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Dry River

2038

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2018
Besonderheiten/Stil: Melodic Rock / AOR; New Artrock; Progmetal; RetroProg; sonstiges
Label: Rock Estatal Records
Durchschnittswertung: 13/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Carlos Álvarez guitar, keyboards, backing vocals
Ángel Belinchón lead vocals
Pedro Corral drums
Martí Bellmunt keyboards, backing vocals
David Mascaró bass, backing vocals
Matías Orero guitar, backing vocals

Tracklist

Disc 1
1. Perder el Norte 7:34
2. Fundido a Negro 5:29
3. Rómpelo 5:18
4. Me Va a Faltar el Aire 5:27
5. Me Pone a Cien 4:46
6. Camino 6:38
7. Al Otro Lado 6:08
8. Cautivos 3:29
9. Peán 10:41
10. Con la Música a Otra Parte 4:49
Gesamtlaufzeit60:19


Rezensionen


Von: Peter Meyer @ (Rezension 1 von 2)


Über diese Band ist für den Nichtsprachler kaum etwas in Erfahrung zu bringen, bis auf die Tatsache, dass die Musiker einen regen Handel mit Textilien zu betreiben scheinen, auf denen die Motive ihrer Cover aufgedruckt sind (mit 10 Euro für ein T-Shirt seid ihr dabei!). Selbst der ansonsten informative Dienst „Allmusic“ schweigt sich einigermaßen aus. Es sind seit 2013 einige Plattenveröffentlichungen auf dem Markt, schätzungsweise vier, dann ist diese die fünfte. Ein gemeinsamer Auftritt mit John Helliwell (Ex-Supertramp) ist verbürgt. Keine Quelle konnte darüber Aufschluss geben, warum etwa „2038“ als Titel genommen wurde (vermutlich die Jahreszahl, und die Texte handeln davon, was die Leute in den nächsten 20 Jahren so machen können). Keine Hinweise, wie man als Musikgruppe auf die Idee kommen kann, sich ausgerechnet „Dry River“ zu nennen, das ruft doch Negativassoziationen hervor!

Dry River spielen eine optimistische, teilweise übermütige, deutlich harmoniebasierte und melodieaffine Mischung aus Art Rock und Retroprog mit distinguierten Jazzrockeinflüssen. Wer also eine eher trockene Angelegenheit befürchtete, sieht sich glücklicherweise getäuscht. Die spanischen Texte sind zunächst gewöhnungsbedürftig; nicht jeder achtet freilich auf Vocals, bzw. versucht, sich den Inhalt zugänglich zu machen. Die Musik steht ja schon für sich. Wenn man in spanischen Songtexten wie bei der Chanteuse Pastora Soler (ja, der Rezensent ist auch häufig unerhört progfern unterwegs) häufig die Worte „corazon“, „amor“ und „besos“ heraushört, ist die Gewissheit vorhanden, nichts Unentbehrliches zu versäumen. Derlei Keywords sind hier aber nicht vorhanden; Pathos besitzen die zuweilen im mehrstimmigen Satzgesang vorgetragenen Liedzeilen von Dry River allemal.

Bis auf Cautivos sind alle Tracks deutlich über vier Minuten lang. Perder el Norte, ein verspielt/melodischer Rocksong mit toller Spannungsdramaturgie, punktet gleich mit in großer Geste vorgetragenem Queen-haftem Chorgesang und Supertramp-Gedächtnis-Keyboardstakkato in handlichen Achtelnoten. Piano-Einschübe und konzertante Parts mit Streichern innerhalb längerer Instrumentalpassagen sowie schmissige Bläserarrangements spielen eine relevante Rolle in den Stücken von Dry River.

Mit Rómpelo gelingt dem Sextett nach Fundido a Negro und einem polternden Drumintro ein weiterer rasanter Shuffle, der durch erfrischende Spielfreude richtungsweisend nach vorn geht. Es ist erstaunlich, wie die Spanier Genrevorbilder wie Spock´s Beard oder Magic Pie in puncto musikalischer Ausdrucksdichte scheinbar mühelos erreichen. Nach einigen musikalischen Zitaten und der Powerballade Me Va a Faltar el Aire (und einem darin verborgenen leckeren Gitarrensolo) kommt Me Pone a Cien, ein radiotauglicher Uptemposong, der mit seinen good vibrations und seiner Überschwänglichkeit Parallelen zu Walking on Sunshine hörbar werden lässt, durch Instrumentalpassagen, Anleihen bei Jazzharmonik und Samba aber komplexer und vielseitiger ist als die relativ anspruchslose Poprocknummer. Einige Beiträge (Al Otro Lado, Cautivos, Con la Música a Otra Parte) sind allenfalls progverwandt, belegen aber die stilistische Variationsbreite der Band, und sie stören nicht weiter im Gesamtkonzept; im Gegenteil, werden doch unterschiedliche Songteile auf ansprechende und überraschende Weise miteinander verbunden. Bemerkenswert ist das pfeilschnelle Duett zwischen Gitarre und Hammondorgel in Camino. Also, hier sind Könner am Werk. Das A Day in the Life dieses Albums (Con la Música…) beendet das Programm mit einem gewaltigen Schlussakkord und dessen 25 sekündigem Nachhall.

Es lohnt sich, noch einen gesonderten Blick auf den Longtrack Peán zu werfen. Der Zehnminüter beginnt als Streichquartett wie ehedem Yesterday. Dann wird´s bombastisch, metallo-proggig. Aber wie fast alles ist das nur wieder vorübergehend, und mit einem unerschrockenen Stilmix zwischen ungenierter Top-Forty-Disziplin, introvertierten Klassikeinsprengseln, händeringender Vokaldeklamation, andächtigem Ensemblegesang und verwegenen Instrumentalideen geht es ungebremst in die Steilkurve. Die Spanier öffnen noch einmal das Füllhorn ihrer Kreativität, die in den vorangegangenen 45 Minuten angedeutete Vielseitigkeit wird jetzt großzügig ausgegossen und bleibt bis auf Weiteres belebend in den Gehörgängen haften.

Anspieltipp(s): Peán, Rómpelo, Perder el Norte
Vergleichbar mit: allen großen Retroprog-Acts
Veröffentlicht am: 13.2.2018
Letzte Änderung: 13.2.2018
Wertung: 13/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 2 von 2)


Ich mag so Bombastrock. Bin damit aufgewachsen. Queen, Asia, hey, ich hab sogar mal Robby Valentine live gesehen! Jaja, dürfter mir ehrfurchtsvoll die Fingernägel lackieren! Ha!

Peter hat mich auf die aufmerxam gemacht. Er schreibt oben: "Dry River spielen eine optimistische, teilweise übermütige, deutlich harmoniebasierte und melodieaffine Mischung aus Art Rock und Retroprog mit distinguierten Jazzrockeinflüssen." Nur mit den letzten sieben Wörtern bin ich nicht ganz einverstanden. Na, sagen wir, vier, denn mit "Rock", "und" und "mit" kann ich leben. Ich tu mich halt echt schwer, hier Retroprog, Jazzrock oder gar Art zu hören. Aber AOR, Melodic Rock, Queen - die sind hier nun wirklich nicht zu überhören. Das Zeug ist, da liegt Peter hundertprozentig richtig, übermütig, hemmungslos und schwelgerisch. Und Corazon hat's auch.

Und stellenweise, sehr stellenweise, auch ein kleines, ein wirklich kleines Bisschen Prog. Peter nennt Spock´s Beard und Magic Pie, und ich glaube, ich weiß, welche Aspekte dieser Musik er meint. Es sind wohl auch eher deren AOR-Elemente. Und wer wegen dieser auf Spock´s Beard und Magic Pie steht, der wird auch an Dry River seine große Freude haben, auch wenn die keinen Prog spielen. Denn eine Progband sind die nun wirklich nicht.

Aber eine fantastische AOR-Band. Kennt Ihr Jono? Die Schweden wiedererwecken seit einigen Jahren fast im Alleingang den hemmungslos kitschigen AOR a la Queen. Wer von deren letztem Album "Life" ein wenig enttäuscht war, weil es an den Vorgänger "Silence" nicht wirklich heranreichte, der darf sich nun über "2038" freuen - das füllt die Lücke. Mehr als.

Und dann gibt's eben doch noch ein wenig Prog. "Peán" ist eine wunderbar saftige Mischung aus Bombast, 80er-AOR und Symphoprog, kitschig bis zur Grenzwertigkeit, und großartig, wenn man keine Angst davor hat, sich klebrige Finger zu holen. Also, AOR-Fans, Dry River sind's! Darf man nicht verpassen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: derzeit? Jono, würde ich sagen.
Veröffentlicht am: 13.3.2018
Letzte Änderung: 13.3.2018
Wertung: keine Verprassen statt verpassen!

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Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
2011 Circo de la Tierra 13.00 2
2014 Quien Tenga Algo Que Decir...Que Calle para Siempre 11.00 1

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