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Stern-Combo Meissen

Der Weite Weg

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1979
Besonderheiten/Stil: Klassischer Prog
Label: DSB + edel
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Martin Schreier Drums
Bernd Fiedler Bass
Norbert Jäger Keyboards
Thomas Kurzhals Keyboards
Reinhard Fißler Vocals
Lothar Kramer Keyboards
Michael Behm Drums

Tracklist

Disc 1
1. Die Sage 7'50
2. Gib mir, was du geben kannst 5'30
3. Was bleibt 4'47
4. Der Motor 4'40
5. Der Frühling   (a. Allegro b. Largo c. Allegro.Danca) 12'17
6. Der weite Weg 6'23
Gesamtlaufzeit41:27


Rezensionen


Von: Holger Grützner @


Ihre 3. - und wie ich finde - beste LP. Wohlgemerkt - Vinylzählung! Das 1996 nachträglich auf CD veröffentlichte verschollene eigentliche Debut "Live (1976)" wird nicht übertroffen. Nach dem mißglückten offiziellen Erstling und dem bemühten "Weißen Gold" jedoch endlich eine fast perfekte Platte. Von einer negativen Ausnahme wird auch hier noch zu reden sein. Zunächst ist erstmal anzumerken, dass man besetzungsmäßig aufgestockt hatte. Sänger und Trommler Werther Lohse war von LIFT vertrieben oder abgeworben worden, weil die in Henry Pacholsky einen NUR-Sänger hatten und sich Lohse als NUR-Drummer vielleicht unterfordert vorkam. SCM gewinnen dadurch zu Fißlers manchmal gewöhnungsbedürftigem Fisteltenor eine unverkrampfte männliche Gesangsvariante hinzu. Weil Singen beim Trommeln ablenkt, gibt es noch einen neuen Herrn der Felle: Michael Behm. Der kommt von einem an sich unausstehlichen Bandversuch, der "Neue Generation" hieß, aber er trommelt wesentlich virtuoser als bisher Martin Schreier. Schreier zieht sich in der Folge mehr und mehr auf's bandleaderlich Geschäftliche zurück. Eine Einzigartigkeit bei SCM. Von nun an wird das Besetzungskarussell unaufhörlich routieren. SCM im Umbruch. Man wird den Bassisten und den Sänger wechseln. Lohse wird nach diesen Plattenaufnahmen zu LIFT zurückkehren, weil inzwischen deren tragischer Autounfall in Polen für die 2 berühmtesten Toten des DDR-Rocks gesorgt hat: Zachar (bass) und Pacholski (voc). Behm wird auch nur wenige Jahre bleiben, um zu einer Fusionjazzkapelle zu wechseln, die Bajazzo hieß und deren sehr gutes Plattendebut von '87 es immernoch nicht auf CD gibt! Schande, Schande!

Der weite Weg zeigt drei Richtungen, die SCM in den 80ern hätten einschlagen können: 1. Beim ART-Rock alter Schule bleiben und in Ehren untergehen, weil sich dafür in Punk-und NDW-Zeiten immer weniger Interessenten finden; 2. Einen abgespeckten musikalischen Reformkurs fahren, nicht mehr ganz so bombastisch, aber noch gut genug, um Gesicht waren zu können, in etwa so eine Novalis-Richtung (zu Zeiten von "Vielleicht bist du ein Clown?") 3. Hitparadentauglich bleiben, also pure Teenieanpassung und künstlerische Notschlachtung, weil man ja von Konzerteinnahmen leben muß, trotzdem man in 3 Jahren 3 LPs herausbringen durfte. Man wurde jedoch an Plattenumsätzen nicht beteiligt, sondern einmalig und äußerst bescheiden entlohnt.

Womit wir uns nun den einzelnen Titeln zuwenden können:

"Die Sage" ist Historienrock, wie ihn um diese Zeit im Westen Achim Reichel (Regenballade) und Novalis (Die Welt wird alt und wieder jung...) betreiben. Im Osten sind in dieser Richtung noch TRANSIT (Bernsteinhexe) unterwegs. "Die Sage" hat die Kahlbutzlegende zum Inhalt: Ritter meuchelt Lover einer Maid, wegen verweigerter erster Nacht und meineidet vor Gericht. Jedoch: "Rot, rot wie Blut/ soll werden dieser Stein/ und für alle Zeit/ Beweis des Unrechts sein!" Die Wahrheit hat den längeren Atem.

"Gib mir, was du geben kannst" ist ein niveauvolles Liebesgedicht kongenial vertont. Treffendere Metaphern wurden selten gefunden."Der Strom trieb mein Boot an deine Ufer heran./Ich trat ans Land und verbarg meine Ruder sodann..." Später mal wird Rio Reiser einen Text (noch für die Scherben) schreiben, der wie eine Fortsetzung zu diesem Lied klingt: " ....hau mit mir ab, mach die Leinen los..." Die Kitschjäger und Melodie-als-Schlager-Verdächtiger (siehe z.B. "Mütter gehen fort..."-Bemerkung von Horst) werden dieses Lied hassen. Ich mag sowas.

"Was bleibt" schließt sich an. Thematisch ähnlich, formal dann doch schon leicht schlagerverdächtig. Es soll wegen Fanprotesten 1980 sogar freiwillig von Schreier aus Radiowertungssendungen zurückgezogen worden sein, weil letzte Plätze für die bisherigen Götter doch zu blamabel gewesen wären. Sooo schlecht ist der Song aber nun auch wieder nicht. Da wirkte sich eher der Generationswechsel negativ aus - hands up, baby hands up, gimmi your love, gimmi-gimmi your love....Discojauche rules! Punk ist out, NDW noch nicht in, am Horizont im Übrigen nicht viel Niveau erkennbar. Im Osten gibts noch keine PANKOW. KEKS haben noch nicht ihre spätere Basti-Bauer-Kultbesetzung....all überall Denkpause in Sachen Rock'n'Roll Philosophie. "Was (wirklich) bleibt" ist die Tatsache, dass der Song immer noch deutlich besser ist, als so ziemlich alles aus der IC- Duran-Duran-Abklatschphase, die in der Folgezeit unter dem Namen "stern meissen" verkauft wurde.

Das nächste Stück ist "der Motor".... Ächz!...und auch der 1.Schlag unter die geschmackliche Gürtellinie. Keine wirkliche Komposition, nur so ein paar sing-along-Akkorde in Endlosschleife. Minimalismus a la Kraftwerk? Behm am Schlagzeug rettet es ein ganz kleinbißchen in musikalischem Sinne.Das eigentlich Schlimme ist der Text! Dabei ist die Message eine ganz vernünftige: Stress vermeiden und gesund leben, sonst kommt der Infarkt. Aber gerade dieses Gesundheitsliedchen wuchert wie eine Krebsgeschwulst inmitten der romantischen Nachbarsongs. Das mit Coffein aufgeputschte Herz wird verglichen mit einem rhizinusgeschmierten Mopedmotor "...dem superschnellen Ding...". Oh, diese poetische Aussagekraft zwischen Sagenraunen und Seeweg-Eroberungsmystik! Stilbruch total. (Ausgerechnet diese Entgleisung wurde zum Hit!)

Jedoch für's Durchhalten wird man belohnt: "Der Frühling" ist nicht nur einfach eine - nein: DIE - Vivaldi-Adaption! In instrumentalen 12 Minuten gibt Thomas Kurzhals Phantasieanregung pur. Die populären Motive der klassischen Vorlage werden verbunden mit Vogelzwitschern und Spinetttupfern aus dem Synthesizer. Bunzenscheibenromantik meets Rockbiedermeier. Laszlo Benkö von Omega wird später auch so etwas versuchen und nur Kaffeefahrtensound erzeugen. Kurzhals dagegen treibt dem Orginal nicht das Leben synthetisch aus, sondern haucht ihm neues ein! Neben dieser Adaption ist alles andere, was auf diesem Gebiet bekannt geworden ist, Stümperei, lediglich Deodatos "Also sprach Zarathustra" wäre ebenbürtig. Forget Ekseption!

"Der weite Weg" beschließt die Platte. Ebenfalls allerfeinster Prog mit unpeinlichem Text über die Eroberung der Natur durch Forscherdrang der Menschheit. Man stelle sich vor, dass 3-4 Jahre zuvor vielleicht eine Platte hätte erscheinen können mit Finlandia/Südpol/Frühling/Weiter Weg....dann wäre SCM unsere Visitenkarte im damaligen Westen geworden anstelle der peinlichen Puhdys!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 10.7.2002
Letzte Änderung: 4.8.2003
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Stern-Combo Meissen

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1977 Stern-Combo Meissen 9.00 3
1978 Weißes Gold 12.00 2
1980 Reise zum Mittelpunkt des Menschen 12.00 3
1982 Stundenschlag 10.00 2
1996 Live 13.50 3
1996 Hits - 1
2004 40 Jahre 6.00 1
2011 Lebensuhr 10.00 1
2015 Bilder einer Ausstellung - The Rock Version - Live 10.00 1

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