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Yes

90125

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1983
Besonderheiten/Stil: ArtPop
Label: ATCO Records
Durchschnittswertung: 8.13/15 (8 Rezensionen)

Besetzung

Jon Anderson lead vocals
Trevor Rabin gtr, vocals, keyboards
Chris Squire bass, vocals
Alan White drums, percussion
Tony Kaye keyboards

Tracklist

Disc 1
1. Owner Of A Lonely Heart 4:27
2. Hold On 5:15
3. It Can Happen 5:39
4. Changes 6:16
5. Cinema 2:09
6. Leave It 4:10
7. Our Song 4:16
8. City Of Love 4:48
9. Hearts 7:34
Gesamtlaufzeit44:34


Rezensionen


Von: Udo Gerhards (Rezension 1 von 8)


Nach dem grossen Besetzungswechsel vor "Drama" bleib "Yes" keine Ruhe gegönnt. Howe und Downes verabschiedeten sich, um "Asia" zu gründen und Trevor Horn konzentrierte sich auf seine Produzententätigkeit. Bassist Chris Squire und Schlagzeuger Alan White taten sich nach einem kurzen, aber schnell eingebüchsten Versuch, mit Jimmy Page etwas neues aufzuziehen ("XYZ": eX Yes & Zeppelin), mit dem südafrikanischen Gitarristen Trevor Rabin zusammen, um ein Projekt namens "Cinema" auf die Beine zu stellen. Dabei sollte Rabin auch den Gesang übernehmen; da dies aber nicht zur Zufriedenheit der Beteiligten funktionierte, rief man kurzerhand Jon Anderson an. Dieser sagte zu, und plötzlich wurde "Cinema" zu "Yes" (übrigens ein recht ähnlicher Vorgang: kurz vorher wurde aus einer Band mit dem geplanten Namen "Discipline" eine Band namens "King Crimson"...). Allerdings übernimmt Rabin immer noch einige der Gesangsstellen auf "90125". Um noch einen dedizierten Keyboarder in der Band zu haben und das "Yes"-Erbe zu rechtfertigen, holte man noch Tony Kaye ins Boot, den Keyboarder der ersten drei "Yes"-Alben, der im Vergleich zum virtuosen Show-Man Wakeman eher als biederer Handwerker gilt. Allerdings ist seine Rolle nicht genau einzuschätzen, da auch Rabin als Keyboarder aufgeführt wird sowie Trevor Horn als Produzent der Platte in Sachen Keyboards und Programmierung seine Finger im Spiel gehabt haben dürfte.

Was ist jetzt von dieser neuen Inkarnation zu erwarten? Schon Cover und Album-Titel geben die ersten Hinweise. Vorbei sind die Tage üppiger Fantasy-Bildchen von Roger Dean wie in den frühen Siebzigern und wieder bei "Drama", stattdessen ein ebenso klinisches wie aussageloses Computer-Bildchen. Und dann der Albumname: ein Blick auf den Rücken der CD verrät uns, dass 90125 nichts anderes als die Katalognummer der CD bei "Atlantic" ist...

Und musikalisch? Trevor Rabin hat später mal gesagt, wenn er gewusst hätte, dass "Cinema" auf "Yes" hinauslaufen würde, dann hätte er speziell für "Yes" anders komponiert. So ist seine Power-Pop-Handschrift das prägende Element der Platte; dazu kommt dann noch, dass der damalige Atlantic-Präsident Ahmet Ertegun zu Squire meinte, dass diesmal ein Hit dabei sein müsse, wenn Atlantic die Band weiter unterstützen solle.

Und diesen Hit hatte man: "Owner Of A Lonely Heart", der einzige "Yes"-Song, den wahrscheinlich auch normale Radiohörer kennen. "Owner" war weltweit eine Top-10-Single und schob natürlich auch die Verkaufszahlen des zugehörigen Albums kräftig an; Ertegun war sicher zufrieden. Und die "Yes"-Fans?

Zu "Owner" muss man wohl kein Wort verlieren; den Song mit seinem markanten Eröffnungsriff, Harmonizer-Gitarren-Solo und makellosem Sound kennt eigentlich fast jeder. Auch in den anderen Songs ist vom schwärmerischen symphonischen Prog der früheren "Yes" wenig übrig geblieben. Ich würde das ganze "Power-Pop" nennen: straighte Songs mit netten Melodien und gewöhnlicher Rhythmik; für puren "Pop" ist es etwas zu rockig und gitarrenlastig, für "Rock" zu poliert und glatt produziert und allgemein zu harmlos. Abundan blitzen nette Ideen durch, zum Beispiel der a-capella-Anfang von "Leave It", der Sitar-Anfang von "It Can Happen" oder der proggige Anfang von "Changes", vielleicht ein kleines Häppchen für ältere Fans der Band, das aber schnell und unmotiviert durch einen hundsgewöhnlichen Pop-Rhythmus und Rabins Gesang abgelöst wird. Der einzige echte Hinhörer zwischen den ganzen recht normalen Power-Pop-Nummern ist das kurze Instrumental "Cinema", das wehmütige Erinnerungen an die grossen Alben der Siebziger Jahre "Yes" weckt. Gerüchtehalber ist "Cinema" nur ein kurzer Ausschnitt aus einem wesentlich längeren Song, von dem aber meines Wissens nie Aufnahmen aufgetaucht sind.

Positiv fällt noch die tolle Produktion von Trevor Horn auf: amtlicher Sound, viele - aber gut durchschaubare - Schichten und immer wieder kleine Details in den Arrangements. Wenn man die Platte als 80er-Pop/Rock-Produktion sieht, ist sie ziemlich gut; mit Prog hat sie aber nicht viel zu tun, ausser, dass sie der Band "Yes" sicher viele neue Fans beschert hat, die dadurch vielleicht auch andere "Yes"-Platten kennengelernt haben. Ausserdem hatte "Yes" mit dem Riesenerfolg von "Owner" und "90125" Hitparadenerfolgs-Blut geleckt und haben seitdem immer wieder - vergeblich - versucht, diesem Erfolg nachzulaufen (siehe "Big Generator", "Talk", "Open Your Eyes" und zu einem gewissen Grad - Beispiel Techno-Bassdrum in "Lightning Strikes" - auch in "The Ladder").

Anspieltipp(s): Cinema, It Can Happen
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.6.2002
Letzte Änderung: 23.7.2013
Wertung: 7/15

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 2 von 8)


Wer YES liebt, sollte diese Platte nie anfassen, geschweige denn hören. Bei mir hat sie neben BIG GENERATOR und TALK (beides ja YES/RABIN-Machwerke) schon Platz 1 der schlechtesten Progplatte des Jahrhunderts gewonnen. Das liegt nicht mal daran, dass hier nicht Howe/Wakeman mitmachen, aber Rabin hat nur amerikanische Einheitsmucke im Kopf, Horn produziert YES als FGTH so über, dass von der eigentlichen Musik nix mehr bleibt. Ich finde, diese Platte ist technisch evtl. perfekt produziert (für den amerikanischen Markt und wenn man mal die Möglichkeiten der modernen Studiotechnik hören will), aber mit sowenig Transparenz und Tiefe, wie es ein Eddie Offord nie gewagt hätte. Wenn ich mit Kino vergleichen würde - ein Hollywood-Special-Effect-Film ohne inhaltliche Substanz. Nur "Cinema" gefällt mir einigermaßen, aber das war wohl auch eines der ersten Übungsstücke der "neuen" Band.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.6.2002
Letzte Änderung: 23.7.2013
Wertung: 2/15
(aber nur weg. Cinema)

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Von: Oliver Mensing (Rezension 3 von 8)


90125 war doch tatsächlich mein allererstes Yes-Album. Ich fand Owner... so geil, daß ich mir direkt das komplette Scheibchen zulegen mußte. Und da mir die 90125 insgesamt sehr gut gefallen hat, habe ich mich um weitere Yes-Alben bemüht und bin auf die ganzen alten Klassiker gestoßen. Ich glaube hier liegt genau das Problem: Wer Yes schon früher kannte, der hatte einfach gewisse Schwierigkeiten mit dem Rabin'schen Stil. Trotzdem ist meiner Meinung nach dieser Stilbruch immer noch anspruchsvoller gelungen als z.B. bei Genesis nach der Wind & Wuthering. Ich meine Rabin hat Yes die entscheidenden Impulse zum Überleben gegeben, denn er verband anspruchsvollen modernen Rocksound mit klassischen Yes-Trademarks und verschaffte dem Prog-Dino Yes eine Existenz in den 80ern.

Trevor Rabin konnte und kann nicht nur hervorragende Songs schreiben, sondern auch sehr gut singen und vor allen Dingen Gitarrespielen. Wenn man sich damit abfindet, daß es zwei Yes-Formationen gibt (die klassische und die Rabin'sche), dann kann man an beiden richtig Freude haben.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.8.2002
Letzte Änderung: 24.8.2011
Wertung: 12/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 4 von 8)


Bis und mit Drama spielten sie Prog, mit 90125 beginnt Yes eine Poprock-Band zu sein. Und so sollte man sie ab jetzt wohl auch bewerten. Die alte Zeit ist vorbei und kehrt nicht mehr zurück. Close to the edge ist einmalig und nicht wiederholbar.

Vielleicht waren die anderen "Grossen" konsequenter als Yes oder Genesis. ELP lösten sich nach Love Beach lieber auf, als weiter belanglose Balladen zu spielen, um sich dann allerdings 13 Jahre später wieder zu vereinigen, und nach dem ordentlichen "Black Moon" mit "in the hot seat" auf dem elektrischen Stuhl alle Illusionen zu verbraten. Gentle Giant machten zwei Jahre später mit Civilian Feierabend.

Und wo Genesis sich über das schlechte "...and then there were three" zu Duke hangelte (für mich das Pendant zu Drama), um dann mit Abacab und endlich Genesis 83 zur Popband zu mutieren, da waren es bei Yes die unbefriedigenden "going for the one" und "Tormato" die schliesslich über Drama zu 90125 führen sollten.

Beide Bands haben es vorgezogen eine Metamorphose durchzumachen, um anschliessend in neuem Glanze (oder wenigstens Gewand) wieder aufzuerstehen. Ob das Tierchen vor oder nach der Wandlung das schönere war, sei dahingestellt. Meinetwegen hätten Yes den Drama-Stil auch noch 1-2 Alben weiterführen können.

Für mich war 90125 immer ein Popalbum. Und ein sehr gutes Popalbum dazu. Es mit "Close to the edge" zu vergleichen, wäre nicht fair. Eher muss man es mit anderen Alben seiner Zeit vergleichen und da schneidet es hervorragend ab. Es gehört in die Klasse "gehobener, anspruchsvoller Poprock/Artrock". Genug der Vorrede.

Mit "owner of a lonely heart" kommt zu Anfang die erfolgreiche, eingängige Hitparadensingle, die aber dennoch nicht einfach nur billig und kommerziell, sondern trotzdem intelligent und besonders ist.

"Hold on" ist zwar relativ gewöhnlich, entwickelt dann nach einem Acapella-Mittelteil aber eine wiegende, einlullende Stimmung. Gehobener Durchschnitt.

Mit "it can happen" folgt ein eindringliche Rocker mit Mitsing-Mitklatsch-Refrain. Hoher Wiedererkennungsfaktor meets Stadionhymne. Ein paar krumme Takte und breaks und ein gefälliges Gitarrensolo genügen für ein Popstück durchaus höheren Ansprüchen. Die mehrstimmigen Gesangspassagen, beinahe wie ein Kanon, sind ebenfalls gut gelungen.

"Changes" beginnt mit einem tollen Rhythmus : 4/4, 3/4, 4/4, 3/4, 3/4 und das mit treibendem, hektischem Tempo und im besten Sinne progressiv. Passt so irgendwie gar nicht zum Rest der Platte und das Stück wird dann auch promt abgewürgt und zu einer langweiligen Gähnballade mit Rockeinschlägen vergurkt. Schade.

Was so vielversprechend begann wird zum Tiefpunkt der Platte.

"Cinema" ist ein schweisstreibendes Zwiespiel von Schlagzeug und Gitarre, im Hintergrund von Bass und Synthiteppich unterstützt. Wieder gibt es hier einen Krummtakt 2/4, 2/4, 3/4, dazwischen Frickelbreaks mit wilden Gitarrenläufen. Gegen Schluss des Instrumentals gibts noch elektronische Chöre. Ein Bombast-Kracher, der voll cool abgeht ! War das die Sprache der 80er ?

"Leave it" ist ein abwechslungsreiches Werk und war erstaunlicherweise trotz anspruchsvolleren Teilen wie acapella-intro und verschachtelten hymnischen Gesangsharmonien eine Singleauskopplung. Die 12"-Maxi ist übrigens auch Klasse ;-). "Leave it" ist für mich das beste Beispiel für anspruchsvolle Popmusik und passt für mich überhaupt nicht zu einer Bewertung wie "schlechtestes Progalbum des Jahrhunderts". Es ist ja im übrigen auch kein Prog mehr ;-).

"Our song" ist der "Spassmach-Song" des Albums. Toller Bass, fröhlicher Refrain, 80erJahre-typischer Keyboardsound.

"City of love" bringt dann monoton-aggressive, tiefe Gitarrenriffs und mehrstimmigen Gesang. Ist guter Durchschnitt.

Den Abschluss macht das tolle "Hearts". Schlicht, einfach, erst lieblich, dann erhaben. Einfach schön. Der Höhepunkt des Albums.

Wir schreiben 1983 und in dieser Zeit haben Yes genau das richtige Album geschrieben. Gehobener 80er Jahre Poprock mit einigen Progzutaten und sauber produziert.

Anspieltipp(s): Hearts, Cinema
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 11.6.2003
Letzte Änderung: 11.6.2003
Wertung: 10/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 5 von 8)


"90125" ist nicht so katastrophal ausgefallen wie später "Big Generator" oder "Talk". Die Hinwendung zum AOR ist zwar schon vollzogen, aber immerhin blitzen hie und da noch ein paar originelle Ideen auf - "Cinema", die einleitenden Sequenzen von "Changes" und "Leave it", oder das hinlänglich bekannte "Owner of a lonely heart", das bei aller Eingängigkeit doch einen ganz unverwechselbaren Charakter hat. Daneben stehen aber auch Mitgröhllieder wie "Hold on" und "City of Love", Vorboten kommenden Unheils.

Zum essentiellen Yes-Oeuvre zählt "90125" sicherlich nicht, es sei denn, man ist gerade Fan der Rabin-Jahre. Im Gegensatz zu einem meiner Vorredner ist es für mich aber keineswegs "die schlechteste Progplatte des Jahrhunderts", da gibt es ganz andere Kandidaten ;-)

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.5.2004
Letzte Änderung: 9.5.2004
Wertung: 6/15

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Von: Thomas Kohlruß (Rezension 6 von 8)


"90125" war mein Einsteiger-Album zu Yes und zum Prog überhaupt... 2004 wurde das Album nun in einer Expanded & Remastered-Version mit 6 Bonus-Tracks wiederveröffentlicht. Grund genug auch noch meinen Senf dazuzugeben...

Manchmal muss ich über den "Standesdünkel" meiner Rezensenten-Kollegen schon etwas schmunzeln... "schlechtestes Prog-Album aller Zeiten", "Dat is' Power-Pop", "Pop-Musik, aber wenigstens gute..." Oh Mann! Wann hat denn Pop jemals so genial und so angeproggt geklungen wie hier (dann würde ich nur noch Pop hören...)? Bitte die Scheuklappen ablegen, meine Freunde!

Die Einzeltitel wurden ja nun schon ausführlich seziert, also hier nur noch ein paar Blitzgedanken:

"Owner Of A Lonely Heart" - einer der (vielleicht der) anspruchvollsten Hit-Songs, den ich kenne

"Hold On" - Bombast-Rock ohne Reue

"It Can Happen" - Prog-Pop... Yes begründen ein neues Genre, leider verfolgen sie es nicht konsequent weiter

"Changes" - Coole Kombination aus Prog und einer Rock-Halbballade

"Cinema" - zugegebenermaßen ein Highlight der CD, wenn alles in diesem Stil gewesen wäre, hätten wir hier einen 15-Punkte-Kanditaten

"Leave It" - Hammer! Der Übergang von "Cinema" zu "Leave It" mit dem A-Capella-Intro ist ein Moment für die Ewigkeit

"Our Song" - ist leider nur nett, aber schön treibend, erinnert mich aber irgendwie an Asia

"City Of Love" - das Bass-Intro mit dem darübergelegten Gesang! Es entwickelt sich ein echtes Rock-Highlight, mehrmals hören, einer der 'geheimen' Höhepunkte des Albums

"Hearts" - ein netter, verspielter Abschluss

Das ist Prog-Pop, meine Herren, leider haben Yes diese Schiene schon mit dem Nachfolger "Big Generator" schon wieder ein Stück verlassen... alleine dafür, dass dieses Album vielen den Weg zu Yes und zum Prog geebnet hat (außer mir kenne ich da noch ein paar ähnlich gelagerte Fälle), hat dieses Album Kultstatus.

Die Bonustracks der 2004er-Neuauflage sind eher durchwachsen:

Auf der Haben-Seite sind ein Single-Edit und eine reine A-Capella-Version von "Leave It" und die "Cinema"-Version von "It Can Happen" (also Rabin singt statt Anderson, leichte Änderungen im Arrangement).

Auf der Mega-Ürgsel-Seite: Zwei üble AOR-Schinken namens "Make It Easy" und "It's Over" (ja, so grausam hätte es auch werden können) und ein furchtbarer 'Remix' von "Owner Of A Lonely Heart" (das ist noch schlimmer wie die Maxi-Single, die ich auf diesen Seiten schon mal vorgestellt habe).

Fazit: "90125" ist ein Kult-Album, welches in jede Yes-Sammlung (eigentlich jede Prog- / Rock-Sammlung) gehört.

Anspieltipp(s): Owner Of A Lonely Heart, Leave It, City Of Love
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.6.2004
Letzte Änderung: 31.12.2016
Wertung: 12/15
Kult!

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 7 von 8)


So! Wie war das genau mit Yes, Squire/White, XYZ und Trevor Rabin?

Yes flog nach der "Drama"-Tour auseinander. Vielen großen Bands der Siebziger ging das damals ähnlich: Plattenfirmen und Marktstrategen, aber auch Drogen, Alkohol und schlichte Dummheit hatten die Bands gesprengt. Die Bands bestanden nicht mehr - aber die Musiker waren noch da. Und mit ihnen das Potenzial, erfolgreiche Platten zu machen. Also kamen gewiefte A&R-Manager, allen voran John Kalodner, auf die Idee, die Musiker in neuen Konstellationen wieder zusammenzubringen. Chris Squire und Alan White zum Beispiel, die einzigen, die von der "Drama"-Besetzung übriggeblieben waren, wurden mit Jimmy Page und Robert Plant verkuppelt. Man gab sich den ziemlich witzigen Namen "XYZ" (eX-Yes-&-Zeppelin) und versuchte im Frühjahr 1981 ein paar Songs zusammenzuzimmern. Man weiß heute von vieren. Plant hielt das Material für zu verkopft und gab gleich am Anfang auf, Page ein wenig später. Einige der "XYZ"-Ideen sind dann als Bootleg und auf Alben von The Firm und Yes veröffentlicht worden: The Firm übernahm „Fortune Hunter", „And (Do) You Believe It?" landete als „Can You Imagine" auf Yes' „Magnification", ein Rhythmus-Pattern wurde in „Mind Drive" auf „Keys to Ascension 2" verwendet. Squires und Whites Weihnachtssingle "Run With the Fox" geht angeblich auch auf eine "XYZ"-Idee zurück.

Etwa zur gleichen Zeit kam ein südafrikanischer Rockstar namens Trevor Rabin nach England, auf der Suche nach einer Weltkarriere. Dem wurden gleich mehrere Lineups angedient: Rick Wakeman/John Wetton/Carl Palmer/Rabin, Keith Emerson/Jack Bruce/Rabin. Er spielte einige Zeit lang bei Asia mit, war dort als Frontmann angedacht. Und sogar als Keyboarder für Foreigner wurde er in Betracht gezogen. Doch dann stieß Chris Squire auf ein paar Demo-Bänder Rabins und die beiden spielten zusammen mit Alan White erste Sessions.

Atlantic Records war das nur Recht. Etwas anderes als ein kommerzielles Album hätte die Plattenfirma niemals akzeptiert, und die Demos Rabins, weit über 20 Songs, klangen vielversprechend. Squire und White hatten selbst kein so gutes Material. Nun sollte mit dem Keyboarder Eddie Jobson (Ex-UK und -Jethro Tull) eine neue Band namens Cinema gegründet werden. Doch Jobson, mitten in den Aufnahmen zu seinem Album "Zinc", musste absagen. Als Squire auf einer Party durch Zufall Tony Kaye wiedertraf, holte man kurzerhand den in die Band.

Bei Phil Carson, damals Chef von Atlantic Records in Großbritannien, müssen damals die Alarmglocken geklingelt haben: Drei Mitglieder einer bereits etablierten Band (die man also nicht mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit heben musste) und ein Sänger/Gitarrist mit Top-40-Potenzial und Frontmannqualitäten, da brauchte es nicht mehr viel. Also umwarb man nun Jon Anderson. Der, eigentlich zerstritten mit Squire, sagte überraschend zu und sang prompt die neuen Songs ein. Nun war man kurz davor, die Wiederauferstehung von Yes bekanntzugeben, da schmiss Kaye hin: Er hatte, wie schon in den 70ern, keinen Bock auf die modernen Keyboards, außerdem kam er mit Produzent Trevor Horn nicht zurecht. Zunächst übernahmen Rabin und Horn die Tastenarbeit, dann gelang es doch noch, Jobson ins Boot zu holen. Der war dann tatsächlich für genau zwei Wochen offizielles Mitglied von Yes. Er ist sogar im Video zu "Owner of a Lonely Heart" zu sehen, das just zu dieser Zeit gedreht wurde. Dann bekam die Plattenfirma kalte Füße bezüglich des Bandnamens. Atlantic befürchtete, dass man der Band die Verwendung untersagen könnte - eine entsprechende Initiative hätte sowohl von Steve Howe als auch von Rick Wakeman ausgehen können. Aus diesem Grund – und nur aus diesem - holte man Kaye zurück. Der Gedanke: Je mehr Yes-(Gründungs)-Mitglieder in der Band, umso sicherer wäre man vor Gericht. Jobson wurde daraufhin geschasst und ärgert sich bis heute über die Art, wie man ihn damals behandelte. Kaye erging es jedoch nicht besser: Er hat auf "90125" keine einzige Taste gedrückt. Die Keyboards auf dem Album wurden von einem Trevor gespielt – wie auch danach auf allen Alben, auf denen der Name "Kaye" stand.

Trevor Rabin war gar nicht begeistert von der Umbenennung. Schließlich waren seine Demos teilweise schon ein paar Jahre alt, und er hatte die Songs nicht für Yes geschrieben. Ihm war sofort klar, dass die Fans ihn für den abrupten Stilwechsel der Band verantwortlich machen würden – was dann auch prompt geschah. Die Menge will es eben einfach. Tatsächlich liegt die Sache jedoch komplizierter. Nicht Rabin war für die AOR-Wende verantwortlich, sondern Atlantic Records, sowie die Abkehr vom kollektiven Komponieren, das den Stil von Yes in den siebziger Jahren geprägt hatte. Dadurch klingen sämtliche Platten seit "90125" sehr songorientiert (einschließlich der "Keys"-Alben übrigens, deren Longtracks einfach durch das Aneinanderreihen mehr oder weniger fertiger "Stücke" entstanden sind). Für "90125" wurde zum ersten Mal so komponiert. Der Stilwechsel, der mit diesem Album stattgefunden hat, ist also nicht Rabins Schuld, auch wenn er fast alle Stücke auf 90125 komponiert hat. Auf sein Konto geht vielmehr die Veränderung der Soundgestalt der Band, weil er halt ein - äh - sehr anderer Gitarrist ist als Steve Howe, und es bei Yes immer schon vor allem auf die Gitarre, und nicht, wie immer wieder behauptet wird, auf die Keyboards ankam. Kein Wechsel an der Keyboardposition hat besagte Soundgestalt je so verändert wie die Wechsel von Howe zu Rabin und zurück.

Einen Longtrack hätte es trotzdem fast gegeben: "Time". Wäre dieser Track tatsächlich auf dem Album gelandet, wäre "90125" vermutlich nicht so ein Schock für die alten Fans geworden. Er hätte die Verbindung zu den Prog-Epen der 70er Jahre herstellen und den Übergang zum neuen Stil smoother gemacht. "Time" entstand während der Studiosessions, wurde aber nie zu Ende komponiert. Der Anfang kann allerdings ganz gut rekonstruiert werden: Das Stück begann mit dem Instrumentalteil, der heute als "Cinema" auf "90125" zu hören ist. Daran schloss sich direkt ein erster Songteil an, der später unter dem Titel "Make it easy" zuerst auf "YesYears" veröffentlicht wurde. Eine Version von "Cinema" auf Rabins Raritäten-Album "90124" dokumentiert diesen Übergang. Sie wird nach 4:13 ausgeblendet, an einer Stelle, an der ganz offensichtlich ein neuer Teil beginnt. Interessant ist dabei, dass die meisten diese beiden Teile als entgegengesetzt empfinden: Thomas z. B. sieht "Cinema" als Highlight, "Make it Easy" auf der Ürgsel-Seite, und trotzdem gehören beide zusammen. Man hört das auch an den Harmonien und kleinen Melodiebausteinen.

1983, nach drei Jahren Funkstille, stellte "90125" eine Art Wiedergeburt für Yes dar. Der Stilwechsel war damals unumgänglich: Der Progressive Rock der 70er Jahre war zu einem Witz verkommen, die Zeit ließ sich nicht zurückdrehen. Die Existenz einer Handvoll meist erfolgloser Neoprogbands ist kein Argument, jedenfalls nicht, wenn man sich deren Platten mal mit einer gewissen Ernsthaftigkeit anhört. In den späten Siebzigern hatten Bands wie Kansas, Styx oder Rush dem klassischen Progbands den Staffelstab aus der Hand genommen (und eben nicht der Punk), 1983 musste man klingen wie Foreigner, Journey - oder wie Genesis. Jon Anderson hat das damals nicht verstanden, Chris Squire und Trevor Rabin schon (heute ist das leider wieder ganz anders). In den 80ern brachte die Single "Owner of a Lonely Heart" der Band ihren bis heute einzigen Nummer-Eins-Hit ein (in den USA! Denn in Großbritannien erreichte der Song nur Platz 28). Das Album ist mit 3 Millionen verkauften Einheiten das kommerziell erfolgreichste der Band. Heute ist Yes schon froh, wenn sie nur die 200.000er Marke streift.

Der Streit unter Yes-Anhängern um den Stilwechsel und die Rolle Rabins hält bis heute an. Letztlich wird man das Album nur dann richtig in die Bandgeschichte einordnen und gerecht beurteilen können, wenn man es als ein "Cinema"-Album ansieht, das erst im letzten Moment den Namen "Yes" bekommen hat. Rabin selbst hat mehrfach geäußert, dass er völlig anders komponiert hätte, wenn er gewusst hätte, dass er an einem Yes-Album arbeitete.

Anspieltipp(s): Auf der Habenseite: It Can Happen, Cinema, City Of Love, Our Song, Hearts
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 24.1.2014
Letzte Änderung: 24.1.2014
Wertung: 7/15

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Von: Gunnar Claußen @ (Rezension 8 von 8)


Ja, "90125" hat mich damals negativ überrascht - aber wenn ich "damals" sage, dann meine ich das Jahr 2004, als dieses Album eines der wenigen war, die es in die spärliche Auswahl der Plattenläden meiner Heimatstadt geschafft hatten. Yes hatten einen Ruf und waren mir mal in einem Atemzug mit Pink Floyd genannt worden, aber beidem sind sie mit dieser Platte für mein damaliges Empfinden natürlich nicht gerecht geworden. Heute, mehr als 12 Jahre später, bin ich in der erfreulichen Lage, die Sache anders sehen zu können.

Was mir damals entgangen ist, sind nämlich die ganzen Details und Assoziationen; rechte Maßstäbe für die Einordnung dieser Musik hatte ich damals schlichtweg nicht. Fangen wir mal vorne an: "Owner Of A Lonely Heart" ist natürlich eine eingängige Nummer, die von einem prägnanten Riff dominiert wird. Das kann man für simpel halten, aber folgendes: Die zweite Strophe variiert die erste in Arrangement und Melodien bereits hinreichend, um die Spannung bis zum zweiten Refrain hochzuhalten, der nach diesem Refrain folgende Instrumentalpart schlägt direkt eine Brücke zu "Drama" ("Does It Really Happen?") und schafft damit tatsächlich sowas wie Kontinuität im Yes-Schaffen, und Trevor Rabins Gitarre danach spielt ebenfalls nicht weniger eigenwillig wie die von Steve Howe.

Auch in "Hold On" steckt mehr, als der erste Eindruck aufnimmt. Vordergründig ist das hier AOR-Schmuserock im schunkeligen 6/8-Takt irgendwo zwischen Foreigner und REO Speedwagon. Aber: Die Melodien sind gediegen, die Rhythmik wird immer wieder geschickt variiert (z.B. bei 1:10), um in dieser simplen Kulisse hinreichend zu irritieren, und Produzenten-Spielereien - i.e. diese Gesangs-Samples, die bei 2:35 komplett übernehmen - gibt es zuhauf. Ähnlich ist da "It Can Happen": Sitar-Intro, danach simpler Drumcomputer-Rhythmus, warme Harmonien. Typische Anderson-Melodien, ansonsten AOR-ig mit fast ständig eingesetzten Gitarren und quasi sowas wie der Alternativentwurf zu Asia - und wieder nette gewollte Wackler beim Rhythmus. Kurz gesagt: Trotz aller Schlichtheit sind diese Stücke schön anzuhören, weil sie ihre Geradlinigkeit kaum verhehlen und das, was sie auszuzeichnen vermag - nämlich die Melodien, den charismatischen Gesang und die damit erzeugten Stimmungen - genau ins Schaufenster stellen. Dabei wird diese Eingängigkeit durch die ganzen Spielereien aber jederzeit geradezu in Frage gestellt, was spannend ist.

Auf diesem Niveau geht es dann im Großen und Ganzen weiter, auch wenn noch einiges auffällt. So ist der Rhythmus in "Changes" ungewöhnlich nervös, und dem eher banalen Foreigner-Refrain wird immerhin eine schön mystisch anmutende Strophe vorangestellt (letztere haben sich später übrigens mal Stratovarius für "A Million Years Away" ausgeborgt). "Leave It" tönt mit seinem Gesangs-Sample-Rhythmus tatsächlich mehr nach zeitgenössischen Pop-Produktionen wie beispielsweise - natürlich aufgrund des Produzenten - der Buggles-Platte "Adventures In Modern Recordings", Peter Gabriels "Biko" oder eben Frankie Goes To Hollywood, allerdings kann der hiesige Gesangs-Overkill im Yes-Kosmos keinem Vergleich mit beispielsweise "We Have Heaven" standhalten.

Nun, ein paar Vergleiche zu bekannten Bands wurden bereits getätigt - und es geht noch weiter: Das AORige "Our Song" klingt am Anfang direkt nach "No One Together" von Kansas, später wird man die Keyboardsounds von Rick Wakeman auf "Tormato" wiederfinden. "City Of Love" eröffnet mit stampfendem Rhythmus, Orchester-Samples und eigenwilligen Akkorden, was die Nummer wie einen Wink an Genesis' "Abacab" wirken lässt, später gibt es noch Keyboardmelodien, die an "Lonely People" von Styx erinnern, und eine Textzeile lautet "No woman, no cry". Ich bin geneigt, folgende These in den Raum zu stellen: Die Verantwortlichen für diese Platte, i.e. Trevor Horn, Trevor Rabin und ein paar Label-Leute, haben sich den Markt, auf dem "90125" zu platzieren war, genau angeschaut - und eine recht genaue, durch Verfremdung und Rekombination aber auf unterhaltsame Weise ironisierte Imitation der genannten Bands und Stile hinbekommen. Und tatsächlich ließe sich dann die ungewohnte, auf diesem Album rein klanglich wie ein Fremdkörper wirkende Retro-Exkursion "Cinema" als Parodie auf Genesis' "Wot Gorilla?" deuten.

In diesem Sinne ist dann "90125" unterm Strich eine doch recht gelungene, unterhaltsame Angelegenheit: Einerseits, weil es eine eingängige Mischung aus AOR und Artpop gibt, die mit ihrer glasklaren, makellosen Hochglanz-Produktion genau auf Melodien und Stimmungen zugeschnitten ist. Und andererseits, weil es so viele dezente, aber lustige und absolut beabsichtigt wirkende Winke an andere Bands populärer Genres sowie an die Yes-Vergangenheit gibt. Natürlich ließe sich wieder einmal diskutieren, wieviel der "alten" Yes noch in den Songs auf "90125" steckt, deren wesentliche Impulse ja offensichtlich von Trevor Rabin und Trevor Horn stammten, aber das führt wahrscheinlich zu weit. Aber ich muss wohl festhalten, dass "90125" vermutlich gerade durch das Wirken dieser Personen recht unterhaltsam geraten ist. Und dazu muss es nicht mal etwas mit "Close To The Edge" zu tun haben.

Anspieltipp(s): Hold On, Our Song
Vergleichbar mit: dem Ergebnis einer Marktanalyse
Veröffentlicht am: 1.1.2017
Letzte Änderung: 4.3.2017
Wertung: 9/15
Nicht makellos, da einige Melodien nicht zünden, aber besser, als ich früher (2004) mal dachte

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Yes

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Yes 8.40 5
1970 Time And A Word 9.20 5
1971 The Yes Album 9.80 6
1972 Fragile 11.20 5
1972 Close To The Edge 13.80 13
1973 Yessongs 13.00 3
1973 Tales From Topographic Oceans 13.25 8
1974 Relayer 14.22 9
1975 Yesterdays - 2
1975 Yessongs (VHS/DVD) 11.00 2
1977 Going For The One 9.88 8
1978 Tormato 7.71 8
1980 Drama 11.50 8
1980 Yesshows 10.00 3
1981 Classic Yes 12.00 2
1985 9012 Live - The Solos 5.00 3
1987 Big Generator 6.67 6
1991 Union 6.00 7
1991 YesYears 13.00 2
1991 Owner Of A Lonely Heart - 1
1992 Yesstory - 1
1992 Union Tour Live (DVD) 7.00 1
1993 Highlights - The Very Best of Yes - 1
1993 Symphonic Music of Yes 2.00 2
1994 Talk 6.17 6
1994 Yes Active - Talk (CD-ROM) 8.00 1
1996 Keys to Ascension (VHS/DVD) 7.00 1
1996 Live in Philadelphia 1979 (DVD) 4.00 1
1996 Keys To Ascension 8.00 4
1997 Something's coming - the BBC Recordings 1969-1970 9.00 2
1997 Open Your Eyes 4.17 6
1997 Keys To Ascension 2 10.50 4
1998 Yes, Friends and Relatives 3.00 2
1999 Musikladen live (DVD) 6.00 1
1999 The Ladder 6.00 7
2000 House of Yes - Live from House of Blues (DVD) 8.00 2
2000 House Of Yes - Live From House Of Blues 6.00 2
2000 Masterworks 8.00 1
2000 The Best of Yes - 2
2001 Keystudio 9.00 2
2001 Magnification 8.00 9
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 2 (DVD) 14.00 1
2001 Live 1975 At Q.P.R. Vol. 1 (DVD) 13.00 2
2002 Extended Versions - 2
2002 Symphonic Live (DVD) 10.00 3
2002 Yes today - 1
2002 In a Word: Yes (1969- ) 12.50 2
2003 Yes Remixes 2.00 1
2003 YesSpeak (DVD) 9.67 3
2003 Greatest Video Hits (DVD) 3.00 1
2003 YesYears (DVD) 10.00 1
2004 Yes Acoustic (DVD) 6.00 2
2004 Inside Yes. 1968 - 1973. An independent critical review. (DVD) 10.00 1
2004 The ultimate Yes 10.00 2
2005 Inside Yes Plus Friends and Family (DVD) 11.00 1
2005 The Word is Live 11.00 1
2005 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (DVD) 10.50 2
2006 9012Live (DVD) 10.00 2
2006 Essentially Yes - 1
2007 Live at Montreux 2003 (DVD) 9.00 1
2007 Live at Montreux 2003 - 1
2007 Yes. Classic Artists. Their definitive fully authorised Story in a 2 Disc deluxe Set - 1
2008 The New Director's Cut 9.00 1
2009 The Lost Broadcasts 7.00 1
2009 Rock Of The 70's 7.00 1
2010 Live in Chile 1994 10.00 1
2010 Keys to Ascension (2CD + DVD Box Set) 10.00 1
2011 Union Live (DVD) 11.00 1
2011 The Revealing Science Of God 7.00 1
2011 Fly from here 8.57 7
2011 Live on Air - 1
2011 In The Present - Live From Lyon 9.00 2
2012 Yessongs - 40th Anniversary Special Edition (Blu-Ray) - 1
2013 The Studio Albums 1969-1987 - 1
2014 Like It Is - Yes at the Bristol Hippodrome 6.00 1
2014 Songs From Tsongas - Yes 35th Anniversary Concert (3CD Set) 9.00 1
2014 Heaven & Earth 5.17 7
2015 Progeny: Highlights From Seventy-Two 12.00 1
2015 Like It Is - Yes at the Mesa Arts Center 10.00 1
2015 Progeny - Seven Shows from Seventy-Two 8.00 2
2017 Topographic Drama – Live Across America 10.00 1
2018 Fly from Here - Return Trip - 1

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