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Anna von Hausswolff

The Miraculous

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2015
Besonderheiten/Stil: Gothic; Moderne Electronica; sonstiges
Label: City Slang
Durchschnittswertung: 13/15 (1 Rezension)

Besetzung

Anna von Hausswolff pipe organ, synths, vocals
Ulrik Ording drums
Filip Leyman synths
Karl Vento guitar
Joel Fabiansson guitar

Gastmusiker

Daniel Ögren claviolin (track 1)
Maria von Hausswolff vocals (track 9)

Tracklist

Disc 1
1. Discovery 8.45
2. The hope only of empty men 3.10
3. Pomperipossa 2.12
4. Come wander with me/Deliverance 10.49
5. En ensam vandrare 2.54
6. An oath 3.01
7. Evocation 3.07
8. The Miraculous 9.59
9. Stranger 5.28
Gesamtlaufzeit49:25


Rezensionen


Von: Marc Colling @


„The Miraculous“ ist meine erste Begegnung mit Anna von Hausswolff. Hab vorher in Musikzeitschriften gelesen, der Stil sei „Funeral-Pop“. So ein Schwachsinn. „The Miraculous“ hat mit Pop soviel zu tun wie mit Jazz. Nämlich gar nichts. Wenn man schon eine Schublade braucht, dann doch bitte eine die der Musik gerecht wird. Die Musik klingt sakral, hymnisch, sphärisch, manchmal brachial und dann wieder verletzlich, vor allem aber majestätisch. Das verwundert auch nicht bei der zur Aufnahme verwendeten Kirchenorgel.

Da ich meine Anlage zu Hause so laut aufdrehen darf wie es mir gefällt, möchte ich jedem der auch diese Möglichkeit hat raten: PLAY IT LOUD. Falls das nicht möglich ist, dann doch bitte Kopfhörer aufsetzen. 9000 Pfeifen der größten Orgel Schwedens wollen mit Kraft gehört werden. Denn diese viel diskutierte Kirchenorgel steht im Zentrum des Schaffens, auch wenn ihre Mitmusiker angeblich mehr in Erscheinung treten dürfen als auf den vorherigen Alben.

Als Appetithappen kriegen wir zuerst mal DISCOVERY zu hören. 9 Minuten der musikalische Wahnsinn, einige werden sicher sagen 9 Minuten Größenwahnsinn. Fängt mit einem Orgelton an, der wie eine Schiffssirene ertönt. Das Stück entwickelt sich anschließend zu einem Klangmonster bis nach 5 Minuten alles in undefinierbare Soundcollagen zerfällt. Erinnert in einigen Momenten an Pink Floyd in deren Frühphase. Nur langsam kristallisiert sich eine Gitarre heraus und nach weiteren 2 Minuten hört man von Hausswolff erstmals singen. Ihre Stimme klingt elfenhaft und kindlich. Sie scheint in anderen Sphären zu schweben und erinnert mich an Björk, keinesfalls an Kate Bush wie einige meinen. Bei Björk kommen zwar noch abgefahrenere und nervösere Strukturen in der Musik vor, aber von der Klangfarbe hier ist der Vergleich zulässig. THE HOPE ONLY OF EMPTY MEN beginnt dann etwas melodischer mit ansteigenden perkussiven Klängen und leitet über in POMPERIPOSSA. Sehr majestätisch und erhaben kriechen die dunklen Sounds aus den Boxen. Und sie entführen uns in die tiefsten Wälder Schwedens.

Anschließend folgt der Höhepunkt des Albums. Mit dieser überdimensionalen Kirchenorgel leitet COME WANDER WITH ME /DELIVERANCE über in eine mehr als 10-minütige Fahrt in die tiefsten Tiefen. Bei solch kühlen Tönen friert die Hölle tatsächlich zu. Die Musik steht in der bitterkalten Luft und die Stimme steigert dieses Gefühl. Nach 5 Minuten tut sich ein komplettes Inferno vor dem Hörer auf. Drone-Bässe ertönen und die Gitarre spielt ein Riff wie weiland Justin Greaves von Crippled Black Phoenix. Nur noch viel tiefer im Schattenreich als CBP es je waren. Von Hausswolff singt hier nicht mehr, nein sie windet sich und versucht aus den Klauen der Dämonen und Geister zu entkommen die sie aber selbst herauf beschworen hat. Das klingt schwermütig und zieht dich runter wie Blei. Aber die Künstlerin hat die Reihenfolge ihrer Songs auf der Platte gut gewählt, denn mit dem friedlichen und luftigen Instrumental EN ENSAM VANDRARE folgt ein normaler und ruhiger Song mit der ganzen Band, also Gitarre, Schlagzeug und Bass. Die Orgel dominiert hier mal nicht.

AN OATH ist ebenfalls einfacher gestrickt und lässt Hoffnung fühlen. Doch diese wird mit EVOCATION sogleich wieder zerstört. Mächtige Drones erklingen und ziehen dich wieder runter. Die Klänge sind unheimlich, es brodelt, knirscht und dröhnt durcheinander bis sich irgendwann ein nachvollziehbarer Ton aus dem Ganzen heraus kristallisiert. Und was uns von Hausswolff in ihrem Titeltrack THE MIRACULOUS anbietet ist wirklich nur was für Unerschrockene. Zu Beginn der 10 Minuten hört man nur einen einzelnen Ton auf dieser gewaltigen Kirchenorgel. Im Hintergrund kann man zwar undefinierbare Bässe ausmachen, aber sonst passiert nichts. Das klingt avantgardistisch und erschließt sich dem Hörer nur langsam. Erstaunlicherweise beruhigt das Ganze die Atmosphäre aber und nach 5 Minuten ist man wie in Trance. Und wenn dann Anna's Stimme einsetzt und fremde Töne im Hintergrund wie aus einem zarten Nebel empor steigen ist man dieser Musik erlegen. Und immer noch wabert dieser eine Ton durch mein Wohnzimmer, schwellt mal ab, dann wieder auf. Das ist Minimalmusic und hat mit „Pop“ definitiv nichts zu tun.

Das Album klingt aus mit einem etwas positiveren Lied. STRANGER lässt uns wieder aus der Hölle hinaufsteigen. Hier hört man einen minimalen Rhythmus, akustische Gitarren und von Hausswolff singt auch relativ normal, ohne wispern, schreien oder winseln.

„The Miraculous“ ist definitiv schwere Kost. Zum so nebenbei hören geht gar nicht, dafür ist die Musik viel zu komplex. Ich habe oft das Gefühl, dass sich ein schwerer schwarzer Schleier über meine Lautsprecher gelegt hat, so morbide ist der Charme einzelner Songs. Minimal ist eigentlich nur ein Song, der Rest des Albums ist meist mit vielen Spuren aufgeschichtet und tönt eben nach Düsternis und Schwermut. In einem Interview sagte von Hausswolff, dass sie ihre Musik als nicht düster empfinde und sie selbst immer sehr fröhlich aus den Aufnahmesessions nach Hause gegangen sei. Na dann will ich nicht wissen, wie ihre Musik mal klingt, wenn sie schlecht gelaunt ist.

Aber trotz aller bleierner Schwere und Tiefe ist die Musik beeindruckend. Wenn man sich darauf einlassen kann dann entdeckt man hier nicht nur Tiefe, sondern auch Tiefgang.

Anspieltipp(s): Come wander with me/Deliverance, The Miraculous
Vergleichbar mit: Elektronische Avantgarde
Veröffentlicht am: 21.1.2016
Letzte Änderung: 14.4.2017
Wertung: 13/15
wem der Blues nicht reicht für seine Melancholie, der höre sich mal Anna von Hausswolff an

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2018 Dead Magic 12.00 2

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