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24844 Rezensionen zu 17019 Alben von 6634 Bands.
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Gazpacho

Demon

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2014
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; New Artrock
Label: Kscope
Durchschnittswertung: 12.6/15 (5 Rezensionen)

Besetzung

Jan Henrik Ohme Vocals
Thomas Alexander Andersen Keyboards
Jon Arne Vilbo Guitars
Kristian Torp Bass
Mikael Krømer Violin, Mandolin
Lars Erik Asp Drums, Percussion

Gastmusiker

Stian Carstensen Accordions, Banjo
Charlotte Bredesen Choir on "I've Been Walking 2"

Tracklist

Disc 1
1. I've Been Walking 9:47
2. The Wizard of Altai Mountains 4:52
3. I've Been Walking 2 12:30
4. Death Road 18:46
5. The Cage   (Bonus Track) 3:44
Gesamtlaufzeit49:39


Rezensionen


Von: Günter Schote @ (Rezension 1 von 5)


Seit „Night“ bin ich auf jedes neue Gazpacho-Album gespannt wie ein Flitzebogen. „Tick Tock“ halte ich für das fesselndste Album der vergangenen zwei Jahrzehnte, während die folgenden Werke lediglich solide waren. Doch meine Erwartungen an „Demon“ waren groß, als bekannt wurde, dass man wieder auf epische Breite setzt.

In Prag wird ein verstaubtes Manuskript gefunden. Der unbekannte Verfasser berichtet darin von einem Dämonen und dessen irdischem Gastspiel. Dem Thema entsprechend düster klingt die Musik. Die Norweger selbst sprechen von "…the most complicated and strange album we've ever made…".

Atmosphäre (strange) und Aufbau (complicated) des eröffnenden „I’ve Been Walking“ halten als Referenz für das gesamte Album her. Pianothemen erzeugen eine düstere, bedrohliche Stimmung, die plötzlich durch ein „Rockthema“ durchbrochen wird. Melancholisch, elegisch, im Norden nichts Neues. Motive werden variiert und verbinden Songs und Story. Das kürzeste Stück des Albums, „The Wizard of Altai Mountains“ ist interessant, weil „strange“: es beginnt versöhnlich und wirkt zunächst wie ein Gegenentwurf zu den ersten zehn dunklen Minuten. Doch nach zwei Minuten dreißig endet der nette Singsang während Akkordeon und Geige zum Tanz aufspielen. Meine jüdischen Freunde bestätigten mir prompt, dass es sich um Jiddische Musik handelt, mein dem Balkan entstammendes Umfeld schwört, es handelt sich um einen Tanz der Bergvölker. Da ich es derzeit jeden Morgen im Auto auf dem Weg ins Büro höre, nenne ich es die Musik des fahrenden Volkes und gut ist.

Diese volksmusikalischen Ausflüge durchziehen das Album genauso wiederkehrend wie Einspielungen einer klassischen Sängerin, die wohl ein gewisses soziales Umfeld des Dämonen suggerieren sollen. Und gerade wenn man es sich im bourgeoisen Prag der 20er Jahren gemütlich gemacht hat, reißt das „Rockthema“ den Hörer auch im zweiten Teil von „I’ve Been Walking“ erneut aus den Schwelgereien. Der Dämon wandelt wieder durch die Gassen... Im finalen Longtrack „Death Road“ finden sich Abschnitte, denen man ihre „erjammte“ Herkunft noch anhört. Herausragend während der erste Minuten ist dabei der von Mick Karn inspirierte Basssound. Ein Teil dieses Stückes wurde von Gazpacho übrigens so lange malträtiert, bis er ein Eigenleben entwickelte und nun als Bonustrack namens „The Cage“ die Special Edition beendet.

Zu Beginn keimte in mir noch der Gedanke, dass Gazpacho inzwischen wirklich sehr eigenständig klingen. Dies tun sie auch. Doch je länger ich das Album höre, desto mehr Tricks’n’Bits der jüngeren Marillion-Produktionen fallen mir auf, „Essence“ insbesondere. Kate Bush-artige Arrangements sind ebenfalls auszumachen wie Anklänge an Enya. Fans des Gazpacho-Sounds werden es nach einigen Anlaufschwierigkeiten lieben, wer Gazpacho bisher aber schon als Schlafmittel nutze, darf auch hier wieder ein Rezept des Hausarztes mit über die Ladentheke schieben.

Mich persönlich überzeugt das Album rundum. Der Dämon in mir möchte an dieser Stelle vom „Topographic Oceans“ der Norweger sprechen. Nicht weil es nach Yes klingt, sondern weil man versucht Rockclichés weitestgehend zu vermeiden. Wertungsfrei muss man den vier Stücken attestieren, dass sie recht zusammengeflickt wirken…mehr so a la Frankenstein. Genauso verwirrend und merkwürdig wie das Album ist nun auch diese Rezi geworden, die eigentlich nur mitteilen wollte, dass Gazpacho endlich einen würdigen Nachfolger für „Night“ und „Tick Tock“ produziert haben. Mir jedenfalls fällt nichts auf, was man noch verbessern könnte.

Anspieltipp(s): I've Been Walking
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.3.2014
Letzte Änderung: 11.5.2014
Wertung: 14/15

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Von: Jürgen Wissing @ (Rezension 2 von 5)


Was etwas länger währt, wird bekanntlich meistens besonders gut. Und das trifft auf das neue Album der Norweger um Band-Chef J.-H. Ohme absolut zu. Zwei Jahre betrug die „Bauzeit“ der Produktion, bis ein außergewöhnliches Konzeptalbum fertig gestellt war. Und das Warten auf die nun gebotenen 50 Minuten hat sich wahrlich gelohnt.

Ganz charakteristisch bereits der Beginn mit der unverwechselbaren Stimme Ohmes, die mit den typischen, etwas schwermütig und melancholisch anmutenden Melodien so wunderbar harmoniert. Zu dieser Grundstimmung gesellen sich schon bald geheimnisvolle, träumerische und berührende Elemente, verstärkt durch feine Violin-Einsprengsel und niveauvolle Pianoeinlagen.

Abwechslung bietet der Folgetrack durch stark folkloristisch gefärbte, hauptsächlich mit Akkordeon untermalte Teile. Bewegte Bilder entstehen beim Zuhörer von Szenen im Prag einer längst vergangenen Zeit, ziehen vorbei wie in einem Schwarzweißfilm.

Gazpacho nehmen den Hörer mit auf eine Reise in eine Traumwelt, sind dabei mal dramatisch rockig, mal orchestral bedächtig, aber immer hat man das Gefühl, dass hier sehr bedachtsam komponiert und arrangiert wurde.

Der Longtrack zum Schluss hat es in sich: er beginnt etwas schräg und monoton hypnotisch, fast verstörend, doch nach vier Minuten kehrt man zur melodiösen Erzählform der Story zurück. Genug der psychedelischen Seite gefrönt; da ist sie wieder, die süßlich melodische, versponnene Seite der Nordländer.

Sensibel bis zärtlich singt sich Ohme, bisweilen mehrstimmig, durch viele kontemplative Momente eines faszinierend anspruchsvollen Werks – dies ist keine Kost „für zwischendurch“, hier gilt es, als Hörer zur Ruhe zu kommen, zu genießen. Gazpacho beweisen mit Demon erneut ihr meisterhaftes Gespür für intelligente, ihre emotionale Wirkung nicht verfehlende Melodien.

Das Album ist keine Minute zu lang oder zu kurz – alles passt genial zusammen, ist schlüssig konzipiert und kompakt, also ohne herausragende Höhepunkte, arrangiert. Das Jahr hat ein frühes Highlight unter den Neuveröffentlichungen des schöngeistigen Art(Prog)rock, soviel steht fest.

Anspieltipp(s): I've been Walking Part 2
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.5.2014
Letzte Änderung: 11.5.2014
Wertung: 13/15
großes Kino!

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Von: Christian Rode @ (Rezension 3 von 5)


Gazpacho kehren mit dem Konzeptalbum „Demon“ vollkommen angemessen zur langen Form zurück. Eine historisch-magische Version von Prag steht im Zentrum, die mit ganz viel Atmosphäre aufgebaut wird. Man denkt dabei an die Legende des Golem in all ihren Varianten, die bereits auf dem Vorgängeralbum kurz thematisiert wurde, wie etwa den phantastischen Roman von Gustav Meyrink oder den düsteren, expressionistischen Stummfilmklassiker. Gazpacho setzen alles daran, mit verschiedensten musikalischen Stilmitteln eine Stimmung trauriger Verlorenheit in ein mystisches Prag zu transportieren: Gesang wie von einer Schellack-Platte; osteuropäische folkloristische Elemente; traditionelle Instrumente wie Geige, Mandoline oder Akkordeon stehen neben einem meist dezent eingesetzten Rock-Instrumentarium und schwebenden Synthieflächen.

Wenn man sich ganz und gar in diese spannend arrangierte, schwermütige Musik fallen lässt, stellt man fest, dass nicht alles, was ruhig gespielt wird, einschläfernd wirken muss. Das Tempo ist zwar meist getragen, wird immer wieder aber von lodernden Ausbrüchen und auch von zarten, gespenstischen Momenten durchsetzt. Der vielschichtige Soundkosmos von „Demon“ wirkt einfach unglaublich dicht gewoben. Und der Hörer fällt zunehmend in einen tranceähnlichen Zustand, der ihn in eine andere Zeit und Welt versetzt. Das Prädikat „Großes Kino“ ist hier in seiner wörtlichen Bedeutung ausnahmsweise mal angemessen.

Und wenn am Ende nach einer Kunstpause der kurze Bonus-Track mit Single-Qualität „The Cage“ erklingt, wacht man auf wie aus einem wirren Traum. Genial!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 15.5.2014
Letzte Änderung: 15.5.2014
Wertung: 13/15

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Von: Piotre Walter @ (Rezension 4 von 5)


Gazpachos' neuestes Werk „Demon“ kann mich, selbst als bekennender Gazpacho-Fan, nicht so uneingeschränkt begeistern wie meine Vorredner.

Dass man vom Konzept des Vorgängeralbums „March of Ghosts“ wieder abgerückt ist und mit „Demon“ einen eher sperrigen, trockenen Kontrapunkt setzt, ist mutig und auch legitim. Ich persönlich schätze, das von vielen eher geschmähte, „March of Ghosts“ trotz seiner kurzen Songs, poppigeren Ausrichtung und auch teilweise Überladenheit sehr. Ich empfand es als atmosphärisch stark, lebendig und irgendwie auch elegant.

„Demon“ ist nun aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Vielleicht liegt es an der zugrunde liegenden Geschichte bzw. der gewünschten musikalischen Illustrierung der Geschichte über die alte Stadt Prag. Mir ist „Demon“ etwas zu träge und minimalistisch (im weniger positiven Sinn) geraten. Die Kompositionen sind nicht so brillant, hypnotisch, elegant und atmosphärisch wie auf den Vorgängeralben.

Natürlich ist es ein typisches Gazpacho-Album, mit der hauseigenen Wohlfühlmelancholik, schönem Gesang von Jan Henrik Ohme und stimmungsvollen Einlagen auf der Violine. Insofern hat es natürlich auch seine schönen Momente. Insgesamt empfinde ich die Kompositionen aber als nicht so zwingend und hypnotisch, wie auf den Meisterwerken, „Night“, „Missa Atropos“ und „Tick Tock“. Auch der Longtrack „Death Road“ kann mit einem „Dream of Stone“ nicht mithalten. Der Anfang ist sehr stereotyp und wenig spannend, später nimmt der Song etwas an Fahrt auf, aber so richtig in Schwung kommt er nie.

So geht es mir mit einigen Teilen des Albums, die auf mich etwas träge, verhalten oder langatmig wirken. Auch rythmisch und von der Percussionseite her vermisse ich die frühere Lebendigkeit. Wenn es mal „brazzt“ und abgeht, wirkt es auf mich oft hölzern und pathetisch.

Wie gesagt, das kann auch gewollt sein und mit der Story des Konzeptalbums zusammenhängen. Aber eins meiner Lieblings-Gazpacho-Alben wird „Demon“ wohl nicht werden.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.5.2014
Letzte Änderung: 26.5.2014
Wertung: 9/15
Gazpacho mit angezogener Handbremse

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Von: Marc Colling @ (Rezension 5 von 5)


Was Gazpacho auf ihrem Konzeptalbum „Tick Tock“ mit der Umsetzung der Geschichte „Terre des hommes – Wind, Sand und Sterne“ von Antoine de St. Exupéry nicht so gut gelang, funktioniert hier bestens. Die Geschichte dieses gefundenen Manuskriptes mit dem Dämon wird musikalisch so wieder gegeben, dass man sich damit identifizieren und tief in die Musik eintauchen kann.

Wie Gazpacho es in ihrer Geschichte suggerieren, wähnt man sich tatsächlich im alten Prag. Man sieht sich in alten Gassen umherirren, über große Plätze laufen und in alten Häusern Unterschlupf suchen. Dann ertönt ein altes Grammophon, man befindet sich in einer anderen Zeit. Einer Zeit die uns Angst einflößt, weil sie uns unbekannt ist. Der Dämon lässt uns erschaudern und erstarren. Und die Violine mit ihrem unvergleichlich melancholischem Spiel erinnert an den Tod und unendliches Leid.

Gazpacho bauen auf "Demon" meisterhaft eine morbide Stimmung und Atmosphäre auf. Die Kompositionen und Arrangements schaffen es Trauer, Angst und Schmerz zu verbreiten. Das Tempo wird selten angezogen, alles bleibt ruhig und Moll regiert die Welt dieser Musiker. Man „hört“ die grauen Wolken am Himmel, die Regenschauer die niederprasseln und den Wind, der dir kalt ins Gesicht bläst. Du suchst Schutz, aber niemand ist da um dich zu beschützen. Dieser beklemmende Gedanke lässt dich während des gesamten Albums nicht mehr los.

I'VE BEEN WALKING PART 1 + 2 wird von der Nummer THE WIZARD OF ALTAI MOUNTAINS unterbrochen. Die beiden getrennten Stücke sind melancholisch und ziehen dich förmlich hinein in deren deprimierenden Strudel, vor allem durch die Violine, das immer wieder ertönende monotone Klavier und natürlich Ohmes Stimme. Diese Stimme die ich so mag und die mich trotzdem auf anderen CD's auch schon mal langweilt, ist hier einfach nur optimal um die Geschichte zu erzählen.

Das Zwischenstück THE WIZARD....kommt positiver und lebendiger rüber, weil es einen folkloristischen Grundrhythmus hat, der die Sonne kurz scheinen lässt zwischen all dem Grau.

Doch der Longtrack DEATH ROOM verdunkelt die Sonne schnell wieder. Zu Beginn ertönt Ohmes Stimme, begleitet von einem Banjo. Undefinierbare und dunkle Geräusche im Hintergrund, Pianomotive im Mittelteil die bereits kurz in I'VE BEEN WALKING benutzt wurden, ein dezentes aber umso wichtigeres Schlagzeugspiel. Alles getragen und schleppend. Nach 5 Minuten wieder diese todtraurige Violine und tiefe Bässe. Eine Beerdigung ist eine fröhliche Feier dagegen. Faszinierend.

Und die Spannung bleibt hoch. Sogar wenn nach 10 Minuten die Musik fast komplett zum Erliegen kommt ist da eine schwer definierbare Magie, die über dir schwebt. Wenn dann kurz eine Zirkusmelodie ertönt, tut sich eine Parallelwelt auf und diese Welt macht uns noch mehr Angst. DEATH ROOM ist einfach phantastisch und die bis dato beste Komposition der Band.

Wie bei Gazpacho üblich beherrschen die Tasten natürlich über weite Flächen den Klang, Gitarren sind weniger präsent. Doch die wichtigen Tupfer setzt die Violine, oft in Verbindung mit dem Schlagzeug, sowie das Akkordeon und das Banjo.

Als Bonus gibt es noch THE CAGE, ein eher kurzer und einprägsamer Song. Gazpacho haben mit "Demon" ihr absolutes Meisterwerk abgeliefert und Freunde des Artrock sollten mal rein hören.

Anspieltipp(s): kann nur am Stück gehört werden
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.5.2016
Letzte Änderung: 7.11.2017
Wertung: 14/15
DAS Meisterwerk im Schaffen der Band

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Gazpacho

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2003 Bravo 11.00 2
2004 When earth lets go 10.00 1
2005 Firebird 11.00 3
2007 Night 10.67 6
2009 Tick Tock 9.40 5
2010 Missa Atropos 9.75 4
2010 A Night At Loreley (DVD/CD-Box) 12.00 1
2011 London 12.00 1
2012 March of Ghosts 11.00 4
2015 Night of the Demon 12.00 1
2015 Molok 10.75 4
2018 Soyuz 10.67 3

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