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23268 Rezensionen zu 15886 Alben von 6158 Bands.
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Genesis

And Then There Were Three

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1978
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog; Rock / Pop / Mainstream
Label: Virgin
Durchschnittswertung: 8.25/15 (8 Rezensionen)

Besetzung

Tony Banks Keyboards
Phil Collins Gesang, Schlagzeug
Mike Rutherford Gitarre, Bass

Tracklist

Disc 1
1. Down And Out 5:25
2. Undertow 4:44
3. Ballad Of Big 4:49
4. Snowbound 4:29
5. Burning Rope 7:07
6. Deep In The Motherlode 5:14
7. Many Too Many 3:03
8. Scenes From A Night's Dream 3:29
9. Say It's Alright Joe 4:20
10. The Lady Lies 6:05
11. Follow You Follow Me 3:58
Gesamtlaufzeit52:43


Rezensionen


Von: Thomas Thielen @ (Rezension 1 von 8)


Die erste Platte ohne Steve Hackett und schon so ein Griff ins Klo. Nicht, dass die CD wirklich richtig kreischend schlecht wäre - sie plätschert halt einfach so vor sich hin.

Aber der Reihe nach:

DOWN AND OUT beginnt mit schönem schrägen Rhythmus, tolle Idee, aber leider nicht ausreichend für ein ganzes Lied. Die Harmonien und die Vocals sind einfach hingehuddelt. Wirkt einfach sehr lieblos und halb-durchdacht.

UNDERTOW ist halt eine Tony Banks-Ballade. Leichtes Gähnen stellt sich bei dem ein, was bald der typische Collins-Schmeichel-Gesang werden sollte.

BALLAD OF BIG ist schlichtweg furchtbar. Uptempo und wieder eine Komposition, die man höchstens einer B-Seite aufzwingen könnte. Gewollt und nicht gekonnt, würde ein weniger netter Mensch sagen. Jetzt schlägt das Gähnen allerdings schon langsam in Verwunderung um... Soooo viel hatte Hackett auf Wind and Wuthering ja nun auch nicht geschrieben...

SNOWBOUND ist der peinliche, überflüssige kleine Bruder von dem an sich schon ziemlich ordinären You Have Your Own Special Way. Rutherford at his best, pop, langweilig, Dutzendware.

BURNING ROPE hat ein paar echt gute Ideen, ok, aber als Ganzes funktioniert der Song einfach nicht. Das klingt jetzt wirklich gewollt progressiv, eigentlich unverständlich, wenn man sich überlegt, wieviel Mr Banks für das Genre schon an Classics komponiert hat. Aber sicher ein Lichtblickleinchen im Düsterdunkelgrau.

DEEP IN THE MOTHERLODE ist wenigstens ein bißchen atmosphärisch. Leider sind die Ideen auch hier einfach nicht zuende gedacht. Es ist einfach schade, daß die Jungs so oberflächlich durch die Gegend dudeln. Es scheint, als sei das die größte Lücke, die Hackett hinterläßt: Tiefgang...

MANY TOO MANY erklärt, warum auch die Stücke, die auf späteren Platten so nach Collins klingen, manchmal von Banks kommen. Riesengähn. Siehe oben: Damit hätten sie sich früher sicher nicht mal in den Proberaum getraut!

SCENES FROM A NIGHT'S DREAM ist wenigstens ein wenig originell. Aber dann auch irgendwie schnell vorbei, ohne daß ein bleibender Eindruck entstanden wäre. Auch hier fehlt dieses gewisse Etwas, das mich dazu bringt, in die Musik einzusteigen - wieder ist der Sound und auch die Substanz (?) so seltsam hohl und konstruiert und fällt deshalb letztendlich durch meine Ohren einfach durch.

SAY IT'S ALRIGHT JOE hat endlich!!!!!! genau diese Emotionen, die dem Rest des Albums so fehlen. Zum ersten Mal meint man, es nicht mit mittelmäßigen Sessionmusikern zu tun zu haben, die irgendjemandes Komposition durchfiddeln. Für mich der stärkste Song auf der CD, wenn auch die Live-Versionen mit einer längeren Impro am Schluß noch ein Teil besser sind.

THE LADY LIES ist vom proggischen Standpunkt her das interessanteste Stück der Platte, was aber nicht viel heißen soll. Auf früheren Alben wäre auch dieses Ding sicher eher im Mittelmaß gewesen. Immerhin macht Banks hier mal irgendwas Nettes auf den Keyboards, und Rutherford stört nicht weiter.

FOLLOW YOU FOLLOW ME ist die Single. Collins-Mist. Unauffällig, poppig, leitet die neue Singlehits-Genesis-Phase ein und allein dafür verachtenswert. Hätte genauso auch von jeder beliebigen Popband kommen können.

Die CD ist aus, und ich weiß auf einmal nicht mal mehr genau, warum ich sie gehört habe. Es kommt einfach überhaupt nichts rüber, ich habe es nur mit Mühe geschafft, überhaupt hinzuhören. Zum Abschluß noch die Spekulation, ob Hackett vielleicht nicht einfach geahnt hat, daß seinen Kollegen langsam die Luft ausgeht..? Zumindest hat er es sicher geschafft, den Absprung zu timen - nach dieser Platte hätte er sich sicherlich sehr geschämt.

Anspieltipp(s): say it s alright joe
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.6.2002
Letzte Änderung: 10.6.2002
Wertung: 3/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 2 von 8)


Das erste Genesis-Album ohne Steve Hackett hat eine einheitliche Atmosphäre, eine so spezielle Stimmung wie keines seit The Lamb... mehr. Es ist die Atmosphäre eines Altweibersommers. Die großen Erregungen sind überstanden, die Hitze flaut ab, milde Erinnerungen an vergangene Abenteuer setzen ein. Das heißt für Genesis vor allem: Erinnerungen an die Kindheit und das, was man als Kind abenteuerlich fand: Western und Ritterspiele. In dieser Stimmung verläuft das ganze Album - verspielt bis infantil, verträumt bis windelweich. Ein Album ohne Ecken und Kanten, dafür mit viel Schmuseeffekt, selbst bei den Sachen, die härter klingen sollen. Die Drums, z.T. vortrefflich von Phil Collins bearbeitet, sind sehr in den Hintergrund gemischt, dafür dominieren ganz klar die bis dorthinaus melodiös klingenden Gitarren und Keyboards.

Über die Hälfte der Songs auf dem Album haben eine Spieldauer von unter 5 Minuten; der Längste (Burning Rope) währt immerhin fast 7 Minuten. Diesmal ist auch kein Instrumental dabei; alles 1 A Pop-Songs mit mehr oder weniger progressivem Touch. Der Spagat zwischen Pop und Prog gelingt auch ganz gut, wobei die Infantilität der Melodien bei einigen Songs schon ein wenig nervt (Ballad of Big, Scenes from a Nights Dream). Neben dem Hit Follow you follow me, der als Hitsingle irgendwie an die LP hintendran geklatscht ist, enthält die Platte mit Many too many noch einen kleineren, aber feineren, schön wehmütigen Hit. Ungeheuer traumfördernd wirken dann auch noch Undertow und Snowbound, während Down and out, Burning Rope, Say it's alright Joe und The Lady lies noch am ehesten progressive Gefühle aufkommen lassen. Allerdings sind auch diese Songs von den warmen Kindheitsgefühlen der verbliebenen Genesis-Mannschaft durchtränkt. Ein Album mit einer sehr speziellen Stimmung. Man muss es mögen.

Anspieltipp(s): Down and out, Many too many
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 28.6.2002
Letzte Änderung: 3.3.2012
Wertung: 10/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 3 von 8)


DOWN AND OUT: ein letztes Aufbäumen! Das Stück lebt von seinem holprigen Temporhythmus. Der Bass wird monoton im 5/4 Takt (bzw. 10/8) durchgezogen, wobei der letzte, fünfte Basston etwas versetzt ist, nämlich auf der 9 liegt, das Schlagzeug spielt erst einen 2/4-Takt, um dann nach 7 Schlägen noch zwei schnelle 6/8-Takte dranzuhängen. Wirklich erstklassig, aber leider fast alleine auf weiter Flur.

UNDERTOW: hat eine wunderschöne Melodie und ist eine der schönsten Balladen von Genesis.

BALLAD OF BIG: siehe oben. SKIP !

SHOWBOUND: Das beste Beispiel für den Grundtenor dieser Platte. Die Stücke beissen nicht, sie packen nicht, sie ziehen halt einfach so vorbei, die Melodien sind manchmal ganz nett, die Stücke solide gemacht, nicht zu kompliziert für das breite Publikum, aber für einen Proggie halt eben einfach zu wenig. Schön.

BURNING ROPE: Für mich ist dieser Song aus der Durchschnittsschublade. Das kurze Aufflackern einer Steigerung mit dem einsetzenden Pianostakkato ist nur ein Strohfeuer. Und dann gibts sogar noch ein wenig Schlittengebimmel Marke "Last Christmas" (remember Wham!) durch die Rollschellen. Naja, ein wenig abwechslungsreicher als die Nummern davor ist das Stück. Ach ja, der Gitarrensolo-Teil und der Schluss sind ein wenig bombastisch.

DEEP IN THE MOTHERLODE: abwechslungsreich, mal Atmosphäre, mal eine Prise Bombast, Daumen hoch.

MANY TOO MANY: Eine typische Ballade Marke Genesis der späteren Jahre, oder Bank oder Collins..... wie auch immer. Tausendmal gehört, tausendmal ist nix passiert. Belanglos. Ansonsten siehe Snowbound...

SCENES FROM A NIGHT'S DREAM: leicht verdaulicher Pop, gute Laune Mucke mit nettem Schleppgroove.

SAY IT'S ALRIGHT JOE: stark. Der Refrain ist pure Energie. Intensiv, gefühlvoll, packend.

THE LADY LIES: gefällt mir auch gut, hat drive und eine tolle Basslinie, das Schlagzeug spielt treibend und das Keyboardsolo wartet mal mit einem neuen Sound auf. Der Schluss ist frickelige power. Daumen hoch.

FOLLOW YOU FOLLOW ME: nett, schön, belanglos. Gesangsstimme und begleitendes Keyboard singen bzw. spielen im Refrain sogar Note für Note identisch. Langweilig. Hat mir noch nie besonders gefallen.

Fazit: 4x Hui 7x Pfui! Oder anders: Down and out, Undertow, Say it`s alright Joe und The Lady lies ragen heraus, haben interessante und spannende Momente, Down and out ist sogar klasse, der Rest wird zur Basis des zukünftigen Collins/Genesis-Durchschnitts. Und Prog ist es halt auch nur noch in Ansätzen.....

Anspieltipp(s): Down and out, Undertow, The Lady lies, Joe
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.7.2003
Letzte Änderung: 2.3.2014
Wertung: 6/15

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Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 4 von 8)


Im Zusammenhang mit den Genesis-Neuabmischungen von Nick Davis (aus dem Jahre 2006) darf festgehalten werden, dass einige Fans diese Remasters für eine Art Vergewaltigung der alten Aufnahmen halten und die sog. Definitive Edition Remasters von 1994 als viel angemessener ansehen. Der Vorwurf lautet, 2006 wurde alles nach vorne gemischt, alle Tonspuren gleichgeschaltet, alle Nuancen vernichtet, um dem Zeitalter von iPod und mp3 gerecht zu werden. Da hilft offenbar auch die Tatsache wenig, dass Tony Banks (und, im geringeren Ausmaß, auch andere Mitglieder von Genesis) die Remasters von 2006 persönlich überwachte. (Ich persönlich habe keine Probleme mit den neuen Remasters. Es muss doch nicht falsch sein, alles Aufgenommene transparent hören zu können. Es sei denn, man möchte als "echter" Fan in den alten Abmischungen immer wieder auf die Suche nach Verborgenem gehen).

Neben "A Trick of a tail", "Wind and wuthering", "Abacab" und "Duke" ist auch "...and then there were three..." am vierten April 2008 als Einzel-CD mit den aktuellen, anfangs genannten Remasters rausgekommen.

"...And then there were three..." war meine erste, direkt nach der Veröffentlichung erlebte Genesis-Platte. Vielleicht deshalb wird es von mir keine negative Kritik dieses Albums geben. Ich möchte da lieber schon wieder von Tony Banks' Geniestreichen "Undertow", "Burning Rope" und "Many too many" sprechen. Die ersten beiden sind in ihrem gekonnten Aufbau eher nach Progressive Rock ausgerichtet. Solchen Songs (die diese Anschaffung lohnenswert machen) stehen schwächere, wie z.B. "Ballad of big" und "Scene's from a night's dream" gegenüber. Mr.Rutherford sind mit "Say it's alright Joe" und "Snowbound" auch zwei unvergessliche Songs gelungen. Der kraftvolle Opener "Down and out", soll - ähnlich wie "Eleventh earl of Mar" auf "Wind and Wuthering - wohl zeigen, dass Genesis auch Aggressives abliefern können. Mit dem süßlichen "Follow you follow me" hatte man bekanntlich einen Hit gelandet. Die Musikalität leidet im Falle von Genesis kaum darunter.

Ich könnte sarkastisch sein und schreiben, nachdem Steve Hackett sich auf dem Vorgänger "Wind and wuthering" stark zurückgenommen hat, fehlt er auf "...and then there were three..." auch nicht besonders. Vielmehr ist es so, dass Hackett mir auf "Wind and wuthering" (meistens) fehlte und dadurch war sein späteres Fehlen leichter zu verkraften.

Genesis machen auf "...and then there were three..." das Beste aus ihrer Lage. Die Musik des verbliebenen Trios ist zwar songorientierter und etwas seichter geworden, das Songwriting ist in vielen Fällen aber immer noch beeindruckend.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.4.2008
Letzte Änderung: 9.4.2008
Wertung: 9/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 5 von 8)


1978: Die Progwelt war verunsichert. ELP hatten für ihre "Works"-Alben böse Schimpfe einstecken müssen, Gentle Giant wussten nicht mehr aus noch ein und veröffentlichten "Giant for a Day", Yes das katastrophale "Tormato". Bill Bruford war in den Jazz abgewandert, King Crimson schon lange inexistent. Peter Gabriel machte auf der anderen Seite, nun, so etwas wie moderne Popmusik, ja selbst Mike Oldfield drohte damit, Chart-Singles zu veröffentlichen. Und tatsächlich schien das die Zukunft zu sein: Die Ära monumentaler Epen war vorüber, auf der anderen Seite hatten die genannten Bands plötzlich so etwas wie Hits: "Wonderous Stories", "I believe in Father Christmas", "Fanfare for the common Man". Und wussten nichts damit anzufangen. Der Punk war es gar nicht so sehr, der die etablierten Progbands bedrohte, denn kaum ein Progfan kaufte sich Punk-Scheiben. Es war, um 1975 herum, als die großen Progbands (Floyd, Genesis, Yes, ELP) gerade indisponiert waren, einerseits der anspruchsvolle, sophisticatete Pop von Bands wie Supertramp, 10CC oder Roxy Music, und andererseits der Stadionrock. Bands wie Queen, Saga, Journey, Styx, Kansas oder auch Rush gruben dem Prog das Wasser ab. Denn die haben den Prog genommen, und anstatt sperriger Epen a la "Gates of Delirium" oder eskapistischer Phantasy-Konzeptalben druckvolle 5minüter gemacht, die man im Radio spielen konnte.

Genesis indisponiert? Nun, ihnen war zu dieser Zeit nicht nur ihr Eyecatcher abhanden gekommen, ein Typ mit seltsamer Haartracht, den viele seiner Fans als eine Art Propheten verehrten, sondern nun auch noch der introvertierte Gitarrist, der viel zum Progressive-Rock-Stil der Band beigetragen hatte. Was also tun?

Ein neuer Gitarrist musste her: Robert Fripp. Robert Fripp? Ja klar... Nein, keine Angst, der lehnte selbstverständlich ab. No Hobbit-Music for Mr. Fribble. Jeff Beck! Um Himmels Willen! Aber was hatten Genesis dem schon zu bieten! Also Alphonso Johnson von Weather Report in die Band holen und Mike Rutherford Gitarre spielen lassen! Klasse Idee? Naja, die erste Hälfte der Idee ist klasse. Leider hat man die zweite Hälfte umgesetzt. Und so wurde Genesis zu der Band, in der der Bassist Gitarre spielte, der Drummer sang, der Sänger nicht mehr mitmachte, und der Keyboarder eh nie der beste seines Faches war. Klingt nicht nach guten Voraussetzungen? Naja, es klingt zumindest danach, dass man das Konzept dieser Band mal gründlich überarbeiten müsste.

Aber vorher noch schnell "…and then there were three…" machen. Als Vorbild nahm man sich offensichtlich die oben genannten Bands, die anstatt sperriger Epen und eskapistischer Phantasy-Konzeptalben druckvolle 5minüter gemacht haben, die man im Radio spielen konnte. Und das Album ist eine Katastrophe, umso mehr, als es auch noch das bis dato erfolgreichste Genesis-Album wurde... Die Katastrophe fängt schon bei dem Hipgnosis-Cover an. Man muss nachlesen, was Storm Thorgerson damit im Sinn hatte, erkennen kann man es nicht.

Lasch produziert ist es. Was ist das für ein Sound! Warm, ja, aber auch mumpfig und verschwommen (die 2007er-Version klingt deutlich besser). Und dann: Diese simplen Songs! Jeder einzelne von ihnen klingt wie ein Outtake, fast so als wäre "…and then there were three…" eine Compilation von Überbleibseln, wie ELPs "Works Volume II". Kein Wunder, ähnlich wie Yes später haben Genesis hier angefangen, ihre kollektive Kompositionsweise aufzugeben. Stattdessen haben sie einfach fertige Songs der einzelnen Mitglieder eingespielt. Andere wurden sogar nachträglich gekürzt, "Burning Rope" zum Beispiel. Leider orientieren sich bis heute zahllose Neo- und Retroprogbands an dem Album, vermutlich weil diese Art von Musik so leicht zu spielen ist.

Tatsächlich klingen Genesis schon mit "Down and Out" wie ihre eigene Neoprogband: Der Einstieg ist eingängig, ohrwürmelig, und steht dennoch im 5/4-Takt. Aber wie ein von mir sehr verehrter BBS-Kollege schreiben würde: Es ist blöd, ganz egal in welchem Takt es steht. Zum Vergleich: Auch Asias "Heat of the Moment" ist im 5/4-Takt. Kann trotzdem geil sein? Kann's. Mir gefällt "Down and Out". Das macht es aber natürlich nicht besser. Gilt übrigens für die gesamte Scheibe, ich mag die nämlich gern. Nach "Duke" die von mir am häufigsten gehörte Genesis-Platte.

Egal. Die Tatsache, dass das hier eigentlich Neoprog ist, zeigt in genau der zweifachen Weise, in der dieses Wort gebraucht wird, wie unsinnig das Wort ist. Es sollte aus unserem Wortschatz gestrichen werden, weil es nur für Verwirrung sorgt. Die zwei Gebrauchsweisen? Nun, die einen verwenden das Wort, um Prog zu bezeichnen, der nach der klassischen Hochphase entstanden ist. Doch diese Grenze zwischen Prog und Neoprog gibt es nicht. Die ersten so genannten Neoprogbands waren auf dem Plan, als die klassischen Bands mit ihrem klassischen Prog noch gut im Geschäft waren (Pendragon und Twelfth Night 1978, Marillion 1979, Solstice, IQ und Pallas 1980). Und warum sollte man gleich ein neues Subgenre aufmachen, nur weil diese Musiker ein paar Jahre jünger sind? Das ergibt keinen Sinn. Die zweite Bedeutung des Wortes "Neoprog", ausführlich und lamentös referiert von Jerry Lucky in seinem äußerst dürftigen "Progressive Rock Handbook", lautet: Schlechter(er) Progressive Rock. Und der ist nun wirklich nicht die Erfindung der genannten neu gegründeten Bands. Man kann natürlich auch weniger polemisch sein und sagen: Neoprog ist Progressive Rock mit einem Hang zum straighten Popsong, wenn's geht bitte ohne Gitarre. Aber das ist womöglich dasselbe. Wie auch immer man das Wort versteht: Wenn man Alben wie dieses hier hört, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Bands wie Eloy, Camel und Kaipa Neoprog gemacht haben, lange bevor Pendragon, Twelfth Night, Marillion, Solstice, IQ und Pallas auf den Plan traten – und Genesis eben auch.

Das Album hat viel so Gruselschmuselsongs, gell? "Many too many", das Rubato von "Undertow" (geil: Die Coverversion von Tool, hr hr), "Snowbound" (sehr nett, und tatsächlich der kleine Bruder von "Your Own Special Way"!). Aber es gibt auch ein paar Stücke mit guten Hooks, "Ballad of Big", "Deep in the Motherlode", "Burning Rope", die sind doch sehr eingängig neoproggig stadionrockig. Wenn möglich, bitte ohne Gitarre.

Ach, es ändert ja nichts. "…and then there were three…" ist ein blödes Album, da haben die Kollegen ganz Recht. Mit einem haben sie allerdings Unrecht, und das ist "Follow You, Follow Me". Das ist nämlich der mit Abstand beste Song auf dem Album. Ja ich weiß, es gibt noch "Deep in the Motherlode", und "The Lady Lies" soll sogar irgendwie Prog sein, aber mir geht es hier nicht darum, welcher Song der proggigste ist. Das Album leidet schon genug darunter, dass es irgendwie gar nichts so richtig ist. Mir geht es ums Songwriting. Und da ist "Follow You, Follow Me" einfach klar das beste Stück hier. Seien wir doch mal ehrlich, Genesis hatten "Firth of Fifth" und "Watcher of the Skies" im Programm, aber nicht alle Prog-Epen sind ihnen geglückt: "The Cinema Show", "Dancing with the Moonlit Knight", "Can-Utility and the Coastliners" wurden mit nudeligen und/oder ziellosen Instrumentalpassagen künstlich in die Länge gezogen, "Supper's ready" ist in Wirklichkeit fünf Lieder. Auch auf "…and then there were three…" gibt es viel Stückelei, gerade bei den proggigeren Sachen ("Ballad Of Big"!). "Follow You, Follow Me" allerdings ist, da kann man kaum gegen anargumentieren, ein verdammt guter Popsong. Und ein wichtiger noch dazu: Er weist voraus auf Sachen wie "Tonight Tonight Tonight", That's All" und vor allem "Throwing It All Away".

Das rettet die unausgegorene Scheibe allerdings nicht. Schon gar nicht in den Augen des Proghörers. In seinen Ohren natürlich. Auf "…and then there were three…" klingen Genesis wie ein Schatten jener Band, die sie einst waren. Das perfekte Übergangsalbum zwischen ihrer Progphase und ihrer Popphase wird Genesis erst mit "Duke" gelingen.

Anspieltipp(s): "Follow You, Follow Me" und "Undertow" von Tool
Vergleichbar mit: Eloy, Camel, Kaipa, Pendragon, Twelfth Night, Marillion, Solstice, IQ und Pallas
Veröffentlicht am: 31.1.2014
Letzte Änderung: 15.9.2015
Wertung: 6/15
...und trotzdem mag ich's gern!

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Von: Holger Grützner @ (Rezension 6 von 8)


So, nun reichts aber mit den „… and then there were three“-Verrissen! Ideenlosigkeit? Hä, wer kommt denn auf so was?

Outtakes-Verramschung? Keinesfalls!

Lieber Asia hören? Kommt nicht in Frage!

Neoprog? Von mir aus. Schubladen dieser Art sind eh wurscht, denn es gibt guten und es gibt schlechten… und wenn schon, dann ist dieses Genesis-Album auf jeden Fall guter, nein sehr guter sogar.

Genesis hatten eine Hoch-Phase in den 70ern. Trotzdem gab es auch dort weniger gelungene Alben, wie zum Beispiel „Lamb lies down on Broadway“; die Message zu verkopft und die Musik überwiegend inspirationslos hingedudelt und „wind and wuthering“ (vor sich hin plätschernde Langeweile). Das eigentliche Genesis-Dauerelend begann mit „Abacab“.

Zuvor gab es „Duke“ und dieses hier; und beide sind gleichwertig schöne Übergangsalben.

Was mir an „…and then there were three“ besonders gefällt, ist die Wohlfühlatmosphäre, die mit den ersten Takten erzeugt- und dann gehalten wird, bis die letzten Takte von „Follow me, follow you“ verklingen.

Einerseits sorgen die oben viel beschriebenen „Prog-Reste“ in „Down and out“, „Burning rope“ und „motherlode“ für die Befriedigung der Anspruchserwartungen des Artrockklüngels, andererseits richten sich die mitreißenden Refrains in „Snowbound“, „Many too many“ und „Follow me, follow you“ ans Herz. (Ja, liebe Akademiker unter uns, es gibt Exemplare unserer Spezies, die sollen über so etwas rudimentär verfügen.)

Diese gefühligen Zutaten sind DIE Stärke auf dieser Platte gegenüber dem Vorgänger und den vielen Nachfolgern. Es wird sie in dieser ausgewogenen Dichte erst rund 10 Jahre später wieder geben - auf „but seriously“, einer Collins-Solo-Platte. Dort dann auch messagemäßig mit mehr Gehalt als auf „ …and then there were three“.

Wenn man dieser musikalisch sehr gelungenen Scheibe nämlich wirklich etwas vorwerfen will, dann wird man eher bei den teilweise schwachen Texten fündig:

- „Oh what a snowman“ (Persiflage der Gabriel-Years? Ist früher in “entangled” besser gelungen; man soll nicht zweimal den gleichen Witz versuchen)….

- „Big Jim was scared…“ (pointenloser Gag; I hear you comin’ Helge!)

- “Oh little Nemo!” (Trickfilm-Trauma? Don’t tell me stories, I don’t want to know? Eben.)

Aber sogar das wird wieder ausgeglichen durch “the Lady lies“, „motherlode“ („go west young maaaaan!”; man muss sich mal vorstellen, wie so was wirkt auf 18- oder 19jährige NVA-Soldaten anno 78/79!). Und dann wäre da noch „Many too many“, einer der gelungensten Songs über Erfolgsdruck und Isolation: Als ob Phil Collins hier schon den Zustand ahnt, in dem er sich 2013 befinden wird.

Tragisch. Ergreifend. Prophetisch. Rund.

Feine Platte.

Anspieltipp(s): alles
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.2.2014
Letzte Änderung: 31.1.2014
Wertung: 13/15

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Von: Michael Hirle @ (Rezension 7 von 8)


Ganz klar, „And Then there where Three“ ist kein „Foxtrot“ und kein „Nursery Cryme“ aber das will es auch gar nicht sein. Für mich aber ist es das perfekte Genesis Album. Ja halt, wieso jetzt, da bimmeln bei manchem vielleicht die Tubular Balls äh Bells. Ich brauch kein Gefrickel, ich brauch Atmosphäre. Ich brauch Melodien... und Stimmungen. Ich brauch eine maximale Aussage auf minimalsten Raum. Ist dies geschehen, trägt diese eine Melodie/Aussage auch ein Mantra von einer halben Stunde. Pop/Punk/Raga ist also nicht weit. Lieber ein Haiku statt den gesamten Thomas Mann.

Die Band hat sich gesund geschrumpft. Große Melodien gabs auf jedem Album nur das Drumherum bis diese Melodien kamen, war mir manchmal zu anstrengend. Das ist bei Yes so, bei Dream Theater, Opeth etc. ...Kontrast ja, aber das geht auch innerhalb von ein paar Sekunden. Eine Dissonanz reicht meistens aus. Entwicklung? Auch die größte Melodie ist nur eine Momentaufnahme...und die Besten sind die Einfachsten und sind flüchtig. Hier gibt es viele solcher Zwischenwelt-Melodien...Porcupine Trees „Stupid Dream“ trägt einen ganz ähnlichen Geist.

Wie Holger schon sagte: Übergangsalbum. Da steh ich drauf. Sonnenaufgänge, Sonnenuntergänge. Herbst und Frühling. Und genau für diese Stimmungen ist dieses Album gemacht. Es knüpft sich gerne an diese Momente, denn dort ist diese Musik zuhause. Und das Cover zeigt nicht umsonst einen Übergangsmoment. Übergang wohin? Ins Dunkle oder Helle? Ich mag mich da nicht entscheiden. Muss es auch nicht. Ich verweile in einem Album, welche alle kommenden und vergangenen Genesis Alben in sich trägt. Teure Boxen, Archiv Aufnahmen für was? Manchmal kann das Fanleben...so einfach...und so günstig sein.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Porcupine Tree's Stupid Dream
Veröffentlicht am: 2.3.2014
Letzte Änderung: 2.3.2014
Wertung: 13/15
der beste Ausgangs- Startpunkt für alle Schaffensphasen der Band

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Von: Markus Peltner @ (Rezension 8 von 8)


„And Then There Were Three” stellt sicherlich einen Einschnitt in der Musik von Genesis dar. Nicht nur, dass nach Peter Gabriel nun ebenfalls Gitarrist Steve Hackett die Band verlassen hatte, auch die Musik selbst war jetzt einem deutlichen Wandel unterzogen worden. Stand bisher immer der Progressive Rock im Vordergrund, so gibt es diesen zwar zumindest noch ansatzweise auf diesem neunten Studioalbum der Band zu hören, jedoch ist alles auch mit einem deutlichen und doch auch belanglosen Pop-Einschlag versehen.

Für alle Genesis-Fans der frühen Bandgeschichte war dieses Album natürlich ein wenig enttäuschend. Zwar erinnern immer wieder Passagen an frühere Tage, im Zentrum des Schaffens von Genesis steht jetzt jedoch ganz klar die eingängige Pop-Musik. Nicht weiter überraschend daher auch, dass die Band hier mit „Follow You Follow Me“ einen ersten Erfolg in den Single-Charts erzielte. Hilft allerdings auch irgendwie nichts, denn das Album wirkt auf seine Weise für Fans der früheren Veröffentlichungen überaus belanglos und läuft einfach so durch, ohne irgendwelche großartigen Spuren zu hinterlassen. War da was?

„Undertow” und „Say It's Alright Joe” klingen schon schwer nach dem Singsang und Gesäusel, mit dem Phil Collins kurze Zeit später eine überaus erfolgreiche Solo-Karriere starten sollte. Eingängiger und häufig auch schmachtender Pop, der wahrlich leicht anzuhören ist, oftmals allerdings schon nach kurzer Zeit überaus nervt. Am ehesten in die Richtung der vorherigen Platten geht da noch „Burning Rope“. Aus mehreren Passagen zusammengesetzt, kommt hier zumindest so eine gewisse Stimmung auf, die sich nicht nur beim ersten Hören als einnehmend herausstellt. Kein Vergleich zwar mehr zu den Platten mit Peter Gabriel, trotzdem noch der Höhepunkt des Albums.

Fazit: Schon schade, was aus diesem einstigen Flaggschiff der progressiven Rockmusik geworden war. Radiotaugliches Gedudel wurde nun die Spezialität der Band. Dabei soll hier allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass die Verkaufszahlen von Genesis ab jetzt in bisher nicht gekannte Dimensionen vorstießen. Den Massenmarkt hatten sie also erobert, viele Fans der ersten Stunde jedoch verloren – aber letzteres wird die drei Musiker wohl eher weniger tangiert haben.

Anspieltipp(s): Burning Rope, Follow You Follow Me, Many Too Many
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.6.2014
Letzte Änderung: 1.6.2014
Wertung: 6/15
...die Zeit des Progressive Rock war mit dem Aufkommen des Punk einfach vorbei.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Genesis

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 From Genesis to Revelation 3.75 4
1970 Trespass 11.20 5
1971 Nursery Cryme 12.60 5
1972 Foxtrot 14.13 8
1973 Genesis Live 10.00 3
1973 Selling England by the Pound 12.83 6
1974 The Lamb lies down on Broadway 11.50 4
1976 A Trick Of The Tail 10.75 4
1976 Wind And Wuthering 11.25 4
1977 Spot The Pigeon (EP) 7.00 2
1977 Seconds Out 11.00 3
1980 Duke 7.57 7
1981 Abacab 6.67 6
1982 3X3 4.00 2
1982 Three Sides Live (VHS) - 1
1983 Genesis 7.50 4
1984 Three Sides Live 9.75 4
1985 The MAMA Tour (VHS) - 1
1986 Invisible Touch 7.67 3
1986 Rock Theatre - 1
1987 Visible Touch (VHS) - 1
1988 Invisible Touch Tour (VHS) - 1
1988 Videos Volume I (VHS) - 1
1988 Videos Volume II (VHS) - 1
1991 We Can't Dance 6.67 3
1991 Turn It On Again - Best Of '81-'83 - 1
1992 The Way We Walk Vol.1 - The Shorts (Live) 5.67 3
1993 The Way We Walk Vol.2 - The Longs (Live) 8.33 3
1994 The Way We Walk (VHS) - 1
1996 The Royal Philharmonic Orchestra plays the music of Genesis 2.00 1
1997 Congo (Maxi-CD) - 1
1997 Shipwrecked (Maxi) - 2
1997 Calling All Stations 6.50 4
1998 Archive I - 1967-1975 12.50 5
1998 Not About Us (Maxi) - 1
1999 Turn It On Again - The Hits - 2
2000 Archive II - 1976-1992 11.00 1
2000 The Genesis Songbook (DVD) 12.00 1
2001 The Way We Walk (2DVD) - 1
2003 Live At Wembley Stadium (DVD) - 1
2004 Genesis Live (DVD) 5.00 1
2004 Platinum Collection - 1
2004 The Video Show (DVD) 7.00 2
2004 Inside Genesis 1975-1980 - An Independent Critical Review (DVD) - 1
2006 The Genesis of Genesis - 1
2007 Box Set 1976 - 1982 12.00 1
2007 Live - Helsinki, Fi, 11-06-07 9.00 1
2007 Live Over Europe 2007 11.33 3
2008 Box Set 1970 - 1975 13.50 2
2009 Box Set 1973-2007 Live 12.00 1
2014 Three Sides Live (DVD) - 1
2014 Sum of the Parts (DVD) - 1

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