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23266 Rezensionen zu 15884 Alben von 6157 Bands.
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Streetmark

Dry

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Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1979
Besonderheiten/Stil: Elektronische Musik; Klassischer Prog; Rock / Pop / Mainstream
Label: Sky Records
Durchschnittswertung: 8.5/15 (2 Rezensionen)

Besetzung

Dorothea Raukes keyboards, vocals
Thomas Schreiber guitars, vocals
Bogdan Skowronek drums, percussion

Gastmusiker

Jürgen Pluta bass

Tracklist

Disc 1
1. Intro 5:20
2. Welcome 6:20
3. Sunny queen 7:28
4. Lovers 5:10
5. Drifting 4:55
6. Disco Dry 3:42
7. Watch out 4:13
8. You want it   (Bonustrack) 3:12
Gesamtlaufzeit40:20


Rezensionen


Von: Henning Mangold @ (Rezension 1 von 2)


Im Publikum ist wenig los, aber wer da ist, schaut wie gebannt auf die dunkle Bühne. Man hört dumpfe Elektronik ("dum, dum, dum") mit leisen Nebelhorneffekten, dann elektronische Percussiontricks, die sich ihren Weg durch das Soundgewaber bahnen. Irgendwer am Bühnenrand, der viel älter ist als ich, faselt was von Pink Floyd, aber neben ihm steht einer, der ihn berichtigt: "Pink Floyd machen nicht solche Elektronik, die haben nur diesen Ruf – so was macht eher Klaus Schulze!"

Dann plötzliche eine Lichtung im Elektronikdschungel, auf der Bühne ist es noch dunkel. Der eine von den beiden Leuten neben mir nutzt die Pause, um dem anderen zu sagen, da sei am Rande gerade Michael Rother vorbeigegangen; der andere nickt bloß und meint, das sei ja klar, der wohne ja hier um die Ecke. Aber – was der andere bestimmt noch nicht wissen könne: der Michael habe kürzlich Besuch von Brian Eno gehabt, wegen Cluster und so. Der andere zuckt mit den Achseln und will wissen, wer Eno ist.

Aber es kann keine Antwort mehr kommen: Breitwandsound allererster Sahne steht plötzlich wie eine Mauer im Raum, die Lightshow wirbelt über die Bühne, der Rhythmus geht ab und die Sängerin röhrt: "When you're here tonight, I'll hope you'll enjoy the show"!

Seltsam. Ich bin erst siebzehn und begeistert, wann immer ich Prog zu hören kriege, aber die Banalität dieses Textes entgeht mir schon damals nicht. Sie stört mich aber auch nicht weiter, denn ich bin hinreichend damit beschäftigt, in diesen Sound einzutauchen. Das reicht mir auch – ich weiß nicht, was Krautrock ist, ich kenne für noch ein weiteres Jahr weder Eno noch Schulze, Michael Rother finde ich langweilig, seit ich Oldfield entdeckt habe, und an Pink Floyd hatte mich diese Livemusik nicht mal am Anfang erinnert. Ich höre einfach nur, was es hier zu hören gibt: Streetmark stellen ihr noch längst nicht erschienenes Album "Dry" vor.

Und es kommen noch tolle Songs dieser Scheibe, längere vor allem: "Sunny queen", "Lovers", "Drifting" – die sind alle nach dem gleichen Schema aufgebaut, aber dieses Schema mag ich ja gerade: hypnotische Vokalmelodien, zum Teil in Moll (manche erinnern entfernt an so was wie den Anfang von Uriah Heep's "July Morning"), daraus entsteht plötzlich Bewegung und der Instrumentalteil beginnt – Keyboardsoli, dann typische Gitarrensoli des frühen Prog (wo der Akkord noch so lange gehalten wird, dass es dem Gitarristen fast physisch weh zu tun scheint), harmonisches Erklimmen neuer Stimmungs-Levels, grandiose Mündung in den breiten Strom des Schlussteils, und dann der nächste Song.

Klingt das irgendwie naiv? Ich wette, das tut es. Soll es auch: Deutscher Prog der 70er hatte immer irgendwie was Naives, aber es war einfach schön: Technik, die begeisterte, und Atmosphäre, die dasselbe tat, getragen von der Faszination der Synthesizer-Welten. Damals konnte es mich noch nicht stören, dass die Banalität mancher Texte noch locker getoppt wurde, als dann "Disco dry" zum Abtanzen gespielt wurde. Das geht so: typischer Rhythmus der frühen Discowelle, dann wird geshoutet: "Disco!!", dann folgen auf Bläsersatz programmierte Keys ("Täteretetetätetätä!"), dann der Shout: "Dancing!!" – "Täteretetetätetätä!" und die Leute gehen trotzdem (nein, deswegen!!) mit. Dann ist erst mal alles aus, das Licht geht an, manche gehen schon nach Hause, Michael Rother präsentiert auf- und abgehend noch einmal seinen coolen langen Mantel, und dann kommt die Zugabe, und was für eine: über eine halbe Stunde lang folgt improvisierte Instrumentalmusik, eine Session, die nun wirklich was für die Pink-Floyd-Fans dieser Tage bietet. Ich bin, wie gesagt, siebzehn und stehe fasziniert da. Es ist das erste Progkonzert meines Lebens, der Ort ist die Aula (!) der Realschule (!) meines Heimatortes im Weserbergland.

Das Album "Dry" erschien später irgendwann mal. Es klang genau so wie das Konzert, einfach zum Lachen und Gernhaben, nicht mehr und nicht weniger...

Ja, so war das damals, als die freundlichen, fröhlichen und technisch versierten Progger hierzulande noch nicht ahnen konnten, dass der Punk sie bald in Bedrängnis bringen würde und dass sich viele Bands gar nicht würden halten können – Streetmark zum Beispiel. Und zugegeben: Es gibt seit damals sehr, sehr viel Musik, die sehr, sehr viel besser ist als z.B. dieses "Dry"-Album. Aber ich muss dazu sagen (denn auch ein schlechter Geschmack verpflichtet:-)), dass diese freundlich-naive Musik m.E. seither etwas selten geworden ist und dass so mancher Versuch, sie heute im Retroprog erneut zu erzeugen, schon mal hier und da etwas abgeschmackt rüberkommt.

Aber vielleicht höre ich das ja auch nur deshalb so, weil ich keine siebzehn mehr bin...

Anspieltipp(s): irgendwas zwischen Track 3 und 5 (oder den Rest, wenn man lachen will)
Vergleichbar mit: liegt irgendwo zwischen Cluster, Novalis und Eloy
Veröffentlicht am: 4.11.2004
Letzte Änderung: 4.11.2013
Wertung: 9/15
Im Ernst: Ich versuche gerade, einigermaßen objektiv zu sein...

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Von: Harald Schmidt @ (Rezension 2 von 2)


Sireena ist mittlerweile ein arriviertes Label, das sich auf Wiederveröffentlichungen der Prog-Undergroundszene der 70er und 80er Jahre spezialisiert hat. Die Rereleases des deutschen SKY-Labels spielen hierbei eine besondere Rolle. Im April 2015 erschien das dritte Album von Streetmark als Neuauflage im schmucken Digipack mit informativem Begleitheft. Ein aufwändiges Remastering liegt nicht zugrunde, aber man hat sich lobenswerter Weise bei der Überspielung der originalen Masterbänder bedient. Etwas seltsam ist lediglich, dass man den Live-Bonustrack der alten CD-Auflage (direkt auf SKY erschienen) hier auf einmal nicht mehr geboten bekommt.

Liest man Reviews zu diesem Album – wie oben von Kollege Henning – dann stellt man fest, wie sehr die Wahrnehmung bestimmter Alben oder auch ganzer Szenekomplexe vom persönlichen Erlebnis abhängt. So fehlt mir die Erfahrung, Konzerten der deutschen Progger miterlebt zu haben – zudem in einer Zeit, in der musikalisch unglaublich viel Bewegung herrschte und als die Clubs noch eine viel entscheidendere Rolle spielten als heute. Und so nehme ich Dry als zwar nettes Album wahr, kann aber auch hier wieder gut nachvollziehen, warum die deutsche Prog-Szene stets im Schatten z.B. der britischen stand. So kommt manches doch ein wenig ungelenk oder auch profan daher, was vermutlich an den Hard-Rock-Einflüssen liegt, die sich immer wieder durchdrücken. Interessant werden Streetmark, wenn sie ihre elektronischen Kleinigkeiten auspacken oder man schlicht im Sinne der britischen Vorbilder symphonisch-voluminös agiert. Dann gibt es wirklich mitreißende Instrumentalparts in hohem Tempo, tolle Gitarrensoli und starke Akzente durch die Hammond Orgel.

Man kann sich also durchaus dazu hinreißen lassen und sagen, man höre hier einmal Tangerine Dream, Genesis oder Camel heraus, auch wenn Streetmark gerade die Canterbury- oder Jazz-Elemente von Camel fehlen, um sich von der förmlichen und etwas hölzernen Anlehnung an die Inselvorbilder zu lösen und etwas mehr Eleganz in die Kompositionen einfließen zu lassen. Das Album hat mit Sunny Queen letztlich nur einen echten Knaller zu bieten, die anderen Tracks haben zwar immer wieder starke Abschnitte, sind aber nicht durchgehend auf dem Level wie eben Sunny Queen.

Dry ist somit ein solides Werk zwischen Prog und Hard Rock. Keine musikalisch bahnbrechende Offenbarung oder ein Werk der ersten Garde. Aber allemal wert, auch von jüngeren Hörern entdeckt zu werden, ohne dass man die Sammlerpreise bezahlen müsste, die für die alte CD-Version aufgerufen wurden. Eine Lücke im Backkatalog des deutschen Prog ist geschlossen und Streetmark sind auch für diejenigen eine schöne Entdeckung, die aufgrund verspäteter Berufenheit diese Band nicht live miterlebt haben.

Anspieltipp(s): Sunny Queen
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 3.5.2015
Letzte Änderung: 3.5.2015
Wertung: 8/15
Liebevolle CD-Neuauflage auf Sireena Records

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Streetmark

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1976 Nordland 8.00 1
1977 Eileen 10.00 1

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