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Steve Hackett

Genesis Revisited II

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012 (Veröffentlichung: 19.10.2012)
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: Inside Out Music
Durchschnittswertung: 13/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Steve Hackett Guitars, Vocals
Nad Sylvan Vocals
Dick Driver Double Bass
Roger King Keyboards
Gary O'Toole Drums, Vocals
Christine Townsend Violin, Viola
Rachel Ford Cello
John Hackett Flute
Mikael Akerfeldt Vocals
Simon Collins Vocals
Conrad Keely Vocals
Francis Dunnery Vocals
Lee Pomeroy Bass
Jeremy Stacy Drums
Dave Kerzner Keyboards, Programming
Benedict Fenner Additional Production
Nik Kershaw Vocals
Steve Rothery Guitars
Rob Townsend Soprano Sax, Whistle, Flute
Steven Wilson Vocals, Guitar
Nick Beggs Bass
Phil Mulford Bass
Neal Morse Vocals
Roine Stolt Guitars
Jakko Jakszyk Vocals
Amanda Lehmann Vocals
John Wetton Vocals
Attila Eherhazi Guitar
Nick Magnus Keyboards, Atmospheres
Szilard Banai Drums
Tamas Barabas Bass
Zoltan Kovacs Piano
Ferenc Kovacs Trumpet

Tracklist

Disc 1
1. The Chamber Of 32 Doors 6:00
2. Horizons 1:41
3. Supper's Ready 23:35
4. The Lamia 7:47
5. Dancing With The Moonlit Knight 8:10
6. Fly On A Windshield 2:54
7. Broadway Melody Of 1974 2:23
8. The Musical Box 10:57
9. Can-Utility And The Coastliners 5:50
10. Please Don't Touch 4:03
Gesamtlaufzeit73:20
Disc 2
1. Blood On The Rooftops 6:56
2. The Return Of The Giant Hogweed 8:46
3. Entangled 6:35
4. Eleventh Earl Of Mar 7:51
5. Ripples 8:14
6. Unquiet Slumbers For The Sleepers... 2:12
7. ...In That Quiet Earth 4:47
8. Afterglow 4:09
9. A Tower Struck Down 4:45
10. Camino Royale 6:19
11. Shadow Of The Hierophant 10:45
Gesamtlaufzeit71:19


Rezensionen


Von: Harald Schmidt @ (Rezension 1 von 3)


Steve Hackett wagt das Unmögliche und nimmt mit Genesis Revisited II und einer Heerschar von über 30 Gastmusikern sein wahrscheinlich größtes Projekt in Angriff – wahlweise auf vier LPs oder Doppel-CD nachzuerleben. Diese Nachricht elektrisierte die Genesis-Fans und dennoch stellt man bei solchen Unternehmungen die Frage: Macht das wirklich Sinn und wenn ja, in welcher Form wünscht man sich solche Neuaufnahmen eigentlich? Hackett fragt danach nicht viel, sondern setzt sich sein eigenes Ziel: Vorstellungen zu realisieren, die damals produktionstechnisch nicht umsetzbar waren oder die er im Bandkontext bei Genesis nicht durchsetzen konnte. Seien es nun einzelne Details im Arrangement, ganze Kompositionen oder insgesamt mehr Transparenz und Klarheit im Klang – Steve Hackett achtet stets darauf, den Geist des Originals zu erhalten.

Hackett bleibt im Gegensatz zu Genesis Revisited von 1996 enger an den Originalversionen und wählt ausschließlich Stücke der sechs Alben, an denen er beteiligt war, angereichert durch Solostücke, die in enger Verbindung zu Genesis stehen. Unveröffentlichtes Material wie noch auf GR gibt es keines. Die musikalischen Veränderungen beziehen sich überwiegend auf Details und Akzentuierungen (zumeist zugunsten der Gitarre). Gelegentlich wird die Instrumentierung variiert, so dass auch Blasinstrumente und Streicher das Klangspektrum dezent erweitern. Konkrete Neuerungen findet man an spezifischen Stellen, in welchen dann gezielt ergänzt oder verändert wird. Wenn Hackett einmal radikal Neues einführt, dann handelt es sich meist um ein zusätzliches Intro oder eine Solovariation, die eine neue Perspektive auf die einzelnen Stücke ermöglicht.

Die wohl größte Veränderung geschieht beim Gesang: Steve hat keinen Gabriel oder Collins (oder nur den ganz Kleinen: Simon Collins) an Bord und traut sich, das Projekt mit insgesamt 14 sehr unterschiedlichen Sängern anzugehen. Deren Namen sind ein Who Is Who des Prog und man darf sagen, dass jeder einzelne dieser Sänger seine Sache wirklich gut macht. Je nach Timbre werden die Intonationen leicht abgewandelt und auch die Background Vocals angepasst. Das geschieht stets treffsicher – man ist nah am Original, so dass der Hörer sich stets zuhause fühlt und doch ist es nicht identisch, so dass wirklich neue Höreindrücke und interessante Variationen entstehen. Da ist es ein Vorteil, dass viele der Beteiligten wie Neal Morse, Nick D‘Virgilio oder Steven Wilson seit Kindesbeinen eingefleischte Genesis-Fans sind und in ihren Interpretationen behutsam vorgehen. Ein Nad Sylvan hingegen agiert als Schauspieler und imitiert wahlweise Gabriel oder Collins oder vermischt sogar beide Sängertypen auf verblüffende Art. Er könnte Textzeilen von Home By The Sea zu Watcher Of The Skies singen und man würde es ihm abkaufen. Dennoch ist eine auffällige Erkenntnis: Es gelingt wesentlich besser, Gabriels Gesangsteile zu interpretieren, als die eines Phil Collins!

Ein neuralgischer Punkt ist am ehesten das Schlagzeug. Die Dynamik und Dramatik sowie den unfassbaren Groove und voluminösen Klang eines Phil Collins der 70er kann man nicht ersetzen. Hier muss man am ehesten geringe Abstriche machen.

Dass Hackett sogar anderen Gitarristen wie Steve Rothery (Marillion) oder Roine Stolt (The Flower Kings, Transatlantic) Platz einräumt kann man als große Geste sehen: Es ist kein Egotrip, sondern alles ist dem Ziel verschrieben, Genesis und ihre größte Zeit zu würdigen.

Hackett geht dieses Projekt sehr ernsthaft an und das ist der Erfolgsgarant. Es wird nichts erzwungen, es wirkt eher wie ein Revue-Passieren der eigenen Vergangenheit kombiniert mit einer Nutzung der möglicherweise heute verbesserten technischen Möglichkeiten. So erfahren die Stücke eine leichte Modernisierung und Horizonterweiterung unter Wahrung des originären Charakters. Eine grandiose und sehr ausbalancierte Leistung, an der nicht nur jeder echte Fan seine Freude haben wird. Auch diejenigen, die den Klang der 70er immer ein wenig zu verstaubt fanden, haben mit diesen Aufnahmen eine neue Möglichkeit des Zugangs zur Musik von Genesis.

Ein Blick auf die Details:

The Chamber of 32 Doors als Opener wartet gleich mit einem neuen Akustik-Intro auf und wird noch symphonischer durch den Einsatz der Streicher. Nad Sylvan demonstriert schon hier, dass er nicht nur Collins‘ oder Gabriels Timbre imitieren kann, sondern beide sogar ineinander verschmelzen lässt.

Supper’s Ready –perfekt vorbereitet durch Horizons, wie seinerzeit auf Foxtrot- ist durch die Vielzahl an Sängern zunächst gewöhnungsbedürftig: Mikael Akerfeldt (Opeth), Simon Collins, Hackett selbst, Conrad Keeley (…Trail Of Dead) und Francis Dunnery (Ex-It Bites) übernehmen die einzelnen Parts nacheinander, wodurch diese stärker voneinander abgehoben werden. Ein interessantes Experiment. Das opulente Finale des Abendmahls beispielsweise erscheint durch den rockigen Gesang Dunnerys und die neuen Gitarrenteile im Hintergrund noch bedrohlicher und apokalyptischer. Das abschließende Gitarrensolo klingt um einiges präsenter und transparenter, wie so viele der Gitarrenfiguren auf GRII gegenüber den Originalen. Durch die zusätzlichen Gitarrenspuren hier wirkt das Solo deutlich verspielter.

The Lamia, eines der stärksten Einzelstücke von The Lamb, wird durch Nik Kershaw sehr eigenwillig interpretiert. Das wirkt als ob jemand in tiefer Einsamkeit und nur für sich allein singen würde. Das packende und üppige Gitarrensolo erhält eine Aufwertung durch Steve’s Duell mit Steven Rothery (Marillion): Zwei Gitarren, die sich umeinander herum bewegen und auf diese Weise zwei der bedeutendsten Gitarristen des Progressive Rock vereinen.

Dancing With The Moonlit Knight überrascht – vor dem Acappella-Intro wird ein kurzes Akustik-Intro mit Greensleeves gesetzt. Diese nette Idee lässt Steve’s Lieblingsstück der alten Genesis noch britischer erscheinen, wozu auch Francis Dunnery mit seiner intensiven Gesangslinie beiträgt.

Der kraftvoll stampfende Moment von Fly On A Windshield wird verschärft durch noch wilder kreischende Gitarren und wird im Verbund mit Broadway Melody Of 1974 so interpretiert, wie man es von Steve’s Konzerten der letzten Jahre schon kennt.

The Musical Box ist ein echter Prüfstein. Eingeleitet durch eine Spieluhrmelodie wird das Albumcover von Nursery Cryme sozusagen akustisch eingebaut und in dieser Atmosphäre präsentiert Hackett dann das Remake des ersten Tappingsolos überhaupt. Besonders austoben kann er sich nicht nur wegen der vielen gitarrendominierten und harten Teile, sondern ganz besonders in den verspielten Momenten, wo es ihm gelingt, drei Gitarren harmonisch ineinander zu verweben. Nad Sylvan in seiner skurrilen Art ist sicher die richtige Besetzung, um auch den Old Man zu geben.

Can-Utility könnte das unterbewertetste Stück von Genesis sein. Auf Foxtrot zwischen den Monstern Watcher Of The Skies und Supper’s Ready zur Randerscheinung verurteilt, ist es vielen Fans dennoch ein Meilenstein. Der unausgesprochene Klassiker und gleichzeitig Steven Wilsons (Porcupine Tree) Lieblingsstück von Genesis, das er auf superbe Art interpretiert. Hier hört man, wie gut er mit seiner Stimme abseits seiner selbstgeschriebenen Melodien agieren kann. Man kann förmlich hören, dass er dieses Stück in seinen Jugendjahren hunderte Male vor dem Spiegel mitgesungen hat. Die zusätzlichen Streicher tun ihr Übriges, um dem Stück eine neue Brillanz zu verleihen.

Please Don’t Touch, von Genesis geprobt und verworfen während der Wind & Wuthering-Sessions, variiert als Zwilling von Wot Gorilla das Thema von Unquiet Slumbers. Hackett lässt seinen Gitarrenattacken auch hier freien Lauf, so dass diese Version deutlich radikaler klingt als auf seinem 2.Soloalbum. Man kann sich das auf diese Art hervorragend auf Wind & Wuthering vorstellen.

Blood On The Rooftops kennt man ebenfalls von diversen Konzerten und wird in dieser Form auch hier präsentiert, angereichert mit einem zusätzlichen Akustikgitarrenvorspiel und Streicherunterstützung. Hier vermisse ich Phil Collins.

Return Of The Giant Hogweed ist enorm beeindruckend und vielleicht die stärkste Neuaufnahme auf GRII. Die gesamte brachiale Wucht des Originals bleibt erhalten, Neal Morse interpretiert wie schon mit Transatlantic den Gesang etwas rauer und wilder, im Instrumentalmittelteil setzt ein langes, wildes Gitarrenduett zwischen Roine Stolt und Hackett ein echtes Ausrufezeichen. Eine perfekte Fusion der Vergangenheit und Gegenwart.

Entangled ist wie geschaffen für Sänger Jakko Jakszyk und seine warme, angenehme Stimme. Die Neuaufnahme bleibt zudem der 76er-Version sehr nah und erhält damit die Faszination des vertonten Traumzustands.

Eleventh Earl Of Mar klang für mich im Original immer etwas verwaschen. Ganz besonders die Gitarren hätten deutlich schneidender sein müssen. Das korrigiert Steve und spricht dem Fan aus der Seele. Auch klingt die neue Version nicht ganz so unruhig wie das 76er Original.

Ripples enttäuscht leider erneut. Schon auf A Trick Of The Tail der Schwachpunkt, kann auch die tief singende Amanda Lehmann sich nicht wirklich überzeugend in Szene setzen.

Dass Hackett die Abschlusstrilogie von Wind & Wuthering irgendwann aufgreifen und neu interpretieren würde, insbesondere das von ihm so geschätzte Afterglow, war zu erwarten. Auch hier gilt wieder das Motto: Die Vergangenheit bewahren und Feinheiten optimieren. Die Gitarrenexperimente sind höchst interessant und die Einheit kommt wuchtiger aus den Boxen, so dass das einsetzende Saxofon ein exotisches Flair und Leichtigkeit verbreitet. Noch auf GR setzte John Wetton mit seinen Interpretationen von Watcher Of The Skies oder Firth Of Fifth echte Highlights. Bei Afterglow bleibt er deutlich hinter Collins zurück.

Die abschließenden drei frühen Hackett-Solo-Stücke wurden entweder von Genesis getestet oder wie z.B. Shadow Of The Hierophant schon zu Foxtrot-Zeiten mit Ex-Kollege Mike Rutherford geschrieben. Hierophant ist ein beeindruckender Abschluss und Hackett zelebriert hier ein Thema in epischer Breite, wie man es von vielen seiner klassischen Gitarrensoli kennt. Ein fulminanter Schlusspunkt mit der gesamten Klassikerladung des britischen Progressive Rock: 12-saitige Gitarren, Mellotron, Bass Pedals und fette Drums – gemeinsam hinsteuernd auf das schier endlose, ekstatische E-Gitarren-Finale. Am stärksten vertreten auf GRII ist das Album Wind & Wuthering mit fünf Stücken. Vielleicht ein Beleg dafür, dass Steve mit diesem Album, nach dessen Veröffentlichung er Genesis frustriert verließ, im Original am wenigsten glücklich war und deswegen hier ein Ausrufezeichen setzen wollte.

Die Auswahl der Stücke kann als sehr gelungen bezeichnet werden. Von den großen Klassikern fehlen höchstens One For The Vine oder Get Em Out By Friday. Genesis Revisited II ist eine große Feier der vielleicht besten Prog-Band des letzten Jahrhunderts und Steve setzt Genesis und sich selbst ein standesgemäßes Denkmal. Jeder Genesis-Fan wird den Tag, an dem er dieses Album zum ersten Mal hört nie vergessen. Zu schön ist es, in diesen Kosmos neu einzutauchen und all das Bekannte gedanklich in 3D und in neuen Farben zu sehen. Danke, Steve Hackett, tausend Mal danke!

Anspieltipp(s): The Return Of The Giant Hogweed, The Musical Box, Can-Utility And The Coastliners, Tha Lamia
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.10.2012
Letzte Änderung: 12.10.2013
Wertung: 14/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 2 von 3)


"Die Vergangenheit bewahren und Feinheiten optimieren." So beschreibt mein Vorredner das Motto dieser Wiederaufnahme. Kein leichtes Unterfangen, wie ich finde. Nur schon das Bewahren der Vergangenheit ist schwierig, will man nicht einfach dasselbe nochmals aufwärmen. Dann auch noch Feinheiten optimieren wollen, und das bei Kompositionen, die praktisch perfekt performed sind, ist eine Herculesaufgabe.

Die Fragen, die ich mir gestellt habe, als ich von GR II hörte, waren: was ist da wohl drauf? Es gibt doch schon ein GR; was kann da jetzt noch kommen? Macht so ein Album Sinn? Wurden die Stücke nicht schon sooo oft gespielt, remastered, live performed; warum jetzt noch eine Version und dann noch ein Doppelalbum?

Die Heerschar an Gastsängern und Gastmusikern machte mich zuerst auch eher skeptisch. Bäh! Da will jemand potentielle Käuferschichten mit Musikern unterschiedlicher Couleur ködern. Nun; die Wahrheit is`auf`m Platz bzw. auf der Scheibe.

Genesis Revisited war eine gute "Wiederaufnahme" (siehe dort). Selbstverständlich gibt der Katalog der Band noch genügend Material her um weitere GR zu veröffentlichen. In der Tat enthält GR II mindestens ebensoviele Perlen wie sein Vorgänger.

Der erste Höreindruck war gut, gar sehr gut. Man fühlt sich bei GR II bestens aufgehoben. Das Album ist, was den Stil der Interpretationen betrifft, homogener als Genesis Revisited. Dort werden die Stücke mehr variiert bzw. gegenüber dem Original stärker verändert als hier. Nicht so sehr, wie auf dem Tribute-Album Supper's Ready, wo die einzelnen Kompositionen eine typische Färbung der jeweils interpretierenden Band erhält, aber doch spürbar. GR II ist also homogen, sehr geschlossen, das Erhalten der Vergangenheit gelingt bestens. Die einzelnen Stücke werden, was die instrumentale Umsetzung anbelangt, sehr nahe am Original gespielt. Wenn man mir gesagt hätte, das seien alles Demoversionen von anno dazumal; ich hätte es sofort geglaubt.

Wie verhält es sich mit den Sängern? Neal Morse? Mikael Akerfeldt?? Nik Kershaw??? Interessanterweise interpretieren fast sämtliche Sänger die Stücke sehr nah an Gabriel oder Collins. Man hört den Unterschied, dieser ist jedoch oft nur subtil. Und zwar sowohl was Timbre, Vokalisierung als auch, ich nenns mal "theatralische Ausführung" der Stücke anbelangt.

Ich habe mir eine Playlist gebastelt, in der jeweils erst das Original dann die GR II-Version abgespielt wird. Erst so wurde ein 1:1-Vergleich für mich möglich. Und trotz der zweifellos grossartigen Sänger (Nik Kershaw ist beinahe einsame Klasse) wird einem so wieder bewusst, wie einzigartig Peter Gabriel war/ist. Es gibt kaum eine Version, die, trotz toller Performance, durch den Gastsänger wirklich gewinnt oder Gabriel gar übertreffen könnte. Das Motto "Feinheiten optimieren" muss daher aus meiner Sicht zwangsläufig scheitern; zu perfekt sind für mich die Originale.

Der Klang des Albums ist absolut auf dem technischen Stand der Zeit. Aber auch hier muss ich sagen, dass die remasterten Genesis-Boxsets (2008) dem in nichts nachstehen. Auch die Gewichtung der einzelnen Instrumente passt für mich in den Originalen besser. Die drums sind meist wuchtiger und druckvoller, in "Horizons" sieht man die Wechsel auf dem Griffbrett der akustischen Gitarre beinahe vor sich, die Pedal-Bässe sind in "32 doors" so was von abgrundtief und markdurchdringend, das Mellotron in "Can-Utility" fragiler und irgendwie "echter" als hier.

Versteht mich nicht falsch. GR II ist ein hervorragendes Album, auf welchem einige der grössten Kompositionen Genesis`und Hacketts in annähernd perfekter Form homogen und glasklar kredenzt werden. Die alten Genesis-Platten kann man immer und immer wieder hören und das gilt auch für dieses Werk. Im Direktvergleich sind die Originale aus meiner Sicht aber noch eine Spur überzeugender und natürlich auch authentischer. Ich mag daher in meiner Notengebung auch nicht über der "Vergangenheit" liegen. Durch ein Werk wie GR II wird einem erneut bewusst, wie perfekt die Interpretationen in ihrer ursprünglichen Form bereits waren.

Anspieltipp(s): The Lamia, Can-Utility and the Coastliners, Afterglow
Vergleichbar mit: Genesis
Veröffentlicht am: 15.10.2012
Letzte Änderung: 15.10.2012
Wertung: 12/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 3 von 3)


Steve Hacketts "Genesis Revisited" 1996 war ein klasse Album. Hackett nahm sich eine handvoll mit Bedacht gewählter Songs vor und arrangierte sie um, mal weniger, mal mehr. Dabei zeigte er sich in der Lage, mehr als nur Verwalter der eigenen Vergangenheit zu sein: Gerade bei den stärker bearbeiteten Songs konnte er neue Facetten aufweisen, sie komplett neu interpretieren oder sie in einen neuen Zusammenhang stellen. Hackett erwies sich dabei als durchaus selbstkritischer, ja bisweilen ironischer Kommentator seiner selbst: Wer bis 1996 an die Nähe auch der frühen Genesis zum Pop nicht glauben mochte, dem machte er mit dem grandiosen "Your Own Special Way" unmissverständlich klar, wie viel doch am Arrangement hängen kann. Hackett eröffnete dem Hörer so neue Perspektiven auf das Werk seiner erfolgreichsten Band. Dass dabei auch mal etwas danebenging, dieses Risiko liegt in der Natur der Sache. Deshalb eben braucht man für so ein Projekt Mut.

Diesmal aber wendet sich Hackett davon ab, das alte Material neu zu interpretieren und spielt es einfach nur eins zu eins nach. An diesem Gesamteindruck ändert sich auch dadurch nichts, dass Hackett an einigen wenigen Stellen Änderungen vorgenommen hat: Es bleibt durchwegs bei homöopathischen Größenordnungen. Wagemutig ist hier gar nichts. Im Gegenteil: Der Hörer wird in den zum xten Mal wiederaufgewärmten 70er-Jahre-Sounds gebadet und zu allem Übel channeln die Gastsänger auch noch kräftig Peter Gabriel. Wer dabei nicht wie Nad Sylvan von Natur aus mit Gabriels Stimme gesegnet ist, sondern sich mit einer eigenen herumärgern muss, der bemüht sich wenigstens darum, die gesanglichen Manierismen des Meisters peinlich genau zu imitieren. Aufschlussreich ist das Album allenfalls für jene, die wissen wollen, wie es klänge, würden Genesis ihre Musik heute aufnehmen und von Mikael Åkerfeldt, Simon Collins, Neal Morse, Conrad Keeley oder Francis Dunnery einsingen lassen. Aber warum sollte man das wissen wollen?

Man muss sich doch fragen, was Hackett uns mit dem Album sagen will. Dass er es besser kann als The Watch und Big Big Train? Wer wüsste das nicht auch ohne "Genesis Revisited II"! Ging es ihm vielleicht um den Sound? Ja klar ist die Klangqualität heute besser als in den 70er Jahren. Überraschung! Aber das war sie auch bei "Genesis Revisited" schon – dieses hatte aber jenen Mehrwert, der darin bestand, dass Hackett dort die Songs neu interpretierte. Doch worin besteht der noch, wenn die Sachen nun nur eins zu eins nachgespielt werden? Was sagt eine Coverversion über den gecoverten Song aus, wenn sie mit ihm nahezu identisch ist? Nein, wenn ich die Originale in besserer Soundqualität haben will, dann kaufe ich mir die Remasters. "Genesis Revisited II" ist kein künstlerisches Statement, sondern ein marktstrategisches. Dass hier bekannte Musiker tolle Leistungen abliefern und das Ergebnis toll klingt, spielt angesichts dieser Überlegungen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Nun ist Hackett jenseits dieses Albums (und solcher Kuriosa wie dem seltsamen "Squackett"-Projekt) ja als integrer Künstler bekannt und wegen dieser einen Scheibe nicht gleich der Geldschneiderei, der Sentimentalität oder gar des Konservativismus verdächtig. Andererseits bin auch ich - selbst wenn ich gerne mal "die alten Sachen" auflege, zugegeben auch mal aus Nostalgie - nicht Proghörer geworden, um mir das Liebgewonnene immer wieder und allenfalls immer wieder ein klein wenig anders anzuhören, womöglich noch gegen Bezahlung. Meine konservativen Seiten lebe ich beim Bügeln aus – und deshalb vergebe ich...

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Avatar <- Pocahontas <- Matrix <- Star Wars <- Parzival
Veröffentlicht am: 23.10.2012
Letzte Änderung: 23.10.2012
Wertung: keine ... Punkte. Was soll ich hier denn auch bewerten? Das Songwriting? Den Sound? Die Arrangements? Die technischen Fähigkeiten der Musiker? Das Konzept? Die Songauswahl? Die Tatsache, dass ich diese Songs mag?

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Steve Hackett

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1975 Voyage Of The Acolyte 9.80 5
1978 Please Don't Touch 10.33 3
1979 Spectral Mornings 7.33 3
1980 Defector 9.33 3
1981 Cured 6.00 2
1983 Bay of Kings 7.50 2
1983 Highly Strung 7.00 2
1984 Till We Have Faces 5.67 3
1988 Momentum 10.50 2
1992 Time Lapse 10.00 2
1992 The Unauthorised Biography - 1
1993 Guitar Noir 11.50 2
1993 There Are Many Sides To The Night 14.00 1
1994 Timeless (MCD) 9.00 1
1995 Blues with a Feeling 1.00 2
1996 Genesis Revisited 10.50 2
1996 The Tokyo Tapes (DVD) 9.00 1
1997 A Midsummer Night's Dream - 1
1998 The Tokyo Tapes 9.00 2
1999 Darktown 10.67 3
2000 Feedback '86 2.33 4
2001 Live Archive 70,80,90s 11.00 1
2001 Live Archive 70's Newcastle 9.00 1
2002 Genesis Files - 2
2003 Live Archive - NEARfest 11.00 1
2003 To Watch The Storms 11.00 4
2003 Somewhere in South America... Live in Buenos Aires 13.00 2
2003 Hungarian Horizons (Live in Budapest) 11.00 1
2004 Live Archive 04 10.00 1
2004 Once above a time (DVD) 10.00 1
2004 Live Archive 03 11.00 1
2005 Metamorpheus 9.50 2
2005 Live Archive 05 9.00 1
2005 Spectral Mornings ('Musikladen' show) (DVD) 11.00 1
2006 Live Archive 83 8.00 1
2006 Wild Orchids 10.33 3
2009 Out Of The Tunnel's Mouth 11.50 2
2011 Live Rails 10.00 2
2011 Beyond the Shrouded Horizon 10.50 2
2013 Genesis Revisited: Live At Hammersmith 15.00 1
2013 The Bremen Broadcast - Musikladen 8th November 1978 13.00 1
2014 Genesis Revisited: Live At The Royal Albert Hall - 2
2015 Wolflight 11.00 1
2015 The Man, The Music 11.00 1
2016 The Total Experience Live In Liverpool 11.00 1
2017 The Night Siren 12.00 2

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