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Alex’s Hand

KaTaTaK

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2017
Besonderheiten/Stil: Jazzrock / Fusion; RIO / Avant
Label: RAIG Records
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Kellen Mills Arranger, Audio Production, Bass, Composer, Editing, Vox
Nic Barnes Arranger, Audio Production, Drums, Composer, Editing, Vox
Ben Reece Electric Guitar, Composer
Max Steiner Electric Guitar
Rieko Okudo Keys, Synth
Anna Makovkina Vox (main *Ghostpeppers, bg *Waterfalls)
Nick Shannon Vox (bg/operatic *Ghostpeppers)
Carl O' Sullivan Vox (bg * Ghost Peppers)

Tracklist

Disc 1
1. Waterfalls 16:31
2. KaTaTaK (Inital Catfronatation) 0:35
3. Epic 11:32
4. Ghost Peppers 15:56
5. The Kattening (Return of the Furer) 1:36
Gesamtlaufzeit46:10


Rezensionen


Von: Volkmar Mantei @


Ja, also, die Welt des Wahnsinns. Nein, des Humors. Der Ironie. Der Musik, meine ich. Alex‘s Hand nehmen die ganze Bandbreite. Stilistisch wurzelt dieses irre Konglomerat ebenso in Jazz wie Rock, in fluffigem Pop wie in radikalem Avant Prog, in Free Rock wie in Rock in Opposition. Letzteres könnte hier die Überschrift sein. Oder Punk in Jazz-Opposition. Heute firmiert dieserart unter Avant Prog. Und das ist gut so.

Die aktuelle Fülle neuer Musik und Alben innerhalb dessen, was in der umfangreichen und dehnbaren Bezeichnung Progressive Rock die Szene belebt, ist ein großartiges Phänomen. Als scheuche das politische Desaster des Planeten mit seinen Diktatoren, Deppen und Idioten alle verfügbaren kreativen Musiker auf, sich nicht in popseliger Mainstreammacke zu verkaufen, sondern die abstrakte, radikale, kernige und virtuos lebhafte Seite der besten Rockmusik immer wieder und neu in Ausdruck zu bringen.

„KaTaTaK“ ist anders. Als alles, was so im Bereich dieser Szene erdacht, komponiert, eingespielt und proguziert wird. Etwa wie die späteren Alben der genial verrückten Japaner Bondage Fruit, deren Wucht kaum jemand als Progressive Rock bezeichnen wollte. Die Parallele ist allerdings nur ideell. Stilistisch läuft da nix.

Was ist so drauf? Drei lange Tracks, von zwei elektronischen Gewittern unterhoben, getrennt, verbunden und beendet. Auf die Schnelle: das eröffnende „Waterfalls“ ist der komplexeste Track, feine Gitarrenarbeit, heftiges Getrommel, progverrückt und sehr kurzweilig (für Geübte dieser Spielart). Der Titeltrack im Anschluss ist das erste Elektronikgewitter, erinnert mich an Keith Emerson, wenn dieser live auf der Bühne mit wilden Tastenorgien das Publikum tyrannisierte. „Epic“ ist Poltergeist mit beinahe Bluesprog-Ironie. Sehr fein und heftig grob zugleich. “Ghost Peppers” spült den dicksten Punk-Einfluss ein, setzt indes ebenso avantgardistische wie atonale Maßstäbe und hat lässiges Flair, das im Damengesang mit Bluesgitarrenverzerrung immer und immer wieder in die Ohren gedrückt wird, habe ich den Jazz-Ansatz vergessen? Zuletzt darf Keith Emerson noch einmal den kakophonischen Synthesizer bearbeiten.

Avant Prog Jünger werden ihre Freude an diesem abgefahren schrägen Album haben, etwa so die Charly-Freakshow-Artrock-Liga. Während die Schöngeister vermutlich ihre tiefe Glaubenskrise erleben dürften, wenn ihnen diese schmeichelhaften Klänge zu Ohren kommen.

Doch auch die harten und irren Stoff gewöhnten Avant-Affiniciados werden nicht mit üblichen und geliebten Strukturen umgattert. Es finden keine Komplexgewitter statt, die das Achtelnotendasein geplagter Kompositionen auf 7/8 legen und feurio instrumentale Kunst zelebrieren. Alex‘s Hand gehen ganz anders vor. Zwar hat die Musik ihre deftigen und hoch anspruchsvollen Komplexe – auf anderer Ebene. Die erst erhört werden wollen, um sich zu öffnen. Die kompositorische Struktur ist weitaus offener und lichter als bei den meisten Avantbands. Der Jazzanteil ist im Rhythmusgeflecht und in radikalen Instrumentalabteilungen zu finden. Überwiegend könnte, wenn das Ganze nicht so unbedingt schräg und disharmonische Struktur bevorzugend gedacht und eingespielt worden wäre, die allgemeine und offenbar zu hörende Komplexität in der ‚ganz normalen‘ Rockmusik zu finden sein. Aber nicht in dieser Spielart.

Es ist die verrückte Komposition an sich, die das gesamte Album zu Progressive Rock macht. Der wilde Abwechslungsreichtum, die Dramatik, der Wechsel aus lyrischer und abstrakter, harmonischer und aggressiver Struktur, das punkige wie das atonale Moment, die fast amelodische Radikalität und geniale kompositorische Handschrift. KaTaTaK ist ein Konzeptalbum, das Paranoia, Krieg und ‚Space cats‘ thematisiert, letztere wollen die menschliche Rasse ausrotten. Was sonst?!? Die Band hat ihr Thema entsprechend umgesetzt. Rasante RIO-Strukturen brechen sich in flott leichten Motiven, die in Holterdipolter-Punkprog-Orgien erzählt werden. Bizarr? Genau.

‚Epic‘ und ‚Ghost Peppers‘ – beide schön jazzig untermauert, setzen auf stete Struktur, die variiert und wiederholt wird. Die Themen machen stark auf sich aufmerksam, was dazwischen abgeht, wenn die Hauptthemen ruhen, ist zwischen Avant Jazz und Rock in Opposition zuhause. Sehr anarchisch das Ganze, dabei ausgeruht und lässig, als sei die Einspielung nicht nur leicht gewesen, sondern habe geradezu danach geschrien, in aller kantigen Schärfe entspannt und eingängig zu klingen.

Gefällt mir das Album? Eindeutig ja. Allerdings merke ich, wenn ich mich daran mache, das Album abzuspielen, zuerst doch eine kleine Hürde, weil ich nach dem ersten Mal weiß, was auf mich zukommt. Und ich habe die Songs jetzt schon mehr als sieben/acht Mal in kurzer Zeit gehört. Macht eindeutig Laune und ist ungemein unterhaltsam, ebenso aber eine ordentliche Herausforderung, wie hin und wieder im Avant Prog üblich.

Was würde Wilhelm Busch sagen: ‚Musik wird oft nicht schön empfunden. Weil sie stets mit Geräusch verbunden.‘ Alex‘s Hand sind keine Schmuse-Combo, sondern ein kerniges Geräusch-Ensemble. Und schön, nö, eher überwältigend.

Anspieltipp(s): Waterfalls
Vergleichbar mit: Bondage Fruit (ideell), Kraut-Punk-Zappa
Veröffentlicht am: 26.6.2017
Letzte Änderung: 26.6.2017
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Alex’s Hand

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2014 Roaches 11.00 1
2016 Künstler Scheiße 12.00 1

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