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24897 Rezensionen zu 17068 Alben von 6652 Bands.
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Mike Oldfield

Ommadawn

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1975
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; Klassischer Prog; sonstiges
Label: Virgin
Durchschnittswertung: 12.67/15 (6 Rezensionen)

Besetzung

Mike Oldfield harp,guitars,acoustic bass,mandolin,bodhran,buzouki,banjo,keyboards,percussion,vocals,producer
Paddy Moloney Uillean pipes
Herbie Northumbrian bagpipes
Leslie Penning recorders
Terry Oldfield Pan pipes
Pierre Moerlen Timpani
David Strange cello
Don Blakeson trumpet
Willliam Murray percussion
Julian Hahula,Ernest Mothle,Lucky Ranku,Eddie Tatane african drums
Clodagh Simmonds,Bridget St. John,Sally Oldfield,The Penrhos Kids vocals
The Hereford City Band

Tracklist

Disc 1
1. Part One 19:14
2. Part Two 17:17
Gesamtlaufzeit36:31


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 6)


Mike Oldfields drittes Album "Ommadawn" folgt rein äusserlich dem Schema seiner beiden Vorgänger: zwei seitenlange Stücke unter dem Album-Titel. Musikalisch hat sich aber doch einiges getan. Zwar spielt Oldfield auch hier ein riesiges Arsenal an Instrumenten selbst, aber er zieht auch mehr weitere Musiker hinzu (Flöten, Dudelsack, Cello, Percussion, Gesang, Trompete), um einen noch dichteren, abwechslungsreicheren Sound zu erzeugen. Leider bietet das Booklet meiner Virgin-CD-Version von "Ommadawn" keinerlei Informationen zur Instrumentierung und zu den Mitwirkenden, obwohl so bekannte Namen wie Oldfields Geschwister Sally und Terry oder die Percussionisten Pierre Moerlen ("Gong") und Morris Pert ("Brand X", Peter Gabriel etc.) darunter sind.

Die einzelnen Teile der Stücke bestehen wie üblich aus mehreren, einigermassen eigenständigen Abschnitten, die ineinander fliessen, wobei allerdings Motive aus vorhergehenden Teilen vor allem in der Gitarre immer wieder aufgenommen oder angespielt werden. Die Grundstimmung, die am Beginn der Platte aufgebaut wird, ist wieder eher pastoral wie bei "Hergest Ridge", aber mit einem volleren, symphonischeren Sound. Leichte Chorbegleitung, sanft fliessender Rhythmus, akustische Gitarre, schliesslich Flöten, ein choraler Bläsersatz, plötzlich finden wir uns mitten in einer kleinen burlesken Block-Flöten Einlage, zwischendrin immer wieder Oldfields cooler gezupfter E-Gitarren-Sound, der auch in einer langen wirbelnden Kadenz überleitet zum nächsten Teil, eine von Oldfields - zu Recht! - berühmteren Stellen: über afrikanisch anmutender Trommelpercussion auch im Text afrikanisch klingender stammesmässiger Frauengesang. Und man weiss was kommt: der Sound wird immer voller, die Stimmung spannender, wieder wird eine so typische Oldfield-Steigerung zelebriert. Und es funktioniert wieder mal toll! Ja, gib mir die Schrammelgitarren, die langgezogenen Trompetentöne. Wo bleibt sie denn? Endlich, da ist sie, die jaulende Zwirbelgitarre! Alleine diese letzten paar Minuten des ersten Teils rechtfertigen mit Gänsehaut-Garantie schon fast den Kauf der Platte.

Wegen der grossen Ähnlichkeit einiger Teile "Amaroks" zu dieser Stelle, wird "Amarok" manchmal auch "Ommadawn II" genannt, eine Assoziation, die aufgrund der durchaus ähnlichen Cover-Gestaltung und der doch verwandt klingenden Plattentitel nahe liegt.

Was macht man noch so einem grandiosen Zwischenstop? Die zweite Seite eröffnet mit einer Art Gitarren-Orchester: unzählige Schichten übereinander gelegter Gitarren und anderer Instrumente tupfen Akkorde, und durch das dichte, stark verschmelzende Klangbild entsteht ein leicht unwirklicher, entrückter Eindruck, der im nachfolgenden Teil durch umso sanftere, sparsamere akustische Instrumentierung und folkige Melodie (unter anderen im Dudelsack) kontrastiert wird. Nach einer etwas symphonischeren Überleitung schaltet Oldfield wieder in etwas humorigeren Seejungentanz-Modus, diesmal aber durchaus charmant. Und wenn er dann schliesslich wieder die jaulende Elektrische auspackt, um üer dem allem zu fantasieren, dann bin ich schon glücklich... Der letzte Abschnitt des zweiten Teils ist eigentlich ein eigenständiger Song, der mit der restlichen Platte kaum etwas zu tun hat und hat dementsprechend sogar eine eigene Track-Nummer auf der CD. Dabei handelt es sich um eine folkige Nummer ("On Horseback") inklusive Kinderchor, das ganze Marke "Mitgröhlsong für die Pubkumpels". Naja, den kann man dank eigenem Track leicht rausprogrammieren...

Alles in allem: "Ommadawn" wird ihrem Ruf als eine von Oldfields grossen Platten durchaus gerecht, und die immer wieder vorhandenen tollen Stellen entschädigen auf jeden Fall für die vielleicht etwas langatmigen Passagen zwischendrin und die abschliessende Trivialität. Also: Kaufen durch aus empfohlen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.5.2002
Letzte Änderung: 6.5.2003
Wertung: 12/15

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Von: Oliver Mensing (Rezension 2 von 6)


Da ich als Langzeit-Oldfield-Fan noch im Besitz der Vinyl-Ausgabe bin, hier noch ein paar Ergänzungen zu o.a. Besprechung.

Mike Oldfield versammelte für sein ambitioniertes Werk 'Ommadawn' eine illustre Schar Gastmusiker um sich: u.a. seinen Bruder Terry Oldfield an der Panflöte, Paddy Moloney von den Chieftains am Dudelsack, Pierre Moerlin (Tympani), David Strange (Cello), Don Blakeson (Trompete), die Percussionformation Jabula aus Afrika sowie stimmliche Unterstützung von u.a. Clodagh Simonds und seiner Schwester Sally Oldfield!

Oldfield selbst spielte Harfe, verschiedene E- und Akustik-Gitarren, Mandoline, Bodhran, Bozouki, Banjo, Spinet, Grand Piano, Orgel, Synthesiser, Glockenspiel und Percussion.

Die Mischung aus irischem Folk, afrikanischem Rhythmus, klassischen Ansätzen und dem typischen Oldfield-Gitarrenspiel ist jederzeit stimmig und mitreissend und gehört zu den großen Oldfield-Werken (der Meister bleibt in seiner Frühphase 1973 - 1978 unerreicht).

Mit 'On Horseback' (Abschluß des Part Two) befindet sich auch ein interessantes von Oldfield und einem Kinderchor gesungenes Vocal-Stück auf dem Album, welches auch als Single-B-Seite von 'In Dulci Jubilo' veröffentlicht wurde. Übrigens: Auf die Benelux-Vinyl-Ausgabe von 'Ommadawn' wurde der Song 'In Dulci Jubilo' noch als zusätzlicher Bonus Track gepresst. Zu erkennen an dem Aufdruck: Ommadawn featuring 'In Dulci Jubilo'.

Ein bemerkenswertes Album mit allem was den Meister ausgemacht hat!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.8.2002
Letzte Änderung: 3.8.2002
Wertung: 15/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 3 von 6)


Udo`s ausführlicher Rezi ist nichts hinzuzufügen. Ommadawn kann die Qualität der beiden Vorgänger halten. Wo Tubular Bells noch eine Portion "Kratzigkeit" und Rohheit versprühte, "Hergest Ridge" sanft und balsamisch berührte, da ist "Ommadawn" teilweise lieblich-verspielt, dann etwas ethno-mässig angehaucht (drums ab 12:28, Amarok-Teil) um gegen Ende des zweiten Satzes noch eine Prise irische Folklore einzustreuen.

Ommadawn steht für mich auf einer Stufe mit Hergest Ridge.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: teilweise Hergest Ridge, Tubular Bells & Amarok
Veröffentlicht am: 22.8.2003
Letzte Änderung: 22.8.2003
Wertung: 10/15

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Von: Markus Peltner @ (Rezension 4 von 6)


Manchmal mag man einfach nur eintauchen. Eintauchen in Musik, sich berieseln und verzaubern lassen, sich entspannen und in andere Welten denken. Abschalten und genießen und träumen, ohne dabei zu schlafen. Und wenn einem danach ist, dann gibt es nichts besseres, als „Ommadawn“, das dritte Studioalbum Mike Oldfields einzulegen. „Ommadawn“ ist gälisch und bedeutet wohl so viel wie Narr beziehungsweise Dummkopf. Was dieser Titel allerdings mit der Musik des Albums gemein hat, das erschließt sich mir nicht ganz. Allerdings waren die Narren des Mittelalters oft auch sehr weise Männer und vielleicht ist es genau dieser Widerspruch, der Mike Oldfield dazu bewog, diesen Titel zu wählen.

Wie die beiden Vorgänger besteht „Ommadawn“ aus zwei Titeln, die ursprünglich je eine Plattenseite belegten. Die Musik ist erneut hauptsächlich instrumental gehalten, unterscheidet sich allerdings trotzdem deutlich von der der beiden Vorgänger. Die Weltmusik hat Einzug gehalten in die Kompositionen des Mike Oldfield. Neben den altbekannten und typischen Mike Oldfield Gitarren gibt es jetzt auch den Dudelsack, die Trompete, das Cello oder aber afrikanische Trommeln zu hören. Dazu greift Oldfield hier auch zum Stilmittel des lautmalerischen Gesangs, welches er auf späteren Alben noch häufiger einsetzen wird. Viele „Aaahs“ und „Ooohs“ schweben dem Hörer um die Ohren. Doch der differenziertere Gesang, der auf „Ommadawn Part One“ von einem Frauenchor anscheinend so rein lautmalerisch gesungen wird und klingt und in dem das Wort „Ommadawn“ immer wieder auftaucht, ist jedoch nicht sinnfrei, sondern ebenfalls gälisch und bedeutet in etwa: „Die Katze ist in der Küche und trinkt Milch und ich bin ein Narr und lache“ Man muss aber auch nicht immer alles verstehen...

Alle musikalischen Zutaten, die bereits auf den Vorgängeralben zu hören waren, die gibt es auch auf „Ommadawn“ zu genießen. So werden Lagen über Lagen an gleichen oder aber verschiedenen Instrumenten gelegt, sodass die Fülle des Klangs immer weiter und weiter anwächst. Alles entwickelt sich, es entstehen wunderschöne harmonische und melodiöse Klanggebilde, die langsam reifen und schließlich ineinander übergehen. Alles scheint sich im Fluss zu befinden und in dem Gedanken komponiert worden zu sein, schön klingen zu müssen. Und das tut es wahrlich. Die Musik auf „Ommadawn“ klingt wunderschön entspannt, unaufgeregt, ergreifend und tiefsinnig, wenn dies bei instrumentaler Musik auch nur schwer erhörbar ist – aber es ist erspürbar.

Abgeschlossen wird das Album mit einem eigenen Part in „Ommadawn Part Two“ der „On Horseback“ heißt. Jetzt wird es richtig folkloristisch. Und auch dieses Stück, was so gar nichts mit dem Rest der Platte zu tun haben scheint, ist eine eingängige Nummer, die einen würdigen Abschluss für dieses klasse Album darstellt.

Fazit: „Ommadawn“ ist so ein Album, für welches Kopfhörer erfunden wurden. Diese Musik muss man in aller Ruhe genießen. Auf „Ommadawn“ gibt es kaum schnellere oder lautere Stellen, alles scheint gemacht worden zu sein, um dem Hörer etwas Angenehmes zu bereiten. Und da gelingt Mike Oldfield mit diesem Werk auch. Sehr viel besser kann man das gar nicht machen.

Anspieltipp(s): Natürlich beide Teile
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.11.2012
Letzte Änderung: 5.11.2012
Wertung: 14/15

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Von: Marc Colling @ (Rezension 5 von 6)


Jetzt bin ich aber in der Zwickmühle. Steht doch „Tubular Bells“ auf meiner Allzeit Top 10 Liste. Dabei mag ich „Ommadawn“ mehr. Widerspruch? Jein. Es war halt nur das dritte Album von Mike Oldfield, nicht das erste. Und wenn man 15 ist bei Erscheinen eines Debuts, dann spielen heute eben noch andere Faktoren mit als nur die Musik. So gesehen mag ich beide, nur aus verschiedenen Blickwinkeln.

Was ist denn jetzt besser oder anders als auf TB? Nun, „Ommadawn“ ist in Teil 1 wie ein ruhiger, fließender Fluss inmitten einer wunderschönen Landschaft. Mit bewachsenen Ufern, vielen schönen Windungen und herrlich alten und romantischen Dörfern links und rechts. Da passt diese folkig-ethnische Musik. Sie ist romantisch und leicht pastoral, aber nicht so viel wie auf dem Vorgänger „Hergest Ridge“. Leicht wie ein Sommerwind, emotional und berührend. Manchmal sogar fröhlich, als würde die Dorfgemeinschaft sich zum Tanze zusammen finden. Wenn dann ab Mitte noch die afrikanischen Trommeln einsetzen entsteht ein magischer Zauber, denn Oldfield entwickelte hier (schon) wieder ein neues Genre in der Musik: World-Music.

Teil 2 fängt dann mit undefinierbaren Klangcollagen auf, die sich erst allmählich zu einer Melodie entwickeln. Diese wird fast schon zärtlich auf mehreren A-Gitarren interpretiert und wenn dann der Dudelsack erklingt, dann schießen doch jedem Menschen der ein bisschen Gefühl besitzt die Tränen in die Augen. Auch nach über 40 Jahren immer noch ganz großes Kino. Zeitlos.

Positiv auch, dass Oldfield flächiger als auf TB spielt, d.h. es gibt auch mal Teppiche im Keyboardsspiel. Das tat er zwar auch bereits auf „Hergest Ridge“, aber die war kompositorisch leicht schwächer. Hier jedoch passt alles.

Noch ein Wort zum Cover. Dieses ist für mich bis heute eines der besten die ich je gesehen habe. Es drückt genau das aus, was auf der Platte gespielt wird. Keine andere Musik ist hier möglich, als diese friedliche und emotionale Komposition. Phantastisch.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.5.2017
Letzte Änderung: 11.5.2017
Wertung: 14/15
noch ein Klassiker

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 6 von 6)


Mike Oldfields "Ommadawn" wurde 1975 veröffentlicht und war das dritte in einer Reihe von Großwerken, die mit Tubular Bells begonnen hatte. Der riesige kommerzielle Erfolg von "Tubular Bells" hatte den introvertierten jungen Mann direkt ins Rampenlicht geschubst, was für ihn unglaublich schwierig gewesen sein muss. Der Umgang mit seiner Unsicherheit in dieser Phase plötzlichen Ruhms resultierte in der Musik seines zweiten Albums "Hergest Ridge", das ein fein gesponnenes und zerbrechliches Werk war. Das Album wurde in der einsamen und ruhigen Gegend an der Grenze zwischen Hereford und Wales geschrieben und spiegelte seine Umgebung musikalisch wider. Die Kritiker reagierten irritiert, hatten sie doch eine Neuauflage von "Tubular Bells" erwartet. Dieses Gefühl der Ablehnung löste in Oldfield eine große Frustration aus.

Anfangs war die Komposition von "Ommadawn" als direkte Antwort auf die Ablehnung von "Hergest Ridge" gedacht, aber nach und nach wurde die Musik zu einem Mittel, Schmerz und Frustrationen anderer Art zu verarbeiten. In Interviews machte Oldfield deutlich, wie weit er zurückgehen musste, wie tief er in die verborgensten Bereiche seines Daseins vordringen musste, um sich auszudrücken. Wie in die erbärmlichsten Teile seiner eigenen Welt vertieft sei er sich vorgekommen, ein Gefühl das er mit der andauernden Übelkeit einer Lebensmittelvergiftung verglich. Das Gitarrensolo am Ende von Teil I war besonders traumatisch für ihn, ist es doch Ausdruck einer tiefen Reflexion über eine schwierige Kindheit: Für ihn repräsentiere es, wie er einst, und ich zitiere, "aus der Vagina meiner Mutter explodierte". Das Solo muss ihn zu Tode geängstigt haben, er konnte nächtelang nicht schlafen und erkannte schließlich, was es war, das ihn fertig gemacht hatte: geboren zu werden. Seine Antwort gegen die Angst war, die Umstände seiner Geburt musikalisch nachstellen.

"Wie ich einst aus der Vagina meiner Mutter explodierte" - so viel zur angeblich so entspannten und bukolisch leichten Musik auf "Ommadawn".

Das Gelingen von "Ommadawn" als Musikstück kann sicherlich in erster Linie der Subtilität und Vielfalt seiner Instrumentierung zugeschrieben werden. Die Textur wird strukturierend eingesetzt, um bestimmte Emotionen hervorzuheben und hilft, einzelne Momente und bestimmte Inhalte der Musik zu betonen. Zum Beispiel wird in positiv gestimmten Passagen die Textur oft weniger dicht, und erzeugt eine Atmosphäre der Klarheit; Passagen der Spannung sind dagegen oft durch die teils massive Verwendung von Overdubbing über Tieftoninstrumenten wie Bass und Perkussion gekennzeichnet. Wenn die Effekte solcher Orchestrierungen dem Zuhörer ein besseres Verständnis der Stimmung der Musik ermöglichen, liegt es an diesem subtil gestalteten Verhältnis von Instrumentierung, Gehalt und musikalischer Struktur. Man spürt, dass die verwendeten Instrumente den Inhalt der Musik transportieren und nicht dem bloßen Effekt dienen.

Die elektronischen Instrumente bleiben dabei auf ein Minimum reduziert: Piano und Spinett sind weitgehend die einzigen Tasteninstrumente. Perkussion wird oft verwendet, um Passagen mit zusätzlicher Intensität und Energie zu versehen, oft ergänzt durch den Bass. Es gibt kein herkömmliches Rockschlagzeug, stattdessen erklingen Weltmusik- oder Orchesterperkussion. Flöten werden in Passagen eingesetzt, in denen die Musik lichter wird. Menschliche Stimmen werden eher wegen ihrer klanglich-koloristischen Qualitäten eingesetzt. Längere Passagen werden nach und nach durch einen additiven Schichtbildungsprozess aufgebaut, der sich bisweilen in einem "Tutti" kulminiert.

Steigen wir ein.

Das Album beginnt mit einem absteigenden Thema, das mehrfach wiederholt wird, dann wechselt Oldfield zu einem zweiten, dem "Ommadawn"-Thema. Das erste Thema kehrt wieder, variiert, gleiches gilt für das "Ommadawn"-Thema, das ebenfalls wiederkehrt. Bald legt sich darüber eine erste Vorausschau auf das Geburts-Solo, das die Musik nun in eine andere Richtung zu werfen scheint: Die Tonart wechselt zu fis-moll, die gern verwendet wird um Melancholie, Trauer und Schmerz auszudrücken, und dann weiter zum energiegeladenen E-Dur.

Nun beginnt Oldfield, die Melodien, die in den ersten vier, fünf Minuten vorgestellt worden waren, zu variieren. Die Musik gewinnt mit einem über einem stetigen rhythmischen Puls gespielten Flötenthema, das einer Nebenstimme aus der allerersten Minute entlehnt ist, an Energie und Selbstsicherheit. Das wird noch durch die Instrumentierung betont, die sich in dieser Passage in folk-hafter Manier lichtet. Die Passage endet bei 8:16 in einem überraschenden, sogar noch positiveren Fis. Nein - in einem Fis! Mit Ausrufezeichen.

Nun erklingt eine feine, leichte und positive Variation des ersten Themas, zunächst auf der Harfe, dann suggeriert das Cello Wehmut, bis die Gitarre übernimmt und die Musik mit einem virtuosen Solo wieder in dunklere Gefilde führt. Eine Variation des "Ommadawn"-Themas erklingt, dann folgen weitere virtuose, absteigende Gitarrenläufe, in die Teile bereits vorgestellter Themen eingeschaltet sind. Schließlich überrascht die Musik mit einer Rückkehr zum ersten Thema, das nun in einem bedrohlichen e-moll erklingt, einschließlich dumpfer, ritualistisch anmutender Percussion und eines seltsam unpersönlichen "Aaaah"-Chors. Schließlich leitet das "Ommadawn"-Thema die Coda ein.

Die Coda besteht in einer siebenmaligen Wiederholung des "Ommadawn"-Themas, während derer nach und nach weitere Schichten hinzugefügt werden: zunächst eine Marimba, dann Harfe und Gitarre, die das erste Thema darüberlegen, es folgt ein Solo auf der E-Gitarre und schließlich ein Arpeggio, das bereits zuvor erklungen war. Dann steigert sich die Musik hin zum Finale: dem bereits angesprochenen Geburtssolo. In dieses legt Oldfield seine ganze Beklommenheit, seinen ganzen Schmerz, zum Ausdruck gebracht durch spannungsreiche Dissonanzen und kurze Zweitonfiguren, die wie durch Atemzüge abgehackte Schreie eines Neugeborenen klingen. Wer da keine Gänsehaut bekommt.

Teil II von "Ommadawn" besteht in einem langsamen Satz, mit einer relativ kleinen Menge an musikalischer Variation. Strukturell weist er, grob gesagt, eine ABAC-Form auf, wobei der zentrale B-Abschnitt von dem Duett zwischen Gitarre und Dudelsack gebildet wird und in den Mittelpunkt gerückt scheint. Die äußeren A-Abschnitte sind melancholischer und eher minimalistisch in ihrer schrittweisen melodischen Bewegung, C dagegen bildet den positiv gestimmten Abschluss für beide Teile von "Ommadawn". Oder vielleicht auch nicht...

Abschnitt A beginnt mit einem zähflüssigen Strom aus zahllosen, übereinandergeschichteten Gitarren, was an den Klang einer Orgel oder eines Mellotrons erinnert. Dieser massive Klang trägt ein erstes Thema, das im Ganzen zwar neu ist, aber doch einige kurze Tonfolgen aus Teil I übernimmt. Die ungute Nähe, die durch den massiven Klang erzeugt wird, und ein überraschender Wechsel der Tonart sorgen für Spannung. Diese wird erst durch ein zweites Thema ein wenig gelockert, wenn eine Abfolge von mehreren, jeweils acht Töne umfassenden absteigenden Tonfolgen erklingt. Dann kehrt das erste Thema wieder, verstärkt durch die ikonischen Röhrenglocken.

Die Spannung wird plötzlich gelöst, und zurück bleibt eine einzelne akustische Gitarre, die den Abschnitt B einleitet. Die Harfe aus Teil I tritt hinzu, eine Steel Guitar und schließlich der Dudelsack. Die Instrumentierung und die absteigenden Töne der Melodien rufen Bilder ländlicher Ruhe hervor und weisen damit auf "On Horseback" voraus.

Die Flöte übernimmt die Wiederholung des ersten Themas aus Abschnitt A, dann entsteht in einer Übergangspassage noch einmal Spannung, fast so, als würden die negativen Gefühle Oldfield noch einmal in die Abgründe seines Daseins stürzen wollen. Doch eine positive Stimmung gewinnt schließlich die Oberhand: Absteigende Akkorde der akustischen Gitarre, begleitet von einfacher Percussion, sorgen für Klarheit in der Harmonie und am Ende für eine versöhnliche, wenn auch bittersüße Auflösung des Stückes. Es ist vielleicht ein Gefühl des Trotzes, das hier zum Ausdruck kommt, man hat jedenfalls den Eindruck, dass Oldfield, der mit dem Album ein ziemlich traumatisches Erlebnis zu verarbeiten versuchte, entschlossen war, es in einer möglichst positiven Stimmung zu Ende zu bringen.

Es folgt "On Horseback", das viele Hörer befremdet, weil seine naive Melodie und sein vollkommen unepischer Charakter es von der anderen Musik auf "Ommadawn" zu distanzieren scheinen. Betrachtet man das Stück aber gerade vor dem Hintergrund dessen, was gerade verklungen ist, erkennt man, wie Oldfield hier seine eigene Naivität und Unsicherheit in der Welt auszudrücken versuchte. Er war schließlich noch ein junger Mann, als er dieses Album komponierte, und durch seinen plötzlichen Erfolg in eine Welt gestoßen, die ihm fremd war und die er fürchtete. Man achte nur auf Zeilen wie "I like thunder, and I like rain, and open fires, and roaring flames. But if the thunder's in my brain, I'd like to be on horseback." oder "Some find it strange to be here, on this small planet, and who knows where. But when it's strange and full of fear, It's nice to be on horseback." So gesehen hat der Song nicht nur ausgesprochen viel mit den beiden Sätzen von "Ommadawn" zu tun, er bildet geradezu die Essenz dessen, was die großen instrumentalen Parts mit viel Aufwand auszudrücken versuchten. "On Horseback" repräsentiert das Gegenbild zu Fremdheitsgefühl und existenzieller Angst - und ist damit ein integraler Bestandteil von "Ommadawn", den man nicht leichtfertig übergehen sollte.

"Ommadawn" ist also am Ende nicht das lieblich-pastorale, wunderbar entspannte Album, das viele darin hören mögen. Wer frei bloß Volkstänze und ländliche Romantik assoziiert, hört an den traumatischen, tiefe Verzweiflung transportierenden Momenten dieser Musik vorbei. Erst in der Kombination dieser Gegensätze erschließt sich der Sinn des Albums - und des abschließenden Folk-Stückes.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 29.5.2018
Letzte Änderung: 29.5.2018
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Mike Oldfield

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1973 Tubular Bells 13.00 7
1974 Hergest Ridge 12.50 6
1975 The Orchestral Tubular Bells 6.00 2
1978 Incantations 13.00 6
1979 Exposed 12.00 2
1979 Platinum 7.60 5
1980 QE2 9.33 3
1981 Music Wonderland - 2
1982 Five Miles Out 9.83 6
1983 Crises 6.17 6
1984 The Killing Fields - Soundtrack 11.00 2
1984 Discovery 6.75 4
1985 The Complete Mike Oldfield 11.00 2
1987 Islands 2.00 3
1989 Earth Moving 3.75 5
1990 Amarok 11.17 12
1991 Heaven's Open 7.25 4
1992 Tubular Bells II 10.33 3
1993 Elements - 1
1993 The Best of Mike Oldfield Elements - 1
1994 The Songs Of Distant Earth 7.25 4
1996 Voyager 9.00 3
1998 Tubular Bells III 2.00 3
1999 The Millennium Bell 1.00 4
1999 Guitars 5.67 3
2002 Tres Lunas 1.00 2
2003 Tubular Bells 2003 11.50 6
2005 Exposed (DVD) 12.50 2
2005 Light + Shade 1.50 2
2006 Live at Montreux 1981 (DVD) 11.00 1
2008 Music of the Spheres 8.33 3
2014 Man on the Rocks 6.00 3
2015 The Best of: 1992-2003 8.00 1
2017 Return to Ommadawn 11.67 3

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