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Holger Czukay

Movies

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1979
Besonderheiten/Stil: ArtPop; Elektronische Musik; Krautrock
Label: Harvest - EMI
Durchschnittswertung: 11/15 (1 Rezension)

Besetzung

Holger Czukay Guitar, Bass, Keyboards, Synthesizer, Sounds, Tapes

Gastmusiker

Rebop Kwaku Baah Organ (Track 1,5)
Jaki Liebezeit Drums, Percussion
Michael Karoli Guitar (Track 2)
Irmin Schmidt Piano (Track 2)

Tracklist

Disc 1
1. Cool in the pool 5:05
2. Oh Lord, give us more money 13:28
3. Persian love 6:28
4. Hollywood symphony 15:03
5. Cool in the pool (instrumental)   (Bonustrack CD-Reissue) 4:58
Gesamtlaufzeit45:02


Rezensionen


Von: Achim Breiling @


Im Mai 1977 verließ Holger Czukay Can mehr oder weniger (Michael Karoli damals: Holger kann nicht wirklich aussteigen, das ist unmöglich. Er hat eine bestimmte Formation verlassen, nicht aber Can). In der Tat blieb man in engem Kontakt. Beim letzten Can-Album (der 70er) war Czukay zudem an der Produktion beteiligt (siehe "Can"). Vornehmlich macht er sich aber daran sein erstes Soloalbum einzuspielen. Oder sein zweites, wenn man "Canaxis" als sein Debüt ansieht, welches allerdings unter dem Interpretennamen Technical Space Composer's Crew veröffentlicht wurde, und später eigentlich dem Duo Holger Czukay und Rolf Dammers zugeordnet wurde.

Auf dem 1979 veröffentlichten "Movies" frönt Czukay seiner Vorliebe fürs Klangbasteln und Zusammenschneiden, die wohl auch zur Trennung von Can geführt hat. Die anderen Bandmitgliedern konnten sich offenbar nicht mit seinen spontanen Exkursen am Radio und dem Einspielen von diversen Klangschnipseln bei Konzerten anfreunden. Solche gibt es nun in großer Zahl auf "Movies" zu hören. Es handelt sich hier übrigens nicht um Musik, die für irgendwelche Filme komponiert oder verwendet wurde. Der Film spielt sich dagegen im Kopf des Zuhörers ab.

Mehrere Stunden an oft im Radio mitgeschnittenen Klangfetzen verwendete Czukay, um daraus, kombiniert mit allerlei instrumentalen Einlagen von ihm und seinen Bandkollegen (und etwas an Gesang) eine recht eigene Musik zu basteln. Mehr als 10000 Schnitte soll es auf dem Album geben. Vier klangvolle und farbige Collage entstanden, irgendwo im Grenzbereich von ArtPop, Experiment und Krautrock. Das ist zwar sicher kein Progrock, aber durchaus progressiv.

"Cool in the pool" dümpelt erst einmal gutgelaunt und vermeintlich pop-lastig voran, versehen mit albern-bizarren Gesangeinlagen ("let’s get coool in the poool"), aber auch mit allerlei Angeschrägtem, schiefem Elektronikquietschen und Waldhorneinlagen. 1979 hätte man das wohl durchaus im Radio spielen können. "Persian love" hat dagegen Ethnoflair, inkorporiert verschiedene nah- bzw. fernöstliche Weltmusikfragmente, kombiniert mit getragen schwofenden Rhythmen, und wunderschönen, hallend-plingenden Gitarren- und Tastenmustern, und verbreitet dabei eine seltsame karibisch-entspannte Atmosphäre. Czukay begründet hier sozusagen das Ethno-Sampling, wie es später von Musikern wie z.B. Brian Eno und David Byrne (siehe "My Life In The Bush Of Ghosts") oder Roberto Musci & Giovanni Venosta ("Messages & Portraits") verwendet wurde. Oder, im Grunde hat er das schon mit der Ethnological Forgeries Serie (E.F.S. – siehe "Unlimited Edition") erfunden.

Die beiden längeren Stücke erinnern dann immer mal wieder an die Musik von Can, an die etwas lockeren Nummern von "Future Days", "Soon Over Babaluma" oder "Flow Motion". Insbesondere der Anfang von "Oh Lord, give us more money" klingt nach Can, ein Eindruck, der allerdings nicht lange vorhält. Als sehr abwechslungsreiche Suiten stellen sich diese Nummern dar, als krautig-elektronische Patchwork-Symphonien (siehe den Titel des längsten Stücks), die teilweise sehr rhythmisch, fast jamartig dahin gleiten und rocken, angereichert mit allerlei eigenartigem Klang, seltsamen Gesangseinlagen (also, Singen konnte Czukay sicher nicht), Sprachfetzen, Geräuschen und virtuosen instrumentalen Einlagen. Das Ergebnis ist ein recht wildes, dabei aber durchaus stimmiges, homogenes und alles in allem gutgelauntes Durcheinander.

Das Album wurde schon einige Male neu aufgelegt. Frühe Versionen (auch die deutsche Erstpressung) hatten noch den Schriftzug "from Can" auf dem Cover. Kürzlich gab es zudem eine runderneuerte Neuausgabe von Grönland Records, die nun "Movie!" heißt, ein neues Cover hat, und eine instrumentale Version von "Cool in the pool" als Bonus beinhaltet.

"Movies" (bzw. "Movie!") ist eine ziemlich unterhaltsame und klanglich beeindruckende Angelegenheit, und auch ein kleiner Meilenstein in der Musikhistorie (der diverse später tätige Sample- und Schneidemeister beeinflusst hat). Krautrockfreaks mit Humor, und Freunde seltsamen ArtPops sollten die Scheibe auf jeden Fall kennen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 21.4.2018
Letzte Änderung: 22.4.2018
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Holger Czukay

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Canaxis 10.00 1
1981 On The Way To The Peak Of Normal 11.00 1
1987 Rome Remains Rome 9.00 1
1989 Radio Wave Surfer 11.00 1
1993 Moving Pictures 12.00 1
1999 Good Morning Story 11.00 1
2000 La Luna 11.00 1
2001 Linear City 9.00 1

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