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Ysma

Fourth Wall

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2014 (VÖ 27.09.2014)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Mathrock; Metal; Postrock; Progmetal; RetroProg
Label: Eigenproduktion
Durchschnittswertung: 13/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Daniel Kluger Gitarre
Fabian Schroer Gitarre
Arne Timm Keyboard
Alex Schenk Bass
Jens Milo Drums

Tracklist

Disc 1
1. Limelight 2:36
2. Four Seconds West 8:38
3. Thelema 8:45
4. Sun Pt. 1: Aurora 7:53
5. A Beaver's Tale 4:05
6. Jester 8:31
7. Sun Pt. 2: Eve 5:42
8. Pseudopolis 9:07
Gesamtlaufzeit55:17


Rezensionen


Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 1 von 2)


Ysma legen gut eineinhalb Jahre nach Veröffentlichung ihres Debüts “Vagrant” (04/2013) ihr zweites Album nach. Zwischenzeitlich erschien eine “Unplugged” Live CD namens „Carrots and Candles“ mit Stücken aus dem ersten Album, die teilweise neu arrangiert wurden. Im Vergleich zum regulären Album wirken die Stücke zeitweise harmonischer und es gefällt die akkustische Note, die die Grundkompositionen so nicht hatten. Das hat sich die Band wohl auch gedacht und die Erfahrung des Unplugged Gigs gleich mal mit in das hier vorliegende Album mit einfließen lassen. “Fourth Wall” wirkt filigraner und verspielter als der Vorgänger aber auch gefälliger und reifer.

Es ist sicher nicht so leicht, mit rein instrumentaler Musik auf dem Markt zu bestehen. Das Charisma eines starken Sängers (oder auch das Gejammer eines weniger guten) können starken Einfluss auf eine Band nehmen. Instrumentale Musik erfordert meiner Ansicht nach mehr Auseinandersetzung mit der Musik, verlangt dem Hörer ab, sich auf die Musik stärker einzulassen. Gleichermaßen ist es wichtig für die Band, den Hörer gefangen zu nehmen, Hooklines zu kreieren, die reinlaufen und dabei auch noch ein eigenes Charisma zu versprühen. Ich versuche beim Hören neuer CDs immer, “Bekanntes” von anderen Bands zu entdecken, Querverweise sozusagen, auch Genreverwandtheiten. Das ist bei Ysmas zweiten Album, um das es hier geht, nicht so leicht auf den Punkt zu bringen. Genreverwandheiten finden sich klar zum Heavy Metal, dafür sind die Gitarren einfach zu dominant. Dann wieder laufen da Hammond Sounds und Keyboard Teppiche dazwischen, die herrlich deplatziert zum Aufhorchen zwingen und – Überraschung – tatsächlich Spaß machen. Das Spiel mit laut und leise wird hervorragend beherrscht. Der noch im Erstling herauszuhörende Tool-Einfluss ist hier weitgehend in einen eigenen Ysma-Sound übergegangen. Immer wieder perlt das Piano in die Soundwand und weinende E-Gitarren machen so richtig Stimmung. Rhythmisch wird mit vielen krummen Takten experimentiert, mal treibend mit Double Bass Drums, mal wieder zäh und lustvoll stöhnend. Akustische Einsprengsel lassen sich immer wieder finden oder sind gar das Grundthema des Songs und verströmen über die gesamte Albumdistanz eine traurige Atmosphäre, die passend herbstlicher kaum sein könnte. Die beiden Teile von “Sun” sollen dafür mal exemplarisch genannt werden, in denen sogar Flöte zum Einsatz kommt – tolle balladeske Momente, die da gezaubert werden. Die beste “Inhaltsangabe” für das Album liefert der Song “Thelema”, in dem es wie oben beschrieben von jedem etwas zu hören gibt. Im Song “Jester” kommen neben den bereits erwähnten Hammond Sounds auch Sprechgesangpassagen vor. Auch hier hat sich die Band also was einfallen lassen.

Das Album fasziniert mich, lässt es sich doch so recht stilistisch nicht einordnen ohne dabei den Faden zu verlieren. Die Münsteraner verstehen sich gut darauf, mit Stimmungen zu experimentieren und Vielfalt in ihre Stücke zu bringen. Ysma sind gelegentlich recht hart, dann aber wieder butterweich. Ein gutes Gespür für Melodien haben die Herren auch, so dass es leicht fällt, die Songs zu differenzieren. Ich hatte mir nach zwei-, dreimaligen Hören schon Bands für Namedropping in dieser Rezi im Stile von “Ysma klingen nach....” zurechtgelegt. Mit jedem Male hören verschwinden diese Namen mehr und mehr, weil es eben nur Anteile sind, die mal auftauchen. Ysma sind zu vielfältig verwoben. Namedropping würde entweder unzählige Namen zu Tage fördern, oder man lässt es einfach, so wie ich nun. Ysma sind eben Ysma. Und nun Ysma gut!

Anspieltipp(s): Thelema, Jester
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 17.9.2014
Letzte Änderung: 17.9.2014
Wertung: 12/15

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Von: Thoralf Koss @ (Rezension 2 von 2)


Mein lieber Mann! Haben hier einige von uns Experten noch nicht mitbekommen, dass plötzlich eine Band namens YSMA aus der deutschen Prog-Instrumental-Versenkung auftaucht und ein Album raushaut, das einen niederknien lässt? Sogar der Harlekin, der Marillion optisch so weltberühmt machte und ihnen neben dem musikalischen auch den visuellen Erkennungswert verlieh, ist wieder da: der gute alte Jester, dieses traurige Wesen! Musikalisch wiedergeboren in Deutschland!

Doch was wohl haben YSMA und Jester miteinander zu tun? Sehr viel - denn die Tränen, die vom Harlekin geweint werden, können auf „Fourth Wall“ genauso gut gehört werden wie auf „Script Of A Jester‘s Tear“!

Doch was wohl haben YSMA und Marillion miteinander zu tun? Im Grunde nicht viel, denn während die Mannen um den damaligen Fish mehr als musikalisches, neoprogressives Oberwasser hatten, sind YSMA tief abgetaucht im instrumentalen Prog- & Metal-Rock, der von akustischen wie elektr(on)ischen Klangreisen lebt, die leider bisher kaum Beachtung bei den musikalisch verpeilten Radiomassen finden. Ein „Kayleigh“ wird es wohl von YSMA nie geben, weil sie konsequent nicht auf Gesang setzen, aber dafür haben sie uns ihren „Jester“, der atmosphärisch mindestens das gleiche Lebensgefühl verbreitet, geschenkt!

Seit gut fünf Jahren und insgesamt zwei Studio-Alben sowie einer EP vervollkommnen vier Münsteraner ihren musikalischen Stil, der im Formatradio gespielt zu werden so viel Chancen hat, wie ein Osterhase, der mit amputierten Ohren die Osterliedchen kritisieren sollte oder ein Harlekin, dem die Bühne und das Publikum abhanden gekommen sind. Warum also besitzen trotzdem immer wieder deutsche Bands diesen Mut, sich leidenschaftlich und voller Idealismus einem musikalischen Stil hinzugeben, der so wenig von der Öffentlichkeit geschätzt wird, obwohl er, wie im Falle von YSMA so großartig und bewegend ist?

Vier Mauern werden also durchbrochen - musikalische Mauern? Wahrscheinlich, denn wenn wir an jede Mauer einen Namen sprühen würden, dann lauteten die „Prog“, „Metal“, „Jazz“ und natürlich „Rock“! Zusätzlich zu dieser vielfältig-abwechslungsreichen Musik erhält jeder, der progressiv denkenden und keineswegs Musik downloadenden Zeitgenossen noch ein wundervoll gestaltetes Digipack zur Musik mit dazu, welches mit liebevollen Zeichnungen versucht, eine Verbindung zwischen Musik und künstlerischer Gestaltung herzustellen.

Konsequent gehen YSMA ihren instrumentalen Weg. Überzeugt davon, dass guter Prog auch ohne eine Stimme funktionieren kann. „Fourth Wall“ ist der klingende Beweis für ihre Überzeugung. Statt Gesang verleiht neuerdings das Keyboard der Musik der Münsteraner eine neue, sehr ausdrucksstarke Klangfarbe. Eine echte Bereicherung!

Bereits im eröffnenden „Limelight“, eine finsterer Start in ein so vielfarbiges Album, werden die musikalischen Gegensätzlichkeiten ausgelebt - in diesem Falle treffen düster, bombastische Keyboardflächen auf kristallklare, akustische Gitarren. Doch nicht nur das - „Limelight“ enthält, wenn man genau hinhört, alle Motive der folgenden sieben Instrumentalstücke.

Genau dieses Konzept der „überraschenden Stimmungswechsel mit immer wiederkehrendem Erkennungswert“ wird konsequent von dem progressiven Quintett auf „Fourth Wall“ zur hohen Musikkunst ausgebaut. Krachende Gitarren und treibende, an King Crimson erinnernde Rhythmen stehen auf „Four Seconds West“ plötzlich herrlich filigranen, fast zärtlich-zerbrechlichen Akustik-Ausflügen auf Gitarre, Bass und Piano gegenüber. Und ob die Anklänge an David Bowies überragendes Instrumental-Stück „Warszawa“, welches ja auf Brian Enos Mist gewachsen ist, beabsichtigt ist? Ich weiß es nicht - ich weiß nur, dass ich seit Ewigkeiten nicht mehr an „Warszawa“ von „Low“ gedacht habe und meine Liebe zu diesem grandiosen instrumentalen Meisterwerk durch „Four Seconds West“ wiedererweckt wurde.

Schön jazzig geht es dann mit „Thelema“ weiter, natürlich wieder kombiniert mit dem, diesem Album permanent innewohnenden Prog-Metal. „Sun Pt. 1 - Aurora“ nimmt uns dann auf eine fast geruhsame, akustische Reise mit, die wie eine orientalische Oase inmitten metallischer Wüsten wirkt. Diese Sonne geht langsam und in den schönsten Farben auf, bis sie fast gewitterartig durch „A Beaver‘s Tale“ verfinstert wird - krachend beginnt diese musikalische Geschichte, um trotzdem, diesmal sogar durch ein paar Flamenco ähnliche Rhythmen, wieder und wieder von entspannten Momente durchflutet zu werden. Am Ende aber siegt, nachdem uns auf „Jester“ mit Stimmen-Samples und atmosphärischem Post Rock sowie Erinnerungen an King Crimsons „Indiscipline“ so richtig eingeheizt wurde, wieder der sonnige Schönklang auf „Sun Pt. 2 - Eve“, der es uns, trotz all der berauschenden Akustik, mit seiner Vielzahl verschachtelter Klangideen nicht gerade leicht, aber für den progressiven Freigeist dafür um so schöner macht. Und dann taucht da doch tatsächlich auch noch eine Flöte auf, die in uns entzückende Erinnerungen zwischen Caravan und Renaissance wach ruft. All diese kleinen, so reizvollen Details lassen „Fourth Wall“ zu etwas ganz Großem werden, das dann mit „Pesudopolis“ - Wer denkt da nicht sofort an Dream Theaters „Metropolis“? - sein mehr als würdiges Ende findet!

Ein Instrumental-Album, das wie ein kleines Inferno klingt, dem sich kaum ein Fan von Jazz Rock bis Prog Metal und allem, was irgendwo dazwischen liegt, entziehen kann.

YSMA??? „Fourth Wall“ zumindest lässt jedes Fragezeichen hinter dem Namen dieser außerordentlichen deutschen, progressiven Instrumental-Rock-Band verschwinden!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.11.2014
Letzte Änderung: 12.11.2014
Wertung: 14/15
Ein Highlight instrumentalen Progs!

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Ysma

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2013 Vagrant 10.00 1
2013 Carrots and Candles 9.00 1
2017 Memoirs In Monochrome 12.50 2

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