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Sankt Otten

Morgen wieder lustig

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2010
Besonderheiten/Stil: instrumental; Moderne Electronica
Label: Denovali Records
Durchschnittswertung: 7/15 (1 Rezension)

Besetzung

Stefan Otten
Oliver Klemm

Tracklist

Disc 1
1. Ein Himmel voller Galgen 3:30
2. Mutter, Jazz und der Heilige Geist 4:51
3. Mit Popcorn und Champagner 3:41
4. Lustig, lustig, demain encore lustig 4:20
5. Fromme Lügen 3:22
6. Das bezahlte Lob 4:42
7. Mein Freund aus Köln 6:32
8. Unser Mann für das Happy End 4:47
9. X für U 4:00
10. Wenn die Rechnung nicht aufgeht 5:12
11. Ich bin dann mal oben 3:25
Gesamtlaufzeit48:22


Rezensionen


Von: Gunnar Claußen @


Jérôme Bonaparte war ab 1807 König eines von seinem wesentlich bekannteren Bruder Napoleon I. geschaffenen Vasallenstaates namens "Westphalen" und sprach kaum Deutsch. Wie die Legende berichtet, soll sich Jérômes Vokabular entweder auf das Wort "lustig" beschränkt haben, angegeben wird aber auch der Satz "Morgen wird es wieder lustig" - oder eben kurz: "Morgen wieder lustig". Hiermit wäre dann also der Hintergrund zum Titel von Sankt Ottens vierten Album dargelegt, auch wenn Osnabrück nicht durchgängig auf dem Territorium des Königreichs Westphalen lag. Dafür markiert "Morgen wieder lustig" rein biografisch immerhin den Auftakt zur bis heute ungebrochenen Produktivität des Duos.

Ein interessanter Abschnitt einer Bandgeschichte beginnt - das klingt doch verheißungsvoll. Leider wird allerdings "Morgen wieder lustig" für meine Begriffe dieser Vermutung doch nicht gerecht. In weiten Teilen ist dieses Album nämlich nach seinen recht abwechslungsreichen Vorgängern wieder ein kleiner Rückschritt. Prägende Elemente hierfür sind schleppende Drumloop-Rhythmen nach TripHop- oder Electronica-Vorgabe, die zumeist noch mit vergleichsweise simplen Sequenzen oder Basslinien begleitet werden, und oben drüber beschäftigen sich klanglich an Bläser erinnernde Synthesizer mit der Melodieführung. Zugleich sind die von diesen Elementen bestimmten Stücke aber recht einförmig und bestehen zumeist aus Intro, Hauptteil, Break und Wiederaufnahme des Hauptteils, was für sich genommen nicht verkehrt wäre - allerdings sind einerseits die Melodien eher wenig interessant und andererseits passiert nach dem Break meistens eben kaum noch etwas.

In diese Kategorie fällt beispielsweise der Quasi-Titeltrack "Lustig, lustig, demain encore lustig", der immerhin durch seinen in der Tat lustigen Arpeggio-Sequencer mit Stereoeffekten und den flotten Handclap-Rhythmus auffällt, und das Break in der Mitte stellt mal kurz die perkussiven Sounds in den Vordergrund, danach passiert aber nichts mehr. "Mein Freund aus Köln" wirkt ebenfalls wie aus dem Setzkasten, auch wenn zum Becken-lastigen TripHop-Beat und den an- und abschwellenden Streichersounds nach gut anderthalb Minuten noch noch eine bedächtige, aber wirkungsvolle Basslinie und einige neckische Soundeffekte hinzukommen - und mehr nicht. Immer wieder wirkt es, als wären Sankt Otten auf halber Strecke die Ideen ausgegangen. Gegen Ende von "Morgen wieder lustig" fallen dann Stücke wie "Wenn die Rechnung nicht aufgeht" oder "Ich bin dann mal oben" schlichtweg nicht mehr auf.

Das ist dann insbesondere deshalb schade, weil es doch einige Nummern gibt, die interessant anfangen. "Mutter, Jazz und der Heilige Geist" beispielsweise beginnt mit einem pulsierenden Ein-Ton-Rhythmus und einem Glockenspiel-Motiv, was mit Einsetzen der Melodien irgendwie an Mike Oldfields "Woodhenge" erinnert - nach dem Glockenspiel-zentrischen Break in der Mitte und leicht noisigen Effekten danach gibt's aber auch hier bis zum Ende nichts neues mehr. Und auch, wenn der grundsätzliche Sound sich etwas von der TripHop-Basis wegbewegt, beispielsweise im mit seinem Stampfrhythmus und dem flirrend-optimistischen Synthesizer deutlich retro-elektronischer klingenden "X für U" oder dem qua E-Piano leicht bluesig klingenden "Unser Mann für das Happy End", wird auch diese Variation nicht konsequent bis zum Ende durchgenommen.

Am besten gelungen, weil recht ausgefallen, ist noch "Fromme Lügen". Hier wird immerhin mal der gesampelte 6/8-Rhythmus auf einen 5/8-Takt heruntergebrochen, was dann kurioserweise die Illusion erzeugt, die Nummer werde immer langsamer - was sie natürlich nicht tut, und das verstört gemeinsam mit den sattsam bekannten Melodie- und Harmonieschichtungen auf die angenehme Weise. Das ist dann allerdings schon der außergewöhnlichste Moment auf "Morgen wieder lustig", und so lässt mich dieses Album doch eher ratlos zurück. Ein paar Ulver-Remineszenzen im Sound (man vergleiche "Mit Popcorn und Champagner" mit "For The Love Of God") reichen kaum für spannende, abwechslungsreiche Musik, wenn die Melodien ohne große Veränderungen im Arrangement jeweils einförmig herumdrucksen - der Hang zum Aufbau von Druck, ja, gar zum Exzess geht Sankt Otten hier völlig ab. Das konnte das Duo mal besser - weshalb ich zum mir bislang noch unbekannten Nachfolgealbum "Gottes Syntesizer" eben darauf vertrauen muss, dass es morgen wieder lustig wird.

Anspieltipp(s): Fromme Lügen; Mutter, Jazz und der Heilig Geist
Vergleichbar mit: Ulver in ihrer schwächeren Phase
Veröffentlicht am: 7.2.2017
Letzte Änderung: 7.2.2017
Wertung: 7/15
In den besseren Momenten reicht es an 10-11 Punkte heran

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Sankt Otten

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2000 Eine kleine Traurigkeit 8.00 1
2006 Wir können ja Freunde bleiben 11.00 1
2007 Wunden gibt es immer wieder 10.00 1
2011 Gottes Synthesizer 9.00 1
2012 Sequencer Liebe 10.00 1
2013 Messias Maschine 10.00 1
2015 Engtanz Depression 12.00 1
2016 Männerfreundschaften und Metaphysik 11.00 1
2018 Zwischen Demut und Disco 11.00 1

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