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t

psychoanorexia

(Tipp des Monats 2/2013)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2013
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; ArtPop; Independent / Alternative; Neoprog; Postrock
Label: Progressive Promotion Records
Durchschnittswertung: 13/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

t

Tracklist

Disc 1
1. The Aftermath of Silence

1. a) Event Horizon Sunset
2. b) The Last Day of Summer
3. c) The Stone-White Sky

18:07
2. Kryptonite Monologues

1. a) Breakfast Cataclysm
2. b) Borrowed Time
3. c) The End of a World

20:47
3. The Irrelevant Lovesong 8:09
4. Psychoanorexia

1. a) Bedhalf Exiles
2. b) The Stand

19:29
Gesamtlaufzeit66:32


Rezensionen


Von: Christian Rode @ (Rezension 1 von 2)


Seit zehn Jahren spielt Thomas Thielen nebenberuflich und im Alleingang konsequent seine Musik Album für Album ein. 2002 überraschte er auf seinem Debut „naive“ mit elektronisch angereichertem, stark von Bands der 90er Jahre beeinflussten Sound, der irgendwie zwischen Marillion, Björk und Massive Attack changierte. Doch bereits in das Folgealbum „Voices“ (2006) flossen verstärkt proggige Einflüsse ein, die sich seitdem zunehmend stabilisiert haben.

Der „t-sound“ ist über die Jahre hinweg doch unverkennbar geblieben: warme Melancholie, die von musikalischen Ausbrüchen unterschiedlicher Art (Prog, Artpop, Shoegaze, Rock, Sinfonik, Jazz...) durchzogen ist. All die unterschiedlichen Elemente verbinden sich zu einem stimmigen Ganzen, das sehr eigen klingt - gerade auch unter dem einigenden Schirm von ts mit den Jahren gewachsener Stimme, die mal zartbitter, mal rauchig-warm, mal verzerrt das Klangbild bestimmt.

Die Stücke auf Psychoanorexia (eine eigene Wortschöpfung aus Psyche=Geist und Anorexia=Magersucht) sind fast durchweg 20-minütige Longtracks geworden. Nicht nur dies wird den Prog-Fan freuen! Denn auch musikalisch findet sich auch diesmal wieder einiges Proggiges von den 80ern bis in die Gegenwart.

„The Aftermath of Silence“ beginnt ruhig und modern, erinnert mit seiner langgestreckten Entwicklungslinie an Postrock- und New Artrock-Kapellen wie Talk Talk, Radiohead oder Sigur Ros. Aber auch Marillion-Fans der h-Ära dürften hier auf ihre Kosten kommen. Dieser Song entfaltet einfach eine ungeheuer intensive, warme, gedankenvolle Stimmung. Schon hier wird deutlich, dass die E-Gitarre eine große Rolle spielt. Hier erreicht sie eine geradezu floydige Getragenheit. Die Stimmung der Musik wird durch einen reflexiv-assoziativen Text verstärkt: „Drifting through backshifts of coffee-pad mornings / Like knights at the table with kitchen-sink charmes / Hopeful as humdrum and whitebread allegiance / Enactment devotions and scheduled alarms.“

Nach ruhigem, kammermusikalischem Ausklang setzen die folgenden „Kryptonite Monologues“ ganz andere, heftigere Akzente: zu einem treibenden, harten Rhythmus monologisiert die verzerrte Stimme, sodass eine noisige Stimmung entsteht, über die sich jedoch eine klare Lead-Gitarre solierend erhebt. Bald aber treten artpoppige bis (neo-)proggige Einflüsse hinzu, die etwas an die Marillion der Fish-Ära erinnern, ohne aber irgendwie zu kopieren. In den Instrumentalteilen wird es mit langen Gitarrensoli auch immer wieder sinfonisch bis geradezu hymnisch, wobei der Fluss der Musik auch immer wieder innehält, z.B. mit zarten Pianolinien, akustischer Gitarre oder anschwellenden Streicherklängen. Insgesamt bietet so ein Song von 20 Minuten, auch wenn er wie hier in drei Teile unterteilt wird, sehr viel Raum für atmosphärische Entwicklung und allerhand auflockernde Einfälle. „Kryptonite Monologues“ wirkt nicht so einheitlich wie das stringentere „The Aftermath of Silence“, aber der musikalische Ideenreichtum und die verschachteltere Komposition dürfte den Prog-Fan sogar noch mehr begeistern.

„The irrelevant Lovesong“ ist das, was man gerne eine „ruhige Ballade“ nennt, die allerdings bolero-gleich zunehmend an Dynamik gewinnt. ts Stimme findet hier Gelegenheit sehr weit auszuholen, und das Rock-Gitarrensolo darf hier natürlich auch nicht fehlen. Wenn die einnehmende Melodie nur noch etwas griffiger wäre, stünde hier ein Kandidat für eine Single vor uns, die sicher geeignet wäre, den Popularitätsgrad des Künstlers erfreulich zu steigern. Aber auch so ist „The irrelevant Lovesong“ ein wirklich feines „Liebeslied“ geworden.

„Psychoanorexia“ schließlich bietet t noch einmal Gelegenheit, alle Register zu ziehen: ruhige und poppige und rockige, kammermusikalische und modernistische und proggige Elemente vereinen sich zu einem zwischen ruhigen und exaltierten Momenten hin- und herwogenden Fluss, schließlich anschwellend zu einem sinfonischen, lauten Finale.

„guck mal, sophia, papa rockt immer noch wie bolle!“ widmet t seiner Tochter eine Zeile im Begleitheft. Und Recht hat er! Aber mehr als das, denn dieses Album ist deutlich mehr als ein Rock-Album, auch wenn der Rock-Einfluss nicht zu verkennen ist. t setzt mit „psychoanorexia“ vielmehr seine eigene Vorstellung von modernem Progressive Rock - abseits aller Klischees - auf gewohnt hohem Niveau fort.

Anspieltipp(s): Kryptonite Monologues, The Aftermath of Silence
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.1.2013
Letzte Änderung: 1.2.2013
Wertung: 12/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 2 von 2)


Zwei Jahre, die sich mal so richtig gelohnt haben. Zwei Jahre hat der Künstler t alias Thomas Thielen an seinem neuen Album gewerkelt und wirklich alles selbst gemacht (bis auf ein bisschen Mastering ganz am Schluss). Das ist sicherlich nicht einfach, für alles verantwortlich zu sein, irgendwie auch im eigenen Saft zu kochen, wahrscheinlich Phasen der Euphorie wie auch Selbstzweifeln zu durchleben, aber eben dann doch das Produkt in Händen zu halten und in die Welt zu schicken. So stelle ich mir das als Hörer zumindest vor.

„psychoanorexia“ ist in jedem Fall all dieses (so es denn so war, wie oben gemutmaßt) Wert und vielleicht noch mehr. Ein erster Höhepunkt im noch sehr jungen Progjahr? Ganz bestimmt …und ich lehne mich mal aus dem Fenster: Ein Höhepunkt des Progjahrgangs 2013. „psychoanorexia“ macht letztlich da weiter, wo uns „anti-matter poetry“ zurückgelassen hat. t hat seit „voices“ – seinem zweiten Album – eine evolutionäre Entwicklung gestartet, die ihresgleichen sucht. Jederzeit wiedererkennbar entwickelt sich der Musiker, der Komponist und vor allem auch der Sänger t organisch weiter. Überschäumende Freude ist nicht unbedingt das Ding von Thielen, große Gefühle eher schon, in seiner musikalischen Welt herrschen eher Melancholie, Nachdenklichkeit und Düsternis vor. Allerdings nicht ohne den belebenden Hoffnungsschimmer am Horizont.

Klanggebilde, die sich aus flirrenden Gitarren- und Keyboardklängen zu komplexen, vielschichtigen, detailfreudigen Stücken entwickeln. Thielen gibt seinen Kompositionen viel Raum für Entwicklung, für Wendungen, für cinematoskopische Effekte. Dramatische Songaufbauten, hochemotionale Ausbrüche, gewaltige Spannungs- und Melodiebögen beherrschen das Album, wie auch schon den Vorgänger, sind aber noch feiner ausgearbeitet. Dazwischen gibt es Momente („kryptonite monologues“), in denen Thielen einem echten Orchester vorzustehen scheint und ganz Wucht eines großen Klangkörpers aus den Boxen quillt. Und wieder wirkt "psychoanorexia" zu keiner Zeit überkonstruiert oder steril, sondern eher filigran, erdig, trotz aller Gimmicks (die mindestens einen Hör-Durchgang unter dem Kopfhörer zur Pflicht machen). Selbst das vermutlich programmierte Schlagzeug – oft ein Manko an solchen Einzelkämpfer-Produktionen – fügt sich wunderbar in den musikalischen Gesamtkontext ein.

Kein Album für Frickel-Freaks und Avantgarde-Hörige, t setzt vielmehr auf Stimmungen und Atmosphäre, auf die man sich in aller Ruhe einlassen sollte. Belohnt wird man mit einem wahrhaft faszinierenden Stück Musik, welches eine sehr eigenständige Variante modernen symphonisch-elektronisch angehauchten Progressive Rock zu Gehör bringt. Auch wenn der Künstler gar nicht unbedingt in dieser ‚Schublade‘ landen will, es ist zu gut, als das ‚wir Progger‘ das nicht für ‚uns‘ vereinnahmen. Im Übrigen sind auch die Texte einen intensiven Blick ins Booklet wert (auch wenn die seltsamen Schreibmaschinen-Typen das Lesen mal wieder schwer machen, auch ein Markenzeichen des Künstlers).

„psychoanorexia“ kommt als hübsches Digipak mit verstörend-anregendem Artwork von des Künstlers besserer Hälfte.

Anspieltipp(s): ganz hören!
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 31.1.2013
Letzte Änderung: 31.1.2013
Wertung: 14/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von t

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2002 naive 11.00 2
2006 voices 12.00 2
2010 anti-matter poetry 13.00 1
2015 fragmentropy 13.00 1
2016 epistrophobia 14.00 1

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