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Martin Archer

Heritage and Ringtones

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2004
Besonderheiten/Stil: Elektronische Musik; RIO / Avant
Label: Discus Music
Durchschnittswertung: 13/15 (1 Rezension)

Besetzung

Martin Archer Violectronics, Keyboards, Sax, Clarinets, Sound Processing

Gastmusiker

Ingar Zach Percussion
Simon H. Fell Double Bass
Rhodri Davies Harp
Time Cole Acoustic Guitar
Julie Cole Voice
Masayo Asahara Sound Processing
Chris Meloche Sound Processing
Herb Beyley Trombone

Tracklist

Disc 1
1. Come Sunday 3:19
2. Ringtone 1 6:35
3. It don't bother me 1:25
4. Where's Mike? 3:14
5. Ringtone 2 9:18
6. Wishing well 2:33
7. Angelus Vander 8:36
8. Ringtone 3 7:14
9. Ringtone 3:22
10. Ringtone 4 9:39
11. Let no man steal your name 1:59
12. That Sheffield sound 5:08
Gesamtlaufzeit62:22


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Come all you rolling minstrels and together we will try to rouse the spirit of the earth and move the rolling sky. (Sandy Denny, 1969)

Das obige Zitat, der Anfang des Textes des Songs "Come all ye" vom Fairport-Convention-Album "Liege and Lief", ist im Beiheft von Martin Archers siebtem Soloalbum zu finden. Mit der Musik der britischen Folkrocker haben Archers Klangkreationen zwar weniger zu tun - auch wenn einige durchaus klare Bezüge vorhanden sind; siehe weiter unten -, doch könnte der in der Zeile beschriebene Effekt, den die Tätigkeit eines Minstrel auf Erde und Himmel hat, wohl auch durch die Musik des Tonbastlers aus Sheffield hervorgerufen werden. Eine Art von Spielmann ist Archer mit Sicherheit.

Die meisten Klänge auf "Heritages and Ringtones" hat Archer selbst erzeugt, vermittels Saxophonen, Klarinetten, diversen Tasteninstrumenten und Violine. Dazu kommen noch einige akustische Gastbeiträge an Schlagzeug, Akustikgitarre, Posaune und Kontrabass. Diese Tonspuren wurden dann ausgiebig elektronisch bearbeitet, effektverfremdet, durch elektronischen Klang ergänzt, miteinander vermengt und übereinander geschichtet. Das Ergebnis ist ein sehr eigenes Geflecht an experimenteller Elektronik, Jazz und Freiformatigem, welches zudem um Fragmente von Rock, Retroprogressivem und Folk angereichert wurde.

"Heritages and Ringtones" besteht vornehmlich aus prozessiertem Klang, aus kargen bis klangvollen, immer eher angeschrägten und freien Mustern aus Keyboardsounds, verfremdeten Akustikklängen und rein elektronischen Tonerzeugnissen, Soundwolken und Geräuschen. Über diesem klanglichen Fundament erheben sich bisweilen akustische Tonspuren, Canterbury-Fragmente (Ratledge-verwandte Orgelbruchstücke - oder elektronische Sounds, die so oder so ähnlich klingen), rockige Schlagzeuglinien, Reste jazziger Soli, modern-avantgardistische Kammermusikmomente (man lausche z.B. dem dichten Gemenge an Kontrabass, Gebläse und Harfe in der zweiten Hälfte von "Ringtone 1") und immer wieder folkige Überbleibsel und Melodielinien.

Sax und Klarinette intonieren oft klagende, uralt wirkende Lieder, die Akustikgitarre klampft meist folkig (in "Ringtone 2" z.B.), immer begleitet von bizarren Elektroniksounds und klanglichen Extravaganzen. "Wishing well" kombiniert z.B. getragene, liedhafte Saxophonklänge, dezentes Akustikgitarrengezupfe und glockige Perkussion mit lärmender, knurrender und rauschender Elektronik. In der zweiten Albumhälfte tauchen zudem vermehrt folkig-medievale Gesänge auf, mitunter stark prozessiert (man höre z.B. "Ringtone 3"), während sich in "Let no man steal your time" der wunderschöne, glockenhelle Gesang Julie Coles ganz unverfremdet über einem dezenten Muster aus bearbeitetem Klang erhebt. Etwas aus der Reihe tanzt (im wahrsten Sinne des Wortes) "Angelus Vander" (eine Hommage an Christian?), das monoton-hektische Rhythmusmuster vom Computer mit jazzig-rockig-flotten Tastenmustern und free-jazzigem Getröte paart.

"Heritages and Ringtones" ist alles in allem ein durchaus passender Albumtitel (wobei es sicher eine sehr witzige Idee wäre, eines der Nummern dieses Albums als Klingelton zu verwenden), wird hier doch Vererbtes aus Folk, Jazz und Rock mit moderner, avantgardistischer Elektronik vermengt bzw. angereichert. Das klangliche Ergebnis ist doch reichlich komplex, freiformatig und wüst, strahlt aber eine sehr eigene, seltsam modern-mediavele Atmosphäre aus. Progger, die keine Angst vor wirklichen Klangabenteuern haben, sollten das Album dringend antesten!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 22.12.2013
Letzte Änderung: 27.12.2013
Wertung: 13/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Martin Archer

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1995 Ghost lily cascade 12.00 1
2000 Winter Pilgrim Arriving 13.00 1
2003 English Commonflowers 12.00 1
2008 In stereo gravity 13.00 1
2013 Blue Meat, Black Diesel & Engine Room Favourites - 1
2015 Bad Tidings From Slackwater Drag 11.00 1
2016 Story Tellers 12.00 1
2018 Safety Signal From A Target Town 12.00 1

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