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Zauss

notturno leise im Wind

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2012
Besonderheiten/Stil: improvisiert
Label: Fazzul Music
Durchschnittswertung: 12/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Francesco Zago Guitar, Loops
Markus Stauss Basssax, Sopransax, Tenorsax, Extras

Tracklist

Disc 1
1. Ein Riesenwusel 6:37
2. Schegge 5:01
3. Morgenröte 5:21
4. Make a Zauss noise here 3:50
5. Tribal music 5:02
6. Pulviscolare 3:56
7. Leise im Wind 9:19
8. Mutazione 6:58
9. Echi imprevisit 2:04
10. Vibrationen 4:47
11. Carving air 5:36
12. Big breath 9:12
Gesamtlaufzeit67:43


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 4)


Zauss. Ein Name wie Donnerhall für Leute, die improvisierte Musik lieben. Oder besser: Ein Name wie ein Riesenwusel. Denn das Geschwobbel, mit dem Markus Stauss das neue Album eröffnet, versinnbildlicht ganz offenbar das Gewusel eines Riesenwusels. Wenn Stauss' Saxophonklänge verblassen, treten sanfte Soundscapes Zagos in den Vordergrund, die neugierig machen auf das, was "Notturno leise im Wind" bereithält.

Und es sind seltsame Klanggestalten, die einem da entgegenwanken. "Notturno leise im Wind" macht es seinem Hörer nicht leicht, fast hätte ich geschrieben: schwerer noch als seine beiden Vorgänger. Aber das Album ist nicht schwer, es ist nur seltsam, und für alle, die Seltsames mögen ("Schegge" ist extrem seltsam, scheggedaut!), ist das Album ein Fest! Gitarren und Saxophone sollen da zu hören sein? Ich glaube Euch kein Wort! Kobolde, die im Nebel Koboldmusik machen, Soundscapes aus Lynchschen Labyrinthen, das ist es, was man hier hört!

"Schegge" zum Beispiel. Das ist in Relation zu den ausgefeilten Techniken, mit denen die Instrumente hergestellt wurden, die es erzeugen, ein Atavismus, Stauss und Zago folgen ganz der Definition, dass Musik alle Klänge sind, die bewusst und absichtlich erzeugt wurden, jenseits noch von Rhythmus und Melodie.

Und dann die Soundscapes, die, weil sie sich diesseits von Schönheit verorten, in Relation dazu unglaublich weich und entspannt klingen - gab es das früher in dieser Qualität von Zago? Wunderbar, wie Stauss bei "Morgenröte" nur ganz zurückhaltend, fast kommentierend, zustimmend agiert.

Bis dann in "Make a Zauss Noise here" Saxophon und Gitarre endlich mal als Saxophon und Gitarre erkennbar sind - und prompt kommt einem die verwickelte und gleichzeitig sehr gleichberechtigt ausbalancierte Improvisation konventionell vor. Aber was bedeutet dieses Wort schon auf so einem Album...

So einiges. Denn schon im nächsten Stück gibt Zago den kaputten Küchenmixer, während Stauss sein Horn dazu scharren lässt - wundersame Klanggestalten wie diese sind es, die mich hier so faszinieren.

"Leise im Wind" ist wieder so eine Seltsamkeit - der Claim, innerhalb dessen sich diese Musik bewegt, scheint damit abgesteckt und doch schaffen es Stauss und Zago immer wieder aufs Neue, zu überraschen, etwa wenn Zago den Sound seiner Gitarre mal auf hart stellt oder wenn die beiden sich am gemeinsamen Rauschen berauschen.

"Notturno" ist treffend betitelt, die Scheibe steckt voller dunkler Nächtlichkeiten. Aber Markus, mal ganz ehrlich, von dem Zeug, was Ihr da genommen habt, will ich was abhaben!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.11.2012
Letzte Änderung: 28.11.2012
Wertung: 13/15
Ob den beiden das gefällt, wenn ich hier "geil" hinschreibe? Für mich das beste Zauss-Album bisher.

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 2 von 4)


Bei der Lektüre des deutschsprachigen Wikipedia-Eintrags zu "Improvisation (Musik)" lernen wir:

"Als Improvisation wird die Form musikalischer Darbietung verstanden, in der das ausgeführte Tonmaterial in der Ausführung selbst entsteht und nicht vorher schriftlich fixiert worden ist. Die Anforderungen, die die Improvisation an einen Ausführenden stellt, sind:

- die (technische) Beherrschung des jeweiligen Instrumentes oder der Stimme

- die Beherrschung der dem jeweiligen Stil entsprechenden musikalischen Parameter und ihrer Gesetzmäßigkeiten

- das Potential, damit kreativ umzugehen."

"notturno leise im Wind" (das notturno ist auf CD, Beiheft und Einlegeblatt durchweg klein geschrieben, dann mache ich das auch so) bietet offenhörlich improvisierte Musik. Wie sieht es da mit den oben genannten Anforderungen aus? Nun, Francesco Zago und Markus Stauss beherrschen ihre Instrumente in technischer Hinsicht durchaus, auch wenn es anhand dieser Aufnahmen schwierig ist das wirklich zu beurteilen. Anhand anderer Einspielungen an denen die beiden Musiker beteiligt sind (und auch nach von mir besuchten Konzerten) zu schließen, kann ich aber versichern, dass beide ihre Instrumente sehr gut beherrschen.

Kreativ umgehen können sie mit denselben auch. Sie erschaffen damit Klänge, die man sonst selten von diesen Instrumenten hört, was ja sicher Kreativität im eigentlichen Sinne ist. Das mit dem Stil und seinen Parametern und Gesetzmäßigkeiten wird dann aber schwierig. Einem bestimmten Stil frönen der Italiener und der Schweizer nämlich ganz und gar nicht. Eher ist es der Stil hier, dass es eben keinen gibt. Es wird mit Klang improvisiert, frei, ungezwungen, ohne stilistische Vorgaben oder Eingrenzungen.

Es Trötet und Plingt auf "notturno leise im Wind" daher recht schräg und krumm nach dem Prinzip quietschende Tür oder knarrender Schrank (siehe auch meine Rezension zu "Kurai"), mal wild und hektisch (wie in "Ein Riesenwusel" z.B.), mal eher getragen und gemächlich (wie z.B. im Titelstück). Das Ergebnis sind bisweilen beeindruckende Klanggespinste, ist aber alles in allem eine ziemlich anstrengende Sache. Je nach Stimmung des Hörers kann diese Musik nämlich ganz schön auch den Sack gehen. Aber, vermutlich soll sie das auch. Andererseits frage ich mich, ob sich die beiden Protagonisten überhaupt sonderlich darüber Gedanken gemacht haben, was der Hörer beim Hören empfindet und denkt. Eher klingt "notturno leise im Wind" so als hätten die beiden einfach nur ihren improvisierten Spaß gehabt, an dem der Hörer teilhaben kann ... oder auch nicht.

Es sollte also klar sein, dass man "notturno leise im Wind" meiden sollte, wenn man zu eher traditionellen Definitionen von Musik neigt, die Wert auf Begriffe wie Melodie, Tonalität und Harmonie legen. Offenohrige Klangabenteurer kommen hier aber sicher auf ihre Kosten, die richtige Stimmung vorausgesetzt. Mir persönlich ist das Album alles in allem etwas zu schroff und "free", was vielleicht auch an der sehr direkten, unpolierten Produktion liegt. Man scheint hier direkt neben Stauss und Zago zu sitzen, die einem ebenso direkt ins Ohr tröten und plingen. Kollege Brückner (siehe oben) meinte letztens nach einem kurzen Austausch über dieses Album, in dem ich mich nicht so extrem begeistert gezeigt habe, ich werde wohl alt. Kann schon sein. Auf eine Wertung verzichte ich.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.12.2012
Letzte Änderung: 20.9.2014
Wertung: keine

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Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 3 von 4)


Ich mag Alben, die in ihrer Kompromisslosigkeit die Einstellung vermitteln "uns/mir ist es eigentlich unwichtig, ob sich ein Publikum dafür findet, aber dieses sperrige und unkommerzielle Album wollten wir/ich gerade machen. So wie es ist, halten wir es einer Veröffentlichung für würdig". So ähnlich dürfte die Denkweise von Francesco Zago und Markus Stauss gewesen sein, sonst könnte ich "notturno leise im Wind" nicht in den Händen halten. Ein Album fernab von gewohnten Strukturen und Mustern, eine zwischen finsterem Avant-Ambient, Avant-Jazz und ungestümen, die Grenzen der Instrumente auslotenden Improvisationen angesiedelte Scheibe, die voller von den meisten als unheimlich empfundener Geräusche steckt.

Eine Herausforderung an die Hörgewohnheiten also, die wir aus irgendeinem Grund auf unseren der puren Avantgarde eher selten aufgeschlossenen Seiten platziert haben. Na gut, einige Gitarrenschleifen (wie z.B. "Morgenröte") können stark an Frippertronics von einem gewissen Robert erinnern. Nur dass dieser sich dabei nicht von einem Bass Saxophon begleiten ließ, wie es Herr Zago tut. Auch die friedlichen Gitarrenschleifen von "Mutazione" könnten von Fripp sein. Der wesentliche Unterschied zum Duo Fripp & Travis ist dabei, dass Zago gleichzeitig noisige Gitarrenspuren in der Art von Fred Frith beisteuert, und dass Herr Stauss im Allgemeinen viel mutiger agiert, als der zurückhaltende Theo Travis. Wie in "Mutatione" sollte eigentlich auch das Duo Fripp & Travis öfter (bzw. überhaupt erst) musizieren.

"notturno leise im Wind" kann also ein beachtliches Klangspektrum zwischen Meditation, unterschwelliger Unruhe und tobender Ruhestörung vorweisen. In Stücken wie "Make a Zauss Noise here" wird es deutlich, dass auch Improvisationen geboten werden, bei denen die beiden sehr genau darauf achten, was der jeweils andere gerade macht. In "Carvin air" darf der Avantgarde-Liebhaber Saxophonschleifen bewundern, was meines Wissens nur sehr selten möglich ist.

"notturno leise im Wind" ist ganz sicher Freunden von gelungenen Experimenten zu empfehlen. Dessen ungeachtet wird die Scheibe von einigen als Ansammlung von Beliebigkeiten, von anderen wiederum als eine spannende Forschungsreise empfunden werden.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 16.12.2012
Letzte Änderung: 16.12.2012
Wertung: 11/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 4 von 4)


Dass diese Musik, die mancher vielleicht gar nicht als solche bezeichnen würde, polarisiert, ist nicht weiter verwunderlich. Dass allerdings ausgesprochene Liebhaber avantgardistischer Klänge zu so unterschiedlichen Urteilen kommen, ist schon überraschend.

Das italienisch-helvetische Duo Zauss zeigt sich hier wieder absolut kompromisslos, überschreitet munter die Grenzen zwischen Musik und bloßem Geräusch (ich werde jetzt keine philosophischen Betrachtungen darüber anstellen, wo selbige verläuft) hin und her und manchmal, so scheint es mir, auch orthogonal. Was immer das bedeuten mag, aber diese seltsamen Klänge inspirieren zu nicht minder seltsame Sentenzen. Saxophon und Gitarre sollen das sein? Man glaubt über weite Strecken, weder das eine noch das andere zu hören. Nur bei äußerst konzentriertem Zuhören (alles andere ist bei diesem Album sowieso fehl am Platze) kann man das unterirdische Brummen in Morgenröte als ein tiefes Saxophon erahnen, das von den Soundscapes-artigen Klangschleifen der Gitarre ebenso überstrahlt wird wie die Nacht von der rosenfingrigen Eos. Gerade dieses Stück zeigt, dass das Duo nicht nur schroffe Klangskulpturen im Programm hat - von denen gibt es freilich viele - sondern auch Momente atemberaubender Schönheit erzeugt. Womit ich nicht bestreiten will, dass auch schroffe Klangskulpturen schön sind, aber diese folgen einer anderen Ästhetik.

Neben der Verweigerung jeglicher gängigen Vorstellung von Rhythmus, Struktur und Melodie fasziniert hier vor allem die Vielzahl unterschiedlichster Klänge, die die beiden ihren Instrumente entlocken. Das reicht bis hin zu Passagen, in denen man meint, dem Rasseln und Klappern irgendeiner wundersamen Maschine zu lauschen. Dass man auch in solchen Momenten der Musik ergriffen lauscht, dass man nie den Eindruck hat, all das Quietschen, Brummen, Knarzen, Zwitschern und Sägen sei einfach nur wahllos, spricht für die Qualitäten der Musiker. Bemerkenswert ist dabei auch, dass die Musik fast durchweg in äußerst langsamem, oft schon zeitlupenhaftem Tempo daherkommt und kaum einmal laut oder gar krachend wird (wobei Francesco Zago durchaus schon mal losbrettert). Avantgardistische Musik muss eben nicht in permanenter Höchstgeschwindigkeit und bis zum Anschlag aufgedrehtem Lautstärkepegel sein! Wer die Ästhetik des Abstrakten zu goutieren vermag, ist bei Zauss an der richtigen Stelle!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.1.2013
Letzte Änderung: 2.1.2013
Wertung: 12/15

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