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Daymoon

Fabric Of Space Divine

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2013
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; ArtPop; Folk; Latin; Melodic Rock / AOR; Neoprog; Rock / Pop / Mainstream; RetroProg; RIO / Avant
Label: Mals
Durchschnittswertung: 10.67/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Fred Lessing vocals, guitars, flute, recorders, keyboard
André Marques acoustic & electric drums, vocals, keyboard
Adriano Pereira keyboards, guitar, vocals
Luís Figueira bass
Joana Lessing keyboard, percussion, vocals

Tracklist

Disc 1
1. singularity to sol 03:48
2. seed of complexity 09:17
3. evolution 01:45
4. beyond nature 05:29
5. beyond trinity 05:26
6. anthropocentrics 01:42
7. beyond multiplicity 03:30
8. beyond good and evil 03:59
9. middle 04:30
10. ice prospector 03:14
11. digital 03:43
12. beyond 03:40
13. grasping the fabric 02:37
14. twisting the fabric 04:12
15. beyond zero kelvin 02:30
16. one 00:58
Gesamtlaufzeit60:20


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 3)


Daymoon sind zurück! Und sie wagen sich mit dem Nachfolger von "All Tomorrows" gleich mal an die Königsklasse des Progressive Rocks: das Konzeptalbum! Und wie das so mit wahren Proggern ist, geben sie sich mit nichts weniger zufrieden als mit einer Geschichte des Universums.

Kann das gutgehen?

Eigentlich nicht. Denn dieses Projekt wäre selbst für eine Powermetal-Band mit ner Sängerin in lila Samt eine Nummer zu groß. Und doch… "Fabric of Space Divine" funktioniert irgendwie.

Irgendwie...

Daymoon lehnen sich an an Stephen Baxters Multiversum-Reihe, für die, die sie nicht kennen sei nur kurz erwähnt, dass sie sich um die Viele-Welten-Theorie der Quantenmechanik und das Fermi-Paradoxon drehen. Hr hr.

Und Daymoon sind ne komische Band. Sie können Prog, sie können Gentle Giant ("digital") sie können Avantgardegeräusche, aber dann gibt es immer wieder so Sachen wie "ice prospector" oder "beyond trinity", die derart leichtgewichtig sind, dass man sich schon ernsthaft fragen muss, ob die das nicht vielleicht ernst meinen. Aber keine Sorge: Die poppige Schlichtheit von "beyond trinity" ist natürlich ein ironischer Kommentar auf das Christentum, um das es in diesem Song geht. Diese Religion wird ja manchmal wirklich allzu naiv betrieben.

Was Daymoon tun, das ist jedenfalls meine Auffassung, ist, die Geschichte eines Universums in 60 Minuten zu bringen, indem sie einzelne Aspekte einzelner Phasen dieser Geschichte vertonen. Dass dabei nicht immer vertracktester Frickelprog entsteht, liegt sozusagen in der Natur des – äh – Universums. Unterschiedliche Aspekte verlangen unterschiedliche Musikstile, richtig?

Na, vielleicht. Was dabei notwendigerweise passiert, ist etwas, das mein geschätzter Kollege Thomas bereits in seiner Rezension des Vorgängeralbums angesprochen hat: Es verschwimmt die Grenze zwischen heterogen und inhomogen. Wie viele verschiedene Stile kann man mit ein paar konzeptalbumbedingten Leitmotiven noch zusammenhalten? Und wann bricht der Damm? Vermutlich sind das Fragen, die jeder einzelne mit Hilfe seines Geschmacks selbst beantworten muss. Der Effekt wird jedoch bei den meisten derselbe sein: Das Album gefällt nur streckenweise. Musik wie die von "beyond trinity" oder "ice prospector" kann ich persönlich nur noch ironisch auffassen - schon meinen nächsten Anverwandten wird es ganz anders gehen. Dennoch hat diese, ich sag jetzt mal Inhomogenität: einen gewissen Appeal, auch wenn mir die anspruchslosen Sachen oft ein wenig zu anspruchslos sind. Denn auch in seinen AOR-, ja selbst in seinen karibischen (!) Momenten hält einen das Album bei der Stange, sei es durch klug arrangierte Zwischenspiele ("twisting the fabric"), sei es durch schöne und alles andere als abgegriffene Soli (überall). Wie gesagt, Geschmackssache.

Das Konzept allerdings ist weitgehend höchst gelungen umgesetzt. So etwa der Anfang im Chaos des Urknalls, wenn sich die Musik erst nach ein paar Fehlstarts so richtig in Bewegung setzt. Ob das aber, wenn man die Gesamtanlage betrachtet, durchwegs gelingt, da mag man geteilter Meinung sein. Denn Fred Lessing erklärt das thematische Gesamtkonzept seines Albums in einem umfänglichen, aber gut lesbaren Text, aus dem vor allem hervorgeht, dass Werden und Vergehen, Anfang und Ende in einer symmetrischen, ja zyklischen Verbindung miteinander stehen, die durch Evolution geprägt ist, und in der Mitte wir uns im Hier und Jetzt befinden. Da gibt es Momente, in denen das musikalisch ziemlich grandios widergespiegelt ist: So verwenden etwa "evolution" und "digital", die dem Konzept zufolge einander symmetrisch entsprechende Phasen der Evolution repräsentieren, das gleiche musikalische Ausgangsmaterial. Das bemerkt man aber erst nach genauem Hinhören und über die Gesamtlaufzeit des Albums hinweg habe ich doch eher den Eindruck, die Musik sei meist eher reihenhaft angeordnet. Allerdings kann man andererseits auch eine lineare, evolutionäre Entwicklung in Lessings Konzept lesen. So gesehen spiegelt die Musik diese Zwiespältigkeit dann eben doch auf sehr gelungene Weise wider. Oder ist die Musik nur einfach recht autonom gegenüber dem Konzept?

Was soll man abschließend sagen? Bei all dieser Inhomogenität, bei der Spannung zwischen linear und zyklisch, zwischen Anspruch und Anspruchslosigkeit, ist das Album auf jeden Fall eines: Vielschichtig. Das hier funktioniert nicht ohne eine längere Auseinandersetzung mit Text und Musik. Und so treibt mich "Fabric Of Space Divine" dann auch nicht in die Arme von Powermetal-Bands mit Sängerinnen in lila Samt...

Ausprobieren!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.6.2013
Letzte Änderung: 21.6.2013
Wertung: 10/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 2 von 3)


Daymoon sind ein Phänomen. Kann man Konzeptlosigkeit zum Konzept machen? Kann man Irrungen, Wirrungen, seltsame Wege, die Verschlungenheit und gleichzeitige Abgrenzung unterschiedlichster Stilistiken wirklich planen? Ich muss es fast glauben, denn wie schon der Vorgänger „All Tomorrows“ kommt das ‚neue‘ Werk von Daymoon – „Fabric of Space Divine“ – als kaum vorhersehbare musikalische Wundertüte daher. Aber seltsamerweise wirkt das Album wiederum nicht zerrissen oder ziellos, sondern es scheint sich irgendwie – trotz aller Unterschiedlichkeit – alles in einen Gesamtfluss zu verdichten, der einen unbewusst durch das Album trägt. Das ist wahrlich faszinierend. Vielleicht ist das alles auch Ausdruck einer bald 13jährigen Entstehenszeit, in der – mit einigen Unterbrechungen – an dem Album gearbeitet wurde. Aber irgendwie glaube ich, dass es Fred Lessing faustdick hinter den Ohren hat und er eben mit einer verschmitzten Lässigkeit diesen Stilmix aus dem Ärmel schüttelt und uns unbedarften Hörern mit einem breiten Lächeln darbietet.

Vordergründig ist „Fabric of Space Divine“ ist ein unterhaltsames Stück Musik, welches eine Abfolge unterschiedlichst charakterisierter Stücke darbietet, die alle mit eigenen Stärken (ja, und auch ein paar Schwächen) die Ohren der Hörer umschmeicheln. Man kann aber auch intensiv einsteigen und das Album offenbart so einiges an kleinen Gimmicks, Ecken und Kanten, Wendungen und auch hemmungslosen Kitsch und Schmalz. Letztlich macht es aber unbedingt Sinn dieses Werk im gesamten auf sich wirken zu lassen. Dann passt es eben, dass neben vertrackten Tracks schon mal ein nahezu metallisches Riff ertönt, avantgardistische Klangwolken vorbeischweben und plötzlich ein Schunkellied wie „beyond trinity“ erklingt. Wer an Zufälle glaubt…

Daneben kann man sich auch noch die Synapsen von den Texten reizen lassen. Hier geht es ja schließlich um das Universum und den ganzen Rest, und alles aus der verschmitzten Sicht des Fred Lessing. Eine weitere Ebene, auf der man dieses schon erstaunliche Werk genießen kann.

„Fabric of Space Divine“ ist ein vielschichtiges Werk, welches Progger aller Couleur ein Vergnügen bereiten sollte (die ganz schräge Fraktion vielleicht mal ausgenommen). Vielleicht eine Manifestation der Idee des Progressive Rock an sich, sehr elegant und unterhaltsam dargebracht.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.12.2013
Letzte Änderung: 6.12.2013
Wertung: 11/15

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Von: Roland Heil @ (Rezension 3 von 3)


Die 2.CD der portugiesischen Band um den Berliner Fred Lessing, der nun seit über 34 Jahre in Portugal lebt. Und sie, die CD, ist selbst nach mehrfachem Anhören nicht einfacher als der Vorgänger ALL TOMORROWS. Im Gegenteil, scheint sie sich in Teilen weiter zu entfernen. Es ist - mal wieder - nicht leicht mit DAYMOON. Ob das wohl so beabsichtigt ist? Eines scheint klar zu sein. Es handelt sich um ein Konzeptalbum um das Uni- bzw. Multiversum im Allgemeinen und die Evolution eines fiktiven - nicht zwingend menschlichen - Wesens in der Zukunft. In der Mitte des beiliegenden Booklets hat der "Vater" (= Schöpfer!) dieses Werkes seine Philosophie in Worten (leider nur in englisch) dargelegt, angeregt von Stephen Baxters Romantriologie "Manifold".

Die Grundidee reicht schon mehr als 13 Jahre zurück, denn die ersten Aufnahmen wurden schon zwischen 2000 und 2007 gemacht, 2011 wiederaufgenommen und bis 2013 zum Abschluss gebracht. Es ist also ein Werk, das reifen durfte. Es hat inhaltlich einiges zu bieten, was sich erst nach einigen Hördurchgängen und einer aufmerksamen Lektüre des Booklets erschließt (s.o.). Man kann die Musik aber auch einfach zur Unterhaltung hören und hat seinen Spaß dabei, ohne nach tieferem Sinn zu suchen. Konsumieren - und das war's. Damit würde man aber dem geistigen Inhalt nicht gerecht. Booklet (artwork: F.Lessing), Homepage und Musik bilden somit ein Gesamtkunstwerk. Was will der anspruchsvolle Proggy mehr?

Zur Musik, dem hörbaren Teil: Vielschichtigkeit ist die treffendste Bezeichnung des musikalischen Inhaltes. Von Oldfield'scher Gitarre ("beyond") über Gentle Giant ("digital"), Neutönereinschüben ("grasping the fabric"), schlagerhaftem Liedgut ("ice prospector"), Metalgitarren in "twisting the fabric", das dann wiederum in poppiges Fahrwasser gerät, um dann Jazzgebläse Platz zu machen - es gibt Vieles zu entdecken in diesem Multiversum. Es startet mit dem "Big Bang", dem eine Art Einführung mit Leitmotiven der CD folgt ("singularity to sol"). Und mit "seed of complexity" ist man schon auf dem Trip durch's Multiversum des (human?-)being bzw. des Prog oder "Trag"(?- Fred Lessing bezeichnet das Genre, das er musikalisch vertritt, als "Transgressive"). Man erkennt verschiedene Einflüsse aus der "progressiven" Vergangenheit und stellt eine Eigenständigkeit fest, wenn man auch das Erstlingswerk "All Tomorrows" kennt.

Das ist alles mit viel Leidenschaft und Hingabe kompo- und kombiniert und macht nun doch dem Rezensenten, der anfangs seine Probleme hatte, mehr und mehr Spaß.

Wer sich mit "transgressiver" Musik auseinandersetzen mag und auch Spaß mit philosophischem Gedankengut hat, dem möchte ich dieses Album sehr empfehlen.

Anspieltipp(s): alles in einem Rutsch, Teile herausbrechen macht wenig Sinn
Vergleichbar mit: DAYMOON
Veröffentlicht am: 25.6.2014
Letzte Änderung: 25.6.2014
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Daymoon

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2011 All Tomorrows 10.33 3
2016 Cruz Quebrada 10.50 2

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