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Sankt Otten

Engtanz Depression

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2015 (27. Februar)
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik
Label: Denovali Records
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Stephan Otten Schlagzeug, Programmierung, Synthesizer, Gesang
Oliver Klemm Gitarre, Synthesizer, Klavier

Tracklist

Disc 1
1. Urlaub unter Psalmen 5:56
2. Beten, tanzen, küssen 4:49
3. Wo es immer regnet 5:12
4. Im Lichtorgelparadies 5:25
5. Der Himmel ist voll 3:58
6. Karfreitagskarpfen und Dolce Vita 5:29
7. Sing die Apokalypse 12:00
8. Die tragische Nummer 4:36
9. Ich bau dir ein Museum 8:01
Gesamtlaufzeit55:26


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Sankt Otten sind mal wieder da. Das ist eigentlich gar nicht so ungewöhnlich, schließlich veröffentlichen St(ephan) Otten und Oliver Klemm seit den späten 90er Jahren regelmäßig Alben, EPs und Einzeltracks. Und trotzdem hat sich mitnichten sowas wie Routine eingestellt, wie "Engtanz Depression" deutlich macht. Das betrifft freilich nicht nur das ausnahmsweise mal keineswegs minimalistisch gehaltene und doch die favorisierte Schwarz-Weiß-Rot-Farbgebung beibehaltende Koi-Cover (Motivvorschlag für das nächste Mal: Dompfaffen!) und die wie immer überraschenden Betitelungen der Stücke, sondern natürlich auch die Musik selber.

Hierzu vielleicht vorweg erst einmal die Feststellung, dass der Titel "Engtanz Depression" schon beinahe programmatisch erscheint. Nicht unbedingt mit Blick auf den "Engtanz" - in welcher Form die Leute so zu Sankt-Otten-Musik tanzen, ist mir aus eigener Anschauung nämlich nicht bekannt - aber dafür zielt "Depression" schon ganz ungefähr in die Richtung, in der sich der Großteil der Stücke auf diesem Album bewegt. Insbesondere die Melodien, die das Duo aus Osnabrück hier jeweils über die gesamte Spielzeit der jeweiligen Komposition ausbreitet, haben einen melancholischen, gewissermaßen bedrückenden Teint. Die leichteste Ausprägung davon sind vielleicht noch ruhige und verträumte Sachen wie "Der Himmel ist voll", schwerer wiegen dagegen schon das von schwebend-pfeifenden New-Artrock-Sounds geprägte "Beten, tanzen, küssen" oder die leidvoll düsteren "Urlaub unter Psalmen" und "Im Lichtorgelparadies".

Das wäre allerdings nicht alles, was "Engtanz Depression" stimmungsmäßig zu bieten hat. Umgekehrt nämlich benimmt sich ausgerechnet "Die tragische Nummer" gar nicht mal tragisch, sondern eher entspannt, beinahe bräsig. "Wo es immer regnet" fährt dagegen mit warmen Synthesizer-Klängen fast schon die optimistische Schiene von Kraftwerk-Epen wie "Schaufensterpuppen" oder "Metropolis" (OK, das ist nicht unbedingt optimistisch). Und auch das schon erwähnte "Im Lichtorgelparadies" kontrastiert seine düsteren Momente mit einem coolen Beat (vergleiche Ringhausen - "Moonelectribe") und kurzzeitigen Einbrüchen in fröhliche Regionen. Im vergleich zu Alben wie beispielsweise "Gottes Synthesizer" fällt ansonsten vielleicht noch ein etwas dezenteres Klangbild auf - großer Bombast wird ausgespart, dafür werden einfache, aber hintergründigere Wege gewählt. Um es mal so auszudrücken: "Engtanz Depression" ist mehr Kammermusik denn Sinfonie oder gar Oper.

Soweit zum Sound - und nun zu den Kompositionen selber. Hier nämlich zeigt sich, dass Sankt Otten einen der großen Trümpfe gut gemachter Elektronik-Musik voll ausspielen können. Und zwar verbergen sich unter den relativ simplen, nur teilweise ("Wo es immer regnet", "Ich bau dir ein Museum") mit Widerhaken versehenen Rhythmen außerordentlich raffinierte Melodieführungen, die teilweise mehrspurig ausgelegt sind, aber stets interessante Progressionen durchlaufen und sich nur selten wiederholen. Hierin liegt dann tatsächlich auch der eigentliche Reiz, der von den meisten Stücken letztlich ausgeht, und kleinere Retro-Spielereien sind da nur sowas wie der Köder. Letzteres wird besonders deutlich im abschließenden "Ich bau dir ein Museum", das vordergründig mit hackigem Rhythmus und archaischen Sounds eher so die Neu!-Schiene bedient, darunter aber sehr viel spannender geraten ist. Dass Sankt Otten mit "Sing die Apokalypse" ein waschechter Longtrack gelungen ist, spricht zudem ebenso für sich.

Somit ist "Engtanz Deperession" unterm Strich ein sehr starkes Album geworden, das zahlreiche Ideen präsentiert, die offenbar niemals wirklich überholt wirken werden. Zugleich postiert man sich auf der klanglichen Modernitäts-Skala recht weit vorne, ohne dabei die Bezüge in die Vergangenheit gänzlich zu vergessen - aber man hat dem Großteil der Retro-Konkurrenz ja schon kompositorisch sehr viel voraus. Ergo ist es eine eindeutige Empfehlung, die ich hier für "Engtanz Depression" aussprechen kann, und stelle fest, dass diese Depression tatsächlich eine Konfrontation wert ist.

Anspieltipp(s): Im Lichtorgelparadies, Ich bau dir ein Museum, Urlaub unter Psalmen
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.2.2015
Letzte Änderung: 21.10.2016
Wertung: 12/15

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2006 Wir können ja Freunde bleiben 11.00 1
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2018 Zwischen Demut und Disco 11.00 1

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