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Anathema

Hindsight

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2008
Besonderheiten/Stil: Independent / Alternative; New Artrock
Label: Kscope
Durchschnittswertung: 10/15 (1 Rezension)

Besetzung

Vincent Cavanagh guitar, vocals
Daniel Cavanagh guitar
Jamie Cavanagh bass
Les Smith piano, vibraphone
Lee Douglas vocals
John Douglas drums

Tracklist

Disc 1
1. Fragile Dreams   (Original auf "Alternative 4") 5.30
2. Leave No Trace   (Original auf "A Fine Day to Exit") 4:52
3. Inner Silence   (Original auf "Alternative 4") 3:40
4. One Last Goodbye   (Original auf "Judgement") 6:03
5. Are You There?   (Original auf "A Natural Disaster") 5:18
6. Angelica   (Original auf "Eternity") 5:00
7. A Natural Disaster   (Original auf "A Natural Disaster") 6:20
8. Temporary Peace   (Original auf "A Fine Day to Exit") 5:10
9. Flying   (Original auf "A Natural Disaster") 6:27
10. Unchained (Tales of the Unexpected)   (zuvor unveröffentlicht) 4:18
Gesamtlaufzeit52:38


Rezensionen


Von: Peter Meyer @


Bei Hindsight handelt sich um eine Zusammenstellung von Stücken, die - bis auf das abschließende Unchained (Tales of the Unexpected) - bereits auf anderen Tonträgern zwischen 1996 und 2003 veröffentlicht wurden. Vielleicht kann man so weit gehen, die Kompilation als ´Best Of`-Sampler anzusehen. War dieses Album notwendig? Warum sollte man so etwas besprechen?

Nun, ganz einfach: Die Titel sind Neueinspielungen, die umarrangiert wurden, also alte Stücke in neuem Gewand, Coverversionen des eigenen Materials, oder, für Kritiker des Unterfangens, alter Wein in neuen Schläuchen. Das sollte also nicht unkommentiert bleiben.

Da die Band nach Veröffentlichung von A Natural Disaster ohne Plattenvertrag dastand, bot diese natürliche Heimsuchung des fehlenden Labels die Möglichkeit, die mehrjährige Lücke nicht ungenutzt zu lassen und unter anderem mit dem von Les Smith und Jamie Cavanagh produzierten und abgemischten Projekt zu füllen. Wer jetzt stilistisch andere Songs erwartet, dürfte enttäuscht werden. Die Musiker hatten Gelegenheit, die Arrangements im immer wiederkehrenden Live-Einsatz auszuprobieren und zu optimieren, bis das ausgewählte Material schließlich in verändertem Klanggewand mit semi-akustischen Instrumenten aufgenommen wurde, wobei semi-akustisch bedeutet, dass elektrische Gitarre und Bass - wenn auch dezent - zum Einsatz kamen. Die Tempi blieben in den meisten Fällen identisch.

Hindsight, was soviel bedeutet wie ´Rückschau`, aber auch ´späte Einsicht`, ist Anathema, wie man sie in jüngerer Zeit wahrgenommen hat, nachdem sie sich - letzten Endes einsichtig - von der doomigen Gothicszene ab - und dem Alternative Rock zuwandten: Im Zentrum steht der repetitive Charakter der Musik mit sehr häufigen Wiederholungen des Themas, das eher über die Sekundärkomponenten, nämlich die Instrumentation und das Arrangement, modifiziert wird. Das hat für die einen die angestrebte suggestive Wirkung, andere schweifen ob der eintretenden Eintönigkeit in ihrer Konzentration ab und wenden sich wieder verstärkt ihrem Goth’s Not Dead-Fanzine zu.

Hinzugefügt wurde das von Gastmusiker David Wesling (Royal Liverpool Philharmonic Orchestra) gespielte beeindruckende Cello; es verstärkt die das gesamte Album wie ein herbstlicher Nebelschleier durchziehende melancholische Atmosphäre und ist ein echter Gewinn. In der Summe erscheinen die aktualisierten Versionen nackter, kammermusikalischer, intimer.

Der Effekt ist der gleiche, wie etwa The Long and Winding Road (Let It Be) in der Ursprungsversion zu hören, ohne den Phil-Spector-Theaterdonner. Oder wie die Unplugged-Geschichten, die in den 90ern plötzlich modern wurden, und bei denen man vergeblich wartete, dass es endlich mal richtig abgeht. Denn aufgrund des gewollt reduzierten Klangkörpers kann (oder will) die Band um die Cavanagh-Brüder nicht so heftig Gas geben (hier sei Inner Silence herausgegriffen). Andere Titel unterscheiden sich hingegen so wenig von den Vorlagen, dass eine Differenzierung schwerfällt (A Natural Disaster als einer von drei Tracks aus dem gleichnamigen Studioalbum). Bei Fragile Dreams, dem ersten der beiden Stücke von Alternative 4, wird dessen depressive Stimmung unter schweren Mollharmonien Eins zu Eins übernommen und ist wie auch One Last Goodbye Futter für Herbsttage, an denen Trübsalblasen so richtig Spaß macht. Wie sieht es nun beim ´Neuling` Unchained aus? Dieser letzte Song schließt sich an. Im Charakter, in der Stimmung, in der Elegie. Gezupfte Akustikgitarre, Cello und geflüsterte Phrasen bilden das Gerüst des schwermütigen Liedes, in dessen Verlauf gelegentlich ein paar zuversichtliche Dur-Akkorde wie vereinzelte Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke brechen.

Das beim Durchhören von Hindsight auftretende Problem ist das des Kinogängers, der sich die Verfilmung seines Lieblingsromans ansieht. Die Gefahr besteht, dass Vorstellungen und Assoziationen, die beim Lesen erfolgten, nicht zur filmischen Umsetzung passen und die bereits bekannte Version mehr zusagt.

Insgesamt sind die Hindsight-Interpretationen gemäßigter und softer ausgefallen; sie werden von den Künstlern in stiller Trauer vorgetragen. Sachverständige, die die Ursprungsversionen kennen und schätzen, werden dieses Experiment interessant finden. Anathema-Einsteigern seien die Originale empfohlen.

Anspieltipp(s): Unchained (Tales of the Unexpected), A Natural Disaster
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.8.2017
Letzte Änderung: 23.8.2017
Wertung: 10/15
+1 Punkt für den Mut, die ungeduldige Fangemeinde mit alten Kompositionen auf die Folter zu spannen

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Anathema

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1995 The Silent Enigma 12.00 1
1996 Eternity 12.00 1
1998 Alternative 4 10.50 2
1999 Judgement 9.50 2
2001 A fine day to exit 12.50 2
2003 A natural disaster 9.00 3
2006 A moment in time (DVD) 10.00 2
2010 We're here because we're here 8.67 3
2011 Falling Deeper 7.00 1
2012 Weather Systems 9.67 3
2013 Universal 10.00 1
2014 Distant Satellites 10.40 5
2017 The Optimist 7.67 3

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