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Anathema

A natural disaster

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2003
Besonderheiten/Stil: Independent / Alternative; New Artrock; Psychedelic
Label: Music For Nations
Durchschnittswertung: 9/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Vincent Cavanagh vocals, guitar
Danny Cavanagh guitars, keyboards, vocals
Jamie Cavanagh bass, programming
John Douglas drums
Les Smith keyboards, programming

Gastmusiker

Anna Livingstone spectral voice on 4
Lee Douglas lead vocal on 7

Tracklist

Disc 1
1. Harmonium 5:28
2. Balance 3:59
3. Closer 6:20
4. Are you there ? 4:59
5. Childhood dream 2:11
6. Pulled under at 2000 metres a second 5:23
7. A natural disaster 6:28
8. Flying 5:57
9. Electricity 3:52
10. Violence 10:46
Gesamtlaufzeit55:23


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 3)


Zu viel Floyd hat schon mancher bereut...

Wie ich das meine? Nun ja, da ist diese unglaubliche Band namens Anathema, die mit Death-Metal begann, die dann allmählich leiser wurde, bis sie mit dem Album "Judgement" einen neuen Weg fand, zwar Floyd-orientiert, aber eigenständig, die dann mit "A fine day to exit" noch griffiger und kompakter wurde, ein Meisterwerk hinlegte, und die nun, zwei Jahre nach dem "feinen Weg hinaus", ein Album vorlegt, das – ich scherze jetzt nicht – größtenteils Songs enthält, die zwei Jahre alt sind. Das sind keine Gerüchte, ich las es in einem Interview mit Gitarrist Danny Cavanagh.

Selbstverständlich wäre das allein ja keineswegs schlimm; dieser Umstand könnte allenfalls das Vorurteil aufwerfen, die Songs seien wohl für "Fine day" nicht gut genug gewesen und taugten gerade mal für die Resteverwertung. Schlimm ist nur, dass ich (als bisheriger Bewunderer der Gruppe) genau diesen Eindruck nicht loswerde, dass hier zwei Jahre alte Reste verwertet werden, und das nicht einmal besonders geschickt.

Das Schrecklichste zuerst: In der Mitte des Albums befindet sich der Titel "Pulled under at 2000 metres a second": kerniger Song, alles, was recht ist, manche schreiben sogar, er erinnere an frühere Anathema-Zeiten (obwohl ich das überhaupt nicht so sehe, aber egal): jedenfalls ist dieser Song genau zwei Minuten und neun Sekunden lang zu ertragen, denn exakt bei der Displayangabe 2:10 erscheint ein in Worten unbeschreiblicher Abklatsch von Pink Floyd's "Sheep", textlich und musikalisch (passend zu der Textzeile bei Floyd: "Harmlessly passing your time in the grassland away" und natürlich zu den folgenden mit gleichem Rhythmus). Nun gut, bei Floyd wird viel geklaut, aber doch meistens instrumental; dermaßen frech, dass ich fast die Original-Lyrics zu hören glaube, ist mir das noch nicht untergekommen. Anathema haben zwar auf ihren "Resonance"-Samplern schon Coverversionen von Floyd/Waters-Songs veröffentlicht, aber da taten sie das wenigstens offiziell – dies hier geht auf keine Kuhhaut.

Ja, aber andererseits ist dieser Song gerade wegen des Schafe Stehlens der interessanteste des Albums, denn was es sonst noch zu hören gibt, weckt meine Neugier nicht im geringsten: meistens ist ein wiederkehrendes Schema zu hören, das mit wichtigtuerischer Elektronik einen Song einleitet, um dann – bei gleichbleibender Rhythmik – nach und nach Gitarren einzusetzen, die noch mehr Wichtigkeit vortäuschen sollen, weil sie lauter klingen. So funktionieren z.B. die Songs 2 und 3, und zwar mit dem Ergebnis, dass sie eigentlich einen einzigen Song darstellen, der dann gleich die Möglichkeit zweier Spannungsbögen mit Gitarren eröffnet: die "Schnittstelle" fällt dann nur dadurch auf, dass man plötzlich einen Vocoder statt Stimme hört. Auch "Violence", nach Auskunft der Band der innovativste Song für die weitere Entwicklung, läuft nach exakt diesem Prinzip ab, er ist nur etwas länger.

Und dass hier auf dem Titelsong "Natural disaster" eine Frauenstimme zu hören ist (Schwester des Drummers), nützt leider auch nichts, weil der Versuch viel zu bemüht nach Tori Amos klingt: so wird kein Album mehr originell, das bis zu dieser Stelle nur enttäuschend gewesen ist...

Die gute Nachricht: Wer auf psychedelisch orientierte Musik in jeder Form steht, wird dieses Album sicherlich mehr mögen als ich. Eingefleischte Anathema-Fans werden allenfalls wenig enttäuscht sein. Aber ich – nun ja, ich bin selten ein Fan von aufgewärmten Mahlzeiten (jedenfalls nicht in dieser Sparte: erlesene Gewürze des Neoprog können mir durchaus einen verkochten Brei etwas auspeppen ;-)).

Anspieltipp(s): lieber ganz bleiben lassen...
Vergleichbar mit: dem Floyd/Psychedelic-Dunstkreis im weitesten Sinne
Veröffentlicht am: 5.1.2004
Letzte Änderung: 22.4.2013
Wertung: 4/15

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Von: Markus Peltner @ (Rezension 2 von 3)


Mit "A Natural Disaster", dem siebten Album der Band Anathema, haben die fünf Briten ein tolles Album vorgelegt. Alle Lieder stammen aus der Feder von Danny Cavanagh, nur "Balance" ist eine Coproduktion der Brüder Danny und Vincent Cavanagh mit Schlagzeuger John Douglas. Und seit dieser Veröffentlichung ist die Band fast schon zu so etwas, wie einem kleinen Familienunternehmen geworden, nachdem nun auch noch der dritte Bruder, Jamie Cavanagh, in die Band eingestiegen ist und den Bass übernahm.

Vom Doom oder Death Metal Sound inklusive "Growling" haben sich die fünf Briten schon lange entfernt und glänzen seither mit abwechslungsreichen, dichten und melancholischen Soundlandschaften. Die der Band immer wieder nachgesagte und auch leicht nachzuhörende Nähe zu Pink Floyd kommt, wie mein Rezensentenkollege bereits beschrieben hat, am deutlichsten bei "Pulled Under At 2000 Metres A Second" zum Vorschein. Hier lässt sich die Übereinstimmung zu "Sheep" nur schwerlich abstreiten. Diese Übereinstimmung dauert etwa 40 Sekunden und es stellt sich wirklich die Frage, ob dafür Tantiemen an Herrn Waters zu zahlen sind. Bei 4:30 passiert es dann sogar nochmal. Aber auch mit diesen "Anleihen" wirkt das Lied sehr kraftvoll und in sich geschlossen, besitzt einen treibenden Rhythmus und weiß als Rockstück zu gefallen.

Das waren sie aber dann auch schon, die Übereinstimmungen mit Pink Floyd, die auf "A Natural Disaster" festzustellen sind. Sonst steht die Musik ziemlich eigenständig da, eben wie Anathema-Musik am Anfang des neuen Jahrtausends. So können die ersten beiden Stücke mit ihren Steigerungen und den mehrstimmigen Gesangparts überzeugen. Beim dritten Track "Closer" kommt der Vocoder zum Einsatz und schafft eine ganz eigene Stimmung. Auch hier ist es die Steigerung, die das Ganze nie langweilig werden lässt. "Are you there" kommt dann ganz ruhig und schwebend daher. Als nächstes bekommen wir in "Childhood dream" Kinderstimmen zu hören. Das kürzeste Lied auf der CD erweckt von der Stimmung her Erinnerungen an einen Italo Western - und damit an die Kompositionen von Ennio Morricone.

Beim Titeltrack, "A Natural Disaster" kommt Lee Douglas, die Schwester des Drummers zum Einsatz, womit wir nun bereits beim Zweifamilienunternehmen wären. Das Lied ist klasse und auch der Gesang gefällt. Und gerade das "No matter what I say, No matter what I do, I can't change what happened" singt sie so schön verzweifelt, dass man ihr fast schon Hilfe anbieten möchte. Die nächsten beiden Titel sind wieder sehr ruhig gehalten, wobei "Flying", wie schon die ersten beiden Tracks, eine sehr schöne Steigerung aufweist.

Als weiteren Höhepunkt gibt es dann noch das Instrumentalstück "Violence". Eine geniale Nummer, die man sich auch als Soundtrack eines Filmes vorstellen könnte. Wobei beim Hören sicher bei jedem ein anderer Film abläuft... Das Lied ist allerdings kein echter Longtrack. Es kommt zwar nicht diese komische Pause mit dem Hidden Track, aber sehr viel kreativer ist das hier auch nicht. Ab 4:45 klingt das Lied mit etwas Klavier und sphärischer Synthesizer-Hintergrundmusik langsam aus, bis es bei 10:46 wirklich endet.

Fazit: "A Natural Disaster" ist ein tolles Album, was den Vorläufern in nichts nachsteht. Prog ist das nicht, aber wer Spaß an gut gemachter, innovativer und abwechslungsreicher Rockmusik hat, der wird auch an diesem Album Spaß haben.

Anspieltipp(s): Closer, A natural disaster, Violence
Vergleichbar mit: Den anderen Anathema Veröffentlichungen nach der Death Metal Phase
Veröffentlicht am: 19.5.2011
Letzte Änderung: 2.3.2012
Wertung: 11/15
Ein Album, das man immer wieder gerne hört und nicht so schnell langweilig wird.

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Von: Michael Hirle @ (Rezension 3 von 3)


"A fine day to exit" war eine kreative Sackgasse. „Eternity“ hatte das „Meisterwerk“ angedeutet, „Alternative 4“ stellte die Weichen, „Judgement“ setzte zum Sprung an. Alle kreative Vorbereitung explodierte dann im hochgelobten „A fine day to exit“. Nach dem Knall kommt der Fall. Also konnte es mit „A Natural Desaster“ nur bergab gehen? Mitnichten! Eine Kehrtwende war allerdings unumgänglich. Und die Helfer, welche den Wagen aus der Sackgasse beförderten, sind klar erkenn- und benennbar: Radiohead.

Es gibt zwar immer mal wieder Rückbesinnungen auf alte und uralte Tage, "Childhood Dream" z.B. könnte als Zwischenspiel auch auf „Serenades“ funktionieren, „Pulled Underat...“ knabbert zwar mehr an der Schwarz- denn als an der eigenen Todes-Wurzel, aber die Wutwurzel wirkt generell wie ein Befreiungsschlag nach all der kopflastigen Melancholie der vergangenen Alben. Einen ähnlichen Weg geht „Violence“, nur wird hier der „Black-Metal“ in gleißendes Licht getaucht und verbreitet eine ähnliche wohlige Atmosphäre wie sie später ihre französischen Brüder im Geiste, Alcest, zelebrieren werden. Auf „Closer“ ist der Einfluss von „Kid A“ und „Amnesiac“ am deutlichsten spürbar und mit „Are You There?“ hat die Band eine Jahrhundert-Ballade hingelegt. „Balance“, „Electricity“ und der Titelsong weisen auf eine kommende Großtat in Gestalt von „Weather Systems“.

Für mich überflügelt „A natural disaster“, „Alternative 4“, „Judgement“ und ja, auch „A fine day to exit“. Nicht weil es schlechte Alben wären, im Gegenteil, aber hier verlässt die Band endlich mal ihre ausgereizten (aber bewährten) Pfade und traut sich in neue Gefilde. Wenn man nun progressiv mit experimentierfreudig gleichsetzt, so ist „A natural desaster“ wohl ihr bisher progressivstes Werk.

Anspieltipp(s): Are you there?, Violence, der Titelsong
Vergleichbar mit: Radiohead, Blackfield, neueren Anathema
Veröffentlicht am: 21.4.2013
Letzte Änderung: 21.4.2013
Wertung: 12/15
Anathemas mutigstes Album

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Anathema

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1995 The Silent Enigma 12.00 1
1996 Eternity 12.00 1
1998 Alternative 4 10.50 2
1999 Judgement 9.50 2
2001 A fine day to exit 12.50 2
2006 A moment in time (DVD) 10.00 2
2008 Hindsight 10.00 1
2010 We're here because we're here 8.67 3
2011 Falling Deeper 7.00 1
2012 Weather Systems 9.67 3
2013 Universal 10.00 1
2014 Distant Satellites 10.40 5
2017 The Optimist 7.67 3

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