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24382 Rezensionen zu 16669 Alben von 6497 Bands.
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Sigur Rós

Takk

Coverbild
Informationen

Allgemeine Angaben

Erscheinungsjahr: 2005
Besonderheiten/Stil: Postrock
Label: EMI
Durchschnittswertung: 10.67/15 (9 Rezensionen)

Besetzung

J.Þ.Birgisson
O.P.Dýrason
G.Holm
K.Sveinsson

Gastmusiker

Álafosskórinn directed by Frank Aarnink Choir on "Hoppípolla"
Kristín Lárusdóttir cello
Júlía Mogensen cello
Stefanía Ólafsdóttir viola
Eyjólfur Bjarni Alfreðsson viola
Ingrid Karlsdóttir violin
Gréta Salóme Stefánsdóttir violin
Matthías Stefánsson violin
Ólöf Júlía Kjartansdóttir violin
Eiríkur Orri Ólafsson trumpet
Snorri Sigurðarson trumpet
Helgi Hrafn Jónsson trombone
Samúel Jón Samúelsson trombone
Össur Geirsson tuba
Frank Aarnink Percussion/timpani on "Sé Lest"

Tracklist

Disc 1
1. Takk... 1:59
2. Glosoli 6:16
3. Hoppipolla 4:29
4. Meo Blodnasir 2:17
5. Se Lest 8:40
6. Saeglopur 7:39
7. Milano 10:25
8. Gong 5:34
9. Andvari 6:40
10. Svo Hljott 7:25
11. Heysatan 4:09
Gesamtlaufzeit65:33


Rezensionen


Von: Andreas Pläschke @ (Rezension 1 von 9)


Das neue Album "Takk" (Danke) der Isländer ist zugleich deren Debüt bei einer Major Company. Aber zum Glück für den Fan ist es kein Ausverkauf an marktübliche Hörgewohnheiten, sondern eine gelungene Fortführung des bisherigen Konzepts, angereichert mit neuen Ideen.

Dabei machen Sigur Rós im Grunde genommen dort weiter, wo sie mit "()" aufgehört haben, nur diesmal ohne diesen klagenden Unterton. Für meine Ohren klingt die Musik fast schon heiter (für Sigur Rós!). Ursache sind minimale Änderungen im Soundgewand: da und dort eingängigere Beats, hymnischere Streicher, eine Brass-Sektion sowie engelshaftere Gesangspassagen - schon klingt die Musik leichter, lockerer, ohne den Charme und die Verschrobenheit der bisherigen Aufnahmen zu verlieren. Zum anderen schwelgt die Band nicht mehr in diesem Zeitlupentempo, sondern löst quasi die Handbremse und bietet - wie schon bei der vorangegangenen EP Ba Ba Ti Ki Di Do - noch abwechslungsreichere Arrangements. Mal reduzieren sie die Musik auf wenige, oft akustische Instrumente, zum anderen "rocken" sie mal richtig los (für ihre Verhältnisse). Gutes Beispiel hierfür ist "Svo Hljott", das sich aus einem langsamen, akustischen Beginn hin zu einem schwelgerischen,dynamischen Titel mit vollen Streichern, Keyboards und Rockdrums entwickelt. Und wenn zusätzlich ?radiotaugliche? Tracks wie "Hoppipolla" oder das von sanften Violinen unterlegte "Andvari" dabei sind, kann nichts mehr schief gehen.

Um es kurz zu halten: für mich die bisher beste Platte der Band, klasse Arrangements, tolle Songs und klare Produktion. Nicht umsonst die Platte des Monats in einem Musikjournal (Namen nenne ich nicht). Manche Ähnlichkeiten mit Björk oder besser Radiohead in den Sounds bzw. Stimmungen dürften die CD für Freunde dieser Musiker hörenswert machen.

Anspieltipp(s): durchhören
Vergleichbar mit: Radiohead, Björk
Veröffentlicht am: 27.9.2005
Letzte Änderung: 1.7.2012
Wertung: 13/15

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Von: Thomas Thielen @ (Rezension 2 von 9)


Endlich. Und ich mag es sehr. Verschmitzt heiter, introvertiert auf eine viel weniger umweltverneinende Art als zuvor. Zeichneten Sigur Ros' bisherige Alben vielleicht eher das Bild eines aus dem Fenster starrenden Eigenbrödlers, dessen Kleidung sich in grau und schwarz erschöpft, so ist jene Person auf "Takk" anscheinend aus dem Haus getreten, genießt einen Herbstspaziergang (in Erdfarben gewandet, wie mir scheinen will) und findet sich in einem Cafe ein, wo sie geheimnisvoll lächelnd für Charme und Verstörung gleichermaßen sorgt.

Ok, auch wenn da die Gäule vielleicht ein bisschen mit mir durchgegangen sein mögen, so ungefähr klingt "Takk" in meinen Ohren. Die üblichen sigurrosschen Stilmerkmale sind vorhanden, werden neu kombiniert (auch wenn der Beigeschmack der Wiederholung sich auch auf "Takk" nicht ganz verliert), man fügt eine neuartige, beinahe einem befreiten Durchatmen vergleichbare Stimmung hinzu. Wenn "()" für die verregneten, düsteren Herbsttage geeignet ist, dann empfehle ich "Takk" für den goldenen, sonnigen Herbsttag voller fliegender Blätter und der Wehmut des Sommerabschieds. Ich empfehle es, im wahrsten Sinne des Wortes, wärmstens.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: Sigur Ros
Veröffentlicht am: 19.10.2005
Letzte Änderung: 19.10.2005
Wertung: 14/15
Sieh an, es lächelt!

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Von: Christoph Scholtes @ (Rezension 3 von 9)


Wirkten die Songs auf den Vorgängeralben eher fragil und isländisch kühl, erstrahlen sie nun gestärkt durch eine neue, positive und weniger melancholische Einstellung und kraftvoller als zuvor. Natürlich erfinden sich Sigur Ros nicht komplett neu. Die Band klingt immernoch unverkennbar nach... naja... sich selbst. Hier und da kommt dies bekannt vor, aber insgesamt wird der Sound, angereichert durch neue Stilmittel, auf ein neues, höheres Niveau gehievt. Die Arrangements sind nicht mehr ganz so sparsam wie früher und liebevoll und detailreich ausgearbeitet. Die neuentdeckte Fröhlichkeit in Form von kindlich verspielten, stets "lächelnden" Melodien, unterstrichen vom geschickten Einsatz von Streichern und Bläsern, läßt die einzelnen Stücke majestätischer denn je erscheinen.

Die Kühle und Melancholie der früheren Alben weicht purer Schönheit, kraftstrotzenden Ausbrüchen und der Hoffnung, dass am Ende doch noch mal die Sonne scheint. Ganz, ganz, ganz gross!

Anspieltipp(s): Hoppipolla, Milano
Vergleichbar mit: Sigur Ros
Veröffentlicht am: 20.10.2005
Letzte Änderung: 20.10.2005
Wertung: 14/15

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Von: Sal Pichireddu @ (Rezension 4 von 9)


OK: Wenn es eine Band der letzten Jahre gibt, die von den schnieken Redakteuren der arriviertesten Rock-Gazetten, selbsternannten Connaisseurs der Rock-Szene und sonstigen potenziellen Hyper-Hypern gleichsam besabbelt wurde, dann ist es die isländische Truppe Sigur Rós. Glaubt man ihren Ausführungen, dann vernahm man nichts Geringeres als die Zukunft des Rock'n'Rolls, der Relativitätstheorie, der Weltrevolution oder ... des Progressive Rock - je nach ideologischer Färbung des Sabbelnden. Das mag in Teilen, selbst wenn man das Gesabbel weglässt, zutreffen... auch ich (mein Sohn Brutus) war durchaus angetan von den Isländern, als sie Ende 1999 Ágætis byrjun veröffentlichten und damit ein mitteres Erdbeben in der Musikszene auslösten.

Wie ist aber nun ihr Major-Label-Debüt "Takk"? Hmmm... Soll ihr ehrlich oder charmant sein? Ehrlich? OK: Es kling-klang-klingelingelingt, es harmoniert bis zum Mistelzweig über der Türschwelle, es wabert und wummert und es schwebt, als ob man Godspeed You Black Emperor! und Pink Floyd völlig zugekifft mit Judy Garland als junge Tucke (ich darf so politisch inkorrekt reden, ich komme aus Köln) zu einem Homunculus pardon zu einem Pseudo-Progalbum gekreuzt hätte. Ich war ja nach der durchaus gefälligen, aber leicht überschätzten (jedoch immer noch gut zu hörenden) Ágætis byrjun und der völlig gähnigen "()" skeptisch, ob man diese Mucke wirklich noch zu einem weiteren Album auswalzen könnte. Seien wir mal ehrlich: "Takk" klingt doch ein wenig so wie eine New-Age-Scheibe für Hochschulabsolventen der philosophischen Fakultät im zweiten Bildungsweg mit esoterisch-angehauchten Neigungen und 'nem Hang für Counter-Tenöre der zweiten Reihe. Muss man so etwas wirklich ernst nehmen, nur weil da gefiept wird, was das Zeug hält? Wohl eher nicht!

"Takk" ist wie eine Kopie der vorangegangenen Alben plus Schmalz minus Melancholie oder - to put it in other words - das Album klingt für mich eher wie eine hübsch spielende Qualitäts-Spieluhr für Proggerbabies, denn ein ernstzunehmender Beitrag für die Rockwelt. Pling plang plong - alles hübsch anhören wirklich, so viele String-Keys habe ich seit ... äh... ELO nimmer gehört... aber spätestens nach zehn Minuten solch (hüstel) wohlklingender, solch angenehmer, solch honigsüßlicher, solch tralalalalalaiger Zuckerwatten-Musik, will man spontan zum Satanisten mutieren, um die Welt in ihren tiefsten Wurzeln auszumerzen; oder diese CD ins Schleim-Nirvana verbannen.

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: einer leicht schleimigen Persiflage auf "Ágætis Byrjun"
Veröffentlicht am: 27.10.2005
Letzte Änderung: 28.10.2005
Wertung: 7/15
eigentlich 7,5 - aber eben eher 7, denn 8. Aber ich will fair bleiben: Immerhin ist das alles sehr gut gemacht.

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Von: Christian Rode @ (Rezension 5 von 9)


Nach dem geradezu formlosen und in seiner Formlosigkeit doch recht coolen und zurecht () betitelten Album () musste etwas anderes kommen. Dass Takk eingängiger ist als sein Vorgänger kann man ihm aber kaum vorwerfen, sondern dies stellt sich geradezu als Notwendigkeit dar.

Das Album hat viel sphärische Atmosphäre, die sehr angenehm - vielleicht manchmal schon zu angenehm und einlullend - rübergebracht wird. Das Kantige wird in der Regel einfach durch eine Erhöhung der Lautstärke erzielt. Hinzu kommt eine sanfte Melodiosität. Nicht alle Songs wirken dabei wirklich essentiell.

In meinen Ohren ist Takk weder das Hammeralbum noch dürftiges Mittelmaß geworden. Es ist einfach mehr der lockere Einstieg in den Soundkosmos von Sigur Ros, der aber noch mehr zu bieten hat.

Anspieltipp(s): Hoppipolla, Saeglopur
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 27.10.2005
Letzte Änderung: 21.3.2012
Wertung: 10/15

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Von: Jochen Rindfrey @ (Rezension 6 von 9)


Ich muss zugeben, dass ich anfangs dem neuen Werk der Isländer etwas skeptisch gegenüberstand, nachdem Begriffe wie "eingängiger" und "fröhlicher" fielen. Nun, zur Anbiederung an den Kommerz ist "Takk" nicht geworden. Zu dem "Hammeralbum", zu dem es einige meiner Vorredner machen, aber auch nicht.

Sigur Ros haben ihre Musik durchaus um neue Komponenten erweitert, die melancholische Schwere ist überwiegend einer heiteren Leichtigkeit gewichen bis hin zu fast schon humoristischen Einlagen (wie die Bläsersektion am Ende von "Se Lest"). Auch verharrt die Musik nicht immer im Zeitlupentempo.

Manchmal übertreiben sie es aber etwas mit der Leichtigkeit, da wirkt es dann schon etwas arg zuckrig, wenn die Streicher zu hymnisch aufspielen und der Sänger ein bisschen zu sehr fiept (auf den vorherigen Platten hat mir der androgyne Gesang sehr gut gefallen!).

Insgesamt schließe ich mich Christian an: "Takk" ist ein gutes Album, aber da wäre mehr drin gewesen!

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 6.11.2005
Letzte Änderung: 6.11.2005
Wertung: 10/15

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Von: Jörg Schumann @ (Rezension 7 von 9)


Nach Ágætis byrjun ist Takk das zweite Werk der Isländer, das ich kennenlerne. Wo das erste Album durch die gleichzeitige Geburt meines dritten Kindes noch eine gewisse spezielle Bedeutung bzw. Färbung erlangte, da ist mir dieses Output einfach so im schlichten Alltag untergekommen ;-). Was vielleicht auch etwas mehr Objektivität ermöglicht.

Ich möchte im Wesentlichen in den Tenor der Herren Rode und Rindfrey einstimmen und sehe das Album auch weder im Olymp noch im Orkus. Es ist ein ordentliches Album, stilistisch am Rande der Gauss`schen Verteilungskurve dessen, was unsereins so als Prog versteht.

Es gibt Klangwelten/Klanggemälde, und nichts anderes sind für meinen Geschmack die Kompositionen von Sigur Ros grösstenteils, die schlicht und ergreifend faszinierend und unsagbar schön sind. Und dann gibt es viele Stücke, die die Grenze zur Banalität, zum Kitsch überschreiten. Über lange 65 Minuten hinweg ermüdet das Gewinsel, Gequike (z.Bsp. in "Gong"), Geblubber und Gewabber (Copyright by Sal), ist mir das Ganze einfach zu uniform, zu eintönig, zu sehr immer in der gleichen Stimmungsebene angesiedelt. Gäbe es nicht die Ausbrüche in "Saeglopur" und "Milano", ich hätte mich gefragt, ob die Musiker alle depressiv sind, unter Benzodiazepinen stehen oder in eine Kältestarre verfallen sind. Wie gesagt, ich kenne bloss Takk und Ágætis byrjun. Aber was ich so gelesen habe, sind auch die anderen Alben stilistisch kaum anders.

Was machen Sigur Ros, wenn sie nach getaner Arbeit nach Hause gehen? Kampfsport, Rugby? Was für Musik spielen sie, wenn sie nicht "Sigur Ros-Musik" machen? Lassen sie dann so richtig die Sau raus? Wie gleichen sie die Zuckerwatte aus, unter der sie den ganzen Tag liegen?

Höhepunkt des Albums ist "Milano". Und wenn ich es höre, dann kann ich nicht glauben, was ich eben geschrieben habe. Und doch ist es so. Das Album vereint Passagen grösster Schönheit und banalen Einerleis.

Anspieltipp(s): Milano
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 7.11.2005
Letzte Änderung: 7.11.2005
Wertung: 9/15
von 3-15 ist alles dabei

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Von: Nik Brückner @ (Rezension 8 von 9)


Komisches Album. Irgendwie scheint es sich gängigen Beschreibungweisen zu entziehen. Man muss gar nicht so weit gehen wie Thomas oben, der sich gar eine kleine Erzählung ausdenkt ("Zeichneten Sigur Ros' bisherige Alben vielleicht eher das Bild eines aus dem Fenster starrenden Eigenbrödlers, dessen Kleidung sich in grau und schwarz erschöpft, so ist jene Person auf "Takk" anscheinend aus dem Haus getreten, genießt einen Herbstspaziergang (in Erdfarben gewandet, wie mir scheinen will) und findet sich in einem Cafe ein, wo sie geheimnisvoll lächelnd für Charme und Verstörung gleichermaßen sorgt"), auch die anderen Kollegen scheinen sich aufgefordert zu sehen, Metaphern zu gebrauchen, selbst wenn sie sonst eigentlich nicht dazu neigen: Christoph schreibt von "purer Schönheit, kraftstrotzenden Ausbrüchen und der Hoffnung, dass am Ende doch noch mal die Sonne scheint", Sal assoziiert gar einen "Mistelzweig über der Türschwelle", Christian spricht von einer "sphärischen Atmosphäre" und Jörg von "Klanggemälden". Wieso?

Anders gefragt: Was machen Sigur Rós da nun eigentlich? Sieht (hört) man genau hin, reduziert man das Album auf die Dürftigkeit seiner Substanz: die Stücke bestehen jeweils aus einem oder zwei Motiven, die minutenlang wiederholt werden, recht kurzen Motiven zudem, meist nur aus einer Handvoll Tönen bestehend, in klaren Dur- oder Moll-Harmonien. Mal ist es der Bass, mal das Keyboard, von dem sie stammen. Darüber und darunter werden dann Schichten von Streichern, Gesängen oder Basstönen gelegt, die ebenfalls sehr schlicht gehalten sind. Das ganze ist weder rhythmisch vertrackt oder gar virtuos gespielt, es dominieren gerade Takte, 4/4 meistens (klar, 3/4, 6/8, das wäre auch alles viel zu schwungvoll) und die Tempi sind auch alle in einem recht gemächlichen Bereich. Langer Rede kurzer Sinn: Klingt nicht gerade nach Prog. Die Frage ist, ob man die Scheibe so hören soll. Oder will.

Sigur Rós' Qualitäten liegen in einem ganz anderen Bereich: dem Sound. Mag es mit der Substanz nicht weit her sein, das Sounddesign ist es, was diese Platte auszeichnet. Die Band versteht es, durch die ausgeklügelte Kombination (und manchmal auch nur Assoziation) verschiedener Klangfarben Soundgestalten zu kreieren, die in ihrer Ästhetik (oder sagen wir Andersweltlichkeit, Schönheit) darauf ausgerichtet sind, Bilder wie die oben zitierten hervorzurufen. Dabei ist die Platte umso besser, je weniger identifizierbar die einzelne Klangfarbe (bzw. der Gesamtklang) ist.

Vermutlich kann man also gar nicht anders als diese Klanggestalten und die von ihnen ausgelösten Assoziationen zu beschreiben, weil ein anderes Hören kaum Aufschlussreiches zu Tage fördert und damit den Kern der Sache verfehlt.

Daran, wie wir die Platte bewerten, kann man daher wohl weniger ihre Qualität als vielmehr unsere unterschiedlichen Hörinteressen ablesen. Was mich persönlich angeht: ich finde die Scheibe - surprise, surprise - todlangweilig, weil ich vor lauter Form den Inhalt vermisse. Aber ich bemerke dann doch, was mich als Progfan daran interessiert: Sämtliche Stücke von "Takk" eigneten sich nämlich wunderbar als eindrucksvolle, pathetische, melancholische Schlusspassagen großartiger Prog-Epen. Was mir eben nur fehlt, sind diese Epen...

Anspieltipp(s):
Vergleichbar mit: "The Fall" von Tarsem Singh
Veröffentlicht am: 21.1.2010
Letzte Änderung: 22.1.2010
Wertung: 7/15

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Von: Markus Peltner @ (Rezension 9 von 9)


Musik ist schon was Tolles. Da denkt man nichts Böses, kauft sich eine CD, da das Cover interessant aussieht, die Scheibe gerade im Angebot zu haben ist und man von isländischer Musik bisher nur etwas von Björk gehört hat. Kurz mal die erlaubten dreißig Sekunden im Internet reingehört – klingt irgendwie nach „Ambient“ – und was soll’s, den „Kaufen-Knopf“ gedrückt. Zwei Tage später legt man dann die CD in den CD-Spieler und man kann es fast nicht glauben, was man da zu hören bekommt. Musik ist was Tolles.

Da singt ein neunjähriger Junge. Nein, ein achtjähriges Mädchen. Aber in den Credits steht davon überhaupt nichts. Island ist das Land der Elfen, Zwerge und Trolle. Da wird eine Klavierlehrerin zu Rate gezogen, wenn Straßen gebaut werden, um nicht bei dem Bauvorhaben mit einem Elfen- oder Zwergen-Wohnort zu kollidieren. Das alles ist kein Witz und so kann es dann schon mal passieren, dass eine Straße verjüngt wird, damit ein „von Elfen bewohnter Felsen“ von der Baumaßnahme nicht betroffen wird. Warum soll denn dann da nicht auch ein Kind singen? Macht es aber nicht. Sänger Jón Þór Birgisson ist zum Zeitpunkt des Erscheinens der Platte bereits dreißig Jahre alt. Kaum zu glauben.

Und kaum zu glauben beziehungsweise schwer zu beschreiben ist auch die Musik, die man auf „Takk…“ geboten bekommt. Ist das sphärische Ambient Musik? Ist das mit wenigen isländischen Worten versehene Instrumentalmusik? Egal, wie man es nennt. Das, was man auf diesem vierten Album der Isländer hört, das klingt. Da werden Lagen von Streichern über Lagen von Streichern gelegt. Irgendwo klingelt immer eine Art Glöckchen, alles ist schön, lieb und nett. Die Elfen scheinen heute Hochzeit zu feiern und auch die Zwerge und Trolle sind eingeladen und wissen sich zu benehmen. Keiner mag hier diese schöne Stimmung zerstören.

Hektik gibt es auf „Takk…“ zu keiner Zeit. Und wenn mal zur Abwechslung die Brass-Sektion in die „Klanggebäudeerrichtung“ mit einsteigt, dann passt sich dieser Sound der schönen Umgebung an und verschmilzt angenehm mit ihr. Der Sound der Musik steht absolut im Vordergrund. Manchem mag dies zu langweilig sein, denn immer und immer wieder versinkt hier alles in allerschönster Schönheit. Ecken und Kanten gibt es da nicht, denn an denen könnte man sich ja stoßen. Nun aber genau das ist auch die Stärke dieses Albums. Diese Konsequenz, mit der man beim Einlegen der Scheibe auf eine Reise geschickt wird, die über 65 Minuten dauert, die nicht aufregend, aber sehr angenehm ist.

Fazit: Ich finde in meinem Musikuniversum keinen Vergleich zu diesem Album. So etwas hatte ich bisher noch nicht gehört und genau das macht die Platte für mich auch so spannend. Ich höre hier etwas ganz anderes als das Alltägliche. Und ich gebe es zu, ich würde auch gerne zu dieser Elfen-Hochzeit eingeladen werden.

Anspieltipp(s): Hoppípolla, Með Blóðnasir, Sé Lest, Mílanó
Vergleichbar mit:
Veröffentlicht am: 8.12.2012
Letzte Änderung: 8.12.2012
Wertung: 12/15

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Alle weiteren besprochenen Veröffentlichungen von Sigur Rós

Jahr Titel Ø-Wertung # Rezis
1997 Von 11.50 2
1999 Ágætis byrjun 12.67 3
2002 () 12.75 4
2003 untitled #1 (a.k.a. vaka) 9.00 1
2004 Ba Ba Ti Ki Di Do 13.00 1
2007 Heima (DVD) 13.50 2
2008 Með suð í eyrum við spilum endalaust 9.50 2
2011 Inni 12.00 1
2012 Valtari 9.67 3
2013 Kveikur 8.50 2

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