SUCHE
Erweiterte Suche
BANDS "Y"
Phi Yaan-Zek
Yacobs
Gabriel Yacoub
Yagow
Yagull
Yak
Stomu Yamashta
Stomu Yamashta's Go
Yang
Yargos
Yatha Sidhra
Yellow Sunshine Explosion
Yes
Yes Featuring Jon Anderson, Trevor Rabin, Rick Wakeman
Yesterdays
Yesternight
Yeti
Yeti Rain
Les Yeux de la Tête
Yezda Urfa
Yggdrasil
Yoke Shire
Yolk (SUI)
Yolk (FR)
Yonder Pond
Yonhosago
Yonin Bayashi
Thom Yorke
Yosemite Rain
Tatsuya Yoshida
Otomo Yoshihide, Bill Laswell, Yoshida Tatsuya
Yoso
Yossi Sassi Band
YOU
You And I
Dennis Young
Yowie
Ysma
Yucatan
Yugen
Yuka & Chronoship
Yume Bitsu
Yuri Gagarin
Yurt
Fernando Yvosky
Ywis
<< XZ >>
STATISTIK
24898 Rezensionen zu 17068 Alben von 6652 Bands.
SITE MAP
STARTSEITE

Yes

Keys To Ascension

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1996 (Teils live, teils Studio)
Besonderheiten/Stil: live; Klassischer Prog; RetroProg
Label:
Durchschnittswertung: 8/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Jon Anderson Gesang
Steve Howe Gitarre, Gesang
Chris Squire Bass, Gesang
Rick Wakeman Keyboards
Alan White Schlagzeug

Tracklist

Disc 1
1. Siberian Kathru 10:16
2. The Revealing Science Of God 20:32
3. America 10:28
4. Onward 5:48
5. Awaken 18:33
Gesamtlaufzeit65:37
Disc 2
1. Roundabout 8:30
2. Starship Trooper 13:05
3. Be The One

1. The One
2. Humankind
3. Skates

  (Studio)
9:50
4. That, That Is

1. Togetherness
2. Crossfire
3. The Giving Things
4. That Is
5. All In All
6. How Did It All Begin
7. Agree To Agree

  (Studio)
19:14
Gesamtlaufzeit50:39


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 4)


Gegen Ende von 1995 brach freudige Unruhe im "Yes"-Fanlager aus. Was viele für kaum mehr möglich gehalten hatten, sollte Wirklichkeit werden: die klassische Besetzung Jon Anderson, Steve Howe, Chris Squire, Alan White und Rick Wakeman wolle sich wieder zusammenfinden und die Band ins nächste Jahrtausend führen. Und tatsächlich: schnell wurden die Pläne konkret. Die Band setzte drei Konzerte in Jon Andersons damaligem Wohnort San Luis Obispo in Kalifornien an, die den Fans zeigen sollten, dass die Band wieder zusammen sei und sich auf den Geist ihrer grossen Jahre in den Siebzigern zurück besinnen wollte. Dazu wurde ein ausführliches Set mit bewährten Klassikern der Band einstudiert. Die Shows sollten sowohl auf Video als auch auf Band für mögliche Veröffentlichungen aufgenommen werden. Um den Fans aber nicht nur bereits hinreichend oft veröffentlichtes Material anzubieten, traf man sich auch noch unter der Leitung des langzeitigen Chris-Squire-Buddies Billy Sherwood (damals noch nicht offizielles Bandmitglied) im Studio, um zwei neue Studio-Stücke einzuspielen. Ausserdem wurde der Fantasy-Künstler Roger Dean mal wieder aktiviert, um das Plattencover zu gestalten.

Live

Um es gleich vorweg zu sagen: die Live-Nummern sind eine reine Nostalgie-Show, nicht mehr, nicht weniger. Grosse Neuerungen gegenüber den Originalen oder früheren Live-Versionen sind nicht zu verzeichnen; klar, mit 90er-Jahre Equipment klingt alles ein bisschen anders, aber immer noch so vertraut, dass man kaum glaubt, die Band sei zwischen durch in der "Union"- und "Talk"-Hölle gewesen (nicht mal Wakemans sonst nicht immer geschmackssichere Keyboard-Sounds fallen - meistens... - unangenehm auf. Ok, die Sample-Orgel auf "Awaken" entwickelt natürlich nicht den Druck der Kirchenorgel im Original, aber mach was dran...).

Und dies ist dann auch als Pluspunkt zu verbuchen. Die Band wirkt recht gut eingespielt, Squires Bass scharrt immer noch kraftvoll, White ist präzise aber recht unauffällig wie immer. Vielleicht haben die alten Herren nicht mehr ganz das Feuer der frühen Jahre, wovon die vielleicht etwas schlepperenden Tempi wie in "Siberian Khatru" zeugen, aber sie zeigen routiniert: "Wir können noch gute Musik spielen!" OK, manchmal holpert Wakeman ein bisschen (Anfang von "Awaken"). Hm, und vielleicht noch ein kleines 'Achtung' an dieser Stelle: angeblich wurden die Stücke im Studio nachbearbeitet, insbesondere Andersons Vocals sollen wegen einiger Versinger und vieler Textunsicherheiten fast komplett neu aufgenommen worden sein. Im Booklet ist dies nicht vermerkt, aber Besitzer des "Keys To Ascension"-Videos können sich davon sicher selber ein Bild machen.

Naja, immerhin gibt es mit der "Yes"-Bearbeitung des Paul Simon-Songs "America" auch ein nicht so oft gehörtes Stück der Band. "America" wird in den Händen der Band zu einer bewegten, teils fast parodistischen Nummer mit Referenzen an Bernsteins "America" und Solo-Spot für Howe in seiner bekannten Country-mässigen Picking-Technik. Das hübsche, anrührende "Onward" gefällt mir hier fast besser als auf "Tormato". Mir persönlich ist ausserdem der obligatorische Frickelschluss von "Starship Trooper" etwas zu ausgedehnte: zu viele Noten mit zu wenig Sinn, aber in der Live-Situation war das vielleicht durchaus angebracht. Weitere Hinweise zu den einzelnen Stücken entnehmen sie bitte den entsprechenden Studio-Platten-Rezis oder fragen ihren Arzt, Apotheker oder lokalen Unix-Guru...

Studio

Die Studio-Nummern sollten auch wieder ein deutliches Signal setzen, dass die Band sich alter Tugenden besinnen wollte. So werden zwei recht lange, vielteilige Nummern gegeben. Allerdings war Rick Wakeman nicht von Anfang an an den Aufnahmen beteiligt, sondern stiess erst dazu, als die Tracks schon praktisch fertig waren. So wirken viele seiner Keyboard-Stellen (insbesondere in "That, That Is") schlecht integriert und aufgesetzt: schade. Ausserdem hört man schon ein bisschen, dass die Stücke nicht in einem professionellen Studio, sondern mehr oder weniger in Heimarbeit mit geliehenem Equipment aufgenommen wurden: Alan Whites Bassdrum wummert wesentlich mehr, als ich mir wünschen würde. Eine bessere Abhöranlage beim Mix hätte da sicher geholfen.

"Be The One" ist eine wenig proggige, teils eher gemässigte Nummer mit nettem rockigen Uptempo-Ausflug zwischendrin, die aber auch auf "ABWH" oder "Union" gepasst hätte und sich für meinen Geschmack doch sehr dahin schleppt, ohne wirklich irgendwo hin zu führen. Hier wäre weniger Laufzeit mehr gewesen. Das 20minütige "That, That Is" hat einige sehr spannende, treibende und einige sehr wunderschöne ruhige Stellen, wirkt aber verhältnismässig zusammengestöpselt: die einzelnen Teile bilden keine richtige Einheit, auch wenn schöne und "Yes"-typische Teile (Howes Akustik-Intro, wirklich mitreissender intensiver Klimax-Schluss) vorkommen und bereits vorgestelltes Material immer wieder aufgenommen wird. Aber genug gemeckert: für Freunde von "Yes"-Progphase bilden die Songs alleine wegen ihrer anspruchsvolleren Konzeption und dem hörbaren Versuch der Band, Material weiter auszureizen, einen deutlichen Schritt in die richtige Richtung nach den mageren Rabin-Jahren.

Nichtsdestotrotz: viel mehr als ein Lebenszeichen nach dem Motto: "Es gibt uns noch, und von uns ist noch was zu erwarten!" bietet "Keys To Ascension" meiner Meinung nach nicht. Und auf "Keys To Ascension 2" wurde diese Richtung ja auch schon erfolgreicher und auch umfangreicher weiter geführt.

Anspieltipp(s): Live: America, Onward; Studio: That, That Is
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.6.2002
Letzte Änderung: 6.6.2002
Wertung: 8/15

Zum Seitenanfang

Von: Jörg Schumann @ (Rezension 2 von 4)


Ich mag Live-Alben. Und ich habe lange auf neue "alte" Yes-Kompositionen gewartet. Diese Scheibe scheint beides zu vereinen, und doch bin ich irgendwie gespalten, was "Keys to ascension" betrifft.

Nicht nur, dass durch die Hybridform beide Bereiche nur halbe Sachen sind, sondern auch die Songauswahl an sich ist nicht immer ganz nach meinem Gusto. So hätte ich auf "America" und "Onward" gut verzichten können. Die übrige Live-Auswahl und Umsetzung ist dagegen durchwegs packend und von gewohnt hoher Qualität.

Mit den beiden Studionummern werde ich dann nur teilweise warm. "Be the one" fängt ganz nett an, driftet dann aber etwas in die banale Ecke ab. Die initiale Akkordfolge ist schon ziemlich altbacken und der rockige Mittelteil ziemlich einfallslos hingehämmert. Die Melodie der Stimme ist grässlich und das Gitarrengefrickel lieblos hingeklampft. Braucht man nicht wirklich.

"That, that is" gefällt mir schon besser, es hat viele gute Passagen, ist gefällig komponiert, zündet aber auch nie so, dass ich richtig begeistert bin. Der Schluss ist allerdings klasse, da geht die Post ab. Das tragende Element des Stückes sind für mich aber die 4 sich stets wiederholenden Gitarrentöne, welche das Griffbrett rauf und runter transponiert werden und dem Ganzen einen fliessenden, beinahe hypnotischen Anstrich geben. Gelungen ist der ruhige, fliessende Anfang, der Erinnerungen an die alten 70er-Alben weckt, danach der Übergang in das temporeiche "Crossfire" und der bereits erwähnte Schluss.

Was hätte ich mir gewünscht? In Anbetracht der Tatsache, dass man ein Jahr später Keys To Ascension 2 auf den Markt warf, wäre EIN Live-(Doppel)album sicher die bessere Wahl gewesen. Und was die Studio-Versionen anbelangt gilt dasselbe: das Beste aus beiden "Keys-Alben" auf eine Scheibe gebrannt, sich, von der Idee beseelt, die alten Yes wieder aufleben zu lassen, noch etwas mehr Zeit für`s komponieren genommen, und nicht ein Schrottalbum wie Open Your Eyes zu veröffentlichen, wäre sicher mehr gewesen. Mir scheint allerdings, dass einfach nicht mehr Ideen da waren, wie das letztgenannte Album beweist.

Anspieltipp(s): that, that is
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.11.2004
Letzte Änderung: 30.11.2004
Wertung: 7/15
9 live, 8 that, that is, 4 be the one

Zum Seitenanfang

Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 4)


Jetzt ist es tatsächlich schon ein ganzes Jahrzehnt her, dass die überraschende Reunion der klassischen Yes-Besetzung angekündigt wurde, und neben der von Udo erwähnten "freudigen Unruhe" gab es auch einige mahnende Stimmen, die daran erinnerten, dass schließlich gerade diese Besetzung "Tormato" verbrochen hätte und deswegen ja nur Mist dabei rauskommen könnte.

Nun, die Bedenkenträger haben erfreulicherweise nicht Recht behalten, denn angesichts der auf die beiden "Keys To Ascension"-Alben folgenden Tonträger kann man durchaus froh sein noch mal etwas vom Glanz der alten Yes mitbekommen zu haben. Wobei sich diese Bemerkung mehr auf "KTA 2" bezieht, denn dieser erste Teil lässt noch einige Wünsche offen.

Überwiegend sind hier Liveversionen bewährter Klassiker enthalten. Diese werden routiniert gespielt, auch wenn die Herren ihrem vorgerückten Alter Tribut zollen und hie und da mal einen Gang runterschalten. Kein Wunder, dass sich hier mit "The Revealing Science of God" und "Onward" zwei etwas ruhigere Stücke finden ;-) Immerhin sind das zwei seltener zu hörende Stücke, und gerade "Onward" gefällt mir hier deutlich besser als im Original. Eine Überraschung ist sicher auch das Paul-Simon-Cover "America", sonst nur auf der Kompilation "Yesterdays" zu finden.

Gespannt war ich und sicherlich das gesamte Yes-Lager damals natürlich vor allem auf die beiden neuen Songs. Leider können diese bei weitem nicht so überzeugen wie das Livematerial. "Be The One" klingt mir zu sehr nach der eigentlich überwunden geglaubten Rabin-Ära, das folgende "That, That Is" wirkt arg zerstückelt und in sich nicht schlüssig.

Die richtige Klasse kam dann ein Jahr später mit dem zweiten Teil - und unmittelbar darauf die kalte Dusche "Open Your Eyes". Für KTA 1 gilt insgesamt das Prädikat: ordentlich.

Anspieltipp(s): The Revealing Science of God, America
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.11.2005
Letzte Änderung: 28.11.2005
Wertung: 9/15

Zum Seitenanfang

Von: Nik Brückner @ (Rezension 4 von 4)


Yes waren in der ersten Hälfte der 90er in einem ziemlich konfusen Zustand: "Union" war eine zusammengeschluderte Montage zweier halber Alben und einiger Demos gewesen, die darauf folgende Tour hatte acht Bandmitglieder zusammengebracht - wovon sich die meisten allerdings zutiefst hassten, dann wurden mit Bruford, Howe und Wakeman die drei besten Yes-Musiker hinausgeworfen, „Talk“ floppte - und wieder einmal wusste niemand, wie man weitermachen sollte. Erneut war es daraufhin Jon Anderson, der die Initiative ergriff: Im Mai 1995 rief er Steve Howe an, um mal vorzufühlen, ob dieser einer Wiederbelebung der "klassischen" Yes-Besetzung zustimmen würde. Mit Howe im Boot war der Rest dann ein Kinderspiel: zwei Monate später traf sich die Band in Los Angeles und man beschloss, noch im Sommer mit der Arbeit an neuen Songs zu beginnen. Da man der Firma Left Bank nichts mehr zutraute, engagierte die Band kurzerhand Squires Manager Jon Brewer als neuen Bandmanager. Eine neue Plattenfirma war mit CMC auch bald gefunden. Kennt Ihr nicht? Abwarten…

Als erste Songs wurden, maßgeblich von Anderson, Squire und Howe, im Herbst/Winter 1995 "That, that is" und "Be The One" fertig, die dann im Februar 1996 zunächst nur von Anderson, Howe, Squire und White eingespielt wurden. Wakeman, der später nachkam, spielte seine Keyboard-Parts nachträglich in eigens dafür freigelassene Lücken ein - was der Band später die berechtigte Kritik einbrachte, dass man genau das leider allzu deutlich hören könne. Produziert wurden die Songs von Billy Sherwood, der zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Jahre lang zum Umfeld der Band gehört hatte – spätestens seit er Ende der Achtziger als Nachfolger Andersons im Gespräch war.

Schon während der Arbeit an den neuen Songs überlegte man, auf welche Weise man sich auf den Bühnen der Welt zurückmelden könnte. Allerlei Ideen wurde hin und her gewälzt, eine kleine Tour, eine große Tour, ein Konzert in New York oder Philadelphia - aber in typischer Yes-Manier wurde nichts fest geplant, so dass es für die Planung eines großen Events bald viel zu spät war. Doch die Proben hatten bereits begonnen, schon im Oktober 1995. Angesichts der knappen Zeit konnte nun nur noch Anderson das kleine Freemont Theater, einen ehemaligen Kinosaal in seinem Wohnort San Luis Obispo (SLO), organisieren. Mit ganzen zehn Tagen Vorlauf musste die Band bangen, sogar das nicht ausverkauft zu kriegen. Doch auf die Fanclubs war Verlass: Die Tickets für die zunächst zwei, dann drei angesetzten Konzerte waren innerhalb kurzer Zeit weg.

Die drei Konzerte wurden mitgeschnitten - da man damit für eine spätere Veröffentlichung des Livematerials allerdings nicht viel Auswahl hatte, wurden diese Mitschnitte nachträglich im Studio heftig nachbearbeitet. Allerdings war man uneins, in welcher Form welches Material veröffentlicht werden sollte: Die Plattenfirma hielt grundsätzlich eine Tour für nötig, um eine neue Yes-Veröffentlichung zu bewerben, doch die Band wollte sich darauf nicht einlassen. Es war aber unklar, ob man besser ein Livealbum und ein Studioalbum separat veröffentlichen oder ob man Live- und Studiomaterial zusammen herausbringen sollte. Da sich ein Livealbum generell schlechter verkauft als ein Studioalbum, ein reines Studioalbum allerdings angesichts der enttäuschenden Verkäufe von "Talk" für die kleine Plattenfirma wegen des nötigen Werbeaufwandes zu risikoreich schien, entschied man sich dazu, einen Teil der in San Luis Obispo aufgenommenen Songs zusammen mit dem neuen Material zu veröffentlichen, in der Hoffnung, dass das die Plattenverkäufe ankurbeln würde: Die Klassiker sollten die neuen Songs verkaufen helfen - und die neuen Songs die Klassiker.

Am 23. Oktober 1996 erschien dann "Keys To Ascension", ein erster Teil der Konzertaufnahmen zusammen mit den neuen Songs "That, that is" und "Be The One". Als Doppel-CD, aufwändig verpackt, im Schuber, mit neuem Roger-Dean-Cover, machte die Veröffentlichung zunächst einen recht edlen Eindruck. Doch das änderte sich schnell: Beim Hören fällt sofort die geradezu lächerliche Produktion auf. Man muss nur mal den Anfang von „Be The One“ vergleichen mit den ersten Takten von „Talk“. Selbst das von vielen Köchen zusammengerührte „Union“ und das grauenhafte „Open Your Eyes“ starten mit einem satteren, druckvolleren Sound. Schon die ersten Takte des Songs zeigen, woran es liegt: Sherwood bekommt es nicht hin, die Band als Einheit zum Klingen zu bringen. Das Schlagzeug, das im Übrigen bei beiden Studiotracks einen ganz fürchterlichen Sound hat, scheint in einem vollkommen anderen Universum zu existieren als der Rest der Band und die Keyboards, mit seltsam generischem Klang, sind viel zu leise. Dann beginnt Howe mit einigen gedämpften Akkorden, dazu erklingen im Hintergrund einige Effekte von Keyboards und Schlagzeug, die dann kurz vor dem Einsatz Andersons mitten in ihrem Nachhall ausgeschaltet werden. Dann der Gesang: Während Anderson ganz gut klingt, wenn er alleine singt, sind die Backing Vocals extrem blass. Synchronizitätsprobleme und versehentliche Dissonanzen wurden nicht ausgemerzt, und so klingen die Gesangsspuren wie First Takes, die man irgendwie zusammengepappt hat. Kurz: Die Produktion ist amateurhaft. Wer Billy Sherwood für einen guten Produzenten hält, sollte sich das hier mal genau anhören, bevor er seine Meinung kundtut. Besser wird es nur an den lauten Stellen, dann macht die Band selbst genug Druck, dass es auch bei dieser Produktion reicht.

Nun muss man fairerweise sagen, dass CMC nicht gerade viel Geld in das Album gesteckt hat. Womöglich waren Sherwood einfach finanziell die Hände gebunden. Nicht einmal eine vernünftige Promotion hat CMC hinbekommen – vielleicht nicht ganz zu Unrecht, hatte sich der Vorgänger „Talk“ doch statt der erwarteten 5 Millionen nur 300.000 Mal verkauft. Das Plattenlabel Victory ist sogar pleite gegangen. Woran es auch immer gelegen haben mag: Die Studiotracks von „Keys to Ascension“ klingen billig und darunter leidet das gesamte Album.

Aber auch die Songs selber geben nicht allzu viel her. „Be the One“ ist eine zehnminütige Eroberung des Nutzlosen im 4/4-Takt: Der Song beginnt mit der Vorstellung eines Strophenthemas, das vor allem durch seine belanglose Melodie auffällt. Es folgt eine Bridge und zurück zur Strophe. Dann, nach zweieinhalb Minuten, der erste Refrain. Strophe. Bridge, Strophe, Refrain? Das kennen wir doch, oder? Nun gut, selbst das große „Close to the Edge“ ist nicht viel anders strukturiert. Einer modifizierten Bridge folgt dann der zweite Refrain, und danach kriegt der Song endlich mal ein bisschen Drive. In den zweieinhalb Minuten von „Humankind“ drehen Yes mal ein bisschen auf und zeigen, was sie noch können. Dann kommt der Refrain zurück… Neues, aber leider uninteressantes Material leitet dann zu einem letzten Refrain über, der schließlich in einen unbefriedigenden Schluss mündet.

„Be the one“ bietet, abgesehen von dem leidlich spannenden Mittelteil, kaum interessantes musikalisches Material. Dieses wird dann auch noch viel zu oft wiederholt. Der Song bekommt auf diese Weise massive Längen und wäre mit der Hälfte der Laufzeit weitaus besser bedient.

„That, that is“ beginnt mit Steve Howes „Togetherness“, einem schönen Gitarrenstück, das einer der musikalischen Höhepunkte des Albums ist. “Crossfire” schließt sich mit einem fiebrigen Riff an, das von Bass, Gitarre und Keyboard, zum Teil im Wechsel, gespielt wird. Ein toller rhythmischer Einfall. Anderson treibt die Band und das Riff schließlich seinem Höhepunkt entgegen – bis der Song nach etwa sieben Minuten schlicht abbricht. Was hätte man aus „That, that is“ alles machen können, wenn man an dieser Stelle weitergemacht hätte! Stattdessen schließen Yes nun vollkommen unvermittelt das stille ”The Giving Things” an, das von der Überkreuzstellung eines 4/4-Themas Andersons und einer krummtaktigen Gitarrenfigur Howes lebt. Nach eineinhalb Minuten ist der Spuk vorbei und ”That Is” beginnt, im Grunde einfach eine schnellere und sehr rhythmisch betonte Version von ”The Giving Things”. Wäre interessant gewesen, diese Passage aus ”The Giving Things” herauszuentwickeln, aber wieder wird das einfach an den Song drangepappt, diesmal kann man den Schnitt sogar hören. ”That Is” scheint sich dann mit einem Riff Howes in einen funkigeren Teil zu verwandeln, macht aber stattdessen Platz für „All In All”: der erste halbwegs gelungene Übergang des Songs. Dieser Teil steigert sich dann, bis Yes das Tempo wieder herausnehmen: ”How Did It All Begin” zieht aber schnell wieder an, so dass die Spannung nicht wirklich verloren geht. Es folgt eine jener Lücken, die man für Wakeman offenließ und der steuert prompt den Versuch eines Keyboardsolos bei: Inspiriert, aber viel zu kurz (größer war die Lücke wohl nicht), zudem kann man es kaum hören, weil Sherwood es weit in den Hintergrund gemischt hat. Geldmangel? Unvermögen? Wie dem auch sei: In der Folge kehrt erst das Thema von „All In All”, dann das von ”How Did It All Begin” wieder, schließlich die krummtaktige Gitarrenfigur aus ”The Giving Things”. Das wirkt alles ziemlich unentschlossen, so als wüsste die Band nicht, mit welchem der verschiedenen Themen sie den Song zu Ende bringen soll. Erst ein Gitarrensolo Howes entwickelt den nötigen Zug zum Tor, und auch wenn Sherwood Howe hier einen reichlich seltsamen Sound verpasst hat, funktioniert die Steigerung der Intensität gut und Yes finden den einzigen Ausweg: neues Material muss her. Weil das am Ende eines Longtracks aber meist keine gute Idee ist, verbindet man das mit dem fiebrigen Riff und der Gesangslinie von “Crossfire” und steigert den Song so einem überraschend abrupten, aber deshalb nicht etwa enttäuschenden Finale entgegen. Yes wissen offenbar doch noch ab und zu, was sie tun.

Nach dem schwachen „Be the one“ ist „That, that is“ definitiv eine Steigerung. Die Band hat gute Ideen, der Song entwickelt stellenweise eine gute Dynamik und die letzten vier Minuten sind Yes auf der Höhe ihres Könnens in den Neunzigern. Leider funktioniert der Zusammenhalt des ziemlich heterogenen Materials nur selten: Die Band hat einfach unabhängig voneinander entstandene Songideen der vier Songwriter zusammengebastelt. Hier rächt sich, dass man nicht wie in den Siebzigern die Songs gemeinsam, als Kollektiv, komponiert hat. Auch eine stärkere Einbindung Wakemans von Beginn an hätte das verhindern können. Er war immer der große Arrangeur bei Yes gewesen. Allerdings kam es nicht dazu, weil er sich wohlweislich aus allem raushielt, was in Streit und Chaos hätte enden können: also aus so ziemlich allem.

Die Livemitschnitte klingen im Vergleich zu den Studiotracks weitaus besser. Das hat einen einfachen Grund: Da in SLO nur drei Konzerte gespielt wurden, aus denen man Aufnahmen für ein Livealbum zusammenstellen konnte, hielt man es für nötig, Fehler nachträglich im Studio zu korrigieren. Als Steve Howe für vier Tage anreiste, um einige seiner Gesangspassagen zu korrigieren, bemerkte er, dass kein Bandmitglied die Abmischung der Aufnahmen überwachte: Anderson und Wakeman unternahmen zu diesem Zeitpunkt Solotourneen, Squire und White waren ebenfalls bereits abgereist. Howe beschloss daraufhin, dies selbst zu übernehmen, in der Annahme, es würde nur wenig Zeit beanspruchen. Letztendlich kostete ihn die Arbeit jedoch fast ein halbes Jahr. Nur Jon Anderson schneite ab und zu vorbei und half ihm ein bisschen. So wurden die Liveaufnahmen kräftig nachbearbeitet, und klingen natürlich dementsprechend perfekt. Wen das nicht stört, der kann hier tolle Versionen von großen Yes-Klassikern hören – die Setliste gehört zu den besten der Band. Die Songs sind allerdings leider nicht in der Originalreihenfolge zu hören.

„Keys to Ascension“ ist eine typische Yes-Veröffentlichung: Eine gute Idee wurde bis zur Unkenntlichkeit verkorkst, wegen Geldmangels, aus Zeitdruck und nicht zuletzt auch wegen der Unfähigkeit der Band, ihr Chaos zu organisieren. Aber sie hatten ja eine zweite Chance…

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.9.2012
Letzte Änderung: 25.9.2012
Wertung: 8/15
7 Punkte für die Studiotracks, 11 für die Liveaufnahmen, Punktabzug für die grauenhafte Produktion

Zum Seitenanfang

Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Yes

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Yes 8.40 5
1970 Time And A Word 9.20 5
1971 The Yes Album 9.80 6
1972 Close To The Edge 13.80 13
1972 Fragile 11.20 5
1973 Yessongs 13.00 3
1973 Tales From Topographic Oceans 13.25 8
1974 Relayer 14.22 9
1975 Yessongs (VHS/DVD) 11.00 2
1975 Yesterdays - 2
1977 Going For The One 9.88 8
1978 Tormato 7.71 8
1980 Yesshows 10.00 3
1980 Drama 11.50 8
1981 Classic Yes 12.00 2
1983 90125 8.13 8
1985 9012 Live - The Solos 5.00 3
1987 Big Generator 6.67 6
1991 YesYears 13.00 2
1991 Owner Of A Lonely Heart - 1
1991 Union 6.00 7
1992 Yesstory - 1
1992 Union Tour Live (DVD) 7.00 1
1993 Highlights - The Very Best of Yes - 1
1993 Symphonic Music of Yes 2.00 2
1994 Talk 6.17 6
1994 Yes Active - Talk (CD-ROM) 8.00 1
1996 Live in Philadelphia 1979 (DVD) 4.00 1
1996 Keys to Ascension (VHS/DVD) 7.00 1
1997 Something's coming - the BBC Recordings 1969-1970 9.00 2
1997 Open Your Eyes 4.17 6
1997 Keys To Ascension 2 10.50 4
1998 Yes, Friends and Relatives 3.00 2
1999 Musikladen live (DVD) 6.00 1
1999 The Ladder 6.00 7
2000 The Best of Yes - 2
2000 Masterworks 8.00 1
2000 House Of Yes - Live From House Of Blues 6.00 2
2000 House of Yes - Live from House of Blues (DVD) 8.00 2
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 1 (DVD) 13.00 2
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 2 (DVD) 14.00 1
2001 Keystudio 9.00 2
2001 Magnification 8.40 10
2002 Symphonic Live (DVD) 10.00 3
2002 In a Word: Yes (1969- ) 12.50 2
2002 Yes today - 1
2002 Extended Versions - 2
2003 YesYears (DVD) 10.00 1
2003 Yes Remixes 2.00 1
2003 YesSpeak (DVD) 9.67 3
2003 Greatest Video Hits (DVD) 3.00 1
2004 Yes Acoustic (DVD) 6.00 2
2004 The ultimate Yes 10.00 2
2004 Inside Yes. 1968 - 1973. An independent critical review. (DVD) 10.00 1
2005 The Word is Live 11.00 1
2005 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (DVD) 10.50 2
2005 Inside Yes Plus Friends and Family (DVD) 11.00 1
2006 9012Live (DVD) 10.00 2
2006 Essentially Yes - 1
2007 Yes. Classic Artists. Their definitive fully authorised Story in a 2 Disc deluxe Set - 1
2007 Live at Montreux 2003 (DVD) 9.00 1
2007 Live at Montreux 2003 - 1
2008 The New Director's Cut 9.00 1
2009 The Lost Broadcasts 7.00 1
2009 Rock Of The 70's 7.00 1
2010 Live in Chile 1994 10.00 1
2010 Keys to Ascension (2CD + DVD Box Set) 10.00 1
2011 Union Live (DVD) 11.00 1
2011 The Revealing Science Of God 7.00 1
2011 Fly from here 8.57 7
2011 Live on Air - 1
2011 In The Present - Live From Lyon 9.00 2
2012 Yessongs - 40th Anniversary Special Edition (Blu-Ray) - 1
2013 The Studio Albums 1969-1987 - 1
2014 Heaven & Earth 5.17 7
2014 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (3CD Set) 9.00 1
2014 Like It Is - Yes at the Bristol Hippodrome 6.00 1
2015 Progeny: Highlights From Seventy-Two 12.00 1
2015 Like It Is - Yes at the Mesa Arts Center 10.00 1
2015 Progeny - Seven Shows from Seventy-Two 8.00 2
2017 Topographic Drama – Live Across America 10.00 1
2018 Fly from Here - Return Trip - 1

Zum Seitenanfang

© 1999-2018; Das Copyright aller Texte liegt bei den jeweiligen Autoren; Datenschutzerklärung - Haftungsausschluss
Site Map - Startseite - FAQ - Reviews - Leitfaden - Lesestoff - Kontakt - Links
RSS | Impressum