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24968 Rezensionen zu 17121 Alben von 6671 Bands.
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Neal Morse

Testimony

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2003 (special limited edition)
Besonderheiten/Stil: Rock / Pop / Mainstream; RetroProg
Label: InsideOut
Durchschnittswertung: 9/15 (6 Rezensionen)

Besetzung

Eric Brenton violin, viola, flute, electric violin
Chris Carmichael violin, viola, cello, string arrangements
David Henry cello
Mike Portnoy drums, vocals
Pamela Ward & Aaron Marshall & Rick Altizer background vocals
Terry White & Gene Miller vocals
Jim Hoke & Neil Rosengarden sax & trumpet respectively
Katie Hagen french horn
Mark Leniger sax solo on "the storm before the calm"
Byron House string bass
Glenn Caruba percussion
Johnny Cox pedal steel guitar
Jerry Guidroz handclaps, sampling
Kerry Livgren guitar solo in "long story"
Neal Morse anything not mentioned before

Tracklist

Disc 1
1. the land of beginning again 3:10
2. overture no.1 5:58
3. california nights 5:46
4. colder in the sun 6:20
5. sleeping jesus 5:32
6. interlude 1:56
7. the prince of the power of the air 2:43
8. the promise 2:52
9. wasted life 6:50
10. overture no.2 2:31
11. break of day 6:55
12. power in the air 5:03
13. somber days 5:06
14. long story 5:35
15. it`s all I can do 6:25
Gesamtlaufzeit72:42
Disc 2
1. transformation 3:00
2. ready to cry 4:17
3. sing it high 4:48
4. moving in my heart 3:06
5. I am willing 6:28
6. in the middle 2:27
7. the storm before the calm 7:31
8. oh, to feel him 6:17
9. god`s theme 2:31
10. overture no.3 1:05
11. rejoice 2:28
12. oh lord my god 3:54
13. god`s theme 2 2:10
14. the land of beginning again 0:54
Gesamtlaufzeit50:56
Disc 3
1. the fang ... sings! 0:18
2. tuesday afternoon/find my way back home 13:21
Gesamtlaufzeit13:39


Rezensionen


Von: Jörg Schumann @ (Rezension 1 von 6)


Testimony: das Zeugnis, der Beweis. Warum Neal Morse Spocks Beard verlassen hat? Wie sein Glaube sich auf die Musik auswirkt? Ich habe ehrlich gesagt ein Album erwartet, welches ruhiger, sakraler, weniger progressiv oder einfach auch weniger Neal Morse/Spocks Beard-like ist. Testimony aber hätte auch ein weiteres Beard-Album sein können. Die Unterschiede sind marginal. Stellt sich erneut die Frage: warum trennte sich der Mann von seiner Band? Der Wunsch nach einem völlig anderen Sound kann es nicht gewesen sein. Immerhin wurde Mike Portnoy als Schlagzeuger verpflichtet, was Spannung verspricht. Testimony ist Snow nicht unähnlich. Rein äusserlich haben wir hier erneut ein Doppelalbum, es gibt Overturen, die einzelnen Stücke sind thematisch in 5 Teile zusammengefasst und es fehlen echte longtracks. Inhaltlich wechseln sich ruhige, besinnliche Balladen und fetzige Rocker ab.

Die Gitarre, auf den früheren Beard-Alben ein dominantes Element, ist zugunsten von Streichern deutlich in den Hintergrund getreten. Saxophon, Trompete und French Horn geben ein Gastspiel.

"I wish there was a way to start again, just blink and count to ten in the land of beginning again". Neal Morse hat neu angefangen, hat Zelte abgebrochen und neue aufgeschlagen. Aber er ist sich treu geblieben. Bei aller Neugier auf einen völlig neuen Morse ist das vielleicht trotzdem die beste Erkenntnis, die man nach dem Hören von Testimony gewinnt. Testimony ist das eigentliche neue Spocks Beard Album.

Mit dieser ruhigen Ballade beginnt Neal Morse seine Reise durch sein neues Leben. Ordentlicher Anfang, bitte mehr. Gerne! Mit "Overture" kracht uns gleich der erste Höhepunkt im Stile des Namensvetters des letzten Albums Snow entgegen. Zu Anfang bedrohliche Streicher wie zu Anfang von Luzifer (Eve), French Horn, Klavier, wieder Streicher, ein Cello-Solo, Hammond-Orgel, ein fetter Synthibass, drum-Gewitter: die gewohnten Zutaten des Morse`schen Breitwand-Brachial-Sounds. Erinnert teilweise an duel with the devil (Bridge Across Forever). Spätestens jetzt wird klar, dass man beruhigt weiterhören kann: man hat kein Album erstanden, dass einen mit Kinderkirchenchor, Orgelchorälen und Bibelzitaten überhäuft, was ich keinesfalls blasphemisch meine.

California nights ist ein einfaches, anfangs fröhliches Stück, dessen Höhepunkte ein french horn-Solo und ein anschliessender Instrumentalpart mit schleppendem groove, nettem Gitarrensolo (der Meister kann dies schliesslich auch selber) und Frauenbackground-Chor Marke "great gig in the sky" (The Dark Side of the Moon) ist. Sanfte Streicher, Mellotron und tiefe Pauken beenden das Stück hymnisch.

Direkt wird übergeleitet in "colder in the sun", welchem ein fetziger Rhythmus im Stile von "at the end of the day" zugrundeliegt. Der Gesang wirkt teilweise bedrohlich, der keyboardsound ist etwas quäkig. Das Stück macht aber Spass; auch hier streuen die Streicher interessante Farbtupfer ein. Mal Bombast (erinnert mich an Pirates von Emerson, Lake & Palmer), mal zarte Keyboardtupfer. Der Mann hat es einfach drauf.

"Sleeping Jesus" beginnt still mit Percussion, akustischer Gitarre und Gesang. Ein ruhiges, fliessendes Stück, das erst etwas Tempo und Druck rausnimmt, um sich dann wieder zu steigern. Rollende Toms kommen dazu, die Hammond Orgel setzt Stakkatoakkorde oben drauf, die akustische Gitarre schrummt und zwirbelt vor sich hin. Schotten auf, alle Register ziehen, volle Bombastbreitseite. Ein kurzes instrumentales Interludium mit fettem Riffing, harten drums und Hammond Orgel leitet über in

"The prince of the power of the air", welches das Interludium-Thema fortsetzt, hart und rockig das Zwerchfell massiert und der Bruder von "long time suffering" oder "devil`s got my throat" sein könnte. Nahtlos geht es weiter mit "the promis" und einem Samba-Teil mit interessanten vocals und spanish guitar-Solo. Immer noch habe ich mich keine Sekunde gelangweilt.

"Wasted life" ist eine sehr besinnliche, ruhige, von Piano und warmem, schwingendem Bass bestimmte Ballade. Nicht speziell, sondern einfach bloss schön. Gegen Ende wird`s hymnisch und atmosphärisch. Das war part one. Wie aus einem Guss.

Part two beginnt mit Overture no.2. Wieder fetter Synthibass, Streichersätze, double bass, dazu tolle Übergange, Dynamiksprünge und intelligente breaks. Prog-Herz was willst Du mehr!

"Break of day" ist etwas gewöhnlicher und wirkt ausserdem vertraut. Auch mit "power in the air" macht Morse in etwa da weiter, wo er mit "colder in the sun" aufgehört hat. Wirkt auch vertraut. "Somber days" ist eine ruhige Ballade, für die das gleiche gilt, wie für die Titel zuvor. Entweder nimmt Morse hier Themen von früher wieder auf oder ihm ist nichts Neues mehr eingefallen und er hat ähnliche Melodien komponiert. Schön ist ein Flötensolo, das Stück als Ganzes bleibt aber nicht gross haften. Es ist allerdings symptomatisch für die Stimmungen und Lebenskrisen, die ihn nicht nur dieses Album komponieren, sondern auch ein Christ werden liessen.

"Long story" ist anfangs gewöhnlich, dann folgt ein grooviges Zwischenspiel mit Hammond-Tupfern, Gitarre und tollem Schlagzeug. Das Thema gab`s vorher allerdings auch schon mal. Das traurig-depressive "it`s all I can do" beendet die erste CD. Sehr persönlich und mit eindringlichem Text singt Morse von vergangenen Zeiten, in denen er verzweifelt und wohl ohne Lebenslust war. Stark. Dabei muss ich erwähnen, dass mir die Texte und Neal`s Motivation dafür an und für sich egal sind. Doch wenn das Lied als ganzes dann wirkt, bitte.

Die zweite CD beginnt mit "transformation" den dritten Teil des "Zeugnisses". Ähnlich wie die Overturen gibt es wieder Streicher satt, tiefe Bassuntermalung und treibend-dampfendes Schlagzeug. Dann setzen Bläser ein und öffnet sich das erst düstere Klanggemälde mit Genesis-typischen Akkorden in das hymnisch-rockige "ready to try".

"Sing it high" ist mal anders: mit schneller Akustikgitarre und nur sanfter bassdrum im Hintergrund wirkt es beinahe wie ein Folksong am Lagerfeuer. Western-Gitarren-Solo, Hillbillie-Violine und Zwischenrufe tun das ihre dazu.

Es folgt part four und "moving in my heart", in welchem Morse über sich und seine Frau Cherry und ihre Heirat singt. Naja, musikalisch nichts weltbewegendes.

"I am willing" ist das erklärte Lieblingsstück von Morse. Die Stelle bei 2:18 wäre für ihn, mit Orchester eingespielt, das Ultimative. Das Stück ist ruhig, mit viel Atmosphäre und Gefühl, fliesst wunderschön dahin und balsamiert einem die Seele. Höhepunkt, wenn auch kaum proggy. Gegen Ende wird es wieder hymisch.

"In the middle" erinnert mich wieder ein wenig an "duel with the devil", ein Pianosolo ist recht abgefahren. Nahtlos geht es weiter mit "the storm" und einem Trompetensolo, es folgt ein Saxophonsolo, der spanish-guitar-theme-choir setzt wieder ein. Je länger ich zuhöre, desto häufiger erscheint mir das ganze konzeptmässige Schleifen zu beinhalten. Immer wieder werden Themen und Ideen wieder aufgenommen und leicht variiert.

Mit "oh, to feel him" beginnt der Lobgesang auf Gott. Stilistisch ähnlich wie "it`s all I can do" preist Neal Morse Gott, beschreibt seinen Weg zu ihm und dankt ihm dafür.

"God`s theme", welch ein Titel! Da braucht es schon viel Überzeugung und Mut, ein Stück so zu nennen. Pathetisch, gefühlvoll, erhaben und nachvollziehbar.

Part five beginnt mit der dritten Overture. Stilistisch den ersten beiden ähnlich, vielleicht etwas fröhlicher gehalten, aber nicht mit weniger Grandezza eröffnet sie die finale Lobpreisung des Herrn.

"Rejoice" ist das grossartige "wind at my back" von Testimony. Let`s praise the lord! The king is here! "Oh lord my god" nimmt ein früheres Thema wieder auf und führt es rockig, mit trockenen beats, in "god`s theme 2" über. Neal ist angekommen. Er hat sich gefunden, seinen Platz, seine Bestimmung. There is a land of beginning again.

Neal Morse ist ein tolles "Debut" gelungen. Es gibt zwar vor allem in part two einige weniger starke Stücke und einige Längen, so dass ich versucht bin zu sagen, eine CD hätte es wohl auch getan. Doch summa summarum bleibt ein interessantes Album, das Feel Euphoria allemale hinter sich lässt und wohl auch sonst zu den besseren des Jahrgangs gehört. Wie es im Vergleich zu den älteren Werken der Bärte abschneidet, entscheidet sich wohl erst mit der Zeit. Im Moment siedle ich es neben "V" und "Snow" an.

P.S. Die Bonus-CD hätte man sich sparen können. "Tuesday afternoon" ist ein MoodyBlues cover, "find my way back home" kenne ich nicht.

Anspieltipp(s): part one
Vergleichbar mit: Spocks Beard (snow & V)
Veröffentlicht am: 20.9.2003
Letzte Änderung: 21.9.2003
Wertung: 11/15

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Von: Udo Gerhards (Rezension 2 von 6)


Welche neuen Erkenntnisse hat uns dieses Album gebracht?

 [x] Wir wissen, wie die alten Spock's Beard mit weniger
     elektrischer, mehr akustischer Gitarre und mehr Streichern
     geklungen hätten
 [x] Neal Morse ist sicher nicht aus Spock's Beard
     ausgetreten, weil er andere Musik als vorher machen wollte
 [ ] Neal Morse' Bekenntnis ist wesentlich kitschiger und
     pathosbeladener als die alten Spock's Beard Alben
 [x] Die Texte von Testimony sind keine Bekehrungs-Predigt
 [ ] Die Texte von Testimony sind erträglich
 [x] Neal Morse' elektrisches Gitarrenspiel klingt praktisch
     genauso wie das seines Bruders (oder andersrum)
 [x] Testimony ist besser als Feel Euphoria und mindestens so gut
     wie Snow

Was wussten wir schon immer und wurde durch Testimony bestätigt?

 [x] Spock's Beard Musik war bis vor Feel Euphoria immer Neal
     Morse Musik
 [x] Neal Morse' Musik klingt immer nach Neal Morse Musik
 [x] Neal Morse kann innerhalb kurzer Zeit nahezu beliebig 
     viel gutklassige Neal Morse Musik produzieren
 [ ] Ein mit geringem Budget aufgenommenes Amateur-Orchester
     klingt genauso gut wie ein grosses professionelles
     Orchester, das in einem fetten Studio aufgenommen wurde
Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Spock's Beard
Veröffentlicht am: 23.9.2003
Letzte Änderung: 23.9.2003
Wertung: 8/15

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Von: Sebastian Mack (Rezension 3 von 6)


Das Neal Morse nach seinem Split weiter Musik machen würde, war mir völlig klar, aber ich hätte nicht damit gerechnet, gleich ein zweistündiges Progepos vorzufinden! Die textliche Ausrichtung dürfte ja mittlerweile allen klar sein: Neal Morse verarbeitet seinen Weg zum Glauben.

Die Musik auf „Testimony“ kann man als SNOW mit weniger Hardrock- und mehr Prog- und Klassikelementen bezeichnen. Ab und zu scheinen auch seine Songwriter-Qualitäten durch. Wer meine Besprechung zu SNOW gelesen hat, der weiß, welchen Platz dieses Album in meinem Leben eingenommen hat. Auch „Testimony“ kann man einen solchen Platz zuschreiben: Es ist voll von „Neal Morse-Musik“, wie sie der typische Spock’s Beard Fan hören möchte, dazu gehören proggige Instrumentalabfahrten mit genial implementiertem Orchester, wunderschöne Balladen, Countryparts und rockige Einlagen.

Zwar hat mich SNOW durch den persönlichen Zusammenhang damals mehr berührt, aber aus rein musikalischer Sicht sind Neal hier die Übergänge zwischen den Songs deutlich besser gelungen und es gibt wirklich keine Durchhänger. Es ist schwer zu beschreiben, „Testimony“ ist irgendwie gefühlvoller, schöner und progressiver, SNOW wiederum berührt mich persönlich noch heute, rockt für (alte) Spock’s Beard Verhältnisse ungemein. Ich kann Testimony leider nicht beurteilen, ohne es mit SNOW zu vergleichen! ;-)

Die Texte sind ja auch so eine Sache: Viele finden es nicht okay, dass Neal so „missionarisch“ über seine religiöse Lebensgeschichte und seine Erfahrungen damit erzählt – ich finde es einfach nur ehrlich! Wann bekommt man heutzutage schon noch so persönliche Musik? Wie man zu den Songinhalten steht, ist ja jedem selbst überlassen. Ich finde es sehr interessant, Neal zuzuhören und störe mich keineswegs an den Texten. Dazu muss natürlich gesagt werden, dass ich schon religiös bin und an Gott glaube. ;-) Ich finde es sozusagen faszinierend, wie man Gott so nahe seien kann. Andererseits kann es einen auch sehr nachdenklich machen.

Ich könnte noch lange so weiterschreiben und wüsste immer noch keine Punktzahl. Der „Berührungsfaktor“ inklusive mehrfacher Gänsehaut und Tränen (ganz ehrlich: beim ersten Hören) wird keiner Skala gerecht.

Fazit: Testimony würde SNOW ersetzen, wenn ich nochmal in so eine „Wasted Life“- Phase ;-) komme!

Anspieltipp(s): Overture I, Wasted Life, Oh, To Feel Him
Vergleichbar mit: Snow, typisch Neal Morse (mit extra-Schicht Bombast)
Veröffentlicht am: 28.9.2003
Letzte Änderung: 28.9.2003
Wertung: keine

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 4 von 6)


Warum scheint dieses Album selbst für diejenigen Rezensenten, die es richtig klasse finden, irgendwie problematisch zu sein? Seltsam, oder? Die Antwort ist überraschend - bei dem Thema: Es ist banal. Fragt sich nur warum. Der Grund liegt, meiner Meinung nach in der Thematik. Neal Morse hat eine - wie er sagt - bedeutende und bewegende persönliche Erfahrung gemacht, die sein Leben vollkommen umgekrempelt hat. Davor, und vor den Entscheidungen, die er daraufhin getroffen hat, muß man Respekt haben. Das Problem dabei ist, daß diese Erfahrung eine religiöse ist, also eine, die für Außenstehende rational nicht zugänglich und damit letztlich nicht wirklich mitteilbar ist.

Morse scheitert an der letztlichen Unaussprechlichkeit seiner Erfahrung: Solche Erfahrungen nämlich sind in viel höherem Maße als die Liebe, das Zerbrechen einer Beziehung oder die Tatsache, daß die Welt mal ordentlich gerockt gehört (die klassischen Themen der Rockmusik also) subjektiv und individuell verschieden. Texte wie "Lord take me, I am willing" mögen daher für ihn unendlich viel bedeuten, allen anderen Menschen - und dabei schließe ich religiöse Menschen mit ein - muß die tiefe individuelle Bedeutung dieser Texte jedoch verschlossen bleiben. Morse hat daher allenfalls transportieren können, wie viel ihm seine Erfahrung bedeutet, der Versuch zu erklären, was sie ihm bedeutet jedoch war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Ersteres hätte sich in inspirierter, qualitativ hochwertiger Musik ausdrücken lassen, letzteres führt (siehe Wakeman oder Eela Craig) in den allermeisten Fällen in die hohle Banalität.

Ähnlich wie diejenigen musikalischen Momente auf der Platte, von denen Morse sagt, sie trieben ihm die Tränen in die Augen, bleiben die Texte so für den Hörer banal, im besten Fall, der gleichzeitig aber der schlimmste ist, findet er Assoziationen in seinem eigenen Leben, kann also Einiges erahnen, läuft damit aber Gefahr, die Platte nicht zu verstehen, weil er sie mit dem eigenen Erlebnis assoziiert und der Weg zu Morses verbaut ist. Daß verstanden zu werden aber ein wichtiges Anliegen dieser Platte ist, ist wohl unüberseh/hörbar.

Dies betrifft aber nicht nur die Texte, auch die Musik leidet. Denn dies ist eben keine Fortsetzung von Spock's Beard mit anderen Mitteln. Die Platte enthält einen Haufen Pop-Rock-Songs, die Progressive-Elemente beschränken sich auf die pompös betitelten "Overtures" und ein paar Überleitungen, in die Songs integriert wird fast nichts - und eben das machte doch die Stärke von Alben wie "V" oder "Beware of Darkness" aus.

Sicher, von Sound her nehmen sich "Testimony" und diese Alben nichts (von den vielen Geigen hier mal abgesehen), aber das war ja schon bei "Snow" so, daß dort weitgehend nur der Spock's-Beard-Sound beibehalten wurde, nicht aber die kompositorische Klasse der Band.

Ein Wort noch zu Portnoy. Der wird ja mittlerweile buchstäblich in den Himmel gehoben, ja sogar zum "Prog-Gott" erklärt. Meiner Meinung nach ist das - jenseits seiner Arbeit mit Dream Theater - nicht durchgängig gleichermaßen angemessen. Sieht man ihn mit Morse oder mit Transatlantic spielen, muß man feststellen, daß er vor allem laut ist. Kein Vergleich mit den geschmackvollen und weit sensibleren Spiel von Nick D'Virgilio. Andererseits vermisse ich NDVs technische Raffinesse hier nicht, weil die Songs hier oft doch recht simpel sind. Portnoys Beitrag mag konventionell sein, er paßt damit aber sehr gut zum Stil der Platte.

Anspieltipp(s): Die Ouvertüren
Vergleichbar mit: Spock's Beard: Snow, anderen Neal-Morse-Alben
Veröffentlicht am: 29.9.2003
Letzte Änderung: 28.6.2011
Wertung: 7/15
Die konsequente Fortsetzung der Linie "V" -> "Snow"

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Von: Christian Rode @ (Rezension 5 von 6)


Neulich im Progseminar:

Dominik: "Ähnlich den Mystikern, die einen direkten Zugang zu Gott suchten, Gott sinnlich zu erfahren suchten, scheitert Morse nun an der Unaussprechlichkeit (eine Wortbildung der Mystiker) seiner Erfahrung."

Jörg: "Es gibt (...) vor allem in part two einige weniger starke Stücke und einige Längen, so dass ich versucht bin zu sagen, eine CD hätte es wohl auch getan."

Hättest du nur geschwiegen, Neal?

Wer die alten Sachen von Spock's Beard im Stil der Alben von Kindness of Strangers bis Snow mag, der wird auch an TESTIMONY sein Wohlgefallen finden. Morse mischt nämlich einfach die bekannten Merkmale der Bärte ein weiteres Mal zusammen, ergänzt dies durch massiven Streichereinsatz und heraus kommt Fun-Retro-Prog in bewährter Qualität, nur einen Tick symphonischer.

Gemäß der Anlage des Albums (2/3 Läuterungsgeschichte, 1/3 Lobpreisung Gottes) wird der Hörer, der mehr auf in die Beine gehenden Retro steht, auf der 1. CD besser bedient, während der Proggie, dem es mehr um Gefühle der Erhabenheit bis zum Schwulst geht, CD 2 präferieren wird.

Wahrscheinlich drückt die Musik die Gefühle des Ex-Beard besser aus als seine Worte. Und da diese der der alten Bärte sehr ähnlich ist, wissen wir jetzt, dass Morse bereits seit Jahren um seinen Glauben ringt und TESTIMONY nur die Reflexion seines Durchbruchs ist. Also, liebes Seminar: Die alten SB-Alben im Licht dieser Erkenntnis nochmals neu rezipieren! ;O)

Anspieltipp(s): Colder in the Sun
Vergleichbar mit: SB
Veröffentlicht am: 3.10.2003
Letzte Änderung: 13.3.2012
Wertung: 9/15

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Von: Thorsten Gürntke @ (Rezension 6 von 6)


Neal Morse macht nun Solo weiter. Nachdem seine ehemaligen Kumpane unter dem Namen SPOCK'S BEARD weiter machen, geht Neal nun dem Egotrip nach und veröffentlicht sein sonst der Band zur Verfügung stehendes Songmaterial nun einzig unter seinem Namen. "Testimony" ist zwar schon das dritte Soloalbum des Herrn Morse, jedoch das erste, welches nun die christliche Seite des Neal Morse zeigt. Schließlich war es Gott, der mit Neal gesprochen hatte und nun die Geschicke lenkt.

Morse erzählt auf diesem Album die Geschichte seiner Bekehrung zum christlichen Glauben. Es handelt sich also nicht, wie von vielen Leuten behauptet, um ein missionarisches Album, welches alle bekehren will. Vielmehr sind die Texte nunmehr autobiografisch. Ob man damit etwas anfangen kann, hängt von der Einstellung jedes Einzelnen ab und sollte somit eure Entscheidung bleiben.

Musikalisch hat sich bei Neal Morse jedenfalls nicht viel geändert. Die Entwicklung von SPOCK'S BEARD bis "Snow" wird hier konsequent fortgeführt. Wobei, Entwicklung ist sicherlich nicht das passende Wort. Vielmehr ist dieses Album nicht wirklich was anderes. Einzige Veränderung ist ein eingesetztes Orchester. Der Sound ähnelt dem alten SB Sound doch ungemein, trotz anderer Musiker. Die Begeisterung, die Snow noch bei mir hervorrief, kann ich bei "Testimony" nicht mehr feststellen. Der Überraschungseffekt ist gleich Null. Ich sehe musikalisch wenig Weiterentwicklung. Hier und da kopiert Morse eigene Ideen, er tritt auf der Stelle, hebt sich kein Stück musikalisch ab. Sicher klingt das alles auch mal wieder ganz nett. Aber ehrlich, da hätte ich mir auch mal wieder ein Spock's Beard Album anhören können. "Testimony" hat zudem den Haken der Doppel CD. Oft beklagt, doch immer wieder erscheinen Alben, die einfach zu lang sind. So gehts mir auch bei diesem. Es reißt mich nicht vom Hocker, tolle Ideen verlaufen sich in der Masse, wirken nicht wirklich nach. Eine CD hätte es sicher auch getan, wahrscheinlich hätten dann aber die Texte nicht drauf gepasst ;-) Für mich zeigt "Testimony", mit Ausnahmen, die stärksten Momente zwischen Part 2 und Part 5. Davor ist es meist zu schwammig und danach zu pathetisch. Klar, das zeigt sich auch zwischendrin immer wieder.

Nun ja, alles in allem bin ich nicht so begeistert von "Testimony". Das Album wird sehr kontrovers diskutiert, besonders wegen seiner Texte. Ich kann das eher weniger nachvollziehen, da niemand mich bekehren will oder den Besserwisser raushängen lässt. Musikalisch gesehen ist "Testimony" einfach nicht mitreißend genug, um wirklich zu begeistern. Für mich war "Feel Euphoria" seiner ehemaligen Bandkumpane wesentlich überraschender, wenn auch sicher nicht die Offenbarung, dennoch wesentlich frischer.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 4.10.2003
Letzte Änderung: 30.1.2004
Wertung: 10/15
Ist dies das bessere Spock's Beard Album oder ...?

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Neal Morse

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1999 Neal Morse 6.67 3
2000 Merry Christmas From The Morse Family 10.00 1
2001 It's Not Too Late 6.33 3
2003 The Transatlantic Demos 10.00 2
2004 Testimony Live (DVD) 11.00 1
2004 One 10.80 6
2005 ? 10.75 4
2006 Cover To Cover - 1
2006 Send the Fire - 1
2007 Sola Scriptura 7.33 7
2007 Songs From The Highway - 1
2007 ? Live 6.33 3
2008 Sola Scriptura And Beyond (2DVD) 12.50 2
2008 Lifeline 7.40 5
2009 So Many Roads (Live In Europe) 10.00 2
2011 Testimony two 10.33 3
2012 Momentum 11.33 3
2013 LIVE Momentum 11.00 1
2014 Songs From November - 2
2015 The Grand Experiment 9.67 3
2015 Morsefest 2014 10.50 2
2016 The Similitude Of A Dream 10.75 4
2016 Alive Again 10.00 2
2017 Morsefest 2015 12.00 2
2018 Life & Times - 1
2018 The Similitude Of A Dream Live In Tilburg 2017 11.50 2

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