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Echolyn

The End Is Beautiful

(Tipp des Monats 9/2005)
Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2005
Besonderheiten/Stil: RetroProg; sonstiges
Label: Eigenverlag
Durchschnittswertung: 10.5/15 (4 Rezensionen)

Besetzung

Christopher Buzby keyboards, percussion, backing vocals
Brett Kull guitars, loops, lead and backing vocals
Paul Ramsey drums, percussion, backing vocals
Ray Weston lead and backing vocals, keyboards, theremin, guitar, percussion
Thomas Hyatt bass, backing vocals

Gastmusiker

Mark Gallagher alto and baritone sax (2,3,6)
Eric Apelt trumpet (2,3,6)
Phil Kaufman trombone (2,3,6)

Tracklist

Disc 1
1. Georgia Pine 5:49
2. Heavy Blue Miles 6:49
3. Lovesick Morning 10:12
4. Make Me Sway 5:23
5. The End Is Beautiful 7:46
6. So Ready 5:01
7. Arc Of Descent (Dancing in a Motel Just West of Lincoln) 5:46
8. Misery, Not Memory 9:04
Gesamtlaufzeit55:50


Rezensionen


Von: Christian Rode @ (Rezension 1 von 4)


The End is beautiful? Die Texte lassen eher Gegenteiliges vermuten. „Follow the trail of bottles and cigarettes, that leads to the hole that’s in her chest. Pain introduced us, I wanted someone I could hurt…” (The end is beautiful). Allgemein geht es um existentielle Zweifel bis hin zum (bitteren) Ende. „It’s depressing there’s no magic, men die and never know.” (Georgia Pine) und die Gewalt ist allgegenwärtig: “There’s a gun on my pillow, because I’m just ash and dust. And all that you love, will be carried away.” (Arc of Descent). Gewalt ist vielleicht kein Ausweg aus der Depression, aber sie lässt einen das Leben fühlen. Aber am Ende bleibt eben doch die Einsicht, dass es keinen Ausweg aus dem Elend gibt: „Can’t deny that I belong to misery.“ (Misery not Memory) Vielleicht erklärt sich so, warum das Ende (dieses Elends) beautiful sein soll...

Klangen die frühen Alben eher unbeschwert, verbreitete Mei bereits eine zuweilen beklemmende Atmosphäre. Mit The End is beautiful wird die fröhliche Unbekümmertheit der Amerikaner jedoch in z.T. messerscharfe Aggression gewendet. Aus der Verzweiflung und Depression von Mei kommt die Band mit The End is beautiful kraftstrotzend wieder hervor. Doch die Kraft ist eine Kraft aus der Verzweiflung heraus.

Aber Echolyn wären nicht Echolyn, wenn sie es nicht schaffen würden aus all dieser scheinbaren Trübsal doch ein Album zu machen, bei dem man sich einfach wohlfühlt und das mitreißend frisch klingt. Diese Frische gründet darin, dass The End is beautiful über weite Strecken schiere Power ausstrahlt. Gewaltig schon der Einstieg „Georgia Pine“ mit dem Zeppelin-mäßigen Drum-Intro nebst unheilverkündenden Sirenentönen. Dann sind da kontrastierend die wundervollen Melodien, die z.T. in schönstem, harmonischem mehrstimmigem Gesang vorgetragen werden. Der Gesang kann allerdings auch schon mal ins schier aggressiv-wahnsinnige umkippen („Make me sway“ etwa). Und dann dieses unverkennbare Retro-Element, dass bei aller Eigenständigkeit des Sounds immer wieder Dejavus hervorgerufen werden. „Heavy Blue Miles“ erinnert mich an die ganz frühen Chicago, als die noch ordentlich jazzrockigen Dampf hatten; zugleich werden hier die fröhlichsten Riffs seit Fritz Brause ;O) verbraten. Überhaupt klingen immer wieder sehr jazzige Töne an. Aber auch andere amerikanische Musikstile wie Funk werden geschickt in das Gesamtbild eingebaut: „So ready“ klingt z.B. schwer nach Funkadelic inklusive leicht psychedelischem Touch.

Scheinen die Texte ziemlich eindeutig, so verliert sich diese Eindeutigkeit bei der Vielschichtigkeit der Musik. Dennoch halte ich The End is beautiful für das aggressiv-düsterste Werk der amerikanischen Retroprogger. Aber anders als manche melancholische Band aus europäischen Gefilden verlieren Echolyn nie diesen amerikanischen Wohlfühlsound, ohne je kitschig zu klingen wie etwa die Kollegen von Spock’s Beard. Und im Resultat klingt der Spagat vollkommen organisch. Sowas muss man erst mal hinkriegen.

Anspieltipp(s): Georgia Pine, Make me sway
Vergleichbar mit: bessere Spock’s Beard
Veröffentlicht am: 31.8.2005
Letzte Änderung: 5.2.2007
Wertung: 12/15

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Von: Thomas Kohlruß @ (Rezension 2 von 4)


Schon lange hatte ich kein Album mehr mit so einer gespannten Vorfreude erwartet, wie das neue Werk von Echolyn. Heldenhaft hatte ich mich bei einigen Gelegenheiten, die sich boten, beherrscht, vorher mal 'reinzuhören. Nein, ich wollte mir das Erst-Erlebnis mit dem Original-Album nicht nehmen lassen...

...umso schöner, wenn sich die geballte Vorfreude dann in prallem Genuss entlädt, so wie das hier der Fall ist.

Echolyn sind eine erstaunliche Band: Vom locker-flockigen Happy-Prog des ersten Albums hat man sich bis "As The World" zu einer vertrackt agierenden Retro-Frickel-Combo entwickelt. Nach der Wiederauferstehung gab's zunächst eher straighten Melodic-Prog mit ein paar 'Alternative Rock'-Anleihen und dann schliesslich das Mammutwerk "Mei", welches so ganz und gar untypisch für die Band der kurzen, prägnanten Songs daherkam. Bei all diesen Entwicklungen ist Echolyn der Prototyp einer Gruppe, die immer irgendwie nach sich selbst klingt, aber sich dabei eben nicht ständig selbst reproduziert. Eine organische Evolution sozusagen, die die Fans mitnimmt, aber doch auch immer wieder spannendes Neues bietet.

"The End Is Beautiful" treibt diese Entwicklungs-Evolution irgendwie auf die Spitze. Hier hören wir typische Echolyn-Klänge und doch ist alles anders. "Retroprog" habe ich als Kategorie gewählt, als ich das Album im Redaktionssystem erfasst habe. Aber je öfter ich das Album höre, desto zweifelhafter finde ich diese Einstufung. Allerdings weiss ich auch keine bessere. Echolyn sind musikalisch ungreifbarer denn je.

Es gibt immer noch diesen Unterbau an Melodielinien, Songstrukturen, Kompositionen, die an die Wurzeln im klassischen Prog gemahnen. Und witzigerweise ist es ausgerechnet Keyboarder Buzby, sonst als Quietsch-Meister verschrien, der durch seine seit "Cowboy Poems Free" noch gewachsene Begeisterung für analoge Synthie-Sounds, Klavier und Hammond-Orgel, diesen Eindruck noch verstärkt. Andrerseits klingt das Album ungeheuer modern. Die rockigen, zuweilen schrägen Gitarrenlinien, das vordergründig unspektakuläre, aber ungemein lässige Drumming, der profunde Bass, alles das klingt für mich überhaupt nicht mehr retro, sondern wie moderner, komplexer melodischer Rock. Dazu kommen sparsame, aber effektive elektronische Effekte, vor allem bei diversen Song-Einstiegen. Das geht soweit, dass "Lovesick Morning" zunächst wie ein waschechter New Artrock-Song beginnt. Zumindest dieser Anfang wäre auch auf einem Porcupine Tree-Album nicht aufgefallen.

Ungewöhnlichste Klangerweiterung sind allerdings die Bläser, die auf drei Titeln die Soundfülle nochmal deutlich erweitern. Im Zusammenspiel mit einem ungemein angejazzten Piano und röhrender Hammond liefern die toll arrangierten Bläser ein wohliges Jazz-Rock-Feeling. So erinnert mich "Heavy Blue Miles" gelegentlich an After Cryings "Show". Und bei "So Ready" liefert Buzby am Rhodes (schätze ich zumindest mal) noch tolle Funky-Linien ab, die einen absolut frechen Groove verbreiten.

Die Grundstimmung des Albums ist darüberhinaus düsterer, psychedelischer als bei allen anderen Echolyn-Werken. Mit "Georgia Pine" beginnt es ja noch eher locker-groovig. Aber besonders im epischen "Lovesick Morning" oder dem melancholischen "Arc Of Descent" wird diese andere Grundstimmung greifbar. Des Letzteren Untertitel lautet "Dancing in a motel just west of Lincoln", ja und man sieht sie förmlich vor sich, die verlorene Gestalt, die sich einsam im Morgengrauen zur Musik im kargen Motelzimmer wiegt. Wenn's nicht so blöd klänge, würde ich sagen, die Jungs werden anscheinend langsam erwachsen. Konnte man Echolyn früher hin und wieder vorwerfen ein paar Noten zuviel zu spielen, so sitzt hier alles am rechten Fleck.

Gesanglich gibt es bewährte Echolyn-Kost auf die Ohren. Tonsicherer Einzelgesang, der schon mal ein bisschen schräg ausflippen darf, und noch bessere Chöre und Harmoniegesänge.

So nach fünf Tagen - was normalerweise zu früh ist - möchte ich einfach die Meinung äussern: Echolyn ist ein grosses Album gelungen. Mir gefällt das um einiges besser als "Mei", sozusagen die organische Verbindung aus "Cowboy Poems Free" und "As The World" mit einem Schuss Jazz-Rock. Mit "Lovesick Morning" hat es mir ausgerechnet der längste Song des Albums besonders angetan, wo ich doch sonst immer sage, Echolyn haben kein Talent für die "lange Form".

Ich freue mich schon wahnsinnig auf das Konzert auf der Freakparade. Und was noch viel besser ist: Auf der Echolyn-Mailingliste kann man nachverfolgen, dass die Jungs von der Band sich fast noch mehr darauffreuen in Europa spielen zu dürfen. Dieser Enthusiamus macht diese Band so sympathisch. Ich schätze, die werden uns einfach wegblasen ;-)

Anspieltipp(s): Zum Kennenlernen: "Heavy Blue Miles", mein persönlicher Favorit ist allerdings "Lovesick Morning"
Vergleichbar mit: Echolyn sind Echolyn
Veröffentlicht am: 31.8.2005
Letzte Änderung: 28.7.2012
Wertung: 13/15
provisorisch...

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 3 von 4)


Es ist heute verbreitet, abwechslungsreiche Rockalben mit leichtem Progtouch unserem Genre anzuadoptieren. Ich rätsele immer noch, ob mein Progbegriff zu eng ist (was wahrscheinlich ist, ich kenne niemanden, der nicht irgendeinen weithin als Prog-Subgenre anerkannten Bereich mit seinem persönlichen Progbegriff nicht unter einen Hut kriegt), oder der Anderer zu weit (was mir sehr schwer vorstellbar ist), ob manche eventuell auch jenseits der Szene bekannten Bands den Stempel ?Progressive Rock? aufdrücken, damit deren Fans merken, daß Prog was geiles ist und vielleicht auch mal ?was Vernünftiges? hören (was zwar unredlich, aber löblich wäre) - ich weiß es nicht. Aber Alben wie die von Mars Volta und Umphrey?s McGee kann ich als Prog einfach nicht begreifen. Ich finde solche Sachen nett, höre sie aber als ein neues Crossover-Genre, naja, so neu vielleicht nicht, ich würde auch die frühen Marillion als eine Mischung aus Prog und Rock ansprechen - aber der Rock ist heute ein anderer geworden. Nicht daß die entsprechenden Alben schlecht wären, oder ich sie schlecht fände! Aber wenn ich eine CD, die ich nicht kenne, beim trucken oder, wie diese, beim Round-up hören kann, dann kann ich nicht umhin, sie eher am Rande dessen zu sehen, was ich als Prog ansehe - wenn das einen Rand hat!

?The End is beautiful? ist eine dieser Platten, mit denen ich die beschriebenen Schwierigkeiten habe, nicht so sehr wie mit anderen, aber umso mehr, als Echolyn schon ganz andere Sachen gemacht haben. Sicher, Udo hat Recht mit seiner Taktzählung (siehe Rezension Nummer 4). Und nicht nur ?Georgia Pine? enthält schräge Metren, auch Songs wie ?Lovesick Morning? oder ?Make me sway?, die ich eher als enttäuschend empfinde, enthalten 7/8-Takte. Oder ?Heavy Blue Miles?. Gut, das enthält sogar kurze instrumentale und vokale Gentle-Giant-Einlagen, aber ist das Prog? Oder gar Retro-Prog? Udo fragt mit Recht gegen: Was soll das sonst sein? Nun ja, bei Echolyn hat man ja schon mehrfach befürchtet, daß sie in Rockgefilde abdriften. Der würzburger Prog-Guru Charlie Heidenreich hat das mal auf den Punkt gebracht: ?Viele hatten sie schon als verloren an die Industrie betrachtet, und das nicht nur einmal ... Nun wähnte man Echolyn endgültig in den Gefilden von Tom Petty, den Eagles und REO Speedwagon.?. Auch wenn das neue Album nicht gerade an Tom Petty, die Eagles oder REO Speedwagon denken läßt, für mich ist dieses Album zu nahe am Rock. Aber warum? Udo sagt: es erklingen doch schräge Metren. Das ist richtig, und die sind auch immer schon ein Merkmal des Progressive Rock gewesen (aber eben nicht nur: "Lightning strikes", das furchtbarste Lied, das Yes je geschrieben haben, ist auch in 7/8). Aber - wie ich merke, vergleiche ich ?The End is beautiful? mit den bislang besten Alben Echolyns, allen voran (Geschmackssache) ?As the World?. Auch da gibt es 4/4-Takte auch da gab es schon eine Annäherung an der allseits bekannten 90er-Rock, aber diese Platte klang einfach - hm - proggiger. Warum? ?As the World? war vielschichtiger, die kontrapunktischen Passagen standen viel stärker im Vordergrund. Verschiedene Instrumente spielten zur gleichen Zeit in unterschiedlichen Takten. Fette Breitseiten waren stattdessen kaum zu hören. Im ganzen wirkte das Album dadurch feiner gesponnen, fragiler, vielschichtiger. (Vgl. meine Rezi zu "As the world") ?The End is beautiful? dagegen führt eine Tendenz weiter, die sich schon auf ?mei? ankündigte: die Klanggestalt des Albums ist flacher, breiter, hat weniger Tiefe, weniger Feinheit - ich rede nicht vom Sound! Mir fehlt auch das wunderbar schräge Spiel Chris Buzbys, dadurch klingt die Platte viel angepaßter, als es sein müßte. Ray Weston klingt jetzt oft wie Herr Hetfield. "Lovesick Morning" ist eine Rockballade mit, wohlwollend formuliert, versponnener Melodie und einer gefälligen Klimax am Ende. Fade Songs wie ?Make me Sway? sind allzu regelmäßig auf den ?Empire Art Rock?-Samplern zu finden (nix für ungut). Mit ?So ready? gibt es sogar ("sogar"?) lupenreinen Soul/Funk, gemischt mit Musicalklängen, den ich viel lieber von Tower of Power hören würde, "The End Is Beautiful" ist ein verkappter The Tangent-Song und die Mainstream-Ballade ?Arc of Descent? hätte auch von den späteren Rainbirds sein können. Selten enthielt ein Echolyn-Album so sehr Songs mit klarem Strophe-Refrain-Aufbau und so nachvollziehbaren Melodien. Offensichtlich ist man von der alten Kompositionstechnik, die eher auf Schnipseln basierte, abgekommen. Mit solchen Songs rückt das neue Echolyn-Album, anders als ?As the World?, in meinen Ohren eher in Richtung Mars Volta und Umphrey?s McGee als in Richtung Gentle Giant (obwohl: auch deren Alben waren ja recht songorientiert. Aber ich denke, es wird klar, was ich meine). Nein - korrigiere: mit Mars Volta hat das stilistisch nicht viel zu tun. Dieses Album ist höchst gewöhnlich - das zumindest sind Mars Volta nicht.

Wie gesagt, wenn man mit solchen Crossover-Sachen neue Fans für die Szene gewinnen kann, ist das toll, und ich gehe mit, aber ich kann mir nicht helfen: für mich sind das Kompromisse und ich fühle ein klein wenig Mulm dabei - umso mehr bei einer Band wie Echolyn. Früher übrigens war so etwas in der Szene mal als Anbiedern an den Massengeschmack verschrien. Wie hacken nicht alle auf Yes herum, wenn die schon wieder ein Popalbum veröffentlichen - und nur aus einem Grund: Wir wissen, was sie können! Wie schnell sind da Totschlagargumente wie ?Verrat an der künstlerischen Integrität? oder ?Aufgabe der künstlerischen Identität? zur Hand. Das will mit dem hocherfreuten Begrüßen solcher Crossover-Platten von Bands, die es - in unseren alten Augen - besser können, so richtig nicht zusammenpassen. Sind unsere Kategorisierungen daran schuld? Oder die Bands, die gegen jede von uns so gern gehegte und gepflegte Regel verstoßen? Oder etwa die anderen Bands, diejenigen, die gegen die von uns genauso gern gepflegte Offenheit für Alles und Jedes verstoßen?

Die Szene entwickelt sich, sie verliert mit Mars Volta, Umphrey?s McGee und anderen ihre Konturen, und das ist gut so. Die Geschmäcker sind verschieden, und auch sie verändern sich, und auch das ist gut so. Aber Echolyn haben einen Stilwechsel vorgenommen und der geht echt an mir vorbei. Das Album ist O. K., aber solche Alben mag ich von Echolyn eigentlich nicht hören.

Anspieltipp(s): As the World
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.9.2005
Letzte Änderung: 3.9.2007
Wertung: 6/15
Klingt wie zuviel Anderes

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Von: Udo Gerhards (Rezension 4 von 4)


Es lässt sich nicht leugnen: in den letzten Jahren sind viele Alben entstanden, die proggig sind, aber sich nicht mehr ohne weiteres in die Stil-Unterkategorien einordnen lassen, die sich aus den Genre-Vorläufern in den 70er Jahren entwickelt haben. Kollege Ralf J. spricht in seiner "Frances The Mute"-Rezension davon, wie bemerkenswert Mars Voltas Fähigkeit sei, unproggig proggig zu sein. Ich borge mir seine Aussage und drehe sie für Echolyn und "The End is beautiful" um: Was ich am bemerkenswertesten finde, ist ihre Fähigkeit so proggig unproggig zu sein.

Ja, das Album groovt, es hat einen fetten Sound und viele mainstreamig anmutende Melodien und Harmonien. Das muss man beileibe nicht mögen (dass ich persönlich etwa eine Schwäche für P-Funk habe, den sich Echolyn offensichtlich in "So ready" zum Vorbild genommen haben, ist sicherlich kein prinzipieller Maßstab).

Aber: wie zur Hölle, wenn nicht als Prog, soll man eine Platte beschreiben, in der ein Stück (Achtung: kleinkrämerische Taktzählerei folgt) bruchlos zwischen treibendem 4/4 und einem 6/4-4/4-Teil wechselt, danach in einen 10/4 geht und anschließend Tempo und Stimmung runterschraubt für einen elegischen 3/4 ("Georgia Pine")? Oder ein anderes Stück Passagen in 5/4 und eine instrumentale Bridge mit 7/8-4/4-Wechsel hat ("Heavy Blue Miles")? (Ende der Taktzählerei, aber in fast jedem weiteren Stück auf "The End is beautiful" lassen sich weitere Beispiele für Nicht-Standard-Rhythmik finden.) Auf der "instrumentale und vokale Gentle-Giant-Einlagen" (Niks Worte) zu finden sind? Auf der Longtracks mit 9 und 10 Minuten sind? Deren Titelstück krummtaktig und in vielfältigen Variationen ein Thema aus Strawinskys "Le sacre du printemps" verarbeitet?

Wie gesagt: die Stimmung und Gesamtanmutung der "neuen" Echolyn muss man nicht mögen. Ich aber finde es eher bewundernswert, dass die Gruppe die unbestreitbar vorhandene Komplexität des musikalischen Materials dermaßen locker und flockig verpackt. Das findet man in dieser Form beileibe nicht auf jedem abwechslungsreichen Rockalbum - und erst recht nicht auf den meisten Yes-Alben (auch und gerade den späten poppigen. Wobei oft vergessen wird, dass Yes als "Popband mit Anspruch" angefangen haben, und man gute Gründe dafür anführen könnte, dass die "großen" Progalben der Band eigentlich eine Aberration in ihrer Entwicklung darstellen und nicht andersrum, wie es die meisten Fans der Gruppe aus dem Prog-Bereich gerne glauben).

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 13.9.2005
Letzte Änderung: 20.9.2005
Wertung: 11/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Echolyn

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