine im Gesamtwerk der Band dasteht. Es ist noch keines von den Retroalben, die Yes seither machen, es ist auch keine so zusammengekorkste Scheibe wie „Union“. Aber auch an die Achtziger knüpft „Talk“ nicht wirklich an: „90125“ bestand ja aus Rabin-Songs, die von Yes lediglich eingespielt wurden und „Big Generator“ war eine Montage von Rabin-dominierten Songs, die in sechs Studios von drei verschiedenen Produzenten zusammengebaut worden war. Beide Alben enthielten 80er-Jahre-AOR Rabins, und in diese Schublade kann man „Talk“ auch nicht wirklich stecken., da viele der Songs in Zusammenarbeit zwischen Rabin und Anderson entstanden und auch nicht wirklich eightiesig sind.

AOR ist trotzdem ordentlich geboten. Aber man kann ihn ernster nehmen als den auf anderen Yes-Scheiben: „90125“ mag eine gute Platte gewesen sein, aber es war eben ein Rabin-Soloalbum mit Yes als Studiomusikern. Ähnlich „Open Your Eyes“, nicht mehr als eine umfunktionierte Conspiracy-Scheibe. Von "The Ladder" oder „Fly from here“ will ich gar nicht erst anfangen.

Das Album startet mit „The Calling“, einem AOR-Kracher erster Güte, der das Album stark eröffnet. Der Song schließt an den US-Sound von „Love will find a Way“ an, wartet aber mit einem überzeugenden Riff auf und einem überraschend kraftvollen Sound, besonders von den Gitarren und der Rhythmusgruppe. Bis man dann genauer hinhört und dabei nicht mehr als nur vier Akkorde identifizieren kann – und das bei einem Song, der in seiner (lediglich durch einige Keyboard-Effekte) verlängerten Fassung immerhin acht Minuten lang ist. Also zu lang, keine Frage, als Vierminüter wäre er aber voll befriedigend. Einen ersten Proganflug erhält das Album nach etwa drei Minuten, bei einer instrumentalen Passage mit ambivalentem Rhythmus, die erst in ein Country-Gitarrensolo und dann in ein Rock-Solo mündet, gar nicht uninteressant.

Geht „The Calling“ auf eine Idee Rabins zurück, ist „I am Waiting“ vorwiegend auf Andersons Mist gewachsen. Und das hört man auch: Zwei weder rhythmisch noch harmonisch irgendwie auffallende Ideen werden vorgestellt und wechseln sich über die nächsten sieben Minuten immer wieder ab. Abwechslung bieten lediglich zwei Motive, die dazwischengeschoben werden (das schmusig-spacige „Highways, starways“ und das deutlich rockigere „It happened in the water“, das den Song ordentlich aufmischt – was der an dieser Stelle auch braucht). Abgesehen davon passiert wenig, Spannung entsteht lediglich durch das immerhin geschickte Übereinanderlegen von immer mehr und mehr Klangschichten. Ein Song für Leute mit Hang zum Pathos - aber auch ein Song, der deutlich zu lang ist für seine doch recht dürftige Substanz.

Es folgt „Real Love“. Zugegeben, der Song ist ein bisschen effekthascherisch, aber die Riffs erreichen mit sehr geringen Mitteln eine immense Wirkung. Angeschrägt wird er dadurch, dass über einem durchgehenden E-Dur-Puls zwei sehr schwergewichtige Riffs gelegt werden, die mit ihren sturen Dur-Akkorden immer wieder für Dissonanzen sorgen. Dazu kommt eine seltsame Gesangsmelodie und in der technoid klingenden Bridge eine seltsame Gegenmelodie vom Keyboard. Für mich in seiner Gesamtheit der rundeste Song auf „Talk“.

Mit „State of play“ beginnt die Reihe der Durchhänger. Der Song leidet unter einem nicht nur uninteressanten sondern sogar ziemlich dämlichen Riff, und einer Melodie ohne jeglichen Erinnerungswert. Ein Mittelteil im Discogroove steht mit so gut wie nichts im Zusammenhang, allenfalls mit einer daran anschließenden Passage, die nicht auf ein Yes-Album gehört, sondern auf eine Michael-Jackson-Platte. Ein durchschaubarer Single-Kandidat, der allenfalls durch den Gegensatz solcher Abschnitte mit schwelgerisch-getragenen Passagen lebt, die vermutlich auf Anderson zurückgehen.

Mit „Walls“ wird es nicht besser. Der Song war im Zuge von Sessions Rabins mit dem ehemaligen Supertramp-Sänger Roger Hodgson entstanden. 1990 war der nämlich als Ersatz für Jon Anderson im Gespräch gewesen und man hatte einige Zeit lang mit ihm gearbeitet. Phil Carson, der Chef von Yes’ Label Victory, wollte den Song unbedingt auf dem Album haben – Labelchefs wollen Single-Kandidaten. Trotz aller Bemühungen des Gitarristen und Produzenten Rabin zündet der Song einfach nicht und das Gute-Laune-Gejubel der Sänger am Ende wirkt eher peinlich.

„Where Will You Be“ ist eine nette kleine Ballade im 3/4-Takt. Ich find’s schön, die Produktion ist gut, irgendwo zwischen klassischer Instrumentierung (Keyboard-Streicher) und tribalen Rhythmen (der Song war ursprünglich als Beitrag zu einem australischen Film vorgesehen). Die Tonartenwechsel sind dramatisch und verfehlen ihre Wirkung nicht, richtig klasse sind aber die geschmackvollen und zurückhaltenden, darum aber nicht weniger virtuosen Gitarrenbeiträge Rabins. Bei weitem nicht das schlechteste Stück auf „Talk“.

Aber nun der Longtrack. Der ungeliebte! Rabin hatte sich eigentlich dagegen gesperrt, aber Phil Carson war es, der unbedingt ein Stück im klassischen Yes-Stil haben wollte. Und Rabin und Anderson haben sich nicht lumpen lassen und mal so richtig einen rausgehauen. Der Song lebt von zwei Polen, zwischen denen sich Spannung aufbaut: dem frenetischen und irrsinnig schnellen 5/4-5/8-Motiv von „Silent Spring“ und der großartig pathetischen Melodie von „Talk“, vielleicht der gelungensten Melodieerfindung Andersons. Wieder einmal zeigt sich Rabin als grandioser Arrangeur: Mit einem Schockeffekt reduziert er den gewaltigen Sound der Einleitung auf eine stille Pianopassage. Von der aus entwickelt sich der Song dann über akustische Momente, stark technoid verfremdete Passagen bis hin zu seinem Höhepunkt, der durch die stufenweise Hinzunahme von immer mehr Klangschichten und die Deklination des "Talk"-Motivs durch den Quintenzirkel erreicht wird. Die Melodie Andersons eignet sich dafür hervorragend, funktioniert sie doch ebenso als kleine Melodie zur akustischen Klavierbegleitung wie als massiv ausproduzierte Rockhymne. „Endless Dream“ leidet allerdings unter den technoiden Passagen, die dem Stück reichlich unvermittelt zwischengeschaltet sind und ihn auf diese Weise ziemlich auseinanderreißen. Das mag auf dem perfekt produzierten Studioalbum nicht so sehr auffallen, wird bei den mittlerweile veröffentlichten Liveversionen dafür aber umso deutlicher. Auf „Talk“ funktioniert es aber einigermaßen, und so wirkt das Wechselspiel zwischen rhythmuslastigen technoiden Passagen und melodielastigen hymnischen Passagen wie eine jener epischen musikalischen Erzählungen, mit denen Yes in den 70er Jahren so berühmt geworden waren.

„Endless Dream“ ist der Song, der „Talk“ mehr als nur versöhnlich abschließt, ein Album, das insgesamt gesehen eher von gemischter Qualität ist. Auf der Habenseite stehen neben dem Longtrack „Where Will You Be“ und „Real Love“. „The Calling“ und „I am Waiting“ sind als AOR-Stücke eher Mittelmaß, während „State of play“ und „Walls“ die Ausfälle des Albums sind. Dennoch wirkt „Talk“ nicht peinlich: Weder versuchen Yes, wie noch in den 80ern plattes Radiofutter zu produzieren (kein Song auf diesem Album hatte 1994 die Chance, ein Hit zu werden), noch mühen sie sich, an ihre glorreichen Zeiten der 70er anzuschließen, wie sie es mit den beiden darauffolgenden Alben voller zu Longtracks zusammengeschusterter aufgewärmter Altkompositionen getan haben. Stattdessen ist „Talk“ ein eigenständiges Statement – wenn auch leider das letzte der Band. Schade, denn dieses Album hätte die Blaupause für eine Reihe moderner Prog/AOR-Alben sein können. Stattdessen trafen Yes danach mal wieder lauter falsche Entscheidungen und so ist „Talk“ am Ende vor allem eines: eine verpasste Chance.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.9.2012
Letzte Änderung: 20.9.2012
Wertung: 10/15

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Yes

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Yes 8.40 5
1970 Time And A Word 9.20 5
1971 The Yes Album 9.80 6
1972 Close To The Edge 13.80 13
1972 Fragile 11.20 5
1973 Yessongs 13.00 3
1973 Tales From Topographic Oceans 13.25 8
1974 Relayer 14.22 9
1975 Yessongs (VHS/DVD) 11.00 2
1975 Yesterdays - 2
1977 Going For The One 9.88 8
1978 Tormato 7.71 8
1980 Yesshows 10.00 3
1980 Drama 11.50 8
1981 Classic Yes 12.00 2
1983 90125 8.13 8
1985 9012 Live - The Solos 5.00 3
1987 Big Generator 6.67 6
1991 YesYears 13.00 2
1991 Owner Of A Lonely Heart - 1
1991 Union 6.00 7
1992 Yesstory - 1
1992 Union Tour Live (DVD) 7.00 1
1993 Highlights - The Very Best of Yes - 1
1993 Symphonic Music of Yes 2.00 2
1994 Yes Active - Talk (CD-ROM) 8.00 1
1996 Keys To Ascension 8.00 4
1996 Live in Philadelphia 1979 (DVD) 4.00 1
1996 Keys to Ascension (VHS/DVD) 7.00 1
1997 Something's coming - the BBC Recordings 1969-1970 9.00 2
1997 Open Your Eyes 4.17 6
1997 Keys To Ascension 2 10.50 4
1998 Yes, Friends and Relatives 3.00 2
1999 Musikladen live (DVD) 6.00 1
1999 The Ladder 6.00 7
2000 The Best of Yes - 2
2000 Masterworks 8.00 1
2000 House Of Yes - Live From House Of Blues 6.00 2
2000 House of Yes - Live from House of Blues (DVD) 8.00 2
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 1 (DVD) 13.00 2
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 2 (DVD) 14.00 1
2001 Keystudio 9.00 2
2001 Magnification 8.40 10
2002 Symphonic Live (DVD) 10.00 3
2002 In a Word: Yes (1969- ) 12.50 2
2002 Yes today - 1
2002 Extended Versions - 2
2003 YesYears (DVD) 10.00 1
2003 Yes Remixes 2.00 1
2003 YesSpeak (DVD) 9.67 3
2003 Greatest Video Hits (DVD) 3.00 1
2004 Yes Acoustic (DVD) 6.00 2
2004 The ultimate Yes 10.00 2
2004 Inside Yes. 1968 - 1973. An independent critical review. (DVD) 10.00 1
2005 The Word is Live 11.00 1
2005 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (DVD) 10.50 2
2005 Inside Yes Plus Friends and Family (DVD) 11.00 1
2006 9012Live (DVD) 10.00 2
2006 Essentially Yes - 1
2007 Yes. Classic Artists. Their definitive fully authorised Story in a 2 Disc deluxe Set - 1
2007 Live at Montreux 2003 (DVD) 9.00 1
2007 Live at Montreux 2003 - 1
2008 The New Director's Cut 9.00 1
2009 The Lost Broadcasts 7.00 1
2009 Rock Of The 70's 7.00 1
2010 Live in Chile 1994 10.00 1
2010 Keys to Ascension (2CD + DVD Box Set) 10.00 1
2011 Union Live (DVD) 11.00 1
2011 The Revealing Science Of God 7.00 1
2011 Fly from here 8.57 7
2011 Live on Air - 1
2011 In The Present - Live From Lyon 9.00 2
2012 Yessongs - 40th Anniversary Special Edition (Blu-Ray) - 1
2013 The Studio Albums 1969-1987 - 1
2014 Heaven & Earth 5.17 7
2014 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (3CD Set) 9.00 1
2014 Like It Is - Yes at the Bristol Hippodrome 6.00 1
2015 Progeny: Highlights From Seventy-Two 12.00 1
2015 Like It Is - Yes at the Mesa Arts Center 10.00 1
2015 Progeny - Seven Shows from Seventy-Two 8.00 2
2017 Topographic Drama – Live Across America 10.00 1
2018 Fly from Here - Return Trip - 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2018; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Datenschutzerklärung - Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum