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Major Parkinson

Twilight Cinema

(Tipp des Monats 3/2014)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2014 (24. Januar)
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; ArtPop; HardRock; Independent / Alternative; New Artrock; Postrock; RetroProg; sonstiges
Label: Degaton Records
Durchschnittswertung: 13/15 (1 Rezension)

Besetzung

Jon Ivar Kollbotn Gesang
André Lund Gitarre
Steinar Hjelmbrekke Gitarre, Gesang
Lars Christian Bjørknes Keyboards
Eivind Gammersvik Bass
Jens Erik Aasmundseth Schlagzeug

Gastmusiker

Annette Kathinka Servan Gesang ("Black River", "Beaks Of Benevola")
Miss Tati Gesang ("Impermanence")

Tracklist

Disc 1
1. Skeleton Sangria 2:49
2. Impermanence 4:25
3. Black River 5:08
4. The Wheelbarrow 7:52
5. A Cabin In The Sky 3:46
6. Heart Machine 5:54
7. Beaks Of Benevola 4:27
8. Twilight Cinema 5:44
Gesamtlaufzeit40:05


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Lange haben Major Parkinson gebraucht, um "Twilight Cinema" auf die Beine zu stellen. Dennoch ist die Vorgeschichte fast schon ein Lehrstück, wie man im Zeitalter sozialer Netzwerke sich eine Menge Zeit für ein neues Album nehmen kann. Jedenfalls stand die Band aus Norwegen im Juni 2013 auf einmal mit der lustigen, sehr hintergründig betexteten Single "Euthanasia Roller Coaster" auf der Matte, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Denn kurz darauf kündigte man eine Crowdfunding-Aktion für das neue Album an (samt des eigens dafür alleine von Sänger Jon Ivar Kollbotn auf der Akustikgitarre dargebotenen "The Fundraiser Song"), das auch lustige Optionen wie "Ein Konzeptalbum über dein Leben" (für 100.000$, versteht sich) umfasste. Und so war die Band wieder im Fokus, was angesichts von "Twilight Cinema" auch verdient scheint.

Denn auch hier hat sich die Band offensichtlich ein Konzeptwerk vorgenommen. Im eröffnenden "Skeleton Sangria" wird ein Thema vorgestellt, das sich durch die sieben folgenden Stücke bis hin zum abschließenden "Twilight Cinema" hindurchzieht. Das sorgt natürlich einmal für ein nicht so schnell abflauendes Interessa am Album. Zum anderen hat sich der Stil der Band so sehr gewandelt, dass ihr ursprüngliches Mittel der Wahl - Haudrauf-Rock mit ausladenden 50er-Jahre-Melodien - gar nicht mehr eingesetzt wird (die Melodien bleiben allerdings bestehen). Stattdessen gestalten Major Parkinson die Musik auf "Twilight Cinema" viel, viel moderner, freizügiger und tatsächlich auch progressiver.

So ist "Impermanence" mit derartig pseudo-elektronischen Beats, postrockig echoenden Gitarren und Klavier unterlegt, dass es fast schon wie ein Tribut an Baroness' "Yellow & Green" wirkt. Ab "Black River" kommen mit dem melancholisch-kühlen und somit sehr lasziven Gesang von Annette Kathinka Servan (danke an Kollege Christian für den Hinweis), einem fanfarenartig eingesetzten Akkordeon und Spinett-Klängen (zu Muse-artigen Klaviereinsätzen und einer sehr groovigen Rhythmik) noch mal ganz neue Elemente ins Spiel. Richtig auf den Putz haut dann aber "The Wheelbarrow", offenbar so etwas wie das Herzstück dieses Albums: Stellenweise werden die Ele- und Instrumente (Akkordeon, Flamencogitarre, Synthesizer, Streicher) und insbesondere der Gesang so raffiniert arrangiert und der Rhythmus so verschachtelt aufgebaut, dass sich direkt Vergleiche zu Gentle Giant oder Jethro Tulls "A Passion Play" auftun (oder zu Gryphons "(Ein klein) Heldenleben", interpretiert von Arcturus). Und dann dieser Text dazu: "Poor Mr. DeMille, he wasn't the same, after the war, lost in delirium, he was Napoleon's troubadour, at Borodino" (und jedes Komma entspricht einem Taktwechsel).

Allerdings steht auch der Rest des Albums diesem Spaß nur in wenig nach: "A Cabin In the Sky" schunkelt Akkordeon-lastig dahin und überrascht mit Ayreon-artigen Harmonien ("Journey On The Waves Of Time"), Zirkusfanfaren samt Marschtrommeln und einem überaus schweren Sequencer. "Heart Machine" (offenbar mit schönen Grüßen an Fritz Lang und Thea von Harbou) packt metallisch-schwer zu, nicht ohne noch Klavier-Einschübe und einen basslastig-vertrackten Solopart aufzufahren. "Beaks Of Benevola" schließlich hat mit unterkühlter Elektronik, eher simplem Arrangement und eingängigen Gesangsparts von Annette Kathinka Servan das Zeug zu einem New-Artrock-Hit. Der abschließende Besuch im "Twiglight Cinema" lebt dann noch mal alle Vorlieben der Band für Soundtracks zwischen Danny Elfman (vergleiche auch "Dance With The Cookieman") und Philip Glass aus, was also süßliche Melodien und abwechselnd hypnotisch-repetetive oder überaus verschnörkelte Begleitung bedeutet.

Kurzum, was soll ich noch sagen? Major Parkinson haben ihren Stil gründlich gewandelt und sich vermehrt in eine proggige Richtung orientiert. Dabei haben sie ihr schon auf den ersten beiden Alben zur Genüge demonstriertes Gespür für todsichere Melodien und gelungene Arrangements beibehalten, was sich in dieser Mischung nunmehr zu absolutem Wahnwitz ergänzt und jederzeit bestens unterhält, ohne in Klischees zu verfallen. Somit liegt hier - ehrlich gesagt kaum so erwartet - ein weiteres frühes Jahreshighlight vor. Und: Sollte "Twilight Cinema" den test of time bestehen, zücke ich glatt noch ein Pünktchen mehr. Aber auch das hier ist schon mehr als eine Empfehlung für dieses Kino.

Anspieltipp(s): The Wheelbarrow, und danach alles andere
Vergleichbar mit: Federico Fellini, Ken Russell, Tim Burton, Terry Gilliam, Stanley Kubrick...
Veröffentlicht am: 14.2.2014
Letzte Änderung: 19.10.2014
Wertung: 13/15
Ich zitiere mal: "Kino - Dafür werden Filme gemacht!"

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Major Parkinson

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2008 Major Parkinson 10.00 1
2010 Songs From A Solitary Home 12.00 1
2017 Blackbox 12.50 2

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