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Big Big Train

Folklore

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: Folk; Rock / Pop / Mainstream; RetroProg
Label: English Electric
Durchschnittswertung: 10/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

David Longdon lead vocals, flute, banjo, mandolin, organ, glockenspiel
Nick D'Virgilio drums, backing vocals
Greg Spawton guitars, keyboards, bass
Andy Poole bass, keyboards
Dave Gregory electric guitar
Danny Manners keyboards, double bass
Rachel Hall violin, viola, cello, backing vocals
Rikard Sjöblom keyboards, guitars, accordion, backing vocals

Gastmusiker

Dave Desmond trombone
Ben Godfrey trumpet, cornet
Nick Stones french horn
John Storey euphonium
Jon Truscott tuba
Lucy Curnow violin
Keith Hobday viola
Evie Anderson cello

Tracklist

Disc 1
1. Folklore 7:33
2. London Plane 10:13
3. Along the Ridgeway 6:12
4. Salisbury Giant 3:37
5. The Transit of Venus Across the Sun 7:20
6. Wassail 6:57
7. Winkie 8:25
8. Brooklands 12:44
9. Telling the Bees 6:02
Gesamtlaufzeit69:03


Rezensionen


Von: Nik Brückner @ (Rezension 1 von 3)


Hey! Ho! So we go!

Big Big Train ist so ne Band. Ich kannte die ja schon vor den meisten anderen, die schickten mir ihr allererstes Album mit einer Rezensionsanfrage – und ich war der Meinung, das sein einfach nicht genug Prog, um Prog zu sein. Ich hab nichts geschrieben.

Was für ein Idiot ich doch war! Ist Big Big Train doch heute die bekannte und beliebte Progressive Rock Band!

Ich muss aber auch echt immer ne begründete Sondermeinung haben. Na, eigentlich gar nicht so sonder. Denn ich bin nicht allein mit meiner Verwunderung darüber, für wie zentral, genial und genredefinierend Big Big Train immer wieder gehalten werden. Was das zeigt, ist – nein, nicht dass die jeweils anderen doof sind ("doof" ist übrigens die niederdeutsche Form des Wortes "taub") – sondern wie unglaublich breit der Progressive Rock heute aufgestellt ist. Ein gutes Zeichen, denn wie jeder Gebildete weiß, ist eine Gattung dann umso überlebensfähiger, je diverser sie ist.

Ist wirklich so. Es gibt Leute, die sich als die absoluten Prognerds beschreiben, die Bands hören, die ich zum AOR zählen würde, oder welche, die Bands hören, von denen ich noch nie gehört habe. Und die umgekehrt, wenn sie meine Bands hören, denen den Progstatus kurzerhand und schlicht absprechen. Für mich ist Big Big Train ganz am Rande dessen, was ich unter Progressive Rock verstehe, gerade so noch mit dabei. Nun, solange man offen bleibt und einander zuhört, ist ja alles gut.

Das ist der Grund, warum ich Big Big Train höre. Ich will verstehen, warum ich mich damals geirrt haben soll, und warum dieses Album im Eclipsed zu den besten Alben des Jahres gewählt werden wird.

"Folklore"! Das englische Wort (!) bedeutet laut englischer (!) Wikipedia: 'traditional art, literature, knowledge, and practices that are passed on in large part through oral communication and example. The information thus transmitted expresses the shared ideas and values of a particular group. […] Elliott Oring states that folklore is that part of culture that "lives happily ever after".'

Das klingt nicht gut.

Robert A. Georges und Michael Owen Jones fügen hinzu, "that we judge [Folklore] to be traditional because [it is] based on known precedents or models".

"based on known precedents or models"? Das klingt echt nicht gut. Haben wir es hier wirklich mit Konsensmusik zu tun, die auf bekannte Vorläufer und Modelle zurückgreift?

Witzig, genau das wird Big Big Train seit jeher vorgeworfen.

Aber genauso gilt, dass ihre Verteidiger, darunter die Band selbst, immer wieder als Argument ins Feld führen, dass es nun einmal genau das sei, worum es der Band ginge: Dampfmaschinen, Barden, Bergleute, Upton Heath, die Band lässt sich in alten Zugabteilen fotografieren - kurz: es geht um Tradition, Nostalgie, Folklore. Perfekt betitelt also, das neue Album. Der Salisbury Giant.

Und Folklore eröffnet das Album. Also, der Song "Folklore", aber eben auch Folklore. Denn genau das ist es, was der Titelsong ist. "Wassail" gehört in die gleiche Kategorie: Kein Prog, sondern intelligenter Folk. Lore. Musik, die im Gegensatz zu dem, was man sonst so "Prog" nennt, doch recht einfach gestrickt ist: Flöten, Mandolinen und eine Geige, dadurch wird's nicht automatisch Prog, aber intelligenter Folk ist es schon. Das ändert sich bei Songs wie "London Plane" und "Along the Ridgeway". Nette Songs, aber proggiger, weil die intensive, krummtaktige, instrumentale Mittelteile haben, oder soll man's (bei "Along the Ridgeway") eher Interludium nennen, denn bei "London Plane" ist's besser in den Song integriert. Salisbury Giant, joa.

"The Transit of Venus Across the Sun" beginnt sogar mit einem – ach naja, halt wieder netten – Arrangement von Orchesterinstrumenten, aber genau so was ist halt sehr traditional because it is based on known precedents or models. Regressive Rock. Ähnliches gilt für die Vocals von David Longdon, die halt wieder sehr nach Peter Gabriel klingen. Immerhin tut's die Musik nicht mehr so sehr wie schon. Gut, es gibt, gerade in "Transit", diese Akustogitarren, aber kompositorisch ist das schon recht ungenesisig. Passt. Naja, oder auch nicht, denn großer Prog ist das nicht. Nett aber. Wer musikalische Abenteuer mit Prog verbindet, Gefrickel, Takte, die schneller gewechselt werden als die Unterhosen, der dürfte seine Schwierigkeiten haben. Wer netten, intelligenten Folklore-Rock mit bissl Prog sucht allerdings, dem wird das Album wieder sehr gefallen.

"Winkie"! Endlich ein Song, der mir gefällt. Weil er rockt. Weil er mich bei der Stange hält. Kein großer Prog, aber immerhin Prog, abwechslungsreich, überraschend, mal rockig, mal folkig, mal klassig, mal mit Fiddle und endlich mal mit Kante. Das ist gut! Würden Big Big Train so Musik machen, würde ich sie mir kaufen. Prima!

"Brooklands" ist lang, gefällt mir auch ganz gut, aber, ach naja, das ist auch so, naja, nett halt. Nett. Big Big Train sind ne nette Band. Das Album endet belanglos mit "Telling the Bees".

Ich mag "Judas Unrepentant". So einen Song hat's leider nicht auf "Folklore".

"Folklore" expresses the shared ideas and values of a particular group because it is based on known precedents or models. Das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, war Progressive Rock das genaue Gegenteil von Konsensmusik, die auf bekannte Vorläufer und Modelle zurückgreift. Und genau das ist das Problem, wieder – so nett die Scheibe auch ist. Aber genau das ist es vermutlich, worum es der Band geht. Und nett sein ist ja auch nicht das Schlechteste.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: den anderen netten Alben dieser netten Band. Mir gefällt's!
Veröffentlicht am: 2.6.2016
Letzte Änderung: 25.11.2016
Wertung: 8/15
Folklore, Konsensmusik, die auf bekannte Vorläufer und Modelle zurückgreift, ist, wie wir alle eigentlich wissen müssten, das Gegenteil von Progressive Rock.

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Von: Piotre Walter @ (Rezension 2 von 3)


Die Frage ist: Bespreche ich ein Album, oder erörtere ich, was ich unter Progressive Rock verstehe? Maßgebend ist für mich Ersteres, da zum Einen Geschmäcker und Meinungen verschieden und relativ sind, zum Anderen ist eine Musik-Rezension eine Beschreibung eines Albums, eines Kunstwerkes das für sich steht und diesen Anspruch auf Unabhängigkeit auch erheben darf.

Auf "Folklore" setzen Big Big Train den bisher eingeschlagenen Weg konsequent und ohne Überraschungen fort. Big Big Train machen atmosphärisch dichten und gefühlvollen Retro-Prog, der weniger rythmisch komplex oder vertrackt ist, sondern durch solistische Einlagen und symphonisches Zusammenspiel zu beeindrucken weiß. Gerade im homogenen Zusammenspiel von Bläsern, Keyboards und Streichern entwickelt sich die Magie der Band und ihrer Musik. Unterstützt durch die schöne und immer stimmlagensichere Stimme von Langdon entsteht ein spannender Progressive Rock der in der Ausrichtung mit Bands wie Pink Floyd, Jethro Tull oder Genesis vergleichbar ist.

Das ist nicht zu wörtlich zu nehmen, denn BBT haben ihren eigenen Klangkosmos entwickelt. Am ehesten sehe ich auf diesem Album Parallelen zu Jethro Tull. Dies ist aber nur stellenweise so und liegt am regelmäßigen Einsatz der Flöte. Am progressivsten sind BBT in den solistisch fulminanten Mittelteilen der Songs – bei „London Plane“ z.B. ein treibender flöten- und gitarrendominierter Instrumentalteil, der sich problemlos in frühe progressive Alben von Jehtro Tull integriert hätte.

Es gibt hymnische Rocksongs wie „Folklore“, „Wassail“ und „Winkie“, spannende Longtracks mit frickeligen Instrumentalteilen wie „London Plane oder „Brooklands“, auf „The Transit of Venus Across the Sun“ oder „Salisbury Giant“ klingt die Band fast wie ein kleines symphonisches Kammerorchester und „last but not least“ die Balladen „Along the Ridgeway„ und „Telling the Bees“. Letztere sind mir ein wenig zu lieblich geraten, aber etwas Schwund ist immer.

Big Big Train machen melodischen Retro-Prog mit spannenden Instrumentalabschnitten in denen die Flöte tanzt, die Hammondorgel brazt, die E-Gittare schmachtet oder gefühlvolle Bläserarrangements begeistern; sie lieben traditionelle Arrangements, Inszenierungen, Covergestaltungen. Ich finde dies stimmig – und wo "Folkore" drauf steht ist dann bei BBT auch ein wenig Folkore drin.

Fazit: Big Big Train bleiben sich treu und liefern mit "Folklore“ ein gewohnt gutes Album ab. Insofern wird der Fan bestens bedient. Einsteigern würde ich aber die beiden Meisterwerke: "The Difference Machine“ oder "The Underfall Yard“ empfehlen.

Anspieltipp(s): Wassail, London Plane, The Transit of Venus Across the Sun
Vergleichbar mit: Symphonischer Retro-Prog, Bands wie Jehtro Tull, Indaco, Flying Colours
Veröffentlicht am: 4.6.2016
Letzte Änderung: 4.6.2016
Wertung: 11/15

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 3 von 3)


Mit meiner Rezi zu „English Electric“ habe ich die Band ins Seniorenheim verfrachtet. Mein Fazit lautete damals, dass das Album so klingt, wie alles, was die Band in den kommenden 20 Jahren noch machen wird. Danach habe ich Big Big Train erst einmal aus den Augen verloren, was angesichts verschiedener Überbrückungsveröffentlichungen (EP und Live) auch kein Problem zu sein scheint.

Nun gibt sich die Möglichkeit, wieder ein Album der Band, den eigentlichen Nachfolger zu English Electric, zu besprechen und das Werk heißt auch noch Folklore. Sollte es nicht lieber Retro heißen? Ja und nein. Denn natürlich ist das Gebotene Retro-Prog. Dafür sorgt die Band schon im Songwriting und dem Sound der Kernband. Und dennoch ist es anders (womit man mich Lügen straft). Man baut eben folkloristische Momente ein, arrangiert traditionelle Themen um und zeigt sie damit im neuen Gewand. Die Band besteht nach wie vor aus einem Oktett, das um eine Bläsergruppe ergänzt wird. Damit ist Abwechslungsreichtum bei den Instrumenten schon mal gesichert. Es gefällt mir ausgesprochen gut, wie die Stücke angelegt sind. Big Big Train verstehen es halt, „ihren“ Sound zu verbreiten. Zeitweise wird das sogar leicht jazzig und ausgesprochen stilvoll vorgetragen.

Und dennoch bleiben Big Big Train nicht die Band, die dich mit irgendwas überrascht. Alles bleibt doch wieder beim Alten (und damit bin ich wieder im Seniorenheim, oder?). Die Band spielt routiniert. Meistens sind die Songs langsam im Tempo. Die Bläser sind gut im Gesamtbild integriert und vom Arrangement her gut platziert. Die Gitarren haben ein wenig Hackett-Feeling, wodurch dieses typische Genesis-Retro-Flair entsteht. Die Rhythmik ist solide und wie immer sehr substanzvoll im Sound integriert. Der Gesang ist gewohnt harmonisch und leicht rauchig. Die Veränderung ist marginal, eben genau in diesen folkloristischen Einsprengseln zu suchen. Suchen, das ist das Stichwort. Erwarte hier kein Folklore Album, nein. Erwarte Farbtupfer, die sich absetzen. Hier mal eine Geige, da mal eine Flöte, auch mal eine Mandoline oder ein Akkordeon.

Wenn man Big Big Train eine wesentliche Veränderung in den Jahren ihres Bestehens bescheinigen kann, dann ist das das Volumen in ihrem Sound. Der Klang ist durch die Vielzahl der Instrumente sehr warm und kommt mit einer beeindruckenden Macht daher. Das hat die Band sicherlich im Laufe der Jahre optimiert und entwickelt. Big Big Train sind vorhersehbar und dennoch gut genug, jedes Album anders erlebbar zu machen. Das macht die Qualität der Band aus. Und wie ich in einer vorherigen Rezi mal schrieb, ist das stets auf hohem Niveau, wenn es auch mal Schwankungen gibt. Im Falle von Folklore schwanke ich mal wieder nach oben. Mir gefällt das Album gut.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 18.7.2016
Letzte Änderung: 18.7.2016
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Big Big Train

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1994 Goodbye to the Age of Steam 8.00 4
1997 English boy wonders 7.50 2
2002 Bard 9.00 2
2004 Gathering Speed 9.00 1
2007 The Difference Machine 12.50 2
2009 The Underfall Yard 12.00 4
2010 Far Skies Deep Time (EP) 11.67 3
2012 English Electric Part One 9.17 6
2013 English Electric Part Two 8.75 4
2013 English Electric: Full Power 13.00 1
2015 Wassail EP 8.50 2
2016 Stone & Steel 11.00 1
2016 A Stone's Throw From The Line 12.00 1
2017 Grimspound 10.00 4
2017 The Second Brightest Star 9.00 1

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