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Amorphis

Tuonela

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1999
Besonderheiten/Stil: Folk; Gothic; HardRock; Independent / Alternative; New Artrock; Progmetal; Psychedelic
Label: Nuclear Blast
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Pasi Koskinen Gesang
Esa Holopainen Gitarre
Tomi Koivusaari Gitarre, Sitar
Olli-Pekka Laine Bass
Pekka Kasari Schlagzeug

Gastmusiker

Santeri Kallio Keyboards
Sakari Kukko Saxofon, Querflöte

Tracklist

Disc 1
1. The Way 4:35
2. Morning Star 3:52
3. Nightfall 3:53
4. Tuonela 4:32
5. Greed 4:18
6. Divinity 4:56
7. Shining 4:25
8. Withered 5:44
9. Rusty Moon 4:55
10. Summer's End 5:38
Gesamtlaufzeit46:48


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Anlässlich der runden 600. Rezension meinerseits hier habe ich mir erlaubt, wieder einmal ein herausragendes, wenn auch etwas abseitiges Werk zu kommentieren.

"Die wichtigste deutschsprachige Progressive-Rock-Seite, die Babyblauen Seiten, hat keinen Eintrag zu Amorphis.", heißt es derzeit sibyllinisch im Wikipedia-Artikel zu dieser finnischen Band. Natürlich ist aber nicht diese Bemerkung der Grund, sich hier nun tatsächlich einmal Amorphis zuzuwenden, sondern die Musik dieser Band und in einem gewissen Maß auch ihr darüber erlangtes Image. Hintergrund: Um die Jahrtausendwende herum galten Amorphis als eine der innovativsten und kreativsten Bands der gesamten Metalszene. Dieser Ruf fußte auf der immensen Entwicklung, die die zu verschiedenen Zeiten fünf- oder sechsköpfige Band seit ihrem Debütalbum "The Karelian Isthmus" aus dem Jahr 1993 durchgemacht hatte: War jenes Album noch ein größtenteils recht gewöhnliches Death-Metal-Werk gewesen, so verblüffte das Folgealbum "Tales From The Thousand Lakes" ein Jahr später mit üppigen Folk- und Psychedelic-Anleihen und einer recht eigenen Art der Kompositionen. Zwei Jahre darauf verabschiedete sich die Band auf "Elegy" dann von den Death-Metal-Konventionen, und das hier nun vorliegende "Tuonela" aus dem Jahr 1999 wiederum schlägt nochmals ganz andere Töne an.

Man mag kaum verhehlen, dass Amorphis mit dieser geradezu im Zeitraffer ausgeführten stilistischen Metamorphose ebenso als Vorreiter eines anderen Trends zu sehen sein dürften. Schließlich gab es eine ganze Reihe anderer Bands, die in den frühen 90er Jahren im extremen Metal anfingen, letztlich aber ganz woanders landeten - viele davon, beispielsweise Opeth, Ulver, Katatonia, Anathema, Therion oder Enslaved sind mittlerweile auf diesen Seiten gerne gesehene Gäste. Allerdings muss eine solche Verwandlung nicht zwangsläufig bei progressiv-komplexer Musik enden - Paradise Lost beispielsweise sind ja 1999 mit einer Platte namens "Host" direkt in die Düster-Pop-Gefilde von Depeche Mode & Co. vorgestoßen. Und auch Amorphis hatten ehrlicherweise einen solchen Appeal in einigen ihrer Stücke und wurden zeitweise (so von 2001 bis 2003) gelegentlich gar als "Gothic Rock" etikettiert, wohl mit Blick auf eine Zielgruppe aus HIM- oder The-69-Eyes-Fans. Aber ganz so einfach ist das nicht, denn Amorphis setzten sich stilistisch immer gekonnt zwischen alle Stühle.

Wie äußert sich das nun auf "Tuonela"? Äußerst paradox und erwartungsgemäß schwer zu beschreiben. Am einfachsten ist noch das bloße Klangbild der Band zu umreißen: Die Grundlage neben Schlagzeug und Bass sind eher rockige, also nicht zu stark verzerrte Gitarren, aber eigentlich markant und prägend ist eher das, was oben drüber kommt. Das wären also: Die mit Mitteln des Psychedelic Rock (Flanger, Phaser, Delay, Tremolo) verfremdete Gitarre von Esa Holopainen, allerlei auf analoge Retro-Sounds angelegte Keyboards von Santeri Kallio, der etwas näselnde Klagegesang von Pasi Koskinen und zudem noch ein paar exotische Farbtupfer in Gestalt von Sitar ("Greed"), Querflöte ("Rusty Moon"), Saxofon ("Tuonela", "Nightfall") oder einem (vorerst) letzten Auftritt von Grunzgesang ("Greed"). Diese Instrumentierung ergibt im Zusammenwirken einen recht speziellen Bandsound, der an gewöhnlichen Gothrock ebenso grenzt wie an Stoner Rock, skandinavischen Retroprog oder gar an (ebenfalls finnischen) Neo-Krautrock à la Hidria Spacefolk oder Circle.

Weiter geht es dann mit den Kompositionen, und hier bieten Amorphis dem aufmerksamen und nüchternen (?) Zuhörer ein erstes Aha-Erlebnis: Die geschilderte Instrumentierung ist nicht bloße Textur, sondern findet in den Kompositionen eine Form der Entsprechung respektive eine Funktion und prägt damit wiederum umgekehrt den Charakter der jeweiligen Songs. Das gilt beispielsweise für Elemente wie das Intro von "The Way", in dem sich Riffs, Delay-Gitarre, Keyboardspuren und Gesang gegenseitig umspielen, die eigentlich eher schlicht gehaltene, ein wenig an die frühen Porcupine Tree erinnernde Strophe von "Summer's End", die durch die Echo-Effekte auf der Gitarre noch mal einen ganz eigenen Rhythmus erhält, das gemeinsame Riffing von Sitar und Gitarren in "Greed", die enge Zusammenarbeit von Saxofon, Keyboards und Gesang im Titeltrack oder die Art und Weise, wie in "Rusty Moon" Flöte und Gitarre nacheinander das "Echo" zum Chorgesang geben. In diesem Sinne passiert in den Songs von "Tuonela" kaum etwas umsonst und alles gehört zur Struktur der Kompositionen.

Zum anderen fällt auch auf, dass Amorphis ganz simple Strophe-Refrain-Schemata oft genug bestenfalls andeuten. Da wäre beispielsweise "The Way", das zwar eigentlich über eine wunderbaren Refrain-Melodie ("As the flowers wither, I will forget my pain...") verfügt, diese aber keinesfalls als solchen einsetzt - weil es keine weitere Strophe gibt, bildet dieses Konstrukt dann eher sowas wie das Thema für die zweite Hälfte dieses Songs. Auf ähnliche Weise funktioniert später auch "Greed". "Withered" wiederum hat keinen Refrain, sondern macht nach jeder Strophe Platz für ein auf der Gitarre vorgetragenes Thema, und auch "Tuonela" geht recht interessant mit dieser Idee um: Es wird zwar ein Refrain gesungen, aber jedes Mal mit komplett anderem Text. Erst in der zweiten Albenhälfte tummeln sich dann mit "Divinity", "Shining" und "Summer's End" tatsächlich eher gewöhnlich aufgebaute Songs - dann aber zumeist freilich wieder eben mit diesen Kniffen in der Stimmführung.

Man sieht bzw. hört, dass "Tuonela" damit insgesamt ein recht vielfältiges Album ist, das sich vor allem durch originelle Melodieführung, Arrangements und Songaufbauten auszeichnet. Allerdings muss angemerkt werden, dass dieses Werk seinen Reiz nicht alleine aus dieser eher unterschwelligen Komplexität zieht, sondern eigentlich mehr aus seiner Stimmung. Tatsächlich durchzieht das gesamte Album eine feine Melancholie, die sich einerseits aus den schon genannten eigenwilligen, immer packenden Melodien und andererseits aus den gediegenen 70er-Jahre-Arrangements speist. Insofern sind die geschilderten Goth-Vergleiche auch für diese Platte nicht so weit hergeholt, und es wird deutlich, warum die Wandlung von Amorphis letztlich eben nicht zum Hardcore-Prog geführt hat. Ein anspruchsvolles und hörenswertes Album ist der Band aus Helsinki hiermit allerdings so oder so gelungen.

Anspieltipp(s): The Way, Tuonela, Summer's End
Vergleichbar mit: Anathema, Porcupine Tree, Circle, Opeth heute
Veröffentlicht am: 30.6.2016
Letzte Änderung: 30.6.2016
Wertung: 10/15
Natürlich nicht ihr bestes Album, als Einstieg aber gut geeignet.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Amorphis

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1994 Tales From The Thousand Lakes 12.00 1
1996 Elegy 14.00 1
1997 My Kantele 11.00 1
2001 Am Universum 7.00 1
2003 Far From The Sun 11.00 1

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