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Sankt Otten

Wir können ja Freunde bleiben

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2006 (CD-Veröffentlichung 2007)
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Independent / Alternative; Moderne Electronica; Postrock
Label: Retinascan / Hidden Shoal
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Stephan Otten Schlagzeug, Sampling, Programmierung
Oliver Klemm Keyboards, Gitarren, Bass

Gastmusiker

Volker Schumacher Keyboards, Programmierung, Bass
Carsten Sandkämper Gitarre, Bass, Gesang
Holger Schwetter E-Piano
Johannes Assen Stimme

Tracklist

Disc 1
1. Fremdenzimmer 4:07
2. Happiness (Woanders als hier) 4:51
3. Zum Schweigen verdammt 4:15
4. Höhenrausch 4:56
5. Wenn die Musik verstummt 4:06
6. Seit Tagen kein Wunder 3:23
7. Jetzt bist du heilig 5:30
8. Blühende Landschaften 5:50
9. Wir können ja Freunde bleiben 5:04
10. Fadenscheinig 3:25
11. Fallen und fangen (Johannes der Läufer) 5:10
12. Märchenwald   (Download-Bonustrack) 2:44
Gesamtlaufzeit53:21


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Die Diskografie von Sankt Otten bleibt in der Retrospektive eine spannende Sache, denn auch "Wir können ja Freunde bleiben" zeigt die beiden Osnabrücker auf einem interessanten Weg, der das Debüt "Eine kleine Traurigkeit" überraschend anders, aber dennoch passgenau mit der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit verbindet. Inwiefern die biografischen Fakten hier eine Rolle gespielt haben, kann ich nicht beurteilen. Zwar lagen zwischen "Eine kleine Traurigkeit" und "Wir können ja Freunde bleiben" fast sechs Jahre, andererseits waren Sankt Otten in dieser Zeit nicht untätig und veröffentlichten ein Remix-Album ("Zuhause fühle ich mich wie ein Tourist", 2003). Immerhin ging es nach "Wir können ja Freunde bleiben" im höheren Tempo weiter; das ursprünglich auf CD-R veröffentlichte Album erfuhr 2007 einen professionellen Vertrieb durch Hidden Shoal, und im selben Jahr folgte mit "Wunden gibt es immer wieder" auch schon das nächste Album.

Nun also zur Musik. Überraschenderweise ist festzustellen, dass das prägendste Element von "Eine kleine Traurigkeit" fast vollständig fehlt - Gesang gibt es nur noch ziemlich am Ende in "Fallen und Fangen (Johannes der Läufer)". Angesichts von einer Falsett-Stimmlage und entsprechender Phrasierungen samt wehmütiger Streicher dazu zeigt diese Nummer allerdings überdeutlich in Richtung von Sigur Rós, was Sankt Otten als reine Stilübung sehr gut hinbekommen (als konkreter Song dagegen ist das Stück allerdings ein bisschen zu lang). Das ist dann auch schon der Gipfel und Kulminationspunkt eines Albums, das sich bis dahin schrittweise in Richtung Postrock entwickelt hat, entsprechend wäre es sinnvoll, die Platte quasi rückwärts zu betrachten. Ebenfalls an Sigur Rós dran war nämlich schon der Titeltrack "Wir können ja Freunde bleiben" mit fülligen Streicher-Keys und einer heimeligen, fast süßlichen E-Gitarre über einem schleppenden Rhythmus, und über diesen Elementen hatten sich kuriosere und immer voller werdende Keyboard-Stimmen gelegt, was in der Essenz sowas wie die Antwort auf entsprechend feierliches Material wie den "Ágætis byrjun"-Titeltrack gewesen war.

Postrock wäre auch das Stichwort bei einigen weiteren, wenn auch nicht allen Stücken auf diesem Album. So klingt schon das lockere "Fremdenzimmer" mit seinem groovig-verspielten Fundament aus Drumloop und Bassriff und flirrenden Keyboard-Streichern sehr nach diesem Genre, wenn auch die zweite Hälfte eher relaxter und qua Gitarre etwas floydig ausgefallen ist. Auch "Wenn die Musik verstummt", das eigentlich von minutenlangen barocken Orchestersätzen eingerahmt wird (die wiederum an Händels "Wassermusik" erinnern, oder auch an "Der Goldmacher" von der Stern-Combo Meißen), fällt in diese Kategorie. Leider haben Sankt Otten auch die Kehrseite des Genres im Gepäck - "Jetzt bist du heilig" demonstriert mit dümpeldem Tempo, simpler Begleitung und diesen stereotypen Tremolo-Gitarren noch einmal das, was Platten dieses Stils im schlechteren Fall langweilig macht. Viel besser gelingt dagegen das das minimalistische "Fadenscheinig", das mit völlig verwaschenen Klavierakkorden, introspektiven E-Piano-Läufen und zittrigen Soundeffekten, die immer wieder von unerwartet-verzögerten Percussion-Effekten geradezu aufgerieben werden und sich dennoch behaupten, ziemlich spannend geraten ist.

Trotzdem ist nicht alles auf diesem Album Postrock, und es gibt mehr als nur ein paar Bande zur Vergangenheit (oder auch zur Zukunft). So liegt gleich am Anfang des Albums ein Block von Stücken ("Happiness", "Zum Schweigen verdammt", "Höhenrausch" und später noch "Seit Tagen kein Wunder"), das den TripHop-Stil des Debütalbums fortsetzt. Zum Einsatz kommen dabei zwar die schon bekannten Stilmittel in Form von schleppenden Drumloops und sägenden Streichersamples, was wieder einmal an Ulvers "Perdition City" erinnert. Zugleich wird aber in jazzigeren oder bedrohlich-zerbrechlichen Passagen auch die Geschichte dieser Band noch weiter nacherzählt - man stelle mal "Happiness" neben "In The Red" und "Höhenrausch" neben "Blinded By Blood". Weitere außergewöhliche Stilelemente kommen aber noch hinzu: Fetteste E-Gitarren à la Ennio Morricone, passenderweise erweitert um Mundharmonika-artige Sounds in "Happiness" (was in der zweiten Hälfte allerdings fast in eine Art melancholischem Reggae umschwingt) und weitere klassische Orchestersamples in der Art von Klaus Schulzes "Ludwig II." in "Zum Schweigen verdammt". Aber auch diese Ebene wird wieder gebrochen: So versammelt "Seit Tagen keine Wunder" zwar wieder diese Twang-Gitarre und die Mundharmonika und bietet auch eine Banjo-Melodieführung, die direkt an Morricone-Nummern wie das "Cheyenne"-Thema oder den "Marcia degli accatoni" erinnert - klingt aber insgesamt überhaupt nicht nach diesen Stücken.

Zwei Stücke fallen noch ganz aus dem Rahmen. Das wären "Blühende Landschaften", das ein bisschen an Experimente in Sachen "fraktale Musik" erinnert (zufälligerweise ist mir mal eine 80er-Platte namens "Fractals" eines gewissen Ron Marvin in die Hände gefallen, an die dieses Stück erinnert), aber improvisiert wirkt und keinen rechten Kulminationspunkt findet, und zum Abschluss das (der ursprünglichen Eigenproduktion später nachgestellte) "Märchenwald", eine bloße Soundcollage aus Effekten, sägenden Klängen, Gitarre, Bass und Loop, die als Spielerei zum Abschluss des Albums aber in Ordnung geht. Der Qualität von "Wir können ja Freunde bleiben" tut das natürlich keinen Abbruch, denn unterm Strich bekommen Sankt Otten die ungewöhnliche Mischung von Sounds aus unterschiedlichen Quellen, nämlich aus Postrock, Pink-Floyd-Gitarren und Ulver-TripHop ebenso wie aus Morricone-Soundtracks, ziemlich gut hin. Wir können ja Freunde bleiben, dieses Album und ich.

Anspieltipp(s): Fallen und Fangen, Happiness, Fadenscheinig
Vergleichbar mit: Ulver, Sigur Rós, Ennio Morricone
Veröffentlicht am: 27.10.2016
Letzte Änderung: 5.8.2018
Wertung: 11/15
Kleine Abwertung wegen der schwächeren Tracks. Sonst schon ein sehr gutes Album.

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Sankt Otten

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2000 Eine kleine Traurigkeit 8.00 1
2007 Wunden gibt es immer wieder 10.00 1
2010 Morgen wieder lustig 7.00 1
2011 Gottes Synthesizer 9.00 1
2012 Sequencer Liebe 10.00 1
2013 Messias Maschine 10.00 1
2015 Engtanz Depression 12.00 1
2016 Männerfreundschaften und Metaphysik 11.00 1
2018 Zwischen Demut und Disco 11.00 1

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