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Crystal Palace

The System Of Events

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2013
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Neoprog; New Artrock; Progmetal
Label: Gentle Art Of Music
Durchschnittswertung: 8.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Yenz Vocals, Bass
Frank Köhler Keyboards
Frank Brennekam Drums
Nils Conrad Guitars

Gastmusiker

Colin Edwin Bass
Yogi Lang Keyboards
Kalle Wallner Guitars

Tracklist

Disc 1
1. Chasing Better Days 4:53
2. As Heaven Dies 6:22
3. Beautiful Nightmare 11:56
4. Green Way 7:28
5. Sleepless 8:20
6. Stunned By The Silence 7:54
7. Breathe 10:16
8. System Of Events 13:05
Gesamtlaufzeit70:14


Rezensionen


Von: Harald Schmidt @ (Rezension 1 von 2)


Mit ihrem in Eigenregie vertriebenen Album Reset haben mir die Berliner vor einigen Jahren recht gut gefallen, inzwischen sind sie beim arrivierten RPWL-Label Gentle Art Of Music unter Vertrag und auf diesem Weg hat man für das 2013er-Album entsprechend Zugang zu den passenden Studiogästen von RPWL (Yogi Lang, Kalle Wallner) und sogar Porcupine Tree (Colin Edwin) gefunden. In der Tat sind auch die beiden Bandnamen ein guter Fingerzeig, in welche Richtung sich Crystal Palace entwickelt haben: Vom reinen Neo-Prog hin zum modernen Artrock. Die Band gibt sich somit zeitgemäß, international und nachdenklich, denn auch Einflüsse der 2000er Marillion sind auszumachen.

Die Stücke zeichnen sich durch klare Strukturen und hohe Melodiösität aus, es ist ebenso Raum für kraftvolle wie atmosphärische Abschnitte und die Produktion ist druckvoll und klar. Gleichwohl muss man einräumen, dass die klangliche Nähe zu RPWL fast schon zu groß ist, so sehr hat Yogi Lang durch seine Produktion den Klang beeinflusst. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Distanz und Individualität gewünscht.

Textlich legt man sich ordentlich ins Zeug zu der Kernfrage, ob es für unser aller Leben eine bestimmende Formel geben mag. Hierzu beleuchtet man zahlreiche schicksalsbehaftete, zumeist negative Ereignisse wie den Atomunfall von Fukushima oder das Breivik-Attentat in Oslo. Letzteres Thema hat mich persönlich besonders berührt, befand ich mich am 23.Juli 2011 inmitten der Katastrophe und habe die Osloer Dramatik und Panik, den Schrecken und die Verwirrung am eigenen Leib gespürt: Erlebten wir zunächst die Schockwellen nach den Bombenexplosionen in der Innenstadt und verließen diese, nachdem man annahm, es handle sich um ein Al-Qaida-Attentat, dem noch weitere Anschläge folgen würden. Ausgerechnet schlugen wir den Weg Richtung Tyrifjord zur Insel Utøya ein und waren somit auch dem 2.Teil dieses Dramas viel zu nah. Solche Themen musikalisch verarbeitet zu hören ist mehr als aufwühlend, denn von solchen Chaos-Situationen kann sich niemand ein Bild machen, der es nicht selbst erlebt hat.

Musikalisch ist das Album gut aufgebaut – hat man mit Chasing Better Days ein adäquates Intro am Start, liefert mit As Heaven Dies einen modernen, harten Artrocker hinterher, um schon mit Beautiful Nightmare einen ersten Longtrack in klassisch-atmosphärischen Porcupine Tree-Stil nachzuschieben. Green Way ist musikalisch harmlos und ein mehr störender als auflockernder Song zwischen den großen Epen. Nach knapp der Hälfte folgen an sich keine großen Überraschungen mehr – die Band hat ihren Albumstil festgelegt, spielt technisch souverän und ohne Prahlereien auf, man streut hin und wieder elektronische Spielereien oder verzerrte Vocals ein und auch ein paar leichte Prog-Metal-Ansätze werden eingearbeitet. Im Tempo bleibt man meist gemäßigt - wie eben auch die Vorbilder. Für mich könnten gerade der Bass mit Star Colin Edwin oder das Schlagzeug spürbar variabler agieren, denn gerade über die langen Stücke wirken Tempo oder Rhythmik schon etwas statisch. Vielleicht schwer vorstellbar, aber bezüglich der Rhythmusfraktion muss ich öfter an Eloy denken. Und auch sonst lugen Eloy oder RPWL mit den durchschimmernden Pink Floyd-Reminiszenzen durch elegische Gitarrensoli und Moog-Einsätze öfter um die Ecke. Sleepless könnte einem modernen Depeche Mode-Album entstammen, so straight und stampfig ist es mit seinen härteren Riffs und Elektrobeats. In der Albummitte offenbart sich so, dass der moderne Artrock schnell formelhaft werden kann – da braucht man mehr Variabilität oder rhythmische Abwechslung, nur mit knalliger Power-Produktion ist nicht alles gewonnen.

Mit Stunned Silence kommt noch ein Stück aufs Tablett, das nun wirklich original einem RPWL-Album entstammen könnte und als Halbballade auch ein bisschen wenig aufsehenerregend ist. Zum Glück ist der abschließende 13-minüter nochmal ein echtes Ausrufezeichen mit Pianoeinsätzen, finalem Endlosgitarrensolo und Pink Floyd-Gedächtnischor. Hier gelingt der Band ein optimaler Spannungsbogen und so darf man sich über ein insgesamt gutes und ausgewogenes Album freuen, das den Berlinern ganz sicher auch international sehr positive Reaktionen bescheren wird.

Anspieltipp(s): As Heaven Dies, The System Of Events
Vergleichbar mit: RPWL, Eloy, Porcupine Tree, Marillion, Pink Floyd
Veröffentlicht am: 5.10.2013
Letzte Änderung: 5.10.2013
Wertung: 11/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 2 von 2)


Es geht auf und ab auf Crystal Palaces "The System Of Events": "Chasing Better Days" stellt eine klassische Retroprog-Eröffnung à la Citizen Cain sehr bald gegen modern-spartanisch inszenierte 3/8-Rhythmik und einen Dream-Theater-Refrain. "As Heaven Dies" legt melancholische Melodien über einen an 90er-Crossover erinnernden Funk-Groove, der jedoch gekünstelt und nervös wirkt. Unerwarteterweise endet diese Nummer jedoch mit einem beatlesken Part zu Akustikgitarren-Begleitung. In "Beautiful Nightmare" stehen nervötend oft wiederholte Begleitmotive gegen stimmungsvollere, warm unterlegte Parts, ehe das Stück in der zweiten Hälfte in ein trottendes Tempo verfällt.

"Green Way" ist ein radiotauglich arrangiertes, wenig spannendes Modern-Rock-Stück, das erst kurz vor Ablauf seiner siebenminütigen Dauer von seinem Tempo und seiner grundlegenden Machart abweicht. "Sleepless" dagegen beginnt mit einem düsteren Sequencer-Motiv, das sehr bald als Riff aufgegriffen, jedoch keineswegs weiterentwickelt wird. Stattdessen setzt dazu einfach das Schlagzeug ein, was im Grunde genommen das Vorgehen eines Rammstein-Songs ist. Man kann beliebig weit vorspulen und wird dieses Riff ebenso wiederfinden wie den zugehörigen Rhythmus, allerdings legen sich ganz nett arrangierte Gesangslinien und Keyboards darüber, was das ganze wesentlich erträglicher macht.

"Stunned By The Silence" dümpelt auf ähnliche Weise vor sich hin, und leider sind sich Crystal Palace nicht zu schade, den brisanten Inhalt (siehe Haralds Rezension) mit dem alten "Aussetzendes EKG"-Soundeffekt ("Düt-düt-düüüüüüüüüüü...") zu inszenieren. "Breathe" ist dann trotz anfänglich hart zupackender Gitarren ebenfalls keine sehr viel schnellere Nummer, lediglich ein kurzer Instrumental-Part nach ca. vier Minuten sticht heraus, erinnert er doch an etwas, das Riverside Ende des letzten Jahrzehnts mal waren. Der abschließende Titeltrack geht dann noch mal als durchschnittliche Neoprog-Nummer in Überlänge durch, hat allerdings hier und da tatsächlich einige schönere Momente.

Unter Strich stellt sich allerdings heraus, das folgendes das Manko dieser Platte ist: Die meisten Stücke bestehen aus verschiedene Parts, die dann jeweils dadurch charakterisiert sind, dass in ihnen Melodien, Motive und Begleitungen ständig wiederholt werden. Sowas ist auf Dauer sehr zermürbend, zumal abgesehen davon kaum etwas passiert. Und es ist insgesamt auch bedenklich, dass die Song-Eröffnungen immer wieder mal Erwartungen an spannende und abwechslungsreiche Lieder wecken, die letztlich doch nicht erfüllt werden. Darüber hinaus kommt die Musik selten anders daher als upersönlich, unterkühlt und distanziert; es gibt also wenig, was den Hörer direkt mitnimmt. Und diese beiden Eigenschaften ergänzen sich leider noch dahingehend, dass das ganze Album auf diese Weise fürchterlich schablonenhaft wirkt. Die eingangs genannten Gegensätze zwischen den Parts verpuffen dabei völlig, und ein kompositorischer Mehrwert ergibt sich nicht aus ihnen.

Und somit ergibt sich dann eben als Fazit: Es mag sein, dass da draußen in der Welt unvorhergesehene, teils unschöne und fragwürdige Dinge passieren. Das allerdings steht im krassen Gegensatz zu "The System Of Events", da passiert nämlich oftmals eben gar nichts. Und wenn doch, dann ist es im Gegenteil völlig berechenbar. Damit mag das Album zwar so gesehen die Antithese zu seinem eigenen Sujet sein, spannender wird es dadurch aber keinesfalls. Lokale Kollegen wie Osta Lcve können diese Art von Musik nicht nur wesentlich besser spielen, sondern obendrein auch noch aus gleichförmigen Tempi viel mehr rausholen. "The System Of Events" dagegen wirkt als Album geradezu paralysiert.

Anspieltipp(s): Der Titeltrack vielleicht
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.7.2014
Letzte Änderung: 3.7.2014
Wertung: 6/15
Wohl besser, wenn man die Platte nebenher hört...

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