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Harmonia

Musik von Harmonia

(Archiv-Tipp 4/2004)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1974
Besonderheiten/Stil: instrumental; Elektronische Musik; Krautrock
Label: Brain
Durchschnittswertung: 12/15 (1 Rezension)

Besetzung

Hans-Joachim Roedelius Orgel, Klavier, Gitarre, elektronische Percussion
Michael Rother Gitarre, Klavier, Orgel, elektronische Percussion
Dieter Moebius Synthesizer, Gitarre, elektronische Percussion

Tracklist

Disc 1
1. Watussi 5:55
2. Sehr kosmisch 10:50
3. Sonnenschein 3:50
4. Dino 3:30
5. Ohrwurm 5:05
6. Ahoi! 5:00
7. Veterano 3:55
8. Hausmusik 4:30
Gesamtlaufzeit42:35


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @


Das Trio Harmonia entstand 1973 aus Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius, die schon einige Zeit unter dem Namen Cluster spielten, sowie Michael Rother, damals noch Mitglied der Krautrock-Formation Neu!. Obwohl beide Formationen gleichermaßen experimentell und avantgardistisch waren, liegen doch Welten zwischen ihrer Musik. Hier die strukturlosen, sperrigen Klanggebirge von Cluster, da die von minimalistischen Rhythmen geprägte Neu!-Musik - eine Kombination beider Stile liegt nicht unbedingt auf der Hand. Umso faszinierender ist das Ergebnis ausgefallen, denn tatsächlich ergänzen sich die Einflüsse aus beiden Welten hervorragend.

"Musik von Harmonia" enthält nicht rein elektronische, aber stark elektronisch geprägte Klangminiaturen, schlicht und schräg, eingängig und doch irgendwie kurios. Michael Rothers Vorliebe für simple Rhythmen, die hier von merkwürdig scheppernd klingenden Rhythmusmaschinen erzeugt werden, durchzieht fast alle Stücke, darüber liegen einfachste, kaum variierte Melodien, meist von Klavier und/oder Orgel.

Interessant, wie auf den Stücken Einflüsse der jeweiligen Musiker stärker hervortreten: "Dino" könnte mit seinen "krautigen" Gitarrenklängen durchaus von einem Neu!-Album stammen, genau genommen klingt es fast wie eine verkürzte Version des Neu!-Titels "Hallogallo". "Ahoi!" und "Hausmusik", überwiegend mit Klavier bzw. E-Piano instrumentiert, zeigen Roedelius' Vorliebe für pastorale Klänge, das rhythmusfreie "Ohrwurm" ist von der Sperrigkeit der frühen Cluster geprägt. Der Titel "Veterano" klingt dann sogar etwas nach frühen Kraftwerk, wo Rother auch kurz mitspielte.

Ein besonderes Juwel ist das Stück mit dem schönen Titel "Sehr kosmisch", ein ironisches Spiel mit der "Kosmischen Musik" anderer deutscher Elektroniker. Tatsächlich ist dieses Stück von ähnlich bedeutungsschwer wabernden Klängen bestimmt wie manche Werke der frühen Tangerine Dream, aber auch dieses überwiegend rhythmusfreie Stück ist von einer gewissen ironischen Leichtigkeit geprägt.

Der Einfluss von Michael Rother scheint auf die Cluster-Musiker nachhaltig gewirkt zu haben, denn deren 1975 entstandenes Album "Zuckerzeit" hat einige Parallelen zu "Musik von Harmonia".

Die Anfang 2004 erschienene Neuausgabe von "Musik von Harmonia" kommt in einem hübsch aufgemachten Klappcover, das Beiheft enthält einen interessanten Artikel des Elektronik-Musikers Asmus Tietchens (der sich darin u.a. beklagt, dass Harmonia mit dem Krautrock, den er als Musik "bekiffter Tanzbären" bezeichnet, in Verbindung gebracht werden) über die Entstehung dieses Albums. Für Interessenten der frühen deutschen Elektronikszene unbedingter Pflichtkauf!

Anspieltipp(s): egal
Vergleichbar mit: Kombination aus Neu! und Cluster
Veröffentlicht am: 3.3.2004
Letzte Änderung: 3.3.2004
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Harmonia

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1975 De Luxe 12.00 1
1997 Tracks & Traces 10.00 2
2007 Harmonia live 1974 10.50 2
2016 Documents 1975 11.00 1

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