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Pink Floyd

The Final Cut

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1983
Besonderheiten/Stil: Konzeptalbum; ArtPop
Label: EMI
Durchschnittswertung: 8.75/15 (8 Rezensionen)

Besetzung

Roger Waters bass, vocals
David Gilmour gtr
Nick Mason drums, perc

Gastmusiker

Raphael Ravenscroft sax
Michael Kamen piano, harmonium
Andy Brown organ
Ray Cooper percussion
Andy Newmark drums

Tracklist

Disc 1
1. The Post War Dream 2:54
2. Your Possible Pasts 4:38
3. One Of The Few 1:14
4. The Hero's Return 2:35
5. The Gunners Dream 5:29
6. Paranoid Eyes 3:35
7. Get Your Filthy Hands Of My Desert 1:19
8. The Fletcher Memorial Home 4:11
9. Southampton Dock 2:14
10. The Final Cut 4:43
11. Not Now John 5:03
12. Two Suns In The Sunset 5:16
Gesamtlaufzeit43:11


Rezensionen


Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 1 von 8)


Tja, ist das noch Pink Floyd oder schon Waters solo? Das Cover verrät schon einiges: "A requiem for the post war dream by roger waters performed by pink floyd" steht da. Und PF bestanden nur noch aus drei Leuten, Rick Wright war draussen, die Keyboards teilten sich der Produzent Michael Kamen (Piano, harmonium) und Andy Brown (Hammond). Ausserdem wirkten schon Ray Cooper (percussions) Andy Newmark (drums) und Raphael Ravenscroft (sax) mit, alles Leute, die nur 2 Monate nach Abschluss dieser Aufnahme auch bei WATERS erstem Soloalbum mitmachten. Den Gerüchten zufolge wurden die beiden anderen Floyd regelrecht ins Studio zitiert, um ihre vorgegebenen Parts einzuspielen, entsprechend findet man auch nur 2 Gitarrensoli von Gilmour. Die typisch floydschen Keyboards fehlen natürlich auch, dafür glänzt Kamen mit schönen Pianoeinlagen. Und Mason ist eh ein lebendes Metronom ;-).

Musikalisch ist die Platte sehr sehr ruhig gehalten, lange Instrumentalparts fehlen, und nur ein Song auf der zweiten Seite "Not now John" ist ein lauterer, dynamischer Song. Ansonsten geht alles eher im Stile von "Vera" und ähnlichem (auf "The Wall") über die Bühne. Waters verarbeitet auf dieser PLatte quasi musikalisch sein Kindheitstrauma über den im Krieg gefallenen Vater. Auch hier gilt für mich, was ich schon zu ANIMALS sagte. Damals, als die Platte erschien, fand ich sie nicht so berauschend, aber jetzt, nach Jahren des Nichthörens, finde ich sie auf alle Fälle besser als THE WALL, das einzige Manko ist Waters auf die Dauer eintöniger Gesangstil. Und klanglich ist die Platte perfekt. Wer nicht unbedingt Floyd hören will, hat mit THE FINAL CUT eines der besseren Werke von Waters vor sich.

Anspieltipp(s): One of the few / The hero's return, Not now John
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 20.4.2002
Letzte Änderung: 4.3.2010
Wertung: 8/15
4 (für PF Fans)

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Von: Christian Rode @ (Rezension 2 von 8)


Die Atmosphäre des Konzeptalbums The Final Cut schwankt zwischen Trauer und Zorn, wobei die zornigen Momente als musikalische Eruptionen auftreten, die die bekannten elegischen Gitarrensoli Gilmours transportieren (z.B. The Fletcher Memorial Home). In diesen Momenten klingt The Final Cut schon stark nach Pink Floyd. Bei Your Possible Pasts etwa werden Erinnerungen an ANIMALS geweckt. Wunderschön auch der Übergang von Gesang zu Saxofon bei The Gunner's Dream.

Thematisch ist The Final Cut ein Anti-Kriegs-Album mit bitteren bis zynischen Texten, entstanden nach dem Falkland-Krieg mit Rückbezügen zum 2. Weltkrieg, in dem Waters Vater fiel. Wie bei THE WALL werden die Stücke durch Geräuschfetzen miteinander verknüpft (Funksprüche, einschlagende Rakete). Verbunden mit den ruhigen, bedrohlichen Songs verschafft Waters dem Album so eine beklemmende, eindringliche Atmosphäre. Heraus fällt aus diesem Konzept musikalisch lediglich das groovende, aber dafür schön floydige Not now John mit weiblichem Chor.

The Final Cut macht musikalisch einen geschlosseneren Eindruck als THE WALL und kommt ohne deutliche Zugeständnisse an musikalische Modeerscheinungen aus. Dieses Pink Floyd-Album ist mit seiner vergleichsweise zeitlosen Musik und seinem tatsächlich zeitlosen Thema von daher auch nach all den Jahren gut hörbar!

Anspieltipp(s): Your Possible Pasts, The Fletcher Memorial Home
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 2.5.2004
Letzte Änderung: 6.3.2012
Wertung: 10/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 3 von 8)


In Rezensionen zu Final Cut (wie auch zu The Wall ) wird immer wieder mehr oder weniger deutlich der Vorwurf (oder sagen wir mal neutral: die Feststellung) laut, das sei nicht mehr "typisch Pink Floyd". Aber was ist eigentlich "typisch Pink Floyd"?

Betrachtet man die Entwicklung der Band, so stellt man fest, dass eigentlich keines ihrer Alben wie irgendeines der vorherigen klang; der stilistische Bruch zwischen DSOTM/WYWH und Animals ist m.E. auch nicht geringer als der zwischen Animals und Wall oder Final Cut. Klar, auf den beiden letzteren hat Waters komplett die Kontrolle übernommen; aber auch das ist weniger ein Bruch als die logische Fortführung einer Entwicklung, die spätestens auf Animals bereits absehbar war, wo bereits nur ein Song (zugegebenermaßen der längste) nicht im Alleingang von Waters stammt.

Kurz gesagt, das einzig Floyd-untypische an Final Cut ist, dass es weniger ein Band- als ein Soloalbum ist, bei dem Gilmour und Mason zu Statisten degradiert wurden, die man genau so gut unter den Gastmusikern hätte auflisten können.

Dass es bei den vielen stilistischen Änderungen im Lauf der Bandgeschichte immer wieder Fans gibt, die mit dem jeweils neuen Stil nichts mehr anfangen können, lässt sich nun mal nicht vermeiden; mir gefällt der elegische Ton dieses Albums jedenfalls, und ich finde es auch geschlossener als The Wall (auf dessen gelegentliche Disco-Anwandlungen hier erfreulicherweise verzichtet wird) und auf jeden Fall besser als die folgenden Waters-freien Machwerke!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.11.2006
Letzte Änderung: 19.11.2006
Wertung: 9/15

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Von: Piotre Walter @ (Rezension 4 von 8)


Auf dem Cover von „The Final Cut“ steht unmissverständlich geschrieben: „A requiem for the post war dream by Roger Waters – performed by Pink Floyd„. Erneut, wie schon beim Album „The Wall“, nutzt Roger Waters die Plattform „Pink Floyd“ für seine persönliche Vergangenheitsbewältigung – den Tod des Vaters im 2. Weltkrieg.

Entstanden ist ein pathetisches und eher simples Anti-Kriegs-Statement. Das positivste an TFC ist die sarkastische Abrechnung mit dem Phänomen Krieg. Die Wut und der Ärger über den Verlust des Vaters sowie über die Sinnlosigkeit und Zynik des Phänomens Krieg sind verständlich.

Musikalisch ist das Album leider wenig inspiriert und nur ein müder Abklatsch, ein zweiter Aufguss des bereits umstrittenen Werkes „The Wall“. Besonders auffällig wird dies bei den Titeln: „When the Tigers Broke Free“. „The Hero's Return“, „The Fletcher Memorial Home“ und „The Final Cut“. War schon „The Wall“ musikalisch und inhaltlich recht theatralisch und plakativ, empfinde ich es bei „TFC“ als noch um einiges schlimmer. Nerviger Sprechgesang und der Einsatz des Orchesters erscheint mir lediglich effekt-heischend. Vereinzelt schönes Piano ersetzt leider nicht, den doch sehr fehlenden Richard Wright. Auch die beiden verbliebenen Bandmitglieder sind zu Gastmusikern degradiert, daran ändern auch die wenigen Gitarrensolos von David Gilmour nichts. TFC hat außer dem Thema für mich keinen roten Faden – zu „zusammengeklatscht“ wirken die musikalischen Zutaten, zu abgedroschen wirken die gestalterischen Ideen – die Anlehnung des Schlagzeugs an militärische Marschrythmen z.B. Es klingt ein wenig wie ein Hörspiel.

Künstlerisch der endgültige Tiefpunkt in der Discografie von Pink Floyd (wenn man es denn wirklich als Floyd-Album akzeptieren will, was ich nicht tue). Zu allem Überfluss ist Roger Waters auch noch ein schlechter, langweiliger Sänger und das macht das Album endgültig unerträglich. Hatte „The Wall“ an manchen Stellen noch Größe und Originalität, fehlen diese beim 2. Aufguss TFC völlig.

Fazit: Für mich hätte es den Final Cut (die Trennung der Band) auch gleich geben können – dazu hätte es dieses Album nicht gebraucht. Die Magie der unterschiedlichen Charaktäre und musikalischen Auffassungen die polarisieren und durch Reibung und Anziehung faszinierendes Schaffen ist hier nicht mehr gegeben. Waters dominiert und ertränkt alles mit seinem Ego.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: The Wall, Waters Solo
Veröffentlicht am: 30.10.2012
Letzte Änderung: 30.10.2012
Wertung: 2/15

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 5 von 8)


Au contraire, mon capitaine!

„The final Cut“ ist ein Konzeptalbum, das die Versprechungen, Lügen, Gräuel und Enttäuschungen des Krieges thematisiert – und den Tod. Angeregt wurde Roger Waters zu diesem Thema durch den Tod seines Vaters Eric Fletcher Waters, der während des zweiten Weltkriegs bei Anzio fiel und auf dessen Gegenwart er deshalb zeitlebens hatte verzichten müssen. Die Musik auf „The final Cut“ war zunächst Teil des „The Wall“-Projekts, und so erscheinen hier bekannte Figuren wie Pink oder der Lehrer. Dann aber wurde der seltsame Falklandkrieg vom Zaun gebrochen und Waters fühlte sich berufen, ein Statement gegen Kriegstreiberei, Gewalt und Dummheit zu machen. Also schlug er eine Brücke zwischen diesen drei Polen und brachte „The Wall“, den zweiten Weltkrieg und die politische Gegenwart zusammen. Dass dabei Material zur Verwendung kam, das unter dem Arbeitstitel „Spare Bricks“ für ein Soundtrackalbum zum „The Wall“-Film vorgesehen war, ist dabei nur natürlich.

David Gilmour stank das. Er wollte neue Musik aufnehmen. Wieso sollte etwas, dass für „The Wall“ nicht gut genug gewesen war, nun gut genug für „The final Cut“ ein? Ein gutes Argument… – wäre es gewesen, wenn das Material hier tatsächlich so schwach wäre. Tatsächlich aber ist „The final Cut“ nicht nur ein starkes Album, es ist sogar besser, als das endlos dahinmäandernde, äußerst schwatzhafte Doppelalbum „The Wall“, dass bis auf ein paar Highlights aus konventionellem, langweiligem Mittelmaßrock zusammengebaut worden war. Ebenfalls durchaus textlastig, ist „The final Cut“ aber konzise, konzeptionell sehr einleuchtend und weitaus erwachsener als sein verzettelter, etwas pubertärer und völlig überzogener Vorgänger. Außerdem enthält es fast durchgängig starkes Songmaterial, das seinesgleichen - von einer handvoll Ausnahmen abgesehen - auf einem Album wie „The Wall“ lange suchen dürfte. Um sich davon einen Eindruck zu verschaffen, reicht schon der Einstieg, gleich die ersten Songs warten mit derart einprägsamen Melodien auf, dass man die schon während des ersten Hörs nicht aus dem Kopf bekommt.

Das Album ist mit einem Orchester ausgestattet – im Prog wie allgemein in der populären Musik immer gern mal Anlass für massengeschmacklich sich anbiedernde Geschmacklosigkeiten. Die Orchestrierung von Michael Kamen ist jedoch sehr sparsam, zurückhaltend - und äußerst geschmackvoll. Er widersteht der Versuchung, das Album ebenso mit Streichern und Bläsern zuzukleistern, wie es nahezu alle Rockmusiker in der ihnen eigenen Unkenntnis klassischer Mittel zu tun pflegen. Und es tut dem Album unglaublich gut. Kaum mag man sich erinnern, ein Orchester überhaupt gehört zu haben, wenn die Platte durchgelaufen ist. Wunderbar! Ein Musterbeispiel dafür, wie man Instrumente aus der klassischen Musik nahtlos in einen Rockkontext eingliedern kann.

Doch auch Pink Floyd nehmen sich zurück, so weit, dass man gar von einem Soloalbum Waters’ gesprochen hat. Richard Wright spielt nicht mit? Geschenkt! Wenn er, wie hier durch Michael Kamen, derart kompetent ersetzt wird, soll mir das recht sein. Nick Mason konnte einiges nicht trommeln, weil die Musik zu kompliziert für ihn war? Geschenkt! Wenn bezahlte Drummer es können, soll mir das recht sein. Mir ist es doch egal, wer ein gutes Album aufnimmt! Hänge nicht am Rockzipfel bestimmter Besetzungen.

Was wollt' ich noch? Ach ja: Wie um sich von den Exzessen der „Wall“-Projekte zu erholen, nehmen sich Pink Floyd zurück, die Vorträge Waters’ mit dünner, brüchiger Stimme tun ihr Übriges, um dem ernsten, schwergewichtigen Thema gerecht zu werden (Gänsehaut: "The Gunner's Dream"). Gleichzeitig verstärken sie den Eindruck einer vollkommen ausgelaugten und stillgewordenen Band, die ihr Wohl nicht in einem höher, schneller, weiter sucht, sondern versuchsweise einen neuen Weg einschlägt. Dass es dabei hinter den Kulissen ganz anders zuging, macht das Ergebnis umso eindrucksvoller.

Pink Floyd sind auf diesem Album (mal wieder) dann am stärksten, wenn sie psychologisieren. Zum Beispiel in „Paranoid Eyes“, zum Beispiel, wenn die Hintergründe der innerlich verkrüppelten Lehrerfigur ausgeleuchtet werden. In solchen Momenten, insbesondere wenn sie sehr still bleiben, ist die Wirkung des Albums extrem intensiv. Allerdings leistet sich Waters auch geistige Untiefen, etwa, wenn er in "The Fletcher Memorial Home" über eine „Endlösung“ fantasiert, mit der man Reagan und Haig, Paisley, Brezhnev, Begin und Thatcher beseitigen könnte.

Und musikalisch? Ist das denn Prog? Naja, wie bei Pink Floyd eigentlich immer, nicht wirklich. Andererseits ist „The Final Cut“ auch kein bis zur Unkenntlichkeit aufgeblasenes und mit ein bissl Gesprächsfetzen auf Avantgarde getrimmtes Bluesalbum. Es gibt durchaus Proggiges, zum Beispiel in "Two Suns in the Sunset": Der Song beginnt und endet im 9/8-Metrum und ist mit einigen 7/8- und 3/8-Takten angereichert. Prompt war das zu kompliziert für Nick Mason, das habe ich ja schon angedeutet, und Andy Newmark musste ran. Nun ja. Für den Zählfreak gibt es also wenig, auch harmonisch tut sich nicht viel, aber wie in ihren besten Momenten in den 70ern schaffen es Pink Floyd auch hier, mit ihren begrenzten Mitteln und ordentlich Hilfe von außen, ein ungewöhnlich intensives, intimes und berührendes Album zusammenzustellen. Eindrucksvoll.

Anspieltipp(s): Ganz höern!
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.11.2012
Letzte Änderung: 27.11.2012
Wertung: 10/15

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Von: Markus Peltner @ (Rezension 6 von 8)


Ist “The Final Cut” aus dem Jahr 1983 eigentlich noch ein richtiges Pink Floyd Album? Richard Wright hatte endgültig die Band verlassen, um erst auf dem nächsten Album, nach Roger Waters‘ Demission, wieder zurückzukehren. Nun, das beantwortet sicherlich nicht die obige Frage. Vielleicht aber der Umstand, dass man in den Credits zu „The Final Cut“ nachlesen kann, dass das Copyright für das Album nicht etwa bei Pink Floyd, sondern bei „Roger Waters Music Overseas Ltd.“ liegt. Und noch etwas aussagekräftiger sind da die ersten beiden Sätze, die im Booklet abgedruckt wurden: „A requiem for the post war dream by Roger Waters. Performed by Pink Floyd“. Dies heißt nichts anderes als, dass die beiden verbliebenen Bandmitglieder Gilmour und Mason anscheinend zu Studiomusikern degradiert wurden, die am schöpferischen Prozess der Kompositionen nicht mehr beteiligt waren. Kein Wunder also, dass dies der endgültige Todesstoß dieser genialen Band, in ihrer bisherigen Zusammensetzung war. Somit handelt es sich also wirklich mehr um ein Roger Waters Soloalbum, als um das zwölfte Studioalbum der Band. Allerdings läuft „The Final Cut“ dann doch noch unter der Überschrift „Pink Floyd“ und stellt damit letztendlich schon noch ein reguläres Album der Band dar. Grund hierfür dürfte auch gewesen sein, dass sich Roger Waters Sorgen über den Erfolg des Albums gemacht hatte. Wäre dieses genauso erfolgreich unter seinem Namen, wie unter dem Markenzeichen „Pink Floyd“? Sicherlich nicht und diese Tatsache sollte durch seine weiteren, dann wirklich folgenden Soloalben bestätigt werden.

Zur Musik auf „The Fianl Cut“. Alben von Pink Floyd standen immer in der Tradition, dass sie komplett anders klangen, als die jeweiligen Vorgänger. Ob das die früheren Werke waren oder aber die Sprünge von „The Dark Side Of The Moon“ zu „Wish You Were Here“ zu „Animals“ und dann zu „The Wall“. Pink Floyd haben sich häufig neu erfunden und wussten immer wieder zu überraschen. Diese Kontinuität in der Veränderung wurde mit „The Final Cut“ durchbrochen. Mit wenigen Ausnahmen könnte „The Final Cut“ als dritte Platte von „The Wall“ durchgehen. Zu ähnlich sind hier Atmosphäre und Stimmung der Lieder. Dies trifft gleich auf die ersten sechs Stücke zu, erst mit „Paranoid Eyes“, dem siebten Titel, eröffnet sich dem Hörer da etwas „Neues“, bisher so noch nicht auf „The Wall“ gehörtes. Das Lied ist ein ganz leises und sehr gefühlvolles Stück, sehr traurig und melancholisch, nur äußerst zurückhaltend instrumentiert und ein Höhepunkt des Albums.

Unter den ersten sechs Titeln der remasterten Fassung befindet sich übrigens auch das Lied „When The Tiger Broke Free“, eine Nummer, die auf der LP-, wie der ersten CD-Ausgabe, noch nicht enthalten war. Dabei handelt es sich um ein Stück, das bereits in der filmischen Umsetzung zu „The Wall“ zu hören war.

Erwähnenswert ist auch das Lied „The Fletcher Memorial Home“, zu dessen Gelingen David Gilmour auch ein klasse Solo hinzusteuern durfte. Eindringlich hierbei der Text, bei dem sich „unheilbare“ Tyrannen und Könige (genannt werden dabei Reagan, Begin, Thatcher, Breschnew, der „Geist“ McCarthys und die „Gedanken“ Nixons) im Fletcher Memorial Home versammeln. Und am Ende des Stücks wird dann nach der Endlösung dieser Versammlung gesucht…

Völlig aus der Reihe fällt „Not Now John“. Das schnellste und „lauteste“ Stück des Albums groovt und lädt zum Mitwippen ein. Toll arrangiert dabei der Hintergrundchor, der sogar Erinnerungen an „The Dark Side Of The Moon“ aufkommen lässt. Und auch hier begeistert wieder David Gilmours Gitarrenspiel und weiß einfach zu überzeugen.

Fazit: Auf „The Final Cut“ beschäftigen Roger Waters ein weiteres Mal seine Kindheitserlebnisse. „Inspiriert“ durch den Falkland-Krieg verarbeitet der Musiker hier den frühen Tod seines Vaters, der 1944 im Zweiten Weltkrieg gefallen war. Begeisternd und sehr intensiv sind dabei wieder die Texte, die Roger Waters unglaublich packend niederzuschreiben versteht. Die Musik allerdings, die ist zu Beginn des Albums noch zu sehr an „The Wall“ angelegt und wird erst im weiteren Verlauf des Albums eigenständiger. „The Final Cut“ ist ein sehr intensives, ruhiges und melancholisches Album geworden. Musikhörern, denen „The Wall“ gefallen hat, dürfte auch dieses zwölfte Werk der Band zusagen. Irgendwie ergreifend in seiner traurigen Stimmung ist es auf jeden Fall hörenswert.

Anspieltipp(s): Paranoid Eyes, The Fletcher Memorial Home, Not Now John
Vergleichbar mit: The Wall
Veröffentlicht am: 7.11.2012
Letzte Änderung: 4.11.2012
Wertung: 10/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 7 von 8)


Noch was zu "The Final Cut"? Ja, denn ich muss sagen: Auf eine gewisse Weise fasziniert mich dieses Album, und der Grund für diese Faszination ist wieder mal sein Konzept, genauer: Seine Beziehung zu "The Wall". Denn auch wenn "The Final Cut" ursprünglich als sowas wie eine Resteverwertung gedacht war, wird doch letzten Endes viel, viel mehr daraus, und das (überraschend voll- und eigenständige) Album lässt sich sowohl als Fortsetzung, Addendum, Epilog oder gar als "Mythologie" zu "The Wall" hören. Zugleich steht es an und für sich aber doch noch einmal außerhalb seines Vorgängers: Wahrscheinlich wird kaum jemand beim erneuten Hören von "The Happiest Days Of Our Lives" an das denken, was in "One Of The Few" und "Paranoid Eyes" über den vergleichsweise hysterisch auftretenden "Schoolmaster" offenbart wurde.

Zu diesem Eindruck trägt freilich auch bei, dass "The Final Cut" zu einem Gutteil über das Erzählgeflecht von "The Wall" hinausragt, und zwar genau dort, wo Falkland- und Kalter Krieg sowie der auf diesem Nährboden wachsende Nationalismus der Thatcher-Ära thematisiert werden. Das wiederum verknüpft sich eben mit den im Zusammenhang mit "The Wall" stehenden Kriegserinnerungen (und damit der Art und Weise, wie diese Erinnerungen die britische Nachkriegsgesellschaft prägten, in der sich ein gewisser Pink nicht mehr aufgehoben fühlt) und ergibt insgesamt ein schlüssiges, gegenüber "The Wall" recht autarkes Konzept rund um ein zentrales Thema: Krieg und seine gesellschaftlichen Folgen, einschließlich der Frage nach einem "gerechten" Krieg und der bitteren Einsicht, dass auch nach gewonnenen Kriegen nichts besser wird.

Frappierenderweise wird dieses Thema nicht unbedingt in schlüssiger Form präsentiert - was insofern verständlich ist, dass es ja keine abgeschlossene Geschichte zu erzählen gibt. Stattdessen folgt "The Final Cut" mehr oder weniger episodenhaft Roger Waters Gedankengängen zu diesem oder jenem Aspekt des Konzepts und schafft damit eine eigenwillige, aber paradoxerweise ebenfalls gut funktionierende Erzählstruktur. So fungiert "The Post War Dream" als Exposition, die uns die erste Erzählebene (kurz nach dem Falklandkrieg) eröffnet. Danach geht es mit "Your Possible Pasts" und den folgenden Stücken direkt in die Vergangenheit, was aber gleich wieder auf Gegenwart und Zukunft ("A warning to anyone still in command / Of their possible future, to take care") bezogen wird. Konkret aufgerollt werden dann eben des Schulmeisters Kriegserlebnisse (Vergangenheit!) und die daraus resultierenden unbewältigten Traumata (Gegenwart!) - nebenher wird übrigens deutlich, dass dieser gebrochen ("One Of The Few") aus dem Krieg zurückgekehrte ("The Hero's Return") Mann offenbar sozial ähnlich abgekapselt ist wie Pink und von niemandem Hilfe erfährt, nicht mal von seiner Frau ("Sweetheart, sweetheart, are you fast asleep? Good. 'Cause that's the only time that I can really speak to you...").

Anschließend folgt dann mit "Get Your Filthy Hands Off My Desert" et al. wieder die faktische Rückkehr in die eingangs geschilderte Gegenwart, und ein weiteres Mal werden natürlich eher wieder Gedankengänge als konkrete Handlungen vertont. In diesem Sinne ist dann vermutlich auch das von Nik so gescholtene "The Fletcher Memorial Home" zu sehen, ebenso wohl noch der mit allerlei martialischen Metaphern, aber auch wieder textlichen ("And if I'm in I'll tell you what's behind the wall.") und klanglichen (diese Telefon-Samples am Ende beispielsweise) Referenzen an "The Wall" gespickte Titelsong. Direkter formuliert sind dagegen natürlich bitterböse Songs wie das tumbesten Chauvinismus der Hooligan-Art geißelnde "Not Now John" und eben "Two Suns In The Sunset" als abschließende Warnung für den Fall des "Weiter so". Letzteres gewinnt übrigens noch einen bemerkenswerten Subtext dadurch, dass Roger Waters wenige Jahre noch den Soundtrack zum Film "Wenn der Wind weht" komponierte.

Musikalisch wiederum liegt "The Final Cut" frappierenderweise ein wenig mit "The Wall" über Kreuz. Zwar gibt es immer noch unheimlich viele Soundeffekte, die für das Konzept übrigens wichtig sind ("Scusi, dov'è il bar?" - das fragt sich wohl nicht nur Leonid Breschnew, sondern auch der Lehrer), aber diese ganzen eingängig-rockigen Nummern wie "One Of My Turns", "Run Like Hell" oder natürlich "Another Brick In The Wall" fehlen hier (mit Ausnahme von "Not Now John"). Stattdessen dominieren melancholisch-feierliche Stücke, die balladesk komponiert sind und den Gesang - und damit eben Text und Konzept - in den Mittelpunkt stellen. Das freilich wird ebenfalls bestens ausgenutzt, denn per Gesang drückt Waters vielen Stücken einen bissig-bitteren Sarkasmus auf - der wiederum den geradezu staatstragend klingenden Orchestrierungen von Michael Kamen geradezu rotzig entgegentritt. Beste Beispiele hierfür sind "The Post War Dream", "Your Possible Pasts", "Southampton Dock" und vor allem die aufgrund ihrer Lakonik direkt böse Moritat "Get Your Filthy Hands Off My Desert".

"The Final Cut" funktioniert also, wie jedes gute Konzeptalbum, als Einheit von Text bzw. Thema und musikalischen Mitteln, und meines Erachtens entkräften sich damit auch die Vorwürfe, die gemeinhin so an diese Platte gerichtet werden. Nur ein "The Wall"-Nachklapp? Nix da, hier geht es um viel mehr als Pink! Zu kitschig? Da muss wohl die Boshaftigkeit der Texte übersehen worden sein. Kein roter Faden? Dafür gibt's doch mehrere Zeitebenen. Zu persönlich? Als ob Fletcher Waters das einzige Opfer von Weltkrieg Nummer zwo gewesen wäre... und zuletzt greift auch hier wieder die Abgrenzung: "The Wall" war ein bisweilen ("Goodbye Blue Sky", "Don't Leave Me Now", "Vera" etc.) übrigens auch recht weinerliches Album mit einem recht engen, persönlichen Blickwinkel. Auf "The Final Cut" dagegen nimmt Roger Waters und nun eine größere Perspektive ein - damit hat er gegenüber seiner Familiengeschichte wohl tatsächlich sowas wie den final cut gemacht.

Anspieltipp(s): Durchhören, anders geht's ja praktisch kaum
Vergleichbar mit: Vielleicht Joseph Hellers Roman "Endzeit"
Veröffentlicht am: 23.6.2016
Letzte Änderung: 23.6.2016
Wertung: 11/15

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Von: Günter Schote @ (Rezension 8 von 8)


Es war einmal…und zwar zu Beginn der 80er. Eine Zeit, in der die häufig orientierungslosen alten Helden nicht mehr mit Altbewährtem um die Ecke kommen konnten, um die Massen zu begeistern.

So ging es auch Pink Floyd. Klar, nach dem Megaseller „The Wall“ konnten sie ein neues Produkt zwar noch recht erfolgreich an den Mann bringen, doch reflexartiges Schulterklopfen war von Fans und Kritikern nicht mehr zu erwarten. „The Final Cut“ wurde schnell zum schwarzen Schaf im Floyd Katalog.

Wer weiß, vielleicht hilft die aktuelle Vinyl-Wiederveröffentlichung dem Album zu etwas mehr Anerkennung. Zu entdecken gibt es nämlich nach über drei Jahrzehnten noch immer einiges. Kann es sein, dass der modifizierte Floyd-Sound seine Hörer 1983 einfach überforderte?

Wie gewohnt, ist die Cover/Artwork-Reproduktion des FOC scharf und vorbildlich. Die 180gr. LP selbst ist von hoher Qualität (plan und sauber) und der Klang ausgewogen. Die mp3-Generation mag dies für pure Einbildung halten, aber wenn man die Vinylscheibe aus ihrer Hülle entnimmt und auf die Rillen schaut, schlägt das Herz schneller. Warum? „The Final Cut“ ist ein sehr schwermütiges Werk. Die Musik ist zumeist düster und still, durchbrochen von Gilmour/Mason-Einsätzen. Diesen Kontrast spiegeln die Rillen in helleren und dunkleren Abschnitten im Plastik wider. Das sieht einfach sexy aus und weckt, im Gegensatz zur immer gleichen Optik der Silberlinge, die Vorfreude.

Drei Worte zur (bekannten) Musik: Klar, das Album ist ein Waters-Soloalbum, auf dem Gilmour und Mason lediglich mitspielen durften bzw. mussten, während Wright von Waters bekanntlich ausgebootet wurde. Menschlich mag dies zweifelhaft gewesen sein, lässt musikalisch aber Raum für Michael Kamen, der „The Final Cut“ orchestrierte.

Der Paradesong des Albums war und ist für mich „The Fletcher Memorial Home“. Waters intoniert (wie auf dem gesamten Album) geradezu zerbrechlich seine Abrechnung mit den Machthabern der Welt (nebst seinem Unverständnis über den Falklandkrieg), nimmt verbal Rache für seinen im Zweiten Weltkrieg gefallenen Daddy und geht keineswegs zimperlich mit dem Wort „Fuck“ um. Nach einer getragenen und zugleich fesselnden ersten Hälfte setzen Mason und Gilmour ein. Famos. (Marillion-Fans erkennen im Übergang von der ersten in die zweite Hälfte natürlich den Übergang von „Torch Song“ zu „Slàinte Mhath“ wieder“). Für mich der Höhepunkt des an Höhepunkten nicht armen Albums.

Zurück zum Vinyl. Man kann sich natürlich hinsetzen und den Floyd-Klassikern huldigen. Oder man nimmt sich Zeit, legt mal „The Final Cut“ auf und entdeckt, dass das schwarze Schaf gar nicht so übel ist. Nach über drei Jahrzehnten finde ich dieses Album geradezu cool. Dunkel und pessimistisch. Blöd ist dabei nur, dass es auch heute noch brandaktuell scheint. Man muss nur die Namen der Politiker an die Zeit anpassen…

Den alten und neuen Plattenauflegern: viel Spaß beim (neu) entdecken!

Anspieltipp(s): The Fletcher Memorial Home
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.1.2017
Letzte Änderung: 19.1.2017
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Pink Floyd

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1967 The Piper at the Gates of Dawn 9.50 5
1968 A Saucerful Of Secrets 10.00 6
1969 More 9.75 4
1969 Ummagumma 11.33 4
1970 Atom Heart Mother 11.33 4
1971 Meddle 12.00 3
1971 Relics 9.00 2
1972 Obscured By Clouds 9.67 4
1973 The Dark Side of the Moon 12.29 7
1974 Masters Of Rock - 1
1975 Wish You Were Here 11.00 8
1977 Animals 13.00 6
1979 The Wall 8.40 7
1980 Is there anybody out there? - The Wall live 1980/81 7.00 1
1981 A Collection Of Great Dance Songs 12.00 1
1987 A Momentary Lapse of Reason 6.75 4
1988 Delicate Sound of Thunder 9.33 3
1989 Delicate Sound of Thunder (Video) 4.00 1
1994 The Division Bell 5.40 5
1995 London '66-'67 - 1
1995 P.U.L.S.E. 9.00 3
2003 Live at Pompeii (DVD) 12.00 4
2003 The Pink Floyd & Syd Barrett Story (DVD) 7.00 1
2005 London 1966/1967 (DVD) - 1
2006 P.U.L.S.E. (DVD) 10.00 2
2011 Discovery - 1
2014 The Endless River 10.00 5

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