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23964 Rezensionen zu 16368 Alben von 6362 Bands.
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Genesis

Duke

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1980
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog; Rock / Pop / Mainstream
Label: Virgin/EMI Music
Durchschnittswertung: 7.57/15 (7 Rezensionen)

Besetzung

Tony Banks Keyboards
Phil Collins Gesang, Schlagzeug
Mike Rutherford Gitarre, Bass

Tracklist

Disc 1
1. Behind The Lines 5:43
2. Duchess 6:25
3. Guide Vocal 1:21
4. Man Of Our Times 5:34
5. Misunderstanding 3:13
6. Heathaze 4:57
7. Turn It On Again 3:46
8. Alone Tonight 3:54
9. Cul-de-Sac 5:06
10. Please Don't Ask 4.00
11. Duke's Travels 8:39
12. Duke's End 3:08
Gesamtlaufzeit55:46


Rezensionen


Von: Thomas Thielen @ (Rezension 1 von 7)


Und da waren sie wieder, die drei Recken aus Englands posh class in ihren musikalischen Sphären aus seltsamen Rock-Ideen... nur leider waren die gar nicht mehr so seltsam. Spätestens auf "Duke" hatten sich Genesis dem 80er-Plastik-Sound angepasst, der die CD wirklich grauenvoll durchzieht.

Das bezieht sich natürlich vor allem auf Banks' Keyboards, die allerdings durch das Fehlen eines mit gutem Gewissen so zu bezeichnenden Gitarristen unverblühmt im Vordergrund rumdudeln. Nebenbei erhalten wir noch ein paar Blechpfropfen hier und da und tatatataaaah, fertig ist die nächste Platte.

Aber wir wollen nicht unfair sein: "Behind the lines" ist rhythmisch voller guter Ideen (wenn auch melodisch fürn Arsch), "Duchess" hat einen gewissen Anti-Charme (wie in Anti-Christ), der "Guide Vocal" ist harmonisch nett gestaltet, "Turn it on again" ist intelligente Partymucke (toller Rhythmus, nette Lyrics), "Duke's Travels" und "Duke's End" sind sicherlich hörenswert, wären aber auf jeder früheren Genesis-Platte der 70er im Durchschnitt versunken... Tja, und der Rest... der Rest ist leider kein Schweigen.

Da haben wir die kümmerlichen Versuche von Kompositionen aus Rutherfords Feder, mit deren Nachfolger gewisse mechanically inclined persons später die Radios füllen sollten, grauenvollen, selbstzufriedenen Sophisticationpop im Langweiltakt ("Man of our times"), konstruierte, nicht authentische Kalkulationsemotionen ("Alone tonight") - die machen ein Album nicht unbedingt interessanter...

Was noch... "Misunderstanding", die Ausgeburt eines frühen Collins-Songs mit den üblichen Waeh-waeh-waeh-du-liebst-mich-nicht-Lyrics, "Please don't ask", die Ausgeburt eines... huch, ist das ein Deja Vu oder hab ich den Song schon auf 12 anderen CDs beschrieben?

Banks' Beiträge ("Heathaze", "Cul de Sac") sind zwar etwas weniger billig, reißen aber auch niemanden vom Hocker, nichts, das einen immer wieder aus dem Regal heraus nötigt, es unbedingt an den CD-Player zu verfüttern...

Hinzu kommt, daß diese beschriebenen musikalischen Bankrotterklärungen und auch die spärlichen akzeptabelen Nummern von diesem furchtbar dünnen, klirrend sterilen, drucklosen (Keyboard-)Sound überstrahlt werden, der auch die letzten positiven Eindrücke zunichte macht. Die Dynamik des Albums geht folglich gegen Null.

Fazit: NICHT kaufen! Für mich ist Duke das wohl schlechteste GenesisAlbum aller Zeiten, dünn gespielt, dünn komponiert, dünn produziert.

Anspieltipp(s): Duke's Travels & Duke's End, Turn it on again
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.6.2002
Letzte Änderung: 10.6.2002
Wertung: 2/15

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Von: Christian Rode @ (Rezension 2 von 7)


Mit Duke beginnt für Genesis eine neue Ära. Die Band hat ihre Musik weiter und tiefgreifender modernisiert als dies bislang der Fall war und ist erwachsen geworden. Dies zeigt sich auch an den Texten, die von Erfolg und Niederlagen, verpassten Chancen und Einsamkeit handeln. Die Grundstimmung ist so eher trüb und kühl. Auch musikalisch. Die Wärme von ...AND THEN THERE WERE THREE... ist verschwunden. Die Melodien sind hingegen im Vergleich zu A TRICK OF THE TAIL oder ...ATTWT... wieder anspruchsvoller geworden, wirken nicht mehr so infantil.

Als ich das Album das erste Mal hörte, war ich etwas enttäuscht. Es schien mir irgendwie gar nicht nach Genesis zu klingen, so wie ich sie bis dahin kannte. Die Band hatte nämlich seit ...ATTWT... zwei grundlegende Änderungen an ihrem Sound vorgenommen (immerhin waren auch zwei Jahre ins Land gegangen): 1. Die Drums, die zuletzt bei ...ATTWT... sehr in den Hintergrund gerückt waren, dominieren auf einmal deutlich und produzieren sehr dynamische, erdige Rhythmen. Einflüsse der Weltmusik werden hier bereits von Genesis aufgegriffen. Zeitgleich erreicht Ex-Genesis Peter Gabriel auf seinem dritten Album eine ähnliche Rhythmisierung. 2. Das Keyboard verliert demgegenüber als Solo-Instrument weiter an Bedeutung, wird in die Songstruktur eingebunden. Es wird zugleich ein von der New Wave abgeguckter Minimalismus eingeführt, wie er am deutlichsten beim Song Duchess zum Ausdruck kommt. Hinzugefügt werden kann noch ein Drittes, das sich allerdings schon auf WIND & WUTHERING andeutete: Collins als großer Balladensänger, wie er es dann noch ausführlicher auf seinen Solo-Scheiben vorführen darf.

Das Album beginnt und endet relativ progressiv; am Ende wird das Anfangsthema wieder aufgegriffen. Die neuen Genesis repräsentiert am stärksten Duchess, ein Longtrack mit diesem seltsam minimalistischen Keyboardsound und ebensolchem Keyboard-Solo. Das hört sich vollkommen anders an als alles, was man bisher von Genesis kannte, aber es ist beeindruckend und (damals) neu. Großartige Kompositionen mit einer Mischung aus neuem Sound und noch immer anklingender 70-ies-Progressivität liefern vor allem Heathaze, Cul de Sac und Duke's Travels mit ausgedehntem Instrumentalteil. Die Balladen-Schiene bedienen mit anspruchsvollen Melodien und Arrangements Misunderstanding und Alone tonight. Das klingt hier noch nicht so ausgelutscht wie auf späteren Alben von Genesis bzw. Collins. Mit fettem Rhythmus kommt Man of our times daher und Please don't ask ist auch ganz nett gemacht, aber eher unauffällig. Und schließlich ist da noch die Hit-Single Turn it on again. Flotte Melodie zu straightem Rhythmus.

Der Text von Duchess liest sich wie die Geschichte von Genesis in (damaliger) Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Vergangenheit (70-ies): "Times were good, she never thought about the future, she just did what she would, But she really cared about her music, it all seemed so important then"; Gegenwart und nahe Zukunft (1980): "But now everytime that she performed everybody cried for more, (...) Yes times were hard, Too much thinking 'bout the future and what people might want." Und spätere Zukunft: "And then there was the time that she performed when nobody called for more." Es kann niemand sagen, Genesis hätten nicht sehenden Auges ihren Aufstieg, ihre Kommerzialisierung und späteren Fall verfolgt bzw. antezipiert.

Das Cover zieren niedliche, pastellfarbene Zeichnungen der französischen Figur Albert, die von der Art her an den Kleinen Prinzen erinnern und dem Album zusätzliche Geschlossenheit verleihen, ganz abgesehen davon, dass die Songtitel aufeinander zu verweisen scheinen (Duchess, Duke's Travel, Duke's End) und die meisten Songs textlich Frustrierendes beinhalten. Nicht zuletzt liegt das Gefühl der Geschlossenheit natürlich an dem rundum erneuerten Sound. Wenn man sich auf diesen Sound einlässt ist DUKE ein großes, ein tiefes Album. Wenn man vor allem auf die Genesis der frühen 70-iger eingeschworen ist, wird man von DUKE enttäuscht sein.

Anspieltipp(s): Duchess, Heathaze, Duke's Travels
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.6.2002
Letzte Änderung: 3.3.2012
Wertung: 12/15

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Von: Piotre Walter @ (Rezension 3 von 7)


Habe mir "Duke" wegen kontroverser Diskussionen und auf Empfehlung wieder angehört; bin allerdings zu keiner anderen Meinung gelangt. "Duke" ist das schwächste Genesis-Album. Eine Platte in der Umbruchsphase einer Band. Der alte Progsound ist noch nicht begraben ("Duke's Travels") - zündet aber nicht mehr. Trotzdem gehören diese Teile der Platte noch zum Erträglicheren der Scheibe. Aber da sie sich an Altem messen lassen müssen, klingen sie sehr "dünn", ähnlich wie auf "And then there were three" ohne jedoch dessen altertümlichen Charme zu besitzen. Da spielt auch der neue Sound evtl. eine Rolle, der typisch 80er ist, aber leider blechern und nicht fett. Dies will alles nicht recht passen. Die Gitarre scheint auch nicht so recht Rutherfords Ding zu sein. Ja und der neue Kopf der Band Collins bleibt auch in den Startlöchern stecken. Seine Balladen berühren mich nicht ("Misunderstanding"). Auch den radiotauglichen Dance-Hit hat er auf seinen Soloplatten besser gemacht ("Turn it on again"). Überhaupt hat der poprockige Teil der Platte nicht die Prägnanz und Clevernis, die spätere Chartalben wie "Invisble Touch" oder "Genesis 83" ausmachen. Veileicht war aber auch nicht klar, wer der Kopf ist oder wo es hingeht - ein in jeglicher Richtung unentschlossenes Werk.

Anspieltipp(s): Duke's travels
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.5.2003
Letzte Änderung: 23.3.2013
Wertung: 3/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 4 von 7)


Bei YES waren es "Going for the one" und "Tormato", hier ist es nach "...and then there were three" nun "Duke": das Album, an dem sich die Geister scheiden. "Duke" klingt nicht mehr nach Genesis der früheren Jahre, nicht nach WaW und schon gar nicht nach den Alben davor. Es klingt grösstenteils schon so, wie die Collins-Soloplatten der 80er Jahre klingen werden. Als da wären: Eingängige Melodien, einfache, druckvolle Beats, viele Balladen, leider auch viel drumcomputer (clicks und Hölzer) und eine geschliffene Produktion mit sauberem Klang. Machen wir uns nichts vor: das Album ist eingängig, es ist gute-Laune-Mucke, es macht irgendwie Spass und es beisst einen auch nirgends wirklich. Aber: der Progfaktor, wie ich ihn definiere, ist sehr gering. Wir haben es hier mit einem Popalbum zu tun, welches sich hin und wieder kleine Ausflüge in das Genre erlaubt, das die Protagonisten einst massgeblich mitgestaltet haben. Wovon handelt die Platte? Gibt's eine Geschichte hinter dem "Duke"? Keine Ahnung. Egal. Popmusik kann von mir aus vom Zusammenrollen von Socken handeln oder der Idealtemperatur von Babymilch.

"Behind the lines" fängt nett an, macht Spass und leitet dann dünn in "duchess" über. Die ersten zwei Minuten sind pure Langeweile, dann wirds etwas intensiver, ohne jedoch richtig durchzustarten. Die eingängige Melodie und der wiegende Rhythmus tragen durch das Stück, dass ansonsten nicht allzuviel zu bieten hat. Das Ende und der Uebergang in das schwülstige "guide vocal" ist dann wieder pure Langeweile. "Man of our times" ist, ich wiederhole mich, eingängig und ein guter Popsong. "Misunderstanding" ist ein Schwachpunkt der Platte, da ziemlich uninspiriert. Besonders grässlich sind die background-"Uhuhus". "Heathaze", obwohl von Banks, ist auch nicht proggier als der Rest der Scheibe, sorry. Aber ganz nett.

Ein Genesis-Konzert ohne "Turn it on again"? Undenkbar. Hat Kultstatus und ist Spass-Party-Mucke. Das "We are the champions" von Genesis. "Alone tonight"? Berührt mich nicht. Ist sogar ziemlich trivial und dudeldidu-mässig. SKIP! "Cul-de-sac" bietet etwas mehr: ein tolles intro mit ein wenig Bombast und Piano, eine intensivere Stimme und sogar mal etwas Krummtakt. Zum Schluss ein paar schräge Akkorde und nochmals Bombast. Ein Höhepunkt des Albums.

"Please don`t ask"? PLEASE DON' ASK! SKIP!

"Duke' travels" (including "duke' end") ist der Prog-Höhepunkt des Albums und bietet für jeden etwas: druckvolle drums, Beckengewitter und viele breaks, Rhythmus- und Tempiwechsel, keyboard-soli, interessante Harmonien und Melodiebögen, Bombast und gute Länge.

Fazit: ich mag dieses Album, denn ich mag 80er Jahre Pop, ich mag die ersten 3 Soloalben von Phil Collins. Und Duke ist die Overture dazu. Es erfüllt keine höheren Ansprüche, kann aber in verschiedensten Lebenslagen im Vorder- oder Hintergrund gehört werden und macht immer wieder Spass.

Anspieltipp(s): duke`s travels
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.5.2003
Letzte Änderung: 27.5.2003
Wertung: 9/15

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Von: Michael Weinel @ (Rezension 5 von 7)


Es wundert mich, dass "Duke" so polarisiert. Ich dachte immer, für Prog-Puristen sei "Abacab" der Anfang allen Übels... na ja, however.

"Duke" ist übrigens ein Halb-Konzept-Album. Viele haben bereits andeutungsweise davon gesprochen, aber die sogenannte "Duke Suite", bestehend aus Behind The Lines / Duchess / Guide Vocal / Turn It On Again / Duke's Travels / Duke's End, ist, wenn man so will, eine Art "Supper's Ready" anno 1980. "Behind The Lines" wird in "Duke's End" wieder aufgegriffen, und "Guide Vocal" erfährt gegen Ende der Duke'schen Reisen eine Reprise.

Es gibt meines Wissens kein offizielles Statement von der Band, um was sich das Konzept dreht. Eine wie ich finde schlüssige Theorie besagt, dass es verschiedene Blickwinkel auf das Showbiz sind. "Duchess" aus der Sicht der Künstlerin, "Guide Vocal" aus der Sicht eines Managers/Produzenten, und "Turn It On Again" als Statement eines Fans.

Nun aber mal zur Musik. Deutlich besser als "And Then There Were Three", aber leider gibt's hier auch ein paar Griffe ins *ihrwisstschon*. Die oben erwähnte "Duke Suite" (live auch als "Music From Our Album Called Duke" angekündigt) ist überzeugend und wurde live auch am Stück gespielt - interessanterweise aber auch sonst nichts vom Album (in der Regel). Das sollte einem zu denken geben. Und in der Tat sind einige der Songs eher lala. "Man Of Our Times" konnte ich noch nie leiden, geht mir trotz oder wegen des 5/4 Taktes auf die Nerven. Der andere Rutherford-Versuch "Alone Tonight" ist schon besser, aber auch nicht überwältigend.

Die ersten Gehversuche von Phil weisen auf seine zukünftige Solo-Karriere hin. "Misunderstanding" war in seiner schlichten Plumpheit auch tatsächlich der erste Hit in Amiland. Na doll. "Please Don't Ask" war ursprünglich auch für "Face Value" gedacht, und hätte da auch gut gepasst. Sehr persönlich und emotional - und einer meiner Lieblingssongs von Phil. (Kein Witz!)

So, dann sind da noch die beiden Banks-Songs. Beide klingen wie Outtakes von "A Curious Feeling" mit gutem Sänger. Schöne Songs, aber doch eher unspektakulär. Tony hat schon besseres komponiert.

Was bleibt unter'm Strich? Ein Album mit Januskopf - eine Seite hui, andere Seite pfui.

Anspieltipp(s): Duchess, Heathaze, Duke's Travels
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.11.2003
Letzte Änderung: 24.11.2003
Wertung: 10/15
Viel Licht, aber auch viel Schatten

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Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 6 von 7)


Auch "Duke" ist (wie alle Studioalben von Genesis von "A trick of the tail" bis "Abacab") am vierten April 2008 als Einzel-CD mit der Abmischung von Nick Davis erschienen. (Das war die gleiche Abmischung, die auf der offenbar zeitlich begrenzten Veröffentlichung von "CD/SACD and DVD double disc sets" mit den gleichen Alben zu finden ist).

Auch wenn ich subjektiv nach wie vor nicht besonders viel Sympathie für "Duke" entwickeln kann, so bleibt festzustellen, dass dank der neuen Abmischung die Musik auf der Scheibe endlich nicht mehr flach, krankhaft keyboardfixiert und ohne Bässe klingt.

Trotzdem leiden die Songs m.E. unter der Dominanz von Tony Banks, der diesmal auch einige "nur" überragende (aber nicht mehr, wie auf vorigen Alben, nach meiner sehr bescheidenen Meinung zum Teil geniale) Kompositionen ablieferte. Mr.Banks praktiziert hier weiter seinen euphorischen Keyboardbombast, was ihn immerhin unverkennbar macht.

Dafür liefert Mr.Rutherford das kraftvolle und ausgezeichnete "Man of our times", so dass er nicht als reiner Schnulzenschreiber abgestempelt werden kann. Den (überzeugenden) Schulzenschreiber lebt Rutherford dagegen in "Alone tonight" aus. Damit wären überraschenderweise auch meine zwei persönlichen Highlights dieses Albums genannt.

Auf "Duke" scheint Collins mit seinem schwachen Hit-Liedchen Misunderstanding als "Kommerzheini" hervorpreschen zu wollen. (Teile - diese mit "I know the kids are well..." - von Collins' "Please don't ask" finde ich dagegen sehr gelungen). Das rief wohl die Legende zum Leben, wonach Collins Genesis fast aus eigener Kraft zur Popband machte. (Durch die Interviews auf der CD/DVD-Ausgabe erfahren wir zudem, dass kein geringerer als P.Collins "Turn it on again" zu einer Tanznummer umarrangierte).

Die "Collins-Legende" hat nur einen Schwachpunkt: auf "Duke" zeigt sich, dass die anderen beiden 1980 da noch nicht richtig mitziehen wollten. Wenn Rutherford und Banks auf den nachfolgenden Platten immer noch keine (sehr gute) Popband abgeben wollten, würden diese Alben wahrscheinlich klingen wie "Duke": unentschlossen und etwas farblos (oder weiss wie das Cover). Dank "Duke" weiss ich: ein Collins alleine macht noch lange keine Popband möglich. Und so kommt es, dass ich die Genesis-Alben nach "Duke" lieber höre, als "Duke".

Zum Abschluss zeigen einige Mitglieder des Trios mit "Duke's travels" und "Duke's end", dass sie 1980 noch an Progressive Rock glaubten. Mit diesen beiden Nummern endet "Duke", bevor es richtig beginnen konnte. Damit endet auch die Zeit des Progressive Rock bei Genesis.

Da das Album mit den Keyboardakkorden von "Duke's end" auch beginnt, kommt das als eine Geste rüber, der ganzen Platte einen "progressiven" Rahmen verpassen zu wollen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.4.2008
Letzte Änderung: 19.4.2008
Wertung: 8/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 7 von 7)


Krass, wie unterschiedlich man "Duke" bewerten kann. Schlechtestes Genesis-Album! 12 Punkte! Haben die Kollegen verschiedene Alben gehört?

Fast möchte man es meinen. 80er-Plastik-Sound? „Duke“ könnte nicht weiter davon entfernt sein. Mein Sound ist alles andere als dünn! Im Gegenteil: „Duke“ ist das erste Genesis-Album, das vernünftig klingt. Man braucht allerdings die 2007er Version, denn wie man liest, wurde der Sound für die erheblich verbessert. Ich kenne andere Ausgaben nicht, auf dieser aber kommt der Sound unglaublich druckvoll herüber und die Band strotzt nur so vor Präsenz und schierer Power.

„Duke“ markiere die Abkehr vom klassischen Genesis-Stil? Wieso? Wegen dem 80er-Plastik-Sound? Selbst wenn - Musik ist weit mehr als nur ihr Klang. Machen wir doch eine Bestandaufnahme:

Das Album enthält eine sechsteilige Suite: „Behind The Lines”/ “Duchess” / “Guide Vocal” / “Turn It On Again” / “Duke's Travels” / “Duke's End”. Die wurde auf der Tour auch so gespielt. Prog? Prog! So richtig weiß zwar niemand, worum es geht, die einleuchtendste Theorie scheint mir aber die zu sein, nach der sich die “Duke”-Suite mit dem Starsein beschäftigt, und diesen dem Irrealen nahen Zustand (berufe mich da auf Rush) von verschiedenen Seiten aus beleuchtet: „Behind The Lines” beschäftigt sich mit der Frage, ob man als Star eine Beziehung führen kann, "Duchess" nimmt den Standpunkt des Stars ein, "Guide Vocal" den des Managers und "Turn it on Again" den des Fans.

Bleiben wir bei "Turn it on again". Das ist alles andere als ein radiotauglicher Dance-Hit. Wer kann schon auf einen 13/4-Takt tanzen? Die Strophen stehen tatsächlich im 13/4-Takt (6+7), Collins trommelt allerdings einen trügerisch geraden Takt darüber und fügt nur am Ende jeder Phrase noch einen Schlag mehr ein. Intro und Bridge stehen dann im 4/4- und 5/4-Takt. Dass man das nicht ohne Weiteres hört, reiht den Song ein in eine kleine Gruppe ähnlicher Stücke: Verwandt ist wohl "Limelight" von Rush, ein Sing-along-Song für jeden Fan, aber ein wahrer Albtraum für jeden Schlagzeuger, der mal versucht hat, sich durch das rhythmische Labyrinth hindurchzutrommeln, das dem Song zugrunde liegt. In die gleiche Kategorie gehören Songs wie „Imagining“ von GTR oder die als Popsongs getarnten Vertracktheiten, die King Crimson zur gleichen Zeit auf ihre Alben packten.

Was noch? Der Song besteht aus einer instrumentalen Einleitung, einer Strophe, einer Bridge, einer zweiten Strophe, noch einer Bridge und so weiter und so weiter – und wo bleibt der Refrain? Geschlagene drei Minuten muss man warten, bis er endlich kommt. Baut man so einen radiotauglichen Dance-Hit? Selbstverständlich nicht. Entstanden ist der Song so: Vorgesehen war „Turn It On Again“ zunächst nur als kurzes Interlude innerhalb der „Duke“-Suite. Dann sah die Band Potenzial in der Musik, sie verdoppelte sie einfach und packte am Schluss den Refrain dran. So macht das aber normalerweise nicht? Mhm, Prog.

Zurück auf Anfang. "Behind The Lines" beginnt mit einem einfachen 3-Ton-Motiv, das in der Folge in Form eines Rondos, gefolgt von einem kurzen Interludium, ständig verändert und verfremdet wird. Großartig, wie lässig Genesis das machen. In ähnlicher Weise (wenn auch weitaus raffinierter) machten das kurz vorher Yes mit „Awaken“. "Behind The Lines" enthält zudem schon Fragmente, die sich später in "Turn it on again" verselbständigen werden. Außerdem wird – hier sind die intimen Kenner gefragt - ein Motiv aus "Dance on a Volcano" bzw. "Los Endos" von "Trick of the Tail" zitiert. Ausgesprochen raffiniert ist dann die Reformulierung des 3-Ton-Motivs im Funk-Kontext des Songteils. Wer sich nicht scheut, Phil-Collins-Platten zu hören, der kennt eine weitere Paraphrase vom “Face Value”-Album, diesmal im Disco-Gewand, komplett mit den Bläsern von Earth, Wind and Fire. Muss man nicht gut finden, ist aber interessant.

Dann "Duchess". Abkehr von alten Tugenden? Also bitte, wenn das E-Piano mal nicht von der Begleitung von "I know what I like" abgeleitet ist (auch nicht gerade ein Prog-Meisterwerk).

Und am Schluss schließen Genesis den Kreis: "Duke's Travels" erinnert nun überdeutlich an "Los Endos", besonders natürlich in den 12/8-Passagen. Aber vor allem werden Themen vom „Duke“-Album wieder aufgegriffen: "Guide Vocal" wird zitiert, wieder die gleichen Fragmente von "Turn it on again", die schon in "Behind The Lines" zu hören waren, und in "Duke's End", ansonsten eine Reprise von "Behind The Lines", wird das zentrale Riff von "Turn it on again" paraphrasiert. Der grandiose Schluss bildet einen würdigen Abschluss des Albums.

Und sonst? "Man of our Times" (4/4-Takt) hat eine derart typische Genesis-Begleitung, dass man wohl kaum etwas repräsentativeres wird finden können (auch wenn's, naja, ein bissl nach Gary Numan klingt). Die Balladen? Nun ja… Die Balladen auf "Duke" mögen nicht so gut sein wie "Ripples" oder "Afterglow", aber mal ehrlich, wer hört "Duke“ schon wegen der Balladen? "Misunderstanding" ist übrigens keine Ballade, sondern "Hold the Line".

Schlechtestes Genesis-Album? Nun, der Kontrast zu "And then there where three" und "Abacab" ist immens, "Duke" ist weit besser als beide Alben zusammen. Klang der erste Dreier-Output noch wie ein zufälliges Zusammentreffen verschiedenster Songs und Söngelchen auf einem Pfannkuchen aus Vinyl, stellt "Duke" ein weitaus geschlosseneres und atmosphärisch dichteres Werk dar. Das liegt in erster Linie daran, dass die drei sich hier viel stärker hin zu einem Gesamtklang der Band orientieren als das in den 70ern noch der Fall war. Unter diesem Aspekt betrachtet muss man „Duke“ in einer Reihe stellen mit Alben wie Asias „Asia“, Emerson, Lake & Powells "Emerson. Lake & Powell" oder Yes' "Talk", allesamt hochinteressante Alben, die in ihrer Abkehr vom gemeinsamen Nebeneinanderhersolieren der 70er zugunsten eines volleren Zusammenklangs der jeweiligen Band interessante Versuche bilden, eine Brücke zwischen klassischem Prog und dem AOR der späten 70er und 80er Jahre zu schlagen.

Nein, der Wechsel des Sounds allein macht noch keinen Wechsel der Musik. Genesis machen auf "Duke" doch im Grunde auch nichts anderes als auf "Trick of the Tail" oder "Wind and Wuthering": Sie mischen Proggiges mit einfachen Songs und Balladen. Indem sie mit der "Duke"-Suite in ähnlicher Weise wie mit "Dance on a Volcano" und "Los Endos" auf "A Trick Of The Tail" einen großen Rahmen aufspannen, stellen sie sich doch gerade in die Tradition dieses Albums. Und dass sie auf diese Weise ein 80er-Genesis-Album mit einem 70er-Genesis-Album einrahmen, hat schon etwas verdammt Hellsichtiges.

Nein, "Duke" gehört in eine Reihe sehr interessanter Alben der Achtziger, die auf je unterschiedliche Weise das Problem zu lösen versuchten, den Mainstream-AOR dieser Zeit, der ja irgendwie auch ein Kind des Progressive Rock war, und den klassischen Prog zu fusionieren. Die Ergebnisse waren ebenso unterschiedlich wie die Methoden, aber diese Versuche brachten eine äußerst interessante Gruppe von Alben hervor: das Emerson-Lake-Powell-Album, "GTR", Threes "To the Power of Three", Robert Berrys "Pilgrimage to a Point", Asias "Asia" und eben Genesis' "Duke".

Außerdem ist "Duke" das erste Album, auf dem Phil Collins gut singt. "Gut" im Sinne von "gut", aber auch im Sinne von "eigenständig". Erstmals klingt der Mann nach sich selbst, wirkt selbstbewusst und stilsicher. Woran liegt es dann, dass die Fans damals „Duke“ in den hintersten Winkel der Hölle verdammt haben? Nun, vielleicht wurden die Fans einfach älter, und wuchsen langsam aus der Fortentwicklung der Popmusik heraus? Immerhin weiß man, dass die Pop- und Rockmusikhörer in der Mehrheit mit 25 aufhören, sich für Neues zu erwärmen und lieber ihre alten Platten auflegen, statt sich neue zu kaufen. Rührt daher jener Konservativismus, der die Progszene bis heute in Gestalt ihrer so weit verbreiteten Orientierung an der Klangwelt der 70er prägt? Plagt? Die Käufer von „Duke“ zeigten sich enttäuscht darüber, dass Genesis ihren traditionellen Sound hinter sich gelassen hatten. Aber: Seit wann wären Progbands an der Fortschreibung irgendwelcher Traditionen interessiert gewesen? Die Progbands der 70er wollten doch nicht wie 70er-Bands klingen, sie wollten modern klingen! Und genau das taten Genesis hier, sie klangen modern und taten damit nur das, was sie schon immer getan hatten. Prog war immer am Puls der Zeit, was die Technik, was die Sounds anging. Es ist ein großer Fehler, das zu ignorieren – was übrigens ein interessantes Licht auf so manche Retroprogband wirft. Aber das ist eine andere Geschichte...

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 12.10.2012
Letzte Änderung: 9.4.2015
Wertung: 9/15
Klasse Scheibe!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Genesis

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 From Genesis to Revelation 3.75 4
1970 Trespass 11.20 5
1971 Nursery Cryme 12.17 6
1972 Foxtrot 14.13 8
1973 Genesis Live 10.00 3
1973 Selling England by the Pound 12.71 7
1974 The Lamb lies down on Broadway 11.50 4
1976 A Trick Of The Tail 10.75 4
1976 Wind And Wuthering 11.25 4
1977 Spot The Pigeon (EP) 7.00 2
1977 Seconds Out 11.00 3
1978 And Then There Were Three 8.25 8
1981 Abacab 6.67 6
1982 3X3 4.00 2
1982 Three Sides Live (VHS) - 1
1983 Genesis 7.50 4
1984 Three Sides Live 9.75 4
1985 The MAMA Tour (VHS) - 1
1986 Invisible Touch 7.67 3
1986 Rock Theatre - 1
1987 Visible Touch (VHS) - 1
1988 Invisible Touch Tour (VHS) - 1
1988 Videos Volume I (VHS) - 1
1988 Videos Volume II (VHS) - 1
1991 We Can't Dance 6.67 3
1991 Turn It On Again - Best Of '81-'83 - 1
1992 The Way We Walk Vol.1 - The Shorts (Live) 5.67 3
1993 The Way We Walk Vol.2 - The Longs (Live) 8.33 3
1994 The Way We Walk (VHS) - 1
1996 The Royal Philharmonic Orchestra plays the music of Genesis 2.00 1
1997 Congo (Maxi-CD) - 1
1997 Shipwrecked (Maxi) - 2
1997 Calling All Stations 6.50 4
1998 Archive I - 1967-1975 12.50 5
1998 Not About Us (Maxi) - 1
1999 Turn It On Again - The Hits - 2
2000 Archive II - 1976-1992 11.00 1
2000 The Genesis Songbook (DVD) 12.00 1
2001 The Way We Walk (2DVD) - 1
2003 Live At Wembley Stadium (DVD) - 1
2004 Genesis Live (DVD) 5.00 1
2004 Platinum Collection - 1
2004 The Video Show (DVD) 7.00 2
2004 Inside Genesis 1975-1980 - An Independent Critical Review (DVD) - 1
2006 The Genesis of Genesis - 1
2007 Box Set 1976 - 1982 12.00 1
2007 Live - Helsinki, Fi, 11-06-07 9.00 1
2007 Live Over Europe 2007 11.33 3
2008 Box Set 1970 - 1975 13.50 2
2009 Box Set 1973-2007 Live 12.00 1
2014 Three Sides Live (DVD) - 1
2014 Sum of the Parts (DVD) - 1

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