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24844 Rezensionen zu 17019 Alben von 6634 Bands.
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David Bowie

Diamond Dogs

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 1974
Besonderheiten/Stil: ArtPop
Label: RCA
Durchschnittswertung: 8.33/15 (3 Rezensionen)

Besetzung

Tony Newman Drums
Aynsley Dunbar Drums
Herbie Flowers Bass
Mike Garson Keyboards
David Bowie Guitar, Saxes, Moog and Mellotron

Gastmusiker

Alan Parker Guitar on 1984

Tracklist

Disc 1
1. Future legend 1'00
2. Diamond Dogs 5'50
3. Sweet Thing 3'29
4. Candidate 2'39
5. Sweet Thing (reprise) 2'32
6. Rebel Rebel 4'21
7. Rock'n'Roll with me 3'54
8. We are the dead 4'48
9. 1984 3'24
10. Big Brother 3'25
11. Chant of the ever circling Skeletal Family 1'48
Gesamtlaufzeit37:10


Rezensionen


Von: Holger Grützner @ (Rezension 1 von 3)


Tja, nu’ isse 30 Jahre alt und scheinbar aktueller denn je: Zivilisationsausverkauf, Kannibalismus, Genmanipulation. Was ließe sich nicht alles hinein geheimsen - aber Vorsicht: Purer Zufall!

Besonders viel Durchblick hatte Bowie eigentlich nie.

Seine schizoide Persönlichkeit hatte sich gerade in der Phase, die zur Entstehung dieser Platte führte, in den Fallstricken absoluter Orientierungslosigkeit verfangen.

Er versucht alles auf einmal und bringt nichts zu Ende.

Ehe und Vaterschaft; (ausgelebte oder kalkulierte) Bisexualität, Bürgerschreckimage, Drogeninspiration, genialische Überkunstwerke erschaffen wollen bei gleichzeitigem soliden Geschäftsgebaren – wie soll das funktionieren?

"Diamond Dogs" sollte ein Kunstmonument werden, bestehend aus eher einem Doppelalbum als einer LP, einem Rockmusical, natürlich in Starbesetzung verfilmt und (wenn mich mein Erinnerungsvermögen nicht im Stich lässt) auch noch einem Bestseller für den Buchmarkt: Bowie als Fortsetzer von Huxley oder Orwell!?

"Diamond Dogs" wurde – eine recht durchschnittliche Bowieplatte, mit ein paar Highlights, aber auch viel Füllmaterial.

Fast bin ich geneigt, Siggys Satz vom vielleicht mißlungensten Bowiealbum jener Zeit (Aladdin Sane) auf diese Platte hier anwenden zu wollen. Die Erinnerung an "The man who sold the world" oder an "Lodger" hilft über solche Anwandlungen jedoch schnell hinweg, denn besser als die beiden sind die Diamantenhunde allemal.

Bowie war berauscht von den Umsatzzahlen seiner bisherigen Alben. Nun schien ihm alles möglich. Seine unplanbare Arbeitsweise führte jedoch zu vollkommener Verzettelung und verschlang Unsummen, zusätzlich zum anwachsenden Drogenkonsum.

Angie Bowie beschreibt in ihren Memoiren den Zustand so, dass sie ihren Mann zu Mick Jagger (in der Nachbarschaft) geschickt haben will, damit der ihm beibringen soll, wie man mit Geld umgeht. Das hat zwar allen dreien einen mittleren Promiskandal eingebracht: Angie erwischt beide im Bett, soll andererseits aber wiederum selber mit Mick …. – egal, die Beeinflussung war allseitig. Von irgendwas müssen „Angie“ (Stones), „Rebel Rebel“(Bowie) und das Cover der Stones LP „Goat’s Head Soup“ ja schließlich inspiriert worden sein. Zusätzlich tritt Visconti dem fe/male-Dave ein paar Mal in den Allerwertesten, damit wenigstens ein paar Songs fertig werden.

Somit kam es zur Geburt dieses Bruchstückalbums.

Es zeigt, dass Bowie beeindruckt war von Kubrikfilmen, von Orwellbüchern und befallen von der Konzeptplattenmanie, die alle Stars jener Zeit seit Who’s Tommy heimzusuchen schien. Die genannten Vorbilder wurden durch den Fleischwolf gedreht und textlich mit Erinnerungsrudimenten an diverse Hollywood-Endzeit-Epen garniert.

Diamond Dogs; Rebel Rebel; Rock’n’Roll with me sind die gelungenen Teile.

Ersteres klingt verblüffend nach jüngerem Alice Cooper, das zweite nach den Stones, den dritten Ideenklau stellt 1984 dar. Dass die Textidee auf Orwell basiert, überrascht nicht weiter; wohl aber Komposition und Arrangement, welche 1:1 vom zeitgleich in Mode kommenden Barry-White-Wasserbettensound geklaut sind.

Der Rest ist einfach „Rest“.

Für angehende Psychologen ist eventuell nicht uninteressant, wie „The Bowie“ in Sweet Thing (Part I) stimmlich mit 3 Identitäten kämpft.

(We want you) Big Brother beinhaltet einmal mehr seine Lust auf Tyrannis. Wer die Vielfalt der eigenen Psyche kaum in den Griff bekommt, der sehnt sich eventuell gerade deshalb nach Eindimensionalität in der Gesellschaft. Und dem Bürgerschreckimage dient es allemal, nach dem Ordnung schaffenden Diktator zu rufen, zumal, wenn sich daran der „Tanz der immer kreisenden Knochensippe“ anschliesst, was zum pseudopolitischen Schock noch die nötige Dosis Gruselkitsch beisteuert.

Es muss wieder einmal die Eingebung eines hellen Moments gewesen sein, einzusehen, dass der running Gag, den abartigen Kosmoiden zu geben, verschlissen ist.

Irgendwann möchte man mehr sein, als eine singende Elternscheuche in den Kinderzimmern pubertärer Rebels without a course.

Aber wohin? Und in welcher Identität?

Mit dem Nachfolgealbum „Young Americans“ begannen die Jahre der Stilsuche.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Welcome to my nightmare von Alice Cooper
Veröffentlicht am: 13.11.2004
Letzte Änderung: 14.11.2004
Wertung: 9/15

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Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 2 von 3)


Diese LP/CD gibt es auch als "30th m anniversary edition" mit einer Bonus-CD.

Wenn ich das Booklet richtig gelesen habe, bekam Bowie die Rechte für das geplante Musical "1984" nicht, daher entstand diese Platte. Bowie agierte hier erstmals ohne seine gewohnte Begleitband, dafür kamen Herbie Flowers am Bass und Aynsley Dunbar am Schlagzeug hinzu.

So schlecht wie Holger sehe ich diese CD nicht. Trotz seiner damaligen Drogenprobleme (wer hatte die zu jener Zeit eigentlich nicht?) gelang ihm ein recht ansprechendes Werk. Diamond Dogs erschien 1974, also genau 10 Jahre vor dem ominösen Romantitel von Orwell. Andere Musiker haben dieses Buch ebenfalls als Anregung genommen (und manch einer z.T. deutlich schlechter, ich denke da besonders an einen Keyboarder mit Hang zum Pompösen).

So gibt er hier wieder seine Mixtur aus Rockstücken (Rebel Rebel, Diamond dogs) und Balladen (Sweet thing/Candidate/Sweet thing reprise) zu hören, am Ende dann zwei Titel, die dem geplanten Musical nahe kommen ("1984" mit Streicheruntermalung und "Big Brother"). Wer also die vorangegangen Aufnahmen von "Aladdin Sane" oder "The Man Who Sold The World" mag, kann hier zugreifen. Garantiert kein Prog, sondern gediegener Rock wird einem geboten.

Die Bonus-CD beginnt mit der letzten Aufnahme, die Bowie mit Mick Ronson und Trevor Bolder aufgenommen hat. Bei diesem Stück wird der Musicalcharakter sehr deutlich, allerdings erinnert es mich an Stücke eines Keyboarders mit Glitzerumhängen: schmalzig, pompös ist das Ganze. "Rebel Rebel" liegt hier in der US-Singleversion vor, die neue Rhythmussektion bringt leichte Dub-Anklänge mit rein, eine gelungene Version. "Dodo" kommt danach als balladenhafte Version mit Saxophon, geradlinigem Schlagzeug und hübscher Orgel. "Growin' up" ist ein Springsteen-Cover, selbst Bowie krächzt wie dieser, nicht weltbewegend, aber der Gitarrist ist Ronnie Wood von den Stones. Die alternative Version von "Candidate" ist komplett anders, pianobetont mit einfacher Rockuntermalung. Noch besser ist allerdings die 2001-Version aus dem Soundtrack zum Film "Intimacy", die noch langsamer ist und ein gelungenes Saxophon mit Marschuntermalung bietet, zuzüglich schrillen Gitarren. Ähnlich gelungen ist die 2003-Ausgabe von "Rebel Rebel", die sehr spartanisch beginnt (im Stile Eno/U2) und erst im Refrain in das bekannte Riff umsteigt. Leider steht nirgends, ob beide Titel Neuaufnahmen oder nur neue Mixe sind. Dazwischen geibt es noch eine obskure Edition von "Diamond dogs" aus einem der damals so beliebten "K-Tel-Sampler".

Wie gesagt, wer den rockigen Bowie mag, kann hier bedenkenlos zugreifen. Die CD ist ähnlich gut wie die beiden Vorgänger. Wer Prog erwartet, wird allerdings enttäuscht, den liefert Bowie erst später.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 14.11.2004
Letzte Änderung: 14.11.2004
Wertung: 9/15

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Von: Marc Colling @ (Rezension 3 von 3)


In meiner Rezension zu „Blackstar“, David Bowie's Vermächtnis Anfang 2016, hatte ich ja bereits geschrieben, dass er in seinem Leben eigentlich nie einen Trend selbst kreiert hat. Aber er hatte die Gabe schnell auf Veränderungen in der Gesellschaft zu reagieren, sprang früh genug auf einen abfahrenden Zug auf, veränderte einige Stellschrauben und hatte damit Erfolg. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit als REBEL REBEL im Radio in Dauerrotation lief. Ich war 16, hauptsächlich an Progressive Rock wie Yes, ELP, Pink Floyd und einigen anderen interessiert. Doch auch der weniger anspruchsvolle Glamrock war toll, weil die Stars der Szene so wunderbar provozieren konnten gegen die konservativen Eltern. Und „Diamond Dogs“ war ganz normaler Glamrock. Nicht außergewöhnlich gut, aber außergewöhnlich erfolgreich durch die Kunstfigur David Bowie und das gesamte Marketing dahinter.

DD war eine Ansammlung von mehr oder weniger guten Songs. Mit heutigen Maßstäben gemessen eher weniger gute. So streng wie allgemein bei BBS bewertet wird, hätte die LP damals wohl einen schweren Stand gehabt. Das beginnt mit dem kurzen Intro FUTURE LEGEND, wo Bowie das Album zu erklären versucht. Es folgt die erste Single mit dem Titeltrack DIAMOND DOGS, ein von der Gitarre dominierter Song ohne große Qualitäten. SWEET THING kommt besser, ist leicht psychedelisch. Dieses leicht psychedelische wird auf CANDIDATE noch verstärkt mit einem Saxophon. Und REBEL REBEL klingt sogar heute noch richtig gut, reißt unweigerlich mit durch sein gigantisch (einfaches) Gitarrenriff und rockt wunderbar.

Schmalzig geht es mit ROCK'N'ROLL WITH ME weiter. Balladenhaft, schnulzig und einen Tick nach Vaudeville klingend kann der Song nicht überzeugen. Mit WE ARE THE DEAD geht es dann wieder aufwärts. Das Piano begleitet Bowie unaufgeregt und der leicht abgehackte Rhythmus schafft eine interessante Atmosphäre.

Dass Bowie anschließend 1984 als Thema aufgriff und mit einer WahWah Gitarre verzierte, was schon sehr nach dem Thema von „Shaft“ klang, konnte ich nie verstehen. Man erkennt hier aber bereits, wo die Reise bald mit „Young Americans“ hingehen sollte . Um nach diesem Song auf den Titel BIG BROTHER zu kommen, dazu gehörte nicht viel. Wäre noch eine passende Komposition dazu entstanden, hätte man noch über die fehlende textliche Kreativität hinweg sehen können. Aber auch die ist nur Mittelmaß.

Zum Abschluss kommt dann mit CHANT OF THE EVER CIRCLING SKELETAL FAMILY ein kurzer Song. Hier ist wieder Glamrock oben auf, dazu noch einer der Sorte Showaddywaddy. Gruselig.

Nein, Bowie war 1974 in einer schwierigen Phase. Sein Management war zwar grandios und sorgte für genügend Publicity in den Musikzeitschriften, seine Einspielungen waren aber nicht immer auf diesem Niveau.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 5.2.2017
Letzte Änderung: 5.2.2017
Wertung: 7/15
zu uninspiriert

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von David Bowie

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1969 Space Oddity 11.00 1
1971 The Man Who Sold The World 9.00 1
1971 Hunky Dory 13.00 2
1972 The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars 12.00 1
1973 Aladdin Sane 9.50 2
1974 David Live 11.00 1
1976 Station to Station 11.50 2
1977 Low 9.50 2
1977 Heroes 13.00 1
1978 Stage 10.50 2
1979 Lodger 9.00 1
1980 Scary Monsters 10.00 2
1983 Let's dance 6.00 2
1984 Tonight 4.00 1
1986 Labyrinth 1.00 1
1987 Never let me down 3.00 3
1993 The Buddha Of Suburbia 12.00 1
1993 Black Tie White Noise 5.00 1
1996 Outside: The Nathan Adler Diaries 13.00 2
1997 Earthling 10.00 1
1997 The singles collection - 1
1999 Hours 9.33 3
2002 Slow Burn 11.00 1
2002 Heathen 11.50 2
2003 Reality 9.25 4
2008 Live Santa Monica '72 11.00 1
2008 David Bowie Box - 1
2010 A Reality Tour 11.00 1
2013 The Next Day 10.00 2
2014 Nothing Has Changed. - 1
2016 Blackstar 13.00 3
2018 Welcome to the Blackout (Live London '78) 10.00 1

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