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Art Zoyd

Symphonie pour le Jour où Brûleront les Cités (Neueinspielung)

(Archiv-Tipp 4/2006)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1981 (CD-Reissue 1993, Atonal)
Besonderheiten/Stil: Moderne Klassik; RIO / Avant; Zeuhl
Label: Atem
Durchschnittswertung: 14/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Patricia Dallio Klavier
Alain Eckert Gitarre, Stimmen
Gerard Hourbette Viola, Violine
Jean-Pierre Soarez Trompete, Percussion
Thierry Zaboitzeff Bass, Cello, Stimmen

Tracklist

Disc 1
1. Symphonie pour le Jour où brûleront les Cités

1. Brigades Speciales 13:23
2. Masques 8:56
3. Simulacres 6:53

2. Deux Images de la Cité Imbecille

1. Les Fourmis 5:31
2. Scènes de Carnaval 8:50

Gesamtlaufzeit43:33


Rezensionen


Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 1 von 2)


Art Zoyd ist eine französische Avantgarde Formation, deren Anfänge ins Jahr 1969 zurückreichen, als die Gruppe sich unter dem Namen Art Zoyd III gründete. Ihr Debutalbum "Symphonie Pour Le Jour où Brûleront Les Cités" erschien dann unter dem verkürzten Namen Art Zoyd. Da die Klangqualität der Originalausgabe ziemlich miserabel war, wurde 1980 eine neu abgemischte Version veröffentlicht, die auch die Grundlage der CD Ausgabe bildet.

"Symphonie..." besteht aus zwei langen Kompositionen, dem dreiteiligen Titelstück und den "Deux Images de La Cité Imbecille". Beide bieten eine faszinierende Mischung aus Free Jazz, moderner Klassik und Rock, letzteres aber nur in minimaler Dosierung. Der erste Satz des Titelstücks, "Brigades Speciales", beginnt gleich mit harten Cellosätzen und verstörendem, eindeutig von Magma inspiriertem Gesang, der aber eher wie wilde Geräusche daherkommt, mal wie im Wahn aufschreiend, mal verzweifelnd flehend, mal nur aus merkwürdig gerollten R's bestehend. Der Gesang beschränkt sich auf die ersten zwei Minuten, der Rest ist instrumental. Dabei herrscht steter Wechsel zwischen getragenen Streichersätzen und dem wilden, jazzigen Trompetenspiel von J.-P. Soarez. Schon diese zirpende, kreischende, trällernde Trompete macht das Album für mich zu einem Höhepunkt der gesamten Prog Szene.

"Masques" beginnt zunächst scheinbar harmlos mit ein bisschen Gerassel und einer einsamen Viola in gemächlichem Tempo. Dann tritt die Trompete dazu, und plötzlich gleitet das Stück völlig ins Atonale ab, bleibt aber immer noch in langsamem Tempo. Nach einiger Zeit "fängt" sich die Musik wieder, die Trompete spielt eine quälend langsame Melodie, begleitet von elegischen Streichern. Noch einmal folgt eine langsame Freiformsequenz, jetzt noch von seltsamen Stimmen begleitet. Am Schluss des Stückes geht es dann plötzlich in einen kurzen hektischen Teil über.

"Simulacres" wird von einem Trompetensignal eingeleitet, das klingt, als würde die 5. Kavallerie anrücken, aber schon nach ein paar Augenblicken herrscht wieder der düstere kammermusikalische Sound mit kräftigen Streichern. Auch hier brilliert J.-P. Soarez mit seinem jazzigen Trompetenspiel.

Die "Deux Images..." stehen dem Titelstück an musikalischen Niveau kein bisschen nach, sind aber von ganz anderer Atmosphäre. Beide Teile klingen richtig heiter und beschwingt, teilweise erinnert es mich sogar ein bisschen an Gershwin, aber an einen sehr abgedrehten Gershwin, denn die Musik ist immer noch voller schräger, atonaler Passagen. Während "Symphonie..." aber dunkel und bedrohlich klingt, geht es hier ins bizarr-burleske. Vor allem der zweite Teil enthält dann wieder mehr Gesang, z.T. in Falsettlage, die ab und zu ein bisschen ins Alberne abgleitet.

Art Zoyd ist hier ein wirklicher Meilenstein gelungen. Es stellt sich natürlich die Frage, ob sich diese Musik überhaupt noch als Rock bezeichnen lässt; JPC beipsielsweise führt Art Zoyd unter der Rubrik Jazz. Auf jeden Fall aber ist die Musik neuartig und herausfordernd und damit im besten Sinne progressiv. "Symphonie..." ist zusammen mit den beiden nachfolgenden Alben "Musique pour l'Odyssée" (1979) und "Generation Sans Futur" (1980) auf einer Doppel CD bei Atonal Records (wie passend ;-)) erschienen, die dazu noch 20 Minuten unveröffentlichtes Material enthält.

Anspieltipp(s): Masques
Vergleichbar mit: Univers Zero, Magma (Gesang)
Veröffentlicht am: 27.4.2002
Letzte Änderung: 14.4.2006
Wertung: 14/15

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 2 von 2)


Ich kenne nun auch die von Jochen erwähnte Doppel-CD mit den ersten drei Alben.

Fremdartig, verwirrend und gefangennehmend - so würde ich die Musik umschreiben. Das ist eigentlich kein Prog mehr (wenn wir das mal als GENRE-Begriff nehmen), sondern eigenständige, moderne Musik, wie sie nur selten von Bands aus dem "Rockbereich" entwickelt wird (kommen sie überhaupt von da?)

Allein schon der fast völlige Verzicht auf das übliche Rockinstrumentarium und der starke Einsatz klassischer Instrumente gibt ihnen einen individuellen Klangkosmos. Wie Jochen schrieb, es gibt wüste, atonale Ausbrüche, magmaesken Gesang und dann wieder fast lyrische Passagen. Völlig atonale Teile wechseln sich mit klassisch angehauchten ab- selten habe ich in den letzten Jahren so etwas geniales gehört.

Wer keine Angst vor Neuem hat - sollte der Band mal ein oder besser zwei Ohren schenken - für mich ist das die persönliche Entdeckung des Jahres - das wird jetzt teuer für mich, der Katalog will gekauft sein:-))

Anspieltipp(s): Les Fourmis, Masques
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.11.2004
Letzte Änderung: 15.4.2006
Wertung: 14/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Art Zoyd

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1976 Symphonie pour le Jour où Brûleront les Cités (Originalfassung) 12.00 1
1979 Musique pour l'Odyssee 13.00 1
1980 Génération Sans Futur 13.00 1
1982 Phase IV 14.00 1
1983 Les Espaces Inquiets 14.00 1
1985 Le Marriage du Ciel et de l'Enfer 14.00 1
1987 Berlin 13.00 1
1989 Nosferatu 14.00 2
1993 Marathonnerre I & II 12.00 1
1995 Faust 12.00 1
1997 Häxan 13.00 1
2001 u.B.I.Q.U.e 11.00 2
2002 Metropolis 14.00 1
2006 Le champ des larmes 13.00 1
2008 La Chute de la Maison Usher 14.00 1
2011 Eyecatcher 13.00 1
2013 Armageddon 12.00 1
2018 Phase V 13.00 1

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