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23481 Rezensionen zu 16041 Alben von 6225 Bands.
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Björk

Medulla

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2004
Besonderheiten/Stil: Moderne Electronica; New Artrock; sonstiges
Label:
Durchschnittswertung: 12.75/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Björk vocals, programming

Gastmusiker

Islandic choir vocals
Mark Bell programming
Valgeir Sigurdson programming
Peter van Hooke programming
Little Miss Specta programming
Matmoos programming
London choir vocals
Jake Davies programming
Rahzel beatbox
Dodaka beatbox
Shlomo beatbox
Tagaq vocals
Robert Wyatt vocals
Mike Patton vocals
Gregory Purnhagen vocals
Kelis vocals
Oliver Alary programming
Nico Muhly piano
Mark 'spike' Stent programming

Tracklist

Disc 1
1. Pleasure Is All Mine 3:26
2. Show Me Forgiveness 1:23
3. Where Is The Line? 4:41
4. Vökuró 3:14
5. Oll Birtan 1:52
6. Who Is It 3:57
7. Submarine 3:13
8. Desired Constellation 4:55
9. Oceania 3:24
10. Sonnets/Unrealities XI 1:59
11. Ancestors 4:08
12. Mouths Cradle 3:59
13. Miovikudags 1:24
14. Triumph Of A Heart 4:04
Gesamtlaufzeit45:39


Rezensionen


Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 1 von 4)


Eine neue CD/SACD/DVD-Audio der Isländerin - und wie ich denke, wird sie die potenziellen HörerInnen weiter spalten - für die einen genial, für die anderen...

Ich bekenne mich eindeutig zur ersten Gruppe - diese Scheibe ist einer meiner Favoriten für dieses Jahr - selten war eine Aufnahme so klar, so intim und stimmig. Letzteres gibt auch schon das Stichwort vor: Björk arbeitet bei diesen Tracks nur mit wenigen Instrumentalspuren. Stimmen, oder besser mit den Stimmbändern erzeugte Sounds stehen im Mittelpunkt der Musik. Dazu hat sie erlesene Gäste, wie z.B. Robert Wyatt oder die INUIT-Sängerin Tagaq ins Studio geholt.

Wie soll man dies Musik beschreiben? Es gibt Solosongs im wahrsten Sinne – bei "Show me forgiveness" ist Björks Stimme vollkommen allein. Beim isländisch gesungenem "Vökuró" begleitet sie der Isclandic choir –, aber beide strahlen eine fast sakrale Ruhe und Intimität aus. Im Gegensatz dazu die Titel mit unterlegten Beats wie das fröhliche "Who is it" oder das abschließende "Triumph of the heart" mit diversen rhytmischen Stimmeffekten. Dazwischen ihr Beitrag zu Athen 2004, "Oceanic", oder das wunderschöne Duett mit Robert Wyatt: "Submarine". Dazu fast schon Avangarde-Musik mit "Ancestors", das an das Konzept Meredith Monks erinnert, die schon vor Jahrzehnten nur mit Stimmen arbeitete.

Wie z.B. Kate Bush heute klingen könnte, hätte sie den Weg von "The dreaming" weiterverfolgt, zeigt "Mouth's cradle". Immer wieder gibt es die etwas verqueren Gesangslinien der Sängerin zu hören, und wer einen SACD oder AudioDVD-fähigen Player hat, bekommt mit dieser Platte die für mich beste Aufnahme im 5:1-Mix zu hören. Wie sie die verschiedenen Kanäle einsetzt, macht einfach Spaß – man glaubt, Mittelpunkt eines virtuellen Konzertes zu sein, umgeben von diversen Sängerinnen. Einfach Augen zu und hören.

NACHTRAG: Die Codierung der Titel ist auf der SACD verkehrt, wundert Euch nicht, wenn z.B. "Submarine" im Player "Oceania" heisst. Die richtige Reihenfolge habe ich nach Abhören der Texte korrigiert (danke für den Hinweis: ch.an)

Anspieltipp(s): durchhören
Vergleichbar mit: Meredith Monk
Veröffentlicht am: 30.8.2004
Letzte Änderung: 27.3.2013
Wertung: 15/15

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Von: Thomas Thielen @ (Rezension 2 von 4)


Eigentlich war ich sicher, dass nach Vespertine nichts mehr kommen könnte. Zu perfekt war die Stimmung, zu durchgehend getroffen der klirrende Winter und die Enklave der Wärme darin, zu jahrhundertwertig die Melodien.

Sieh an. Björk dachte wohl ähnlich. Natürlich ist der Stil der Isländerin auch auf Medulla klar erkennbar, vor allem in den idiosynkratischen Melodieführungen, die in der Welt des Pop (?) ihres Gleichen noch suchen. Auch die Art des Gegen-den-Strich-Arrangierens, diese minimalistische und doch manieristische Kompromisslosigkeit in Songdienlichkeit, wobei der Song doch erst im Arrangement liegt... kurz, auch der Björk-Sound ist gleichzeitig ganz anders als sonst und doch in dieser Qualität seltsam vertraut.

Als Ausweg aus dem Olymp von Vespertine hat Björk ähnlich gehandelt wie Radiohead nach Kid A: Natürlich werden Elemente des typischen Stils übernommen, doch geht der Nachfolger in eine grob andere Richtung. Medulla wirkt weniger introvertiert und melancholisch, dafür experimenteller und beinahe manisch in der Abfolge der Stimmungen. Durch die Betonung vokaler Klänge entsteht dennoch sakraler Gestus, ohne jedoch je ins Pathetische abzugleiten, dafür ist Björks Gesang einfach zu direkt-ehrlich.

Und so hat Björk dem isländischen Winter zugunsten eines mal still-nebligen, mal stürmisch-wütenden Herbstes abgeschworen. War Vespertine vielleicht noch die Verpuppung des Winters, so stellt die Künstlerin uns hier vielleicht Introspektion und Katharsis anheim. Sehr hörenswert ist das allemal, sicherlich nicht jedermanns Geschmack, zumal hier so etwas wie Björk-Substrat-hoch-zwei geboten wird. Meiner Meinung nach musikalisch höchst interessant, produktionstechnisch und im Arrangement revolutionär, sehr mutig... und einfach verdammt gut. Mehr als das. Die CD läuft seit einer Woche durch bei mir. Ende nicht in Sicht.

Anspieltipp(s): durch
Vergleichbar mit: Scott Walker meets Toyah Wilcox
Veröffentlicht am: 30.8.2004
Letzte Änderung: 30.8.2004
Wertung: 14/15
Nur 14, weil Vespertine mich noch einen Tick mehr berührt hat

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Von: Christian Rode @ (Rezension 3 von 4)


MEDULLA ist die konsequente Fortführung des bislang schon stark durch die Vocals von Björk geprägten Sounds. Die Stimmung des Albums ist ziemlich bizarr-melancholisch. Am überzeugendsten wirkt es, wenn genau diese Bizarrheit besonders deutlich rüberkommt, wie es bei den Stücken Where is the Line, Submarine und Mouths Cradle der Fall ist. Dann findet man sich in einem ganz anderen Universum wieder, das durch eine z.T. verstörend ungewöhnliche Fremdartigkeit bestimmt ist. Das im Duett mit Robert Wyatt eingesungene Submarine etwa bringt äußerst komplexe Vokalharmonien, quasi Beach Boys auf isländisch.

Insgesamt hat das Album ein wenig mit einer gewissen Monotonie des Sounds zu kämpfen, die aber durch das weitgehend geschickte Arrangement der Songs aufgehoben wird. Neben den genannten Stücken lassen vor allem das poppige Who is it mit Ohrwurmrefrain und das leicht süßlich-verspielte Oceania aufhorchen. Dazwischen gibt es einige Stücke, die in ihrer Intensität zwar beeindruckend sind, aber doch eben eher einer gewissen Monotonie Vorschub leisten.

Einige Stücke beeindrucken auch besonders durch eine (heidnisch-)sakrale Stimmung, die durch den z.T. an Nicholas Lens' Flamma Flamma erinnernden Choreinsatz hervorgerufen werden. Dies beginnt bereits bei dem äußerst relaxten Opener Pleasure is all mine.

Manko für alle, die zwar auf mystisch-versponnene Sounds stehen, denen aber Björks Gesang auf die Dauer auf den Keks geht, ist eben dieser. Aber man weiß ja eigentlich, worauf man sich bei einem Björk-Album einlässt. Mich selbst nervt der Gesang eigentlich nur bei dem etwas konfusen Ancestors, das Geseufze, später Gehechle zum Piano bietet.

Als etwas unpassend habe ich auch das Dancefloor-Stück Triumph of a Heart als Abschluss des sonst sehr mystisch-bedächtigen Albums empfunden. In der Summe ist hier aber einfach auf technisch perfektem Niveau die Quintessenz des typischen Björk-Sounds zu hören. Ein ungeheuer intensives Album.

Anspieltipp(s): Where is the Line, Submarine, Mouths Cradle
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 1.9.2004
Letzte Änderung: 13.3.2012
Wertung: 10/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 4 von 4)


Das beeindruckende an Björk, neben ihrer einmaligen Stimme, ist die Tatsache, dass sich die Isländerin auf jedem Album stets neu erfindet und sich dabei im Kern trotzdem treu bleibt. Auf Homogenic führte sie ein Streicheroktett in ihren Klangkosmos ein, welches vordergründig mitwirkte, auf Vespertine wuchs das Orchester in die Breite, spielte aber dezenter im Hintergrund. Dazu kam ausserdem die Harfe als Lead- und Begleitinstrument. Ausserdem experimentierte Björk mit verschiedensten Geräusche herum, die dann als Rhythmus/Beats der Stücke dienten (Spielkarten mischen, auf Styropor laufen usw.).

Für Medulla hat sie nun Stimmen und Vokalakrobatik als Rhythmusfundament entdeckt. Dazu holte sie sich unter anderem die Beatbox-Legende Rahzel ins Studio, einen Musiker, der gleichzeitig singen/rappen und beatboxen kann.

Die Musik auf Medulla ist oft spröder und "unwegsamer" als noch auf Verspertine und das interessanterweise trotz zum Teil wieder "modernerer" Grooves. Alles in allem ist die Musik weniger zugänglich als zuvor. Vor allem die Parts, wo in erster Linie gehechelt, geseufzt und gestöhnt wird, sind schwer verdaulich und rufen bei mir persönlich wenig Begeisterung hevor.

Es findet sich allerdings auch wieder enorme Schönheit auf dieser Platte. Sei es das zart-zerbrechliche "Show me Forgiveness", die mehrstimmigen acapella-Nummern "Oll Birtan" und "Submarine" oder das mit sirenenhaftem Background-Chor betörende "Oceania"; Björk schenkt uns hier wieder einige zeitlos schöne Kompositionen.

Mit "Who is it" findet sich auch ein melodiöser und in seiner Harmonieführung "nachvollziehbarer" Song im Repertoire von Medulla.

Höhepunkt des Albums ist aber "Mouths Cradle". Hier singt Björk wieder unerreicht über mehrstimmigem Chor (ein sakraler Frauenchor im Hintergrund, im Wechsel mit einem tiefen Männerchor, an- und abschwellende Frauenstimmen im Vordergrund), dazu diskretes "vokales" Rhythmusfundament.

In seinen stärksten Momenten erreicht Medulla das Niveau von Vespertine, es enthält aber auch einige zu spröde und befremdende Stücke, so dass insgesamt unterm Strich ein sehr interessantes Album herausschaut, das aber doch ein Stück unter dem Meilenstein angesiedelt werden muss.

Anspieltipp(s): Mouths Cradle
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 9.12.2011
Letzte Änderung: 9.12.2011
Wertung: 12/15

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1997 Homogenic 13.00 2
2000 Selma Songs 13.00 2
2001 Vespertine 15.00 3
2002 Greatest Hits (Volumen 1993-2003) 11.00 1
2002 Vespertine live at the Royal Opera House 2001 (DVD) 14.33 3
2003 Post live 12.00 1
2003 Homogenic live 12.00 1
2004 The Music From Drawing Restraint 9 12.00 1
2007 Volta 11.00 2
2011 Biophilia 12.50 2
2015 Vulnicura 15.00 1
2015 Vulnicura Strings 12.00 1
2016 Vulnicura Live 12.00 1

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