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Sankt Otten

Eine kleine Traurigkeit

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2000
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Independent / Alternative; Moderne Electronica
Label: Eleganz
Durchschnittswertung: 8/15 (1 Rezension)

Besetzung

Stephan Otten Schlagzeug, Programmierung, Elektronik
Carsten Sandkämper Stimme, Gitarre, Bass, Klavier, Melodica

Gastmusiker

Johannes Assen Stimme ("Elektronik Nein")

Tracklist

Disc 1
1. Elektronik nein 5:07
2. Eukalyptus 4:36
3. Die unteren Zehntausend 5:09
4. Meter (Heute anders) 4:21
5. Eine kleine Traurigkeit 4:21
6. Das jüngste Gerücht 4:18
7. Tiefgang 4:13
8. Milch und Zucker 4:07
9. Gefährliche Fracht 3:08
10. Fernfahrer 4:56
11. Ende gut 3:05
Gesamtlaufzeit47:21


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Heutzutage lernt man Sankt Otten als ein Duo kennen, dessen Musikstil im Wesentlichen aus moderner Elektronik mit einigen Retro-Einsprengseln besteht. Somit erlebt man eine ziemliche Überraschung, wenn man sich das Frühwerk der Niedersachsen zu Gemüte führt. "Eine kleine Traurigkeit" nannte sich das Debütalbum von Stephan Otten und, nein, nicht Oliver Klemm, sondern einem gewissen Carsten Sandkämper; es wurde im Jahr 2000 über das Eleganz-Label veröffentlicht und war zwar nicht die erste Platte von Sankt Otten, die Musikstücke der ein Jahr zuvor erschienenen EP "Stille Tage im Klischee" fanden sich aber zu drei Vierteln eben auf "Eine kleine Traurigkeit" wieder.

Im Wesentlichen sind es die folgenden Komponenten, die den Klang der Musik auf "Eine kleine Traurigkeit" ausmachen: Krachige Drumloop-Rhythmen in schleppendem Tempo und dazu teils dramatisch klingende Orchesterakkorde (offenbar ebenfalls gesamplet). Teilweise kommen noch weitere perkussive Soundeffekte zum Rhythmus hinzu, in einzelnen Stücken werden allerdings auch noch eine mal kratzige, mal verträumte E-Gitarre und ein Bass eingesetzt. Maschinell klingt die Musik angesichts der stoischen, die gesamten Stücke hindurch gehaltenen Rhythmen allerdings dennoch. Soweit betrachtet ähnelt die Musik damit den zeitgenössischen Ulver zu ihrer TripHop-Phase ("Perdition City") oder auch Laibach um 1990 (z.B. "Kapital"), wobei einige Passagen aus "Die unteren Zehntausend" und "Gefährliche Fracht" mit bedrohlich klingenden Marschtrommeln konkret an einschlägige Theaterproduktionen ("Macbeth", "Krst pod Triglavom") erinnern. Die Band selber referenziert heute noch auf ihrer Bandcamp-Seite zu diesem Album qua Tag noch Portishead, was sich wiederum mit dem Folgenden am besten erklären ließe.

Ungewöhnlichstes Merkmal aus heutiger Sicht auf Sankt Otten ist nämlich der Einsatz von Gesang. Tatsächlich gibt es so etwas noch in fast jedem Stück zu hören, und entsprechend prägend ist das für das gesamte Album. Als regelrechter Sänger agiert der laut Besetzung hierfür verantwortliche Sandkämper dagegen allerdings nicht, vielmehr klingt das größtenteils leise, teils klagend eingesetzte Organ vergleichsweise alltagsnah, was diesen Gesangsstil in die Nähe von Indie/Alternative und deutschen Entsprechungen wie der "Hamburger Schule" um Blumfeld und Tocotronic rückt. Gelegentlich wird auch gleich Sprechgesang eingesetzt, etwa in "Tiefgang", oder wie im Refrain von "Fernfahrer" eine Art Flüster-Rap. Die zugehörigen Texte jedenfalls lesen sich einerseits minimalistisch, sind andererseits aber effizient und fantasievoll. Nett zu erwähnen ist auch, dass durch Rhythmisierung, i.e. Pausen, einige Zeilen einen gewissen lakonischen Humor gewinnen, beispielsweise in "Elektronik Nein" ("Sie liebt mich... nicht wirklich") oder in "Meter (Heute anders)" ("Heute geht es wieder, heute geht es wieder... raus."). Und der Reim aus dem Refrain von "Fernfahrer" denkt die einfachen Slogans aus Kraftwerk-Zeiten konsequent weiter: "Sehnsucht ist ein großes Wort, ich fahre Autobahnen von Ort zu Ort."

In seiner Mischung aus diesen beiden Komponenten - Musik und Gesang, versteht sich - ist "Eine kleine Traurigkeit" eine in mehrfacher Hinsicht paradoxe Angelegeneheit: Einerseits ist es angesichts von verständlichen, pointierten Texten, spartanisch-übersichtlichen Arrangements und gekonnt eingesetzten Momenten leichtgängig, andererseits sind das zumeist wie erwähnt dümpelnde Tempo und die häufigen Wiederholungen von Passagen, Melodien und Textstellen geradezu zermürbend. Ebenso gegenüber stehen sich die surrealen Stimmungen, die bisweilen von Beleitungen, Harmonien und hypnotischen Rhythmen erzeugt und von den eigenwilligen Texten unterstützt werden, und die aus einigen Orchester-Samples sprechende Neigung zu Dramatik. Einen Ausweg aus diesen Dilemmata finden nur wenige Stücke, so beispielsweise das gezielt strukturierte Instrumental "Das jüngste Gerücht", das von schönen Stimmungen geprägte und mit seinem anders gearteten Rhythmus eher bluesig klingende "Tiefgang" und natürlich noch "Fernfahrer", das ebenfalls vergleichsweise abwechslungsreich ausgefallen ist.

Letztlich ist somit "Eine kleine Traurigkeit" ein eigenwilliges Album, das Sankt Otten schon in ihrer Frühphase als relativ selbstbewusst präsentiert, zugleich aber ein wenig unter der Einförmigkeit eines Teils seiner Songs leidet. Somit dürfte es heute wohl vor allem mit Blick auf die weiteren Entwicklungen von Interesse sein, den es ist von hier aus ja tatsächlich noch ein recht langer Weg zum Stil von "Sequencer Liebe" oder "Engtanz Depression".

Anspieltipp(s): Tiefgang, Fernfahrer, Eukalyptus
Vergleichbar mit: Portishead, Ulver
Veröffentlicht am: 20.10.2016
Letzte Änderung: 15.2.2018
Wertung: 8/15
In Teilen besser, ansonsten über weite Strecken weniger spektakulär

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Sankt Otten

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2006 Wir können ja Freunde bleiben 11.00 1
2007 Wunden gibt es immer wieder 10.00 1
2010 Morgen wieder lustig 7.00 1
2011 Gottes Synthesizer 9.00 1
2012 Sequencer Liebe 10.00 1
2013 Messias Maschine 10.00 1
2015 Engtanz Depression 12.00 1
2016 Männerfreundschaften und Metaphysik 11.00 1
2018 Zwischen Demut und Disco 11.00 1

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