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Enchant

Tug Of War

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2003
Besonderheiten/Stil: Melodic Rock / AOR; Neoprog
Label: Inside/Out
Durchschnittswertung: 9.2/15 (5 Rezensionen)

Besetzung

Ted Leonhard Vocals
Doug A. Ott Guitars
Ed Platt Bass
Sean Flanegan Drums
Bill Jenkins Keyboards

Tracklist

Disc 1
1. Sinking Sand 7.09
2. Tug Of War 7.41
3. Holding The Wind 5.45
4. Beautiful 4.28
5. Queen Of The Informed 7.01
6. Living In A Movie 6.58
7. Long Way Down 4.57
8. See No Evil 5.52
9. Progtology 5.52
10. Comatose 8.50
Gesamtlaufzeit64:33


Rezensionen


Von: Horst Straske @ (Rezension 1 von 5)


Mit ihrem mittlerweile siebten Album ist den Kaliforniern aus San Francisco wiederum ein höchst ansprechendes Album gelungen, das stilistisch einmal mehr typischen amerikanischen Progrock bietet. Hierzu gehört in erster Linie einfallsreiches Songwriting, das sich irgendwo im Grenzbereich zwischen Neoprog, Hardrock und Mainstream bewegt. Dabei halten sich gefühlsbetonte Instrumentalsequenzen und Passagen, in denen die Amerikaner eine perfekte Beherrschung der Instrumente offenbaren, angenehme die Waage. Gerade diese Mixtur aus nordamerikanischer "Frickeltradition" und britischem Gespür für Melodien hat selten derart eindrucksvoll wie auf "Tug Of War" funktioniert. Das Ganze wird dann von dem gewohnt hochwertigen Gesang Ted Leonards abgerundet, der immer mehr in die Fußstapfen von Steve Walsh tritt und die Band allein wegen seiner variablen Stimme in die Nähe von Kansas rückt. Genau wie dieses große Vorbild variiert er seine Stimme in traumwandlerischer Manier zwischen gefühlvollen und powervollen Passagen. Somit gelingt es, allein durch die Stärke des Lead-Gesangs den Songs eine homogene Einheit zu verleihen.

Mit "Sinking Sand" wird der musikalische Reigen kraftvoll und rockig eröffnet. Bereits hier fällt als typisches Trademark der bereits angedeutete spielerische Wechsel zwischen instrumentaler Power und gefühlvollen Passagen auf. Dies alles wird im folgenden Titelsong "Tug Of War" auch noch um fast schon progmetallische Ausflüge erweitert. Hauptsongschreiber Doug Ott steuert hier schneidende Gitarrenriffs bei, die sehr gut mit dem variantenreichen Keyboardsound des Neuzugangs Bill Jenkins harmonieren. Der hymnische Gesang Leonards rundet diese starke Komposition eindrucksvoll ab.

Nach diesen beiden ersten progressiven Titeln bewegen sind die nachfolgenden Songs erst einmal in eher gefälligen Mainstream-Gefilden, bevor dann "Queen Of The Informed" die stilistische Bandbreite wieder in härtere Bereiche führt und sogar die Landsleute Dream Theater von weitem grüßen. Insbesondere der mittlere Instrumentalteil dreht die "Progressivitäts-Skala" wieder in obere Bereiche und die Gitarre darf auch mal so richtig schön brachial klingen. Kommt hier sehr gut und fügt sich perfekt in den eher melodischen Rahmen des Enchant-Sounds ein.

Nach der bislang gebotenen Brillanz leitet der Titel "Long Way Down" einen kleinen Durchhänger ein, wo gemäß den Worten meines Vorredners eher "Autofahrer-Sommerprog" geboten wird, der zwar niemandem weh tut, aber doch etwas zu stromlinienförmig daherkommt.

Glücklicherweise lässt aber das eindrucksvolle Instrumental "Progtology" diese kurze Durststrecke wieder vergessen. Wie der Name erwarten lässt, handelt es sich hier eindeutig um die progressivste Komposition des gesamten Albums, die mit einer filigranen Energie glänzen kann. Auch der wundervoll groovende und leicht funkige Bass von Ed Platt ist hier eine Erwähnung wert. Der Keyboardsound wird hier übrigens um gesampelte Mellotronchöre erweitert.

Mit "Comatose" wird ein starkes Album abgerundet, das sicherlich auch einem Großteil der herkömmlichen Rockfans gefallen wird und somit ein weiteres Bindeglied zwischen der typischen Rocktradition und dem eher intellektuellen Progsound darstellt. Auf die bevorstehende Tour im Doppelpack mit den Landsleuten und Labelkollegen Spock´s Beard kann mit Freude entgegengeblickt werden.

Anspieltipp(s): Tug Of War, Progtology
Vergleichbar mit: Rush, Kansas, Dream Theater
Veröffentlicht am: 26.7.2003
Letzte Änderung: 26.7.2003
Wertung: 11/15

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Von: Henning Mangold @ (Rezension 2 von 5)


Das Schlimme an Enchant ist, dass sie immer gleich klingen: nicht nur von einem Album zum nächsten, sondern sogar innerhalb ein und desselben Albums. Die ersten zwei Scheiben deuteten das auch schon an, aber weil sie so schön laut und stark produziert waren, hatte ich damals noch Hoffnung - seit "Break" habe ich die verloren, kaufe aber treu und brav weiterhin jedes Teil aus deren Produktion, als wartete ich heimlich immer noch auf die große Überraschung.

Die wird nicht mehr kommen, aber wenigstens sind bei "Tug of war" die Linernotes ganz lustig: Da steht z.B., "Sinking sand" sei "Kind of a heavy Genesis type thing": das hat Ott wahrscheinlich geschrieben, weil dieser Song ausnahmsweise tatsächlich nach einem Song klingt, da er nämlich eine Melodie mit so etwas wie einem Wiedererkennungswert hat. Zu "Hold the wind" schreibt Ott: "It started out to be a Crimson-like piece, but as time went on it changed into something way more straight forward?": Eben das ist das Problem! "Straight forward" bedeutet aus dem Enchantischen ins Deutsche übersetzt nichts anderes als "Weiter so wie immer!", und die crimsonoide Einstiegsidee (die wohl kaum ein Crimson-Fan WIRKLICH ernst nehmen dürfte) wäre immerhin mal eine Alternative gewesen, wenn Ott sie zuende gedacht hätte.

Was ich an diesem Album tatsächlich mag, ist wenig: Der Opener ("Sinking sand") ist nicht schlecht, zugegeben; "Progtology" ist ganz lustig, außerdem instrumental, und das sollte es bei Enchant überhaupt öfter mal geben - dass das mal was bringen kann, hat auch schon der Bonustrack des Vorgängeralbums gezeigt. "Beautiful" fällt noch aus dem Rahmen, weil es eine Art Ballade ist, die nicht sofort an alles andere dieser Band erinnert, und "Comatose" ist auch anders als sonst, es bietet einen gelungenen Prog-getragenen Abschluss des Albums. Dieser Track überzeugt allein dadurch, dass er nicht einfach so ausgeblendet wird: eine absolute Unsitte dieser Band ist das nämlich, sieben Minuten lang ein Soundgebilde aufzubauen, dem man die Mühe der Konstruktion allzu deutlich anmerkt, um es dann völlig willkürlich irgendwo mit Hilfe des Lautstärkereglers versickern und versanden zu lassen, aber das ist nicht nur ein Ärgernis dieses einen Albums.

Ansonsten gebe ich den anderen Rezensenten völlig Recht und möchte hinzufügen: Bei jedem Album dieser Gruppe sehne ich mich in die böse alte Zeit zurück, als wir Proggies noch gewettert haben, wenn auf einem Album sinnloses Füllmaterial nachzuweisen war: Bei Enchant wäre ich heute geradezu dankbar für so was, das brächte wenigstens mal etwas Abwechslung in das breiige Soundeinerlei. Dabei ist die Instrumentalarbeit (siehe "Progtology") gar nicht mal schlecht - die Stücke haben nur einfach - bis auf die genannten Ausnahmen - keine solide Songgrundlage. Und wenn man jedes Jahr auf die Sekunde ein Album veröffentlicht, kann wohl auch nicht mehr dabei herauskommen.

Anspieltipp(s): Progtology; Sinking sand
Vergleichbar mit: alles andere von Enchant...
Veröffentlicht am: 28.7.2003
Letzte Änderung: 28.7.2003
Wertung: 5/15

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Von: Sebastian Mack (Rezension 3 von 5)


So, jetzt muss ich mal meiner Freude und Subjektivität freien lauf lassen ;-)

Die neue Enchant ist für mich eindeutig eine verdammt schöne Scheibe geworden...gut, es mag sein, dass sie schon längere Zeit ähnliche Musik produzieren, aber was "Tug Of War" bietet, nenne ich kurzerhand einfach mal ein Fest für jeden Prog- und MelodicRock-Fan und eine absolute Sommerplatte.

Ich war immer schon ein Fan von Steve Walsh (Kansas). Ted Leonard singt auf der Platte einmal mehr wie jener in seinen besten Tagen, einfach phänomenal wie rockig und gleichzeitig gefühlvoll dieser Mann sein Organ einsetzen kann. Die Gitarrenarbeit von Doug Ott ist ebenfalls brilliant, er klingt wie ein Mix aus Ian Crichton (Saga), Steve Rothery (Marillion) und Alex Lifeson (Rush). Der neue Keyboarder Bill Jenkins glänzt mit vielen verschiedenen und neuen Sounds. Diesmal fällt auch das Songmaterial wirklich positiv auf, es gibt vom eröffnenden "Sinking Sand" bis zum wundervollen "Comatose" keinen wirklichen Durchhänger. Ein Auge sollte man auch auf die brillanten Lyrics werfen, mit denen sich eigentlich jeder Mensch identifizieren könne müsste, besonders mit "Beautiful" und "Comatose".

Enchant haben es einfach geschafft eine erstklassige (Prog)Rockscheibe aufzunehmen; leider wird das ihrem internationalen Bekanntheitsgrad auch nicht erweitern, da scheint es ihnen ähnlich wie Threshold zu gehen. Auf jeden Fall ist für mich klar, dass ich selten eine so homogene, rockige, schöne, gefühlvolle, ehrliche Scheibe gehört habe. Hut ab, Enchant !

Es wird dieses Jahr keine bessere Scheibe in Enchants Stil- bzw. Marktsegment (also dem "Mainstream Prog") veröffentlicht werden. Basta !

Anspieltipp(s): ALLES !! Wenn weniger Zeit: Beautiful, Queen Of The Informed, Comatose
Vergleichbar mit: Rush, Kansas, Marillion, Saga
Veröffentlicht am: 18.8.2003
Letzte Änderung: 12.1.2004
Wertung: 13/15

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 4 von 5)


Eifrig und fleißig veröffentlichen ENCHANT in steter Regelmäßigkeit alle Jahre wieder ein neues Album. Die Frage ist: Muss das wirklich sein? Ich meine, nicht dass ich mit der Band nichts anzufangen wüßte, im Gegenteil, ich finde die ersten zwei Machwerke sogar recht gelungen und auch bei "Break" hatte ich meine Freude und am Gesang von Ted Leonhard kann ich mich auch erfreuen. Doch nun kommt mit "Tug Of War" ein weiteres Werk im gleichen Stil...

Immerhin, sie haben einen eigenen Stil, und deshalb kann man dieser Scheibe auch die Daseinsberechtigung nicht aberkennen. Ich spüre für mich aber, dass man irgendwie kompositorisch in die Belanglosigkeit abdriftet. Überraschungsmomente gibt es - ähnlich wie schon beim Vorgängeralbum - eher wenige. Erfreulich ist, dass man mit "Sinking Sand" mal wieder das Feeling des Debütalbums anspricht, mit dem Titelsong sogar mal recht kernig loslegt. Aber das ist alles nicht genug. Irgendwie fehlt mir der entscheidende Schritt nach vorn. Das große Potential der Band wird nicht ausgespielt. Warum weiß ich nicht, aber ich warte irgendwie auf einen Knall, an dem so was richtig ungewöhnliches, irgendwas spektakuläres, was dramatisches oder was weiß ich nicht wie ichs nennen soll, passiert. Leider warte ich bei ENCHANT nun schon ziemlich lange. Und wahrscheinlich ist das auch der Grund, weshalb mir auch "Tug Of War" recht verschlossen bleibt.

Es will einfach nicht zünden, zumindest bei mir nicht. "Tug Of War" ist de facto ein Album in die richtige Richtung, irgendwie zumindest auf dem Level vom letzten Werk - aber es wirft mich nicht aus der Bahn und zeigt mir einfach zu wenig Mut oder auch Fortschritt. Für Fans ist das Album daher unbedingt zu empfehlen, für Einsteiger würde ich weiterhin das gute Debüt "A Blueprint Of The World" empfehlen, weil es da eben Songs a la "The Oasis", "Aquintaince" oder "Enchanted" gibt. Punkt!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 19.8.2003
Letzte Änderung: 8.1.2004
Wertung: 7/15
Enchant trampeln irgendwie auf der Stelle...

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Von: Siggy Zielinski @ (Rezension 5 von 5)


Für mich einigermaßen mit Rush zwischen 1982 und 1991 vergleichbar, habe ich inzwischen die sehr gut gemachte, aus Elementen von Progmetal und Neoprog zusammengesetzte Musik von Enchant zu schätzen gelernt, die natürlich auch auf "Tug of War" voller ins Ohr gehender Gesangsmelodien und überzeugender Arrangements steckt.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 23.4.2006
Letzte Änderung: 23.4.2006
Wertung: 10/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Enchant

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1993 A Blueprint Of The World 7.33 3
1996 Wounded 7.00 1
1997 Time Lost 10.50 2
1998 Break 10.00 1
2000 Juggling 9 or dropping 10 7.67 3
2002 Blink of an eye 7.00 3
2004 Live at last 8.00 2

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