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t

epistrophobia

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2016
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Moderne Electronica; New Artrock; Postrock; sonstiges
Label: Progressive Promotion Records
Durchschnittswertung: 14/15 (1 Rezension)

Besetzung

t alles

Tracklist

Disc 1
1. Chapter 4 - A Poet's Downfall

1. In Abeyance 13:45
2. The Dark Beyond Our Fears 12:01

2. Chapter 5 - Contingencies

1. What If 5:51
2. What If Not 12:22
3. Forgiven 7:43

3. Chapter 6 - The Place Beyond The Skies

1. A Mask Behind A Mask 12:08
2. Epistrophe 14:16

Gesamtlaufzeit78:06


Rezensionen


Von: Thomas Kohlruß


Thomas Thielen alias t macht es seinen Hörern nicht unbedingt leicht… sich selbst vermutlich auch nicht, wenn man dem neuesten unglaublichen Klanggeflecht lauscht, welches t mal wieder in völligem Alleingang eingespielt hat. Zum Jahresende 2016, wenn eigentlich schon eher Bilanzziehen und Rückschau angesagt ist, platzt ein Werk in die Hörlandschaft und wirbelt die Reihenfolge der Alben des Jahres nochmals gehörig durcheinander. Nicht ganz unerwartet vielleicht, in seiner Vehemenz dann doch überraschend.

t‘s Werk sind inzwischen ganz klar ein eigenes Genre geworden, der musikalische Ansatz sofort identifizierbar und so prägnant wie ein Fingerabdruck, wie eine DNA-Spur. Wuchtige Klangkonstrukte, wie Kathedralen, die über den Hörer mit Urgewalt und Vehemenz hereinbrechen. Die aber voller Emotion und paradoxerweise Fragilität stecken, so dass sie in keiner Sekunde steril, konstruiert oder schwerfällig wirken, obwohl bestimmt jede Note, jede Wendung, jede Nuance mit Sorgfalt genau an ihre Stelle gesetzt wurde. Große Kunst in Klang, Sounddesign und Arrangement, so entstehen unter t‘s Ägide eher Hörfilme, denn nur ‚normale‘ (Rock)Alben. Musik zum immer-wieder-hören, zum immer-wieder-neues-entdecken. Musik, die unter dem Kopfhörer gehört, eine ganz andere Atmosphäre entfaltet, wie ‚frei‘ über die Boxen gehört, auch ein interessantes Phänomen.

Grandiose Achterbahnfahrten zwischen nachdenklich, düster, introvertiert, verletzlich bis hin zu plötzlichen aggressiven Ausbrüchen, sinfonischer Kraft und epischen Melodiebögen. Flirrende Gitarren- und Keyboard-Klänge dominieren diese Klangwelt, die wie Ozeane der Musik den Hörer umspült. Gerade die Gitarrenarbeit ist diesmal besonders prägnant und herausragend. Aufwühlend, mitreißend, beeindruckend und erfüllend ist diese Musik, in der echte wie synthetische Instrument zu einer Einheit verschmelzen. t‘s Gesang, mal theatralisch, mal dramatisch, mal kraftvoll-aggressiv, mal melancholisch-introvertiert, mal verzweifelt, angesiedelt irgendwo zwischen Marillions h und David Bowie, ist die kongeniale Ergänzung zur emotional-dramatischen Musik.

„epistrophobia“ ist die Fortsetzung des letztjährigen Werkes „fragmentropy“, was unschwer an der Nummerierung der Kapitel erkennbar ist. Aber man hat auch den Eindruck, dass musikalische Motive und Themen immer wieder aufgegriffen werden und sich letztlich – vielleicht – als ‚roter Faden‘ durch „epistrophobia“ ziehen. „epistrophobia“, wohl ein Kunstwort, beschreibt vielleicht die Angst vor dem Abwesenden, der Lücke, dem Vermissten. Den poetischen Texten kann man sich wie immer nur schwer nähern (was auch an der unglücklichen Darstellung im Booklet liegt, aber diesen Mecker habe ich ja immer), aber sie regen zum Nachsinnen an, was viel wert ist. In Fortsetzung von „fragmentropy“ wird hier noch tiefer in die Höhen und Tiefen menschlicher, zwischenmenschlicher Beziehungen eingetaucht. Und wenn t zum Abschluss beschwörend „this is me by your side this you by my side this is me by your side“, ja haucht, flüstert, mit einem leicht verzweifelten Unterton, dann ist das ebenso tröstlich wie irritierend. Und dieses Paradox charakterisiert das Album in meinen Ohren sehr trefflich und könnte als Schluss kaum eindrücklicher sein. Dazwischen scheinen Textfragmente, die Rückbeziehungen auf das Schaffen David Bowies zu lassen, eine Art Trauerarbeit für den Anfang 2016 verstorbenen ‚Mentors‘ des Künstlers zu sein. Wenn ja, dann ist das faszinierend subtil in das Ganze eingewoben.

Wohl mein Album des Jahres. Wie kaum ein anderes Werk hat sich „epistrophobia“ in meinen Ohren festgesetzt, eine emotionale Achterbahn ausgelöst, zwischen Irritation und Glücksgefühlen einen erschöpften, aber zutiefst befriedigten Hörer zurückgelassen. Die Dramaturgie des Albums ist noch dazu pefekt, mit seinem Höhepunkt „What If Not“ genau zur Mitte und dem Nachschlag mit dem unglaublich dichten und einem tollen Gitarrensolo gekrönten „A Mask Behind A Mask“ hinterdrein.

t‘s bestes Album? Vielleicht, auf jeden Fall in einem außergewöhnlichen Oeuvre ganz weit vorne. Unnötig zu erwähnen, dass das Digipak wieder mit einem ebenso gelungenen, wie teils irritierenden Artwork daherkommt, was den Eindruck des Gesamtkunstwerks trefflich unterstreicht.

...im Übrigen wohl der Mittelteil einer Trilogie, deren Fortsetzung schon für nächstes Jahr angekündigt wird...

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 26.12.2016
Letzte Änderung: 26.12.2016
Wertung: 14/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von t

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2002 naive 11.00 2
2006 voices 12.00 2
2010 anti-matter poetry 13.00 1
2013 psychoanorexia 13.00 2
2015 fragmentropy 13.00 1

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