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Sankt Otten

Wunden gibt es immer wieder

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2007
Besonderheiten/Stil: instrumental; Ambient; Moderne Electronica; Postrock
Label: Tonevendor
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Stephan Otten Sampling, Programmierung
Oliver Klemm Keyboards, Gitarre, Bass

Gastmusiker

Andreas Müller Kontrabass ("Wunden gibt es immer wieder", "Depressive Elite", "Analoge Bohème")

Tracklist

Disc 1
1. Taschensymphonie 3:18
2. Wunden gibt es immer wieder 4:08
3. Festplattenliebling 3:02
4. Der Groove des guten Gewissens 4:09
5. Die Unvernünftigen sterben aus 4:38
6. Auf Sünde folgt Strafe 4:49
7. Verlieren ist nicht immer sexy 4:10
8. Depressive Elite 4:54
9. Mit guter Laune ins Elysium 2:10
10. Analoge Bohème 4:29
11. Stille Wasser 5:43
Gesamtlaufzeit45:30


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Sankt Otten zum Dritten - aber wieder mal führt die Biografie ein bisschen in die Irre. Zwar wurde "Wunden gibt es immer wieder" auch nur ein Jahr nach "Wir können ja Freunde bleiben" veröffentlicht, aber die heute recht eindrucksvolle arbeitsame Phase von Otten und Klemm begann dann tatsächlich doch erst 2010 mit dem Nachfolger "Morgen wieder lustig". Somit wird hier vorab folgendes zu erwarten sein: Eine Platte, die den Stil von "Wir können ja Freunde bleiben" fortsetzt, indem Akzente und Prioritäten verschoben werden, aber ebenfalls noch lediglich auf dem Weg zum "heutigen" Electronica-Stil zu finden ist.

Rekapitulieren wir: Der Vorgänger war im Wesentlichen geprägt von einer Hinwendung zu Elementen des Postrock, was insbesondere den stärkeren Einsatz der Gitarre mit sich brachte, wohingegen die TripHop und Alternative im Vergleich zum Debütalbum graduell aus dem Fokus gerieten. Hieran knüpft "Wunden gibt es immer wieder" nun merkwürdigerweise vornehmlich in den Skizzen "Taschensymphonie" und "Mit guter Laune ins Elysium" an, denn hier gibt es genau diese verträumten Soundeffekte und bedächtige Melodien auf der Gitarre. Weniger gelungen daran ist, dass diese Stücke mit höchstens unkoordinierter Rhythmik eben ziemlich formlos wirken. Die kratzig-westernartigen Gitarren des Vorgängeralbums finden davon abgesehen noch ihre Fortsetzung in "Depressive Elite" und "Analoge Bohème", allerdings sind die Hintergründe hierzu diesmal andere: In erstem Stück schleppt sich ein langsamer Rhythmus mit E-Piano, Bass und sparsamstem Schlagzeug zermürbend dahin, und die nach guten drei Minuten Gitarre ist förmlich eine Befreiung. Dagegen pflegt "Analoge Bohème" wieder einmal mit 7/8-Rhythmik, knarrender Kontrabass-Begleitung und prägnanten Keyboard-Akkorden die alte Verbindung zu Ulver ("Eitttlane"). In der Mischung wirkt dieses Stück spannend, stilvoll und beinahe existenzialistisch und könnte auf dieser Weise gar von hinten an Bands wie Le Mur heranreichen.

Dennoch wird durch diese Kombination deutlich, dass die eigentliche Errungenschaft von "Wunden gibt es immer wieder" eher eine Hinwendung zu einer Art Minimalistisch ist. So ist "Festplattenliebling" nur von einzelnen, aber dafür umso wirkungsvolleren und später auch noch verzerrten Klavierakkorden geprägt, zu denen sich höchstens noch etwas Gitarre gesellt. "Der Groove des guten Gewissens" formuliert diesen Stil dagegen anhand eines unregelmäßig gesampleten, fast Industrial-artigen Drumcomputer-Rhythmus, einer heulenden Begleitung und diversen Tasteninstrumenten, schiebt aber bei ca. 1:35 noch ein Break für ein anarchisches Klavier ein. Sankt Otten verstehen es hier blendend, mit einfachsten Mitteln Spannung durch Gegensätze zu erschaffen.

Angesichts dessen ist es auch wenig überraschend, dass es hernach in "Die Unvernünftigen sterben aus" erst mal Glitch-artige Soundeffekte gibt und die Musik sich aus dieser Soundkulisse erst entwickeln muss - was zunächst (nach gut anderthalb Minuten) mit einer Art Spieldose noch nicht gelingt, dafür aber nochmals eine Minute später durch einen Bass relativ konkret wird. Überhaupt ist "Entwicklung innerhalb der Songs" das, was die Qualität der besten Stücke auf diesem Album ausmacht. Das fällt vor allem auf, wenn den Stücken diese Eigenschaft abgeht. So ist "Auf Sünde folgt Strafe" mit jazzigen Harmonien (samt Fretless-Bass), Besen-Drumcomputer und melancholischen Melodien recht beschaulich, nutzt sich aber relativ schnell ab. Auch das abschließende "Stille Wasser" versammelt eigentlich nur optimistisch sirrende Sounds, vereinzelte Klavierlinien und dazu später noch eine Gitarre, bleibt aber unverbindlich, kontemplativ und nicht wirklich substanziell. Dagegen wäre "Verlieren ist nicht immer sexy" wieder ein gutes Beispiel für Qualität, wenn zum diesmal wieder TripHop-artigen Hintergrund nach gut einer Minute eine Klargitarre ins Spiel kommt und die flankierenden Sounds zunehmen dramatischer werden, gegen Ende aber einen beachtlichen Twist in Richtung Feierlichkeit hinbekommen.

Insgesamt entwickelt "Wunden gibt es immer wieder" also schon mal den Stil des Vorgängeralbums substanziell weiter. Rein qualitativ allerdings hängt sich dieses Album dennoch ein wenig hinter seinem Vorgänger zurück, was aber nicht so sehr an den Veränderungen liegt, sondern eher daran, dass sich diesmal eben einige wenig ergiebige Songs darauf befinden. Hörenswert ist "Wunden gibt es immer wieder" aber auch nach neun Jahren, nun ja, immer wieder.

Anspieltipp(s): Verlieren ist nicht immer sexy, Der Groove des guten Gewissens, Analoge Bohème
Vergleichbar mit: ganz entfernt noch Ulver
Veröffentlicht am: 3.11.2016
Letzte Änderung: 3.11.2016
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Sankt Otten

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2000 Eine kleine Traurigkeit 8.00 1
2006 Wir können ja Freunde bleiben 11.00 1
2010 Morgen wieder lustig 7.00 1
2011 Gottes Synthesizer 9.00 1
2012 Sequencer Liebe 10.00 1
2013 Messias Maschine 10.00 1
2015 Engtanz Depression 12.00 1
2016 Männerfreundschaften und Metaphysik 11.00 1
2018 Zwischen Demut und Disco 11.00 1

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