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23268 Rezensionen zu 15886 Alben von 6158 Bands.
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Genesis

The Lamb lies down on Broadway

(Siehe auch: Leitfaden "Konzeptalben")
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1974
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Klassischer Prog
Label: Charisma
Durchschnittswertung: 11.5/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Peter Gabriel Gesang, Flöte
Tony Banks Keyboards, Gesang
Steve Hackett Gitarre
Mike Rutherford Bass
Phil Collins Schlagzeug, Gesang

Tracklist

Disc 1
1. The Lamb Lies Down On Broadway 4:52
2. Fly On A Windshield 4:22
3. Broadway Melody of 1974 0:33
4. Cuckoo Cocoon 2:11
5. In The Cage 8:13
6. The Grand Parade of Lifeless Packaging 2:47
7. Back in N.Y.C. 5:43
8. Hairless Heart 2:13
9. Counting Out Time 3:40
10. Carpet Crawlers 5:17
11. The Chamber of 32 Doors 5:40
Gesamtlaufzeit45:31
Disc 2
1. Lilywhite Lilith 2:44
2. The Waiting Room 5:24
3. Anyway 3:07
4. Here Comes The Supernatural Anaesthetist 2:58
5. The Lamia 6:56
6. Silent Sorrow in Empty Boats 3:06
7. The Colony of Slippermen

1. The Arrival
2. A Visit To The Doktor
3. Raven

8:16
8. Ravine 2:04
9. The Light Dies Down on Broadway 3:32
10. Riding The Scree 3:55
11. In The Rapids 2:28
12. it. 4:15
Gesamtlaufzeit48:45


Rezensionen


Von: Christian Rode @ (Rezension 1 von 4)


Das komplette Doppelalbum ist eine Komposition, die sich in 23 unterschiedliche Teile gliedert. Sie erzählt die Geschichte der science-fiction-mäßig-abstrusen Reise eines jungen Halb-Puertorikaners aus N.Y.C. ins kollektive Unterbewusstsein der westlichen Zivilisation und ins eigene Selbst (so jedenfalls meine Lesart der Story...). Dabei wird auch eine Menge griechische Mythologie und fernöstliche Mystik aufgemischt.

Das hört sich jetzt nicht nur in meiner Kurzfassung ziemlich skurril an, sondern ist es in der detail- und bildreichen Schilderung Peter Gabriels erst recht. Das ist natürlich auch ein Vorteil des Textes: man kann ihn immer und immer wieder lesen und versteht ihn doch nicht... Bemerkenswert am Text ist noch, dass er z.T. ganz schön eklig ist, gerade bei den beliebten Schmusesongs ("Carpet Crawl"!).

Es gibt auf "The Lamb..." nur wenige Songs, die in sich die volle Kompositionsdichte der stärksten Songs der Vorgängeralben aufweisen. Eher wie bei "Supper's Ready" lebt "The Lamb..." von der Vielzahl der aufeinanderfolgenden Kompositionen. Hervorragende Ausnahmen bilden allerdings "In the Cage", "The Chamber of 32 Doors", "The Lamia" und "The Colony of Slipperman", d.h. im Schnitt auf jeder Seite der Do-LP einmal die volle Progdröhnung in einem ausgedehnten Song mit allem erdenklichen progtypischen drum und dran (mehrere Teile, leise/laut und langsam/schnell-Sequenzen, Tempiwechsel, krumme Takte, phantastischer Gabriel-Gesang, lange Instrumentalsätze inkl. Keyboards satt).

Darüberhinaus gibt es noch eine ganze Reihe weiterer tragender Songs mit einprägsamer wie zugleich anspruchsvoller Melodie und i.d.R. durchaus progressivem Charakter: "The Lamb lies down on Broadway", "Cuckoo Cocoon", "The Grand Parade of Lifeless Packaging", "Back in N.Y.C.", "Counting out time", "Carpet Crawl", "Lilywhite Lilith", "Anyway", "The Supernatural Anaesthetist" und "The Light dies down on Broadway" und ein paar wenige Füllsongs, die aber zu veränderter Melodie die Handlung weiter vorantreiben.

Einige Instrumentals sollen diese Kompositionen ergänzen. Hierin liegt aber auch eine gewisse Schwäche des Albums begründet: Nämlich, dass diese Instrumentalteile nicht in die Songs integriert sind, sondern einfach so hinterherplätschern. Dies gilt für "Silent Sorrow in empty Boats" und "Ravine" und eigentlich auch für das psychedelische "The Waiting room". Während die ersten beiden Seiten vollständig und rundum empfehlenswert sind, wird es zum Ende hin etwas schwächer. Das Finale "It" ist ein einfaches, flottes, optimistisches Liedchen. Frischer Ausklang nach einer Albtraumhaften Odyssee.

Wenn es um die Wertung geht, muss man feststellen, dass "The Lamb..." im Gegensatz zu "Supper's Ready" einfach ein wenig zu lang geraten ist, es ansonsten an anspruchsvollen Ideen und virtuoser musikalischer Umsetzung nicht mangelt. Schließlich ist "The Lamb..." nicht umsonst das Lieblings-Konzept-Album der progrock-dt-Liste! Last not least: Das letzte Album mit Peter Gabriel als Lead-Sänger. Damit für viele auch das Ende der eigentlich klassisch-progressiven Phase bei Genesis.

Anspieltipp(s): In the Cage, Counting out Time, Lilywhite Lilith
Vergleichbar mit: Genesis: "Supper's Ready", IQ: "Subterranea"
Veröffentlicht am: 25.6.2002
Letzte Änderung: 3.3.2012
Wertung: 14/15

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Von: Piotre Walter @ (Rezension 2 von 4)


"The Lamb" ein faszinierendes Prog-Juwel. Ein Soundtrack zur abgedrehten Geschichte von Rael einem Antihelden. Für mich ist "The Lamb" nicht nur Konzeptalbum sondern eine Prog-Rock-Oper, die leider nie aufgeführt wurde oder verfilmt, Pasolini vielleicht oder Bunuel... Ähnlich wie Christian empfinde ich den Aufbau wie eine Art großer Bruder von "Supers Ready". Viele, auch kurze Kompositionen steigern sich zu einem großen Ganzen. Eigentlich mit Ausnahme von "Waiting Room" (einem verwirrenden Keyboard-Geklimper) finde ich kein Material mit Längen. Der ganze Opus reiht sich wie wechselnde Szenen aneinander und enthält alle Vorzüge der Ausnahme-Band Genesis – Starke Balladen: Chamber of 32 Doors, Anyway, Carpet Crawl, The Lamia; Intelligente Rocksongs: Lamb lies down, Back in N.Y.C., Liliwhite Lilith; Spitzen-Prog: Colony of Slipperman, Riding the scree (tolles Solo Herr Banks), Grand Parade of Lifeless Packaging, In the Cage, Back in N.Y.C; Fröhlichen Prog-Pop: Counting ot Time, Supernatural Anaesthetist, Broadway Melody / Cuckoo Cocoon. Dies alles in typisch britischer Prog-Manier auf allerhöchstem musikalischem Niveau.

Für mich wie die beiden Vorgängeralben auch ein Meilenstein der Proggeschichte. Wenn "Wind and Wuthering" aufzeigt wo es mit Collins auch hätte hingehen können, wo hätte es erst mit Gabriel damals noch hingehen können? Andererseits schien wohl keine Einigkeit im Studio bei den Aufnahmen bestanden zu haben und manches auf der Scheibe klingt evtl. schon wie eine Entwicklung hin zum ersten Gabriel-Soloalbum. Das Unhomogene des Albums oder die verwirrende Geschichte schmälern für mich nicht dessen künstlerischen Wert.

Anspieltipp(s): Counting out time, In the Cage, Back in N.Y.C., Colony of Slippermen, eigentlich alles...
Vergleichbar mit: nix
Veröffentlicht am: 20.5.2003
Letzte Änderung: 23.3.2013
Wertung: 14/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 3 von 4)


Es gibt auf diesem Album Stücke, die locker die Klasse der vorigen Alben erreichen, allerdings finden sich auch viele, auf die man gut hätte verzichten können. Die erste Hälfte von CD 1 ist grossartig. Vom Titelstück, das Klassikerstatus hat, über "Fly on a windshield", musikalisch eine Art Fortsetzung von "Can-utility and the coastliners", zum leicht-fröhlichen "Cuckoo cocoon" und dann in das geniale (ab und an darf man dieses Attribut verwenden ;-)) "In the cage" überleitend. Besonders gut gefällt mir die Passage ab "outside the cage I see my brother John". Dieses Stück gehört auf meine persönliche "Best of Genesis". Ab "the grand parade..." beginnt dann bei mir das skippen. "N.Y.C." ist noch sehr intensiv, "hairless heart" dann ein banales Keyboardinstrumental und "counting out time" ein nicht minder banales Pop-Stückchen. "Mit "carpet crawlers" folgt eine traumhaft schöne Ballade mit tollem, eindringlichem Gesang. "The chamber..." ist ein abwechslungsreicherer Titel, der mir aber zu dünn und spannungsarm ist. CD 2 beginnt mit dem langweiligen "Liliwhite lilith" und dem etwas psychedelischen "the waiting room" (Einfluss ? TD, Pink Floyd ?, allerdings hört es sich ab 4:30 eher so an, als hätten Pink Floyd den Anfang von "shine on you crazy diamond" hier entliehen). Macht aber Spass ! Der vergeht dann bei dem gähn-geklimper und angestrengten Gesinge von anyway wieder. Und dann kommt er : der übernatürliche Anästhesist. Und mir schlafen die Gehörknöchelchen ein. Bis dato wird dieses Stück an Einfallsarmut nur noch von "more fool me" übertroffen. The "Lamia" hat einige liebliche Momente und versprüht teilweise ein wenig "trespass"-Atmosphäre. Gefällt mir. Track 6 skip ! Track 7 ist ein interessantes, abwechslungsreiches Stück, das mit verschiedenen Klangeffekten herumspielt und praktisch die ganze Zeit einen fliessend-wiegenden Grundrhythmus durchzieht. "Ravine" skip ! Track 9 ist die reprise zum Titelstück und o.k. "Riding the scree" ist wiederum langweiliges und langatmiges Keyboard-Gedudel mit, hoppla, einmal ein wenig Schlagzeug-Virtuosität, doch viel zu kurz, dann wieder 08/15-Geblubber. "In the rapids" skip ! "It" skip !

Schwachpunkte des Albums sind, dass es rhythmisch-metrisch ziemlich eintönig gehalten ist und kaum einmal ein Krummtakt gespielt wird, der das ganze etwas aufgelockert oder Spannung eingebracht hätte. Phil Collins muss im Vergleich zu den Vorgänger-Alben chronisch unterfordert gewesen sein. Zudem gehen den Protagonisten mit zunehmender Dauer des Albums einfach die Ideen aus, kommt kompositorisch nicht mehr viel zustande, was dem Anspruch, ein Doppelalbum voll zu kriegen diametral entgegenläuft und unweigerlich zum Schiffbruch führt. Daraus folgt, dass die Grundstimmung und die Machart der Stücke (v.a. auf der zweiten CD) oft sehr ähnlich ist, was auf Dauer langweilig wird. Beinahe 100 Minuten so durchzuhören ist einfach zuviel. Die Gefahr, dass man früher oder später ausblendet, ist gegeben. Das Album ist zu sehr aufgeblasen und hat ganz klar Längen, wie es das bisher auf keinem anderen Genesisalbum gab (Revelation ist da explizit ausgenommen). Das ganze auf die Hälfte zusammengeschrumpft ergäbe ein tolles Album etwa auf Augenhöhe mit Nursery Cryme. So bleibt der nach Revelation bisher schwächste Genesis-output.

Anspieltipp(s): in the cage
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 25.5.2003
Letzte Änderung: 26.5.2003
Wertung: 9/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 4 von 4)


"The lamb lies down on Broadway" markiert in mehrer Hinsicht eine Abkehr von gewohnten Genesis-Charakteristika: Zunächst und vor allem dadurch, dass es ein Konzeptalbum ist. Das gab es vorher schon bei einigen Bands, nicht aber bei Genesis. Bedingt durch das Thema des Albums, die Geschichte des New Yorkers Rael, ergaben sich nun weitere Brüche mit liebgewonnenen Genesis-Traditionen: Die Wendung vom ländlichen England (Giant Hogweed, Father Thames, Epping Forest) nach Amerika (N. Y. C., Broadway, Howard Hughes in blue suede shoes), die letztlich in der Abkehr vom lyrisch-ausladenden Prog resultiert - vielleicht sogar resultieren muss; dazu kommen (aufgrund neuer Interessen Gabriels und familiärer Verpflichtungen) die Abkehr vom gemeinsamen Songwriting, die fast zu einem Bruch zwischen Gabriel und dem Rest der Band geführt hätte und das ebenso plötzliche und weitgehende wie bedauerliche Verschwinden Steve Hacketts aus Genesis' Musik.

Die teilweise Abkehr vom Prog findet vor allem dadurch ihren Ausdruck, dass es hier viele einfache Songs mit Strophe/Refrain-Struktur zu hören gibt: "The lamb lies down on Broadway", "Cockoo Cocoon", "Back in NYC", "Anyway", "The Carper Crawlers", "In the Rapids", "Grand Parade", "Counting out Time" – letzteres ist, trotz seiner 5/4-Passage, sogar bis dato der konventionellste Genesis-Song und erinnert in seiner Harmonik an 50er Jahre Doo-Wop. Nur "In the Cage", das suitenartige "The Colony of Slippermen" und "Riding the Scree" können strukturell im Sinne etwa von "Musical Box" oder "Battle of Epping Forest", andere, wie etwa "Back in NYC" oder "In the Cage" mit seinem Wechselspiel zwischen 6/8 und 3/4 aus kompositionellen Gründen als Prog durchgehen. Aber es gibt auch bei den einfach gestrickten Songs interessante Elemente. Zum Beispiel die klassisch inspirierten Passagen, wie der toccatahafte Einstieg Banks' in "The lamb lies down on Broadway". Oder die vielen intertextuellen Einflüsse – überwiegend natürlich in den gewohnt gebildeten Lyrics ("it is purple haze", "it's only knock and knowall, but I like it"), aber auch in der Musik: etwa das Zitat aus dem Drifters-Hit "On Broadway" in "The lamb lies down on Broadway", das Zitat aus "Needles and Pins" von Jackie DeShannon in "Broadway Melody of 1974" oder das Zitat aus "Raindrops keep falling on my head" in "In the Cage". Auch die albumumspannenden Reprisen (z. B. in "The light dies down on Broadway" und "The Lamia") gehören hierher - einiges wird aber auch durch die Produktion aufgewogen, etwa die Experimente mit Gabriels Stimme (die z. T. im Badezimmer aufgenommen wurde), besonders deutlich bei "In the Cage" oder "Grand Parade", bei dem der Verantwortliche, kein geringer als Brian Eno, sogar als Mitkomponist genannt wird. Auch sind einige liebgewonnene Trademarks von Genesis vorhanden, die aufzugeben einfach zu schade gewesen wäre, wenn etwa in "The Lamia" absteigende Akkorde das Hinabsteigen Raels in den Teich illustrieren und, typisch für Genesis, das Wasser selbst mit Mellotronstreichern versinnbildlicht wird.

"Lamb" wurde aus zweifelhaften Gründen zum Doppelalbum: Hackett ließ wissen, man habe zunächst die Arbeiten daran verzögert, um Gabriel in der Band zu halten. Um das Album schließlich in der immer knapper werdenden Zeit bis zum Tourneestart fertigstellen zu können, wurde einerseits hastig auf älteres Material zurückgegriffen ("Lilywhite Lilith" und "The Colony of Slippermen" gehen auf einen Song namens "The Light", "Anyway" auf ein Stück mit dem Titel "Frustration" zurück), andererseits wurden, besonders im zweiten Teil, lange Instrumentalpassagen improvisiert ("Silent Sorrow", "Ravine"), die teilweise nur lose in das Gefüge des Albums passen und dann, wenn sie nicht zumindest die Funktion haben, Gabriels Kostümwechsel zu ermöglichen, ihren Charakter als Füllmaterial nicht wirklich verbergen können. Dazu kommt, dass die Übergänge zwischen den Songs meist nicht auskomponiert sind: Oft bestehen sie lediglich in einfachen Cross-Fades. All das verleiht dem Album einen (mit der Laufzeit sogar zunehmenden) Patchwork-Charakter, dessen Einheitlichkeit somit allein durch die nicht gerade leicht verständliche Story hergestellt wird.

Diesen recht offensichtlichen Schwächen des Albums steht allerdings die vielleicht ambitionierteste und vielschichtigste Story in der Geschichte des Konzeptalbums gegenüber: Genesis waren ja nie eine Band für Straßenjungs wie Rael gewesen: Als Eliteschüler setzten die Musiker bei ihren Fans von Anfang an einen hohen Grad an Bildung voraus. Die Musik von Genesis ist von Beginn (einem Album, das lose Bezüge zur Bibel aufweist) an durchsetzt von Motiven aus den unterschiedlichsten Quellen: dem Christentum, der Mythologie, der Psychologie. Die Story von Rael ist dabei eher auf der psychologischen Seite, irgendwo zwischen Joseph Campbell und Carl Gustav Jung, angesiedelt: Der Protagonist muss sich in einer Art Hero's Journey durch eine Welt von Archetypen schlagen: Die Suche nach seinem Bruder, der vielleicht einfach nur seine zweite (neben der puertoricanischen) Hälfte ist, die ihn in gleißend helles Licht, Treppen hinauf und durch einen Raum mit dutzenden Türen ins Wasser (als Symbol des Unterbewussten) hinabführt, dazu kommen Kastration, Unsichtbarkeit, und, ganz zentral, das Fehlen jeglicher Vaterfiguren (wir erfahren nichts über Raels Herkunft - ist Rael real? -, und die Figuren, mit denen er interagiert, sind weiblich – oder, wie Doktor Dyper, als Vaterfigur ungeeignet). Gespickt wird das Ganze, wie bei Genesis üblich, sowohl mit (selbstverständlich verfremdeten) christlichen Referenzen (das Lamm, das Schwitzen von Blut, das Nadelöhr) als auch mit den für Gabriel typischen Elementen von Körperlichkeit und Sexualität. All das ist, trotz aller Abkehr vom im Progressive Rock dieser Zeit allseits herrschenden Romantizismus im Kern romantisch: Das Individuum durchläuft Introspektion, Traum und Reflexion und geht aus alledem transformiert wieder hervor.

"The lamb lies down on Broadway" ist, so ergeht es Doppelalben oft, eins der umstrittensten im Genesis-Katalog. Vielleicht liegt es an der Unausgewogenheit von Konzept und Umsetzung: Letztlich muss man festhalten, dass Genesis die Musik, fast ausschließlich von den Instrumentalisten der Band geschrieben, und die Texte Gabriels (das schließt die Story ein) zu weit auseinandergedriftet sind: Die Musik, am Anfang noch ausdrucksstark und mit einigem erzählerischen Drive, wird letztlich Gabriels allzu hintergründigem und vielschichtigem Konzept nicht gerecht.

Anspieltipp(s): "Back in NYC", "The Carper Crawlers", "The Lamia"
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 30.4.2010
Letzte Änderung: 30.1.2014
Wertung: 9/15
Als Konzeptalbum ungleich bedeutender denn als Progalbum. Da legst di nieder!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Genesis

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 From Genesis to Revelation 3.75 4
1970 Trespass 11.20 5
1971 Nursery Cryme 12.60 5
1972 Foxtrot 14.13 8
1973 Selling England by the Pound 12.83 6
1973 Genesis Live 10.00 3
1976 A Trick Of The Tail 10.75 4
1976 Wind And Wuthering 11.25 4
1977 Spot The Pigeon (EP) 7.00 2
1977 Seconds Out 11.00 3
1978 And Then There Were Three 8.25 8
1980 Duke 7.57 7
1981 Abacab 6.67 6
1982 3X3 4.00 2
1982 Three Sides Live (VHS) - 1
1983 Genesis 7.50 4
1984 Three Sides Live 9.75 4
1985 The MAMA Tour (VHS) - 1
1986 Rock Theatre - 1
1986 Invisible Touch 7.67 3
1987 Visible Touch (VHS) - 1
1988 Invisible Touch Tour (VHS) - 1
1988 Videos Volume II (VHS) - 1
1988 Videos Volume I (VHS) - 1
1991 We Can't Dance 6.67 3
1991 Turn It On Again - Best Of '81-'83 - 1
1992 The Way We Walk Vol.1 - The Shorts (Live) 5.67 3
1993 The Way We Walk Vol.2 - The Longs (Live) 8.33 3
1994 The Way We Walk (VHS) - 1
1996 The Royal Philharmonic Orchestra plays the music of Genesis 2.00 1
1997 Congo (Maxi-CD) - 1
1997 Shipwrecked (Maxi) - 2
1997 Calling All Stations 6.50 4
1998 Archive I - 1967-1975 12.50 5
1998 Not About Us (Maxi) - 1
1999 Turn It On Again - The Hits - 2
2000 Archive II - 1976-1992 11.00 1
2000 The Genesis Songbook (DVD) 12.00 1
2001 The Way We Walk (2DVD) - 1
2003 Live At Wembley Stadium (DVD) - 1
2004 Genesis Live (DVD) 5.00 1
2004 Platinum Collection - 1
2004 The Video Show (DVD) 7.00 2
2004 Inside Genesis 1975-1980 - An Independent Critical Review (DVD) - 1
2006 The Genesis of Genesis - 1
2007 Box Set 1976 - 1982 12.00 1
2007 Live - Helsinki, Fi, 11-06-07 9.00 1
2007 Live Over Europe 2007 11.33 3
2008 Box Set 1970 - 1975 13.50 2
2009 Box Set 1973-2007 Live 12.00 1
2014 Three Sides Live (DVD) - 1
2014 Sum of the Parts (DVD) - 1

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