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Five-Storey Ensemble

Not That City

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2013
Besonderheiten/Stil: Folk; Moderne Klassik; RIO / Avant
Label: AltrOck
Durchschnittswertung: 12/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Vitaly Appov Fagott, Saxophon
Alexander But'ko Akkordeon
Andrei Evodkimov Gitarre
Natalya Malashkova Oboe
Dmitry Maslovsky Bass
Olga Podgaiskaya Klavier, Keyboards, Gesang
Olga Polakova Flöte
Anastasia Popova Violine
Nikolay Semitko Schlagzeug
Vyacheslav Plesko Kontrabass
Sergey Dolgushev Gesang

Gastmusiker

Jury Korogoda Gitarre (6,9)
Cirill Christia Violine (6,8,9)
Nadia Christia Cello (6,9,11)

Tracklist

Disc 1
1. The Harbinger 5:51
2. Bondman's Wings 2:24
3. The Incommunication 5:23
4. To Ringfly 3:12
5. A Disappearing Road 4:43
6. The Unpainted 7:58
7. Yesterday Dormant 5:41
8. The Protector 3:23
9. Fear-Dream 3:47
10. Amid The Smoke And Different Questions 6:31
11. Not That City 6:58
Gesamtlaufzeit55:51


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 3)


Im Spätherbst des Jahres 2012 ging einen Raunen durch die Massen der Avant-Prog-Liebhaber: die weißrussische Band Rational Diet, die sich mit ihren drei Alben als eine der führenden Bands dies Genres etabliert hat, hatte sich aufgelöst! Doch um die Fans nicht völlig zur Verzweiflung zu bringen, wurde damals bereits ein Nachfolgeprojekt mit Namen Five-Storey Ensemble angekündigt, das man damals schon auf einem Video bestaunen konnte. Jetzt, im zaghaft beginnenden Frühjahr des Jahres 2013, ist das Debüt Not That City der neuen Formation beim Mailänder AltrOck-Label erschienen.

Im Beiheft liest sich die Geschichte der Entstehung dieser Formation freilich etwas anders. Demnach war es weniger eine Auflösung und Neugründung, sondern hauptsächlich Veränderungen im musikalischen Konzept von Rational Diet im Laufe der Jahre 2011/12, die dazu führten, dass man die geänderte musikalische Ausrichtung fortan unter einem neuen Namen präsentieren wollte. Als Folge dieser Entscheidungen gab es auch personelle Veränderungen: einige Mitglieder verließen die Band, dafür wurde ein aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk stammendes Quartett mit Namen Fratrez in die Band integriert. Und so präsentiert sich auf Not That City ein elfköpfiges Ensemble.

Nun aber zur Musik! Im Beiheft heißt es, man wollte weg von "excessive complexity" und "meaningless improvisation", stattdessen sollte die Musik "simple and passionate" sein. Ein Wort wie "simple" lässt natürlich erst einmal die Alarmglocken schrillen, doch gemach. Die Musik zeigt sich als logische Weiterführung der Entwicklung, die schon auf dem letzten Album von Rational Diet erkennbar war. Das Ausgelassene, Quirlige, Überschäumende der ersten beiden Alben der Vorgängerband ist praktisch verschwunden, die Musik wirkt ernster, getragener, durchkomponierter, oft auch etwas schwermütig. Entsprechend ist das Tempo der Musik meist sehr gezügelt. Einflüsse zeitgenössischer Kammermusik dominieren nach wie vor, dazu tritt nun eine deutlich folkloristische Komponente, für die vor allem das neu hinzugekommene Akkordeon sorgt, das immer wieder einmal eine führende Rolle übernimmt. Auch Flöte und Oboe sorgen für neue Klangfarben, während Gitarre und Schlagzeug ziemlich im Hintergrund gehalten sind.

Erfreulicherweise gibt es wieder mehr Gesang von Olga Podgaiskaja. Die "kreischt" zwar nicht mehr so wie früher, was zu dieser Musik auch nicht passen würde, schwingt sich aber immer noch in schwindelerregende Höhen auf. Ihr zur Seite steht jetzt mit Sergey Dolgushev ein Sänger, dessen oft etwas wehmütig klingende Stimme einen schönen Kontrast bildet. Gesungen wird natürlich wieder auf Russisch, trotz der englischen Titel.

Sicherlich wirkt die Musik des Five-Storey Ensembles etwas zugänglicher und melodischer, vor allem im Vergleich zu den ersten beiden Alben von Rational Diet. Als "simple" möchte ich sie dennoch nicht bezeichnen, dazu ist sie viel zu kunstvoll. Und schroffe Passagen gibt es immer noch: sei es, dass sich die Musik in einen formlosen Klangstrom auflöst wie in A Disappearing Road, oder dass das völlige Chaos herrscht wie in dem äußerst bizarren Amid the Smoke and Different Questions. Dieses Stück beginnt nur mit Akkordeon instrumentiert, dazu singt Sergey Dolgushev eine Melodie, die an eine schwermütige Volksweise gemahnt; nach und nach kommen die anderen Instrumente mit eigentlich völlig unpassenden Einsätzen dazu, bis sich nach einiger Zeit eine totale Kakophonie entwickelt, über der immer noch der schwermütige Gesang liegt. Ein geradezu verstörendes Stück!

Not That City ist eine wunderbare Melange aus Kammermusik und slawischer Folklore, die sich vor den Werken von Rational Diet nicht zu verstecken braucht. Großartige Musik, bravourös gespielt! Wobei man durchaus fragen kann, ob das überhaupt noch Rockmusik ist, oder doch eher moderne Kammermusik, die um ein paar elektrifizierte Instrumente erweitert ist. Aber wen kümmert das! Einlegen und genießen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.3.2013
Letzte Änderung: 28.3.2013
Wertung: 13/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 3)


Wommama son bisken gejensteuern. Jochen hat das Wichtige gesagt, kann ich also das Unwichtige ergänzen. Habich nämlich das Gefühl, dass es bei den Formulierungen "excessive complexity" und "meaningless improvisation", bei denen es sich darum dreht, wovon man wegwollte, vor allem um die beiden Adjektive geht, "excessive" und "meaningless". Obwohl ich persönlich mehr (und vermutlich sogar weit mehr) für bedeutungslose Exzesse übrig habe, als Ihr da draußen glaubt, muss man nicht bedauern, dass beide Eigenschaften aus der Musik dieser Band verbannt sind. Denn complexity und improvisation sind ja noch da. Es braucht sich also niemand zu sorgen. Ganz im Gegenteil! Das Teil ist geil!

Das Five-Storey Ensemble agiert weitaus akustischer als Rational Diet, was allerdings nicht heißt, dass sie gefälligen Folk-Avant a la Aranis im Programm hätten. Stattdessen wird hier schon ordentlich gesägt und geschrägt: "Not That City" ist ein weiteres jener erholsamen Alben, die eindringliche, verstörende, unheimliche, düstere, dann wieder traurige und schwermütige Musik mit musikalischen, und eben nicht mit produktionstechnischen Mitteln zu erzeugen weiß. Hier ist eine Dissonanz noch eine Dissonanz, erzeugt von Hämmern, Saiten, Bögen, Stöcken, Fellen.

Wenn das jetzt konservativ klingt, ist der Eindruck gar nicht so falsch. Denn "Not That City" bewegt sich in den bekannten Gefilden avantgardistischen Rocks, oder eben, wie Jochen richtig bemerkt, Non-Rocks. Mir geht es da wie dem Kollegen Achim Breiling: Nach radikal Neuem muss man mittlerweile auch in diesem Bereich lange suchen. Aber das Durchschnittsniveau ist höher, weshalb man bei Alben aus diesem Subgenre des Progressive Rock tendenziell auf der sicheren Seite steht. Entsprechend vieles gibt es hier, woran man sich erfreuen kann: Wundervoll fragile Melodien, abenteuerliche Klangfarben, die durch immer neue Kombinationen von Instrumenten aus der großen Auswahl des Ensembles entstehen, und rhythmische Experimente. Schön z. B. (wenn auch bereits anderswo gehört) ist der Aufbau einer Melodie aus zunächst einem, dann zweien, dann dreien usw. ihrer Töne in "Bondman's Wings": Das hat einen faszinierenden rhythmischen Effekt.

Im ganzen mal wieder ein prima Album aus dem Hause AltrOck. So kann es weitergehen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.3.2013
Letzte Änderung: 27.3.2013
Wertung: 12/15

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Von: Achim Breiling @ (Rezension 3 von 3)


Die Waschzettel, Werbeinfoaufkleber und Obis die Plattenfirmen ihren Produkten mitgeben sind ja im Allgemeinen ganz nützlich um die auf den jeweiligen Alben zu findende Musik zu charakterisieren, aber inzwischen ziemlich unzeitgemäß. Meist bekommt man sie ja heutzutage erst zu Gesicht, wenn man das Produkt aus dem Umschlag holt, in dem der Internetversender den Tonträger zwecks Versand gepackt hat - also nach dem Kauf. Seine Rolle als Werbeträger kann das Teil wohl nur noch in einem Bruchteil der Fälle erfüllen, wenn doch tatsächlich jemand in einem Plattenladen auf das Album stößt.

Sehr nützlich sind die Teile aber für Rezensenten, die so einen bequemen Einstieg in ihre Rezension finden. Welche Referenzen bieten AltrOck also für den Erstling des Five-Storey Ensemble an? Diese sind: Aranis, Rational Diet (logisch), Julverne und Univers Zero. Mitunter passen solche Vergleiche ja nicht immer, bzw. ist es vielleicht auch schwer passende solche zu finden. Im Falle von "Not That City" sind die Referenzen aber sehr gut gewählt. Fast könnte man sagen, die Musik hier ist eine perfekte Mischung aus Aranis, Julverne und Univers Zero.

Mein Vorschreiber hat es weiter oben ja schon erwähnt. Auch das Genre des Avantprogs ist nicht mehr wirklich innovativ, bewegt man sich auch hier inzwischen in recht fest gefügten Mustern, wenn auch - wie "Not That City" beweist - auf sehr hohem Niveau. Aber, dass Prog im Grunde nicht progressiv sondern konservativ ist, ist ja auch nichts Neues mehr. Man muss ja auch nicht auf Teufel komm raus immer neue Räder erfinden. Nur stellt sich beim einen oder anderen Hörer vielleicht eine gewisse Sättigung ein, die zumindest Abzüge in der B-Note auslösen.

Das Five-Storey Ensemble macht also Kammerrock, oder eine reich instrumentierte moderne Kammermusik, die auch Rockinstrumente verwendet und das auf eher kantige und düstere Art und unter Einbeziehung von slawischen Folkloreelementen. Riesige Unterschiede zur Musik der Vorgängerformation Rational Diet gibt es nicht. Ein paar sind schon auszumachen und meine beiden Kollegen haben dieselben in ihren Rezensionen weiter oben schon dargelegt. Es geht etwas akustischer zu, es wird mehr Gesungen (ziemlich gelungen übrigens, seltsam sakral - vor allem die Duette von Olga Podgaiskaja und Sergey Dolgushev) und die Musik kommt etwas lyrischer und runder aus den Boxen. Ich höre hier auch Einflüsse der rezenteren "ernsten" Klassik, von der Minimalmusic à la Riley (z.B. in "To Ringfly") oder von modernen Retro-Komponisten wie Glass, Adams, Martland, Schnittke oder Tüür, die bisweilen auch Rockartiges in ihre Kompositionen integriert haben. Von den klassischen Vorbildern Bartok, Prokofiev und Stravinsky - die schon die Väter des Genres entscheidend beeinflusst haben - ganz zu schweigen.

Streng genommen ist das alles eine Abwandlung der Musik, die von Univers Zero und Art Zoyd vor ca. 35 Jahren entwickelt wurde, aufwändiger instrumentiert, klangvoller und versehen mit sehr eigenem Gesang. Das ist sehr gelungen und wird virtuos vorgetragen, aber die Verblüffung und Begeisterung die der Rezensent empfunden hat, als er zum ersten Mal "Heresie" oder "Symphonie pour le Jour où Brûleront les Cités" gehört hat, bleibt natürlich aus. Sehr schön zu hören ist das Album natürlich trotzdem und allen "Avantprog"-Liebhabern, die nicht genug davon bekommen können, sei die Scheibe natürlich empfohlen. Und vielleicht ist "Not That City" auch eine gute Gelegenheit für diejenigen solche Musik kennen zu lernen, die bisher keinen Zugang dazu hatten.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.3.2013
Letzte Änderung: 13.8.2014
Wertung: 11/15

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